Das Interesse an alternativen Wohnformen wie gemeinschaftlich orientierten
Wohnprojekten steigt seit den 1980er Jahren. Unter dem Begriff des
gemeinschaftlichen Wohnens werden eine Vielzahl unterschiedlicher Projekte
verstanden. Im Volksmund ist der Begriff des Mehrgenerationenhauses der weitaus
verbreiterte Begriff.
Diese Arbeit geht dem Erkenntnisinteresse nach, warum sich Menschen dazu
entscheiden, mit für sie nicht verwandten Menschen in ein Haus zu ziehen und für die Gemeinschaft einen Teil ihrer Freizeit zu „opfern“. Warum geben sie ihr ursprüngliches, eigenes, selbstbestimmtes Heim auf, um mit anderen Menschen ein Wohnprojekt zu realisieren? Auf dieser Frage nach den Motiven von Bewohnern von Wohnprojekten liegt der Fokus dieser Arbeit. Die Motive sollen mithilfe von Erkenntnissen aus Sekundärstudien sowie durch eine eigene schriftliche Befragung beantwortet werden.
Im Rahmen der eigenen empirischen Erhebung soll ferner zwei weiteren Fragen
nachgegangen werden: Welche Erfahrungen machen die Bewohner eines solchen Projektes im Alltag? Welchen Aktivitäten gehen sie gemeinsam nach?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gemeinschaftlich orientierte Wohnprojekte als alternative Wohnform
2.1 Soziale Gemeinschaften
2.2 Merkmale gemeinschaftlicher Wohnprojekte
3. Entstehung gemeinschaftlich orientierter Wohnformen
3.1. Bedeutung des gesellschaftlichen Strukturwandels auf den Wandel der Wohn formen in Deutschland
3.2 Gemeinschaftliche Wohnprojekte: Resultat gesellschaftlicher Veränderungen
3.3 Motive
4. Untersuchungsdesign
4.1 Stichprobe
4.2 Der Fragebogen
5. Datenauswertung und Ergebnisse
5.1 Beschreibung der Stichprobe
5.2 Auffassungen über den Begriff der Gemeinschaft
5.3 Zusammenfassung: Motive für den Einzug
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die zentralen Motive, warum Menschen sich dazu entscheiden, in gemeinschaftlich orientierte Wohnprojekte zu ziehen, und analysiert die dabei entstehenden Alltagserfahrungen der Bewohner. Im Fokus steht die empirische Erhebung, um zu verstehen, welche Bedürfnisse durch das kollektive Wohnen abgedeckt werden und wie sich das Zusammenleben in der Praxis gestaltet.
- Soziologische Einordnung von Gemeinschaftsformen und gemeinschaftlichem Wohnen
- Analyse des gesellschaftlichen Strukturwandels als Ursache für alternative Wohnformen
- Kategorisierung von Einzugsmotiven (z.B. sozialer Wunsch, ökonomische Faktoren, Pragmatismus)
- Empirische Auswertung von Bewohnerfragebögen in zwei ausgewählten Wohnprojekten
- Untersuchung von Alltagserfahrungen und gemeinschaftlichen Aktivitäten
Auszug aus dem Buch
3.3 Motive
Die Gründe, warum Menschen sich entscheiden, in diese Form des kollektiven Wohnens zu ziehen, sind vielfältig. Die Forschungsliteratur über das Leben in Wohngemeinschaften weist diverse Studien auf, die Motive erforscht haben. Basierend auf den in der Literatur genannten Motiven, in ein gemeinschaftlich orientiertes Wohnprojekt zu ziehen, können fünf Motivkategorien unterschieden werden:
• Wunsch nach Gemeinschaft: Der Wunsch nach Gemeinschaft ist der Literatur zufolge vor allen ein Motiv, das für Ältere, Alleinerziehende und Singles gilt. Für die Älteren, deren Lebenserwartung steigt, bedeutet der Rückgang der traditionellen Familie, dass sie nicht mehr von dieser versorgt werden, wie es früher der Fall war (vgl. Fedrowitz/Gailing 2003: 28). Entweder haben sie selbst keine Kinder oder die eigenen Kinder haben keine Zeit, sich um sie zu kümmern, bzw. wohnen nicht in der Nähe. Um der drohenden Isolation zu entkommen, aber weiterhin ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, sind gemeinschaftlich orientierte Wohnformen für sie besonders attraktiv. Denn in einer Gemeinschaft finden regelmäßig Kommunikation und Austausch statt; wichtige Faktoren zur Überwindung von Isolation (vgl. ebd.: 56 f.; Brech 1999: 88). Die räumliche Nähe, die bereits durch die Architektur des Wohngebäudes bzw. der Wohnanlage erzeugt wurde, schafft soziale Kontakte und Zusammengehörigkeitsgefühl.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der gemeinschaftlich orientierten Wohnprojekte ein, definiert den Forschungsgegenstand und umreißt die methodische Vorgehensweise sowie das Erkenntnisinteresse der Arbeit.
