"Wo unsere ältesten Urkunden, sei es, daß man sie auf Pergament geschrieben oder in Stein
gemeißelt hat, zu berichten aufhören, da fragt die Vorgeschichtsforschung mit dem Spaten bei der
Mutter Erde an - und sie antwortet, wenn man ihr Blatt für Blatt in geduldiger Spatenarbeit die
Antwort abzwingt."(1)
Dieser für die Archäologie stellvertretende Satz krönt auch die Forschungen, zu denen die
vorliegende Arbeit Stellung bezieht, denn weltweit stoßen wir auf die Überreste von
Megalithgrabkulturen, die sich nicht unter einem Banner führen lassen.
So finden wir 1000 Jahre vor der zu betrachtenden Zeit in Nordostfrankreich eine ebenfalls unter
großen Steinen beerdigende Kultur. Viele Dekaden später auch in Italien und sogar in Südamerika.
Unabhängig voneinander führt die Begrabenden nur ein Faktum zusammen. Sie wollten das Prinzip
der kollektiven Bestattung von Menschen, welches Schicksal diese auch immer zusammengeführt
hat, möglichst monumental, unter Zuhilfenahme von großen Steinblöcken, oberirdisch für eine
lange Zeit festhalten und das Andenken an die Verstorbenen bewahren.
Allerdings scheint für die Gesellschaft der Lebenden der einzelne Tote nicht im Vordergrund zu
stehen. Sein Einzug in eine Art Totenreich, mindestens jedoch in eine Ahnenreihe als namenloser
Vorfahre der Sippe, war wesentlich wichtiger. Deswegen sind die Megalithgräber auch
Kollektivgräber.
Weiterhin ist ein interessanter Fakt bei den Knochenfunden zu beobachten.
Generell kann man von einer relativ schlechten Befundlage ausgehen, sehr viele Gebeine sind nur
in Bruchstücken erhalten. Es wirkt jedoch fast auffällig, dass, sobald die Überreste entweder in eine
sehr kalkige Sandschüttung eingebettet waren oder auch nur auf Kalksteinen lagen, meist sehr
wenig vom