In dieser Seminararbeit wird dargestellt, wie Gehlen das Wesen des Menschen philosophisch zu bestimmen suchte. Dabei wird nicht nur auf philosophische, sondern auch auf biologische etc. Fragen eingegangen.
Die Kritik an Gehlen stellt die Frage der rationalen Moralbegründung und bekennt sich zum Naturalismus, steht dem Biologismus aber skeptisch gegenüber und verwirft den Rassismus.
Inhaltsverzeichnis
1.) Was ist philosophische Anthropologie?
2.) Biographisches:
3.) Gehlens Thesen (Weltoffenheit, Instinktreduktion, organische Mängel) im Buch „Der Mensch“ von 1940:
4.) Moral und Hypermoral
5.) Abschließende Reflexion über Gehlens Anthropologie:
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen, mit besonderem Fokus auf sein Konzept des Menschen als "Mängelwesen" und "Handlungswesen". Ziel ist es, Gehlens anthropologische Thesen, seine technikphilosophischen Ansätze sowie seine ethischen Überlegungen in "Moral und Hypermoral" kritisch zu beleuchten, um deren Relevanz für eine moderne, humanistische Sicht auf den Menschen zu hinterfragen.
- Die wissenschaftstheoretische Einordnung der philosophischen Anthropologie
- Die anthropologische Bestimmung des Menschen als Mängelwesen und Kulturwesen
- Die Rolle der Technik und Institutionen bei der Daseinsbewältigung
- Die Analyse von Gehlens ethischen Ansätzen und die Problematik des Konservativismus
- Die kritische Auseinandersetzung mit der Anwendung seiner Thesen auf aktuelle gesellschaftliche Fragen
Auszug aus dem Buch
Der Mensch ist von Natur aus ein Mängelwesen:
In seinem 1940 erschienenen Hauptwerk „Der Mensch, seine Natur und seine Stellung in der Welt“ ist es die Kernthese, dass der Mensch im Gegensatz zum Tier flexibel und lernfähig ist. Negativ gesehen, bedeutet das, dass der Mensch seine Instinkte verloren hat. Unser Körper ist gar keiner Umwelt angepasst. Der Schimpanse kann besser klettern und der Delphin besser schwimmen. Der Eisbär ist viel besser an das Polarklima angepasst als der Eskimo. Viele Tiere können sofort nach der Geburt laufen. Diese simplen zoologischen Beispiele zeigen auf, was Gehlen mit der These gemeint hat, der Mensch sei von Natur aus ein Mängelwesen.
Als konservativer Anthropologe stellt er sich gegen das Wunschdenken. Ob er zum Fatalismus aufruft, ist Interpretationssache. Er betont, dass die Anpassungsfähigkeit des Menschen positive und negative Folgen haben kann. Die vom Menschen geschaffene Umwelt des Technologiezeitalters hat ebenso positive und negative Aspekte.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Was ist philosophische Anthropologie?: Dieses Kapitel führt in Gehlens Verständnis der philosophischen Anthropologie ein, die den Menschen als ganzheitliches Wesen zwischen Körper, Geist und Seele betrachtet und sich durch eine bewusste Abgrenzung zur empirischen Psychologie auszeichnet.
2.) Biographisches:: Dieser Abschnitt liefert den biographischen Hintergrund zu Arnold Gehlen, wobei besonders sein Bildungsweg, seine akademische Laufbahn und die Einflüsse seiner Zeit (NSDAP-Mitgliedschaft, akademische Ämter in der Nachkriegszeit) beleuchtet werden.
3.) Gehlens Thesen (Weltoffenheit, Instinktreduktion, organische Mängel) im Buch „Der Mensch“ von 1940:: Hier werden die zentralen anthropologischen Kategorien Gehlens analysiert, insbesondere die These der Weltoffenheit und die daraus resultierende Notwendigkeit der Kultur- und Technikgestaltung als Kompensation für die biologische Instinktlosigkeit.
4.) Moral und Hypermoral: Das Kapitel befasst sich mit Gehlens ethischen Spätwerk, in dem er die Entstehung von Normen und Institutionen aus der menschlichen Instinktstruktur heraus erklärt und eine kritische Distanz zu universalistischen Moralvorstellungen einnimmt.
5.) Abschließende Reflexion über Gehlens Anthropologie:: Der abschließende Teil würdigt Gehlens Ansatz kritisch, diskutiert die Vorwürfe des Biologismus sowie des Konservativismus und plädiert für eine humanistische Anwendung seiner anthropologischen Einsichten.
Schlüsselwörter
Philosophische Anthropologie, Arnold Gehlen, Mängelwesen, Handlungswesen, Weltoffenheit, Instinktreduktion, Kulturwesen, Biologismus, Technikphilosophie, Moral, Institutionen, Anthropologische Konstanten, Humanismus, Selbstanwendung, Lebensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Übersicht und kritische Analyse des anthropologischen Systems von Arnold Gehlen, ausgehend von seinem Hauptwerk "Der Mensch" bis hin zu seinem Spätwerk "Moral und Hypermoral".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Sonderstellung des Menschen gegenüber dem Tier, die Bedeutung von Handlung und Technik als Kompensation biologischer Mängel sowie die soziologische Fundierung von Moral und Institutionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Gehlens anthropologische Thesen zu erläutern und durch eine "Selbstanwendung" der anthropologischen Thesen zu prüfen, ob sie eine humanistische und offene Ethik zulassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine literaturgestützte Analyse und eine kritische Auseinandersetzung mit Gehlens Primärquellen sowie wissenschaftlichen Sekundärquellen der philosophischen Anthropologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Kernbegriffe (Weltoffenheit, Instinktreduktion), biographische Hintergründe, die Bedeutung der Kultur für das Überleben des Menschen und die Transformation ethischer Vorstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Mängelwesen, Handlungswesen, Weltoffenheit, Biologismus, Kulturwesen und anthropologische Konstanten.
Wie begründet Gehlen die menschliche Kultur?
Gehlen begründet Kultur als eine biologische Notwendigkeit; da der Mensch biologisch "unspezialisiert" und instinktarm ist, muss er sich durch Technik und Institutionen eine künstliche Welt schaffen, um überlebensfähig zu sein.
Wie steht der Autor zu Gehlens Konservativismus?
Der Autor übt kritische Distanz und argumentiert, dass Gehlens Hang zum Konservativismus nicht zwingend aus seinen anthropologischen Grundlagen folgt und ein lernbereites Handlungswesen durchaus eine offene Gesellschaft anstreben kann.
- Arbeit zitieren
- Magister (Mag. phil.) Ivo Marinsek (Autor:in), 2004, Gehlen über das weltoffene Mängelwesen Mensch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206601