2. Gemeinschaftlich orientierte Wohnprojekte als alternative Wohnform: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der sozialen Gemeinschaft soziologisch und benennt die charakteristischen Merkmale von Wohnprojekten wie Partizipation, Selbstverwaltung und soziale Vernetzung.
3. Entstehung gemeinschaftlich orientierter Wohnformen: Es wird der gesellschaftliche Strukturwandel in Deutschland beleuchtet, der als Ausgangspunkt für den Anstieg alternativer Wohnformen dient, und verschiedene Motivkategorien für den Einzug werden theoretisch hergeleitet.
4. Untersuchungsdesign: Hier wird das methodische Vorgehen der empirischen Untersuchung, insbesondere die schriftliche Befragung der Bewohner von zwei Wohnprojekten, begründet und die Auswahl der Stichprobe erläutert.
5. Datenauswertung und Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die zentralen Ergebnisse der Befragung, beleuchtet die Auffassungen der Bewohner zum Gemeinschaftsbegriff und fasst die Motive sowie Alltagserfahrungen zusammen.
6. Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse werden resümiert, die Limitationen der Studie reflektiert und ein Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf im Bereich der gemeinschaftlichen Wohnformen gegeben.
Schlüsselwörter
Gemeinschaft, Wohnprojekte, alternative Wohnformen, soziales Zusammenleben, Wohngemeinschaften, demographischer Wandel, empirische Untersuchung, Alltagserfahrungen, soziale Kontakte, Motivkategorien, Selbstverwaltung, Partizipation, Wahlverwandtschaft, Wohnalltag, soziale Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung gemeinschaftlich orientierter Wohnprojekte in Deutschland als Alternative zu traditionellen Wohnformen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der gesellschaftliche Wandel, die soziologische Definition von Gemeinschaft, Einzugsmotive in Wohnprojekte und die gelebten Alltagserfahrungen innerhalb dieser Gemeinschaften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, explorativ zu untersuchen, aus welchen Motiven heraus sich Menschen für gemeinschaftliche Wohnprojekte entscheiden und welche Erfahrungen sie im täglichen Zusammenleben sammeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse und einer eigenen empirischen Untersuchung in Form einer schriftlichen Befragung von Bewohnern in zwei spezifischen Wohnprojekten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen zum Strukturwandel, die Definition von Wohnprojekten, das methodische Untersuchungsdesign sowie die konkrete Auswertung der Umfrageergebnisse dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gemeinschaft, Wohnprojekte, soziales Zusammenleben, Wahlverwandtschaft und empirische Sozialforschung charakterisiert.
Warum wurde eine schriftliche Befragung als Methode gewählt?
Die schriftliche Befragung wurde aufgrund der Kosteneffizienz und der Möglichkeit, eine größere Anzahl an Befragten zu erreichen, für diese explorative Arbeit gewählt.
Welche Altersstruktur wiesen die Befragten der Stichprobe auf?
Die befragten Bewohner waren zwischen 36 und 77 Jahre alt, mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren, was die Ergebnisse der Untersuchung prägte.
Welche Rolle spielen Konflikte in den untersuchten Wohnprojekten?
Die Befragung deutet darauf hin, dass Diskussionen und das Regelungsbedürfnis in der Gemeinschaft von den Bewohnern als herausfordernd wahrgenommen werden können.
- Quote paper
- Denise Fritsch (Author), 2011, Gemeinschaftliche Wohnprojekte - Motive und Alltagserfahrungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206591