Zu "Anarchie, Staat und Utopia" von R. Nozick

Eine liberitäre Konstruktion des Gerechtigkeitsbegriffes


Studienarbeit, 2012

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Herleitung des gegenwärtig gebräuchlichen Begriffs der Gerechtigkeit
2.1 Die „Goldene Regel“ als Beginn sozialer Gerechtigkeit
2.2 Jedem was er verdient
2.3 Formale Gleichheit
2.4 Normengerechtigkeit
2.5 Die Dekonstruktion der Gerechtigkeit
2.6 Gerechtigkeit ist

3 Über die Vertragstheorie zum Liberitarismus
3.1 Die Theorie der Gerechtigkeit
3.2 Der gerechte Liberitraismus

4 Einblick in Anarchie, Staat und Utopia
4.1 Anarchie
4.2 Staat
4.3 Utopia

5 Auswertung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Mit der vorliegenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, wo sich Robert Nozicks (1938-2002) 1974 erschienenes Werk Anarchie - Staat - Utopia im Kontext einer Gerechtigkeitsdebatte positioniert und gegenüber vorangegangenen Ansätzen dieses Themenfeldes abzugrenzen versucht. Es wird nicht beabsichtigt sein dies aus möglichst vielen Dimensionen zu tun, sondern lediglich aus jenen, welche uns der Philosoph Robert Nozick selbst bei seinen Betrachtungen auf andere vorgibt.

Hierbei soll hinterfragt werden, wie sich die Kerngedanken Nozicks in die philosophische Evolution des Gerechtigkeitsbegriffes einfügen und bei einer Betrachtung anderer Theorien, diesen zu etablieren versucht. Die hierbei von Nozick angewendeten Kriterien sollen, neben den generellen Maßstäben zur Definition eines Gerechtigkeitsmodelles, dazu dienen, Nozicks Instrument selbst zum untersuchbaren Objekt zu machen.

Folgende Fragen begleiteten hierbei die inhaltliche Ausarbeitung: Zielt Nozick mit seinem Werk auf eine gerechtere Welt ab? Spricht Nozick tatsächlich von Gerechtigkeit?

Wird auch Nozicks Theorie ihren eigenen Ansprüchen gerecht?

Keine Beachtung soll Nozicks eigenen Beweggründen geschenkt werden, welche später dazu führten, dass er sich inhaltlich doch von einigen der ursprünglich von ihm vertretenen Ansätze distanzierte. Die hierzu führenden Argumentationen weichen zu weit vom Vorliegenden ab, als dass sie eine Betrachtung an dieser Stelle ermöglichen.

Nozicks philosophisches Konzept einer, aus seiner Sicht, gerechteren Gesellschaft benennt er selbst als Utopie. Dies ist eine alternative Betrachtungsweise, welche er selbst zwischen Anarchie und Staat ansiedelt, und die aufgrund ihres Ansatzes die hier im Folgenden genutzte Herangehensweise regelrecht einfordert.

2 Herleitung des gegenwärtig gebräuchlichen Begriffs der Gerechtigkeit

Um das Rad nicht gänzlich neu erfinden zu müssen, ist es vor einer Betrachtung Nozicks nötig, die von ihm verwendete Hauptbegrifflichkeit der Gerechtigkeit in ihrer gebräuchlichen Verwendung darzulegen.

Gerechtigkeit ist zuerst eine Sache gerechter Verteilung. Eine gerechte Verteilung ist gleichbedeutend mit recht verstandener Gleichheit. […] Heute schreiben alle möglichen Autorenüber >>Gerechtigkeit<<, aber kaum einer begründet eingehend, warum das der beste Begriff für das ist, was er sagen will.1

2.1 Die „Goldene Regel“ als Beginn sozialer Gerechtigkeit

Um zu verstehen, was der Begriff „Gerechtigkeit“ im Kontext einer sozialen oder ausgleichenden Gerechtigkeit bedeutet und woher dieser sich ableitet, ist es notwendig, sich in der Geschichte der abendländischen Philosophie bis zu deren Anfängen zurück zu bewegen und gegebenenfalls über deren Tellerrand hinaus zu blicken.

Vor etwa zweieinhalb Jahrtausenden begann in der Menschheitsgeschichte eine Epoche, welche heute unter dem Begriff Zeit des Erwachens eine Trennlinie zwischen einer durch Mythen geprägten Existenz und dem Beginn der heutigen, aufgeklärteren Gesellschaft zieht. Fast gleichzeitig und in verschiedenen Weltreligionen begann man bislang Unerklärbares zu hinterfragen, statt es weiterhin verschiedensten übernatürlichen oder göttlichen Phänomenen zuzuschreiben und aus der Existenz selbiger zu begründen.

Eine der ersten bekannten Definitionen einer Sozialmoral wird in altägyptischen Texten dem Ma’at des Mesopotamiens unter Akkad (2356-2300 v. Chr. oder 2292-2236 v. Chr.)2 zugeschrieben.3 Das Ma’at definiert hierbei eine gegenseitige Schuld der Menschen untereinander als Resultat eines Schuldverhältnisses gegenüber ihren Göttern und als eine der Maßgaben des Totengerichtes.4

Abgeleitet von den drei Grundsätzen gute Gedanken, gute Worte, gute Taten des Persers Zarathustra (628-551 v. Chr.) entstand sowohl bei Laotse (604-530 v. Chr.), Konfuzius (551-479 v. Chr.) als auch bei Buddha (560-480 v. Chr.) die sogenannte Goldene Regel, welche gemäß den Berichten Diogenes von Sinope (412-323 v. Chr.) durch die Reisen des Pythagoras (580-496 v. Chr.), auf denen er angeblich auch Zarathustra begegnete, ihren Weg in die abendländische Philosophie fand.5 Die den Philosophen Pythagoras folgende Anhängerschaft der Pythagoreer folgte dieser Überlieferung zufolge einem Regelwerk, welches eine Mischform ägyptischer, zoroastrischer (nach Zarathustra) und später auch vedischer (nach Buddha) Lehren darstellte. So verknüpfte diese Lehre erstmals im abendländischen Raum die Tugenden der genannten drei Grundsätze Zarathustras mit dem Reinkarnationsgedanken des Buddhismus6. Wie auch im Persisch- Indisch-Chinesischen-Raum entstand hieraus die beidseitig betrachtbare und bis heute die praktische Ethik prägende Goldene Regel:

Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“7

Jeweils eine abendländisch-theologische Positiv- und Negativauslegung dieser Regel finden sich später mit den Übersetzungen

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."8 und

Was dir selbst verhasst ist, das mute auch einem anderen nicht zu!9 in der Tora und der Bibel wieder.

2.2 Jedem was er verdient

Bereits Platon (427-347 v. Chr.) schrieb dem Dichter Simonides von Keos (557- 468 oder 556-467 v. Chr.)10 eine Anspruchsgerechtigkeit zu, welche bei Ulpian (170-223) mit der Formel

Die Gerechtigkeit ist der beständige und dauerhafte Versuch, jedem sein Recht zukommen zu lassen11 ausformulierte. Neben einem Anspruch auf gerechte Bestrafung lässt sich hieraus ebenso ein Anspruch auf einen gerechten Ausgleich von Gütern in Relation zu einer Leistung ableiten. Wer eine Leistung erbracht hat, verdient somit ein Gut als Verdienst. Hierzu bedarf es allerdings sachlicher Maßstäbe zur Ermittlung eines Anspruches und gegebenenfalls dessen Umfangs.

>>Wer will Was von Wem aus welcher Anspruchsgrundlage?<<

Bedingung für Gerechtigkeit ist hierbei die nötige Abstraktion der Anspruchsgrundlage, welche eine Vergleichbarkeit der Anspruchsmaßstäbe setzt. Ein hierarchischer Macht- und Güteranspruch gegenüber dem Volk (als relativ extremes Beispiel) bedarf ebenso einer wechselseitigen Legitimation, wie ein Tauschgeschäft oder ein Dienstleistungsverhältnis (stellt er doch eine Abwandlung dieser dar). In jedem dieser Fälle bedarf es einer formellen Vergleichbarkeit der Bedingungen um als gerecht gewertet zu werden.12

2.3 Formale Gleichheit

Die Gerechtigkeit ist also eine Mitte, freilich nicht auf dieselbe Art wie dieübrigen Tugenden, sondern weil sie die Mitte schafft. Die Ungerechtigkeit dagegen schafft die Extreme.13

Die formelle Vergleichbarkeit als Grundvoraussetzung der Gerechtigkeit begründet sich aus den Gedanken der Nikomachischen Ethik Aristoteles und wird im heutigen Recht mit der Augenbinde der Justitia versinnbildlicht.

[...]


1 Vgl.: Ladwig 2011, S.10

2 Zeitspanne in der Fachwelt umstritten

3 Vgl.: Assmann 2001, Sn. 9f.

4 Vgl.: Assmann 2001, Sn. 138f.

5 Vgl.: Poller 2011, 1-3-2 Diogenes

6 Vgl.: ebd., 1-1-9 Pythagoras

7 Vgl.: Forschner in Höffe 2008, S. 118

8 3. Buch Mose 19, 18

9 Buch Tobit 4, 15

10 Lebensspanne ist in der Fachwelt umstritten

11 Vgl.: Apathy 1995, 1-1-10

12 Vgl.: Mackie 1981, Sn. 105ff.

13 Aristoteles 1998, 1133B 32

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zu "Anarchie, Staat und Utopia" von R. Nozick
Untertitel
Eine liberitäre Konstruktion des Gerechtigkeitsbegriffes
Hochschule
Universität Kassel  (Wirtschaftsrecht (Sozialrecht/Sozialwirtschaft))
Veranstaltung
Theorie Recht
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V206608
ISBN (eBook)
9783656340614
ISBN (Buch)
9783656340652
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gutachter: Prof. Wolfgang Spellbrink, Prof. Andreas Hänlein
Schlagworte
Gerechtigkeit, Rechtsphilosophie, liberal, liberitär, neoliberal, wirtschaftsethik, sozialethik, Goldene Regel, Anarchie, Staat, Utopia, Gerechtigkeitsbegriff, Gerechtigkeitsdefinition, Sozialrecht, Rechtstheorie, Formale Gerechtigkeit, Normengerechtigkeit, Gerechtigkeitsdebatte, Liberalismus, John Locke, Robert Nozick, Gustav Radbruch, Martha Nussbaum, John Rawls, Thomas Jefferson, Grundrecht, Sozialstaatsprinzip, Sozialstaat, Verteilungsgerechtigkeit
Arbeit zitieren
Diplom Sozialpädagoge und Sozialarbeiter(D1) Thomas Lindwurm (Autor), 2012, Zu "Anarchie, Staat und Utopia" von R. Nozick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206608

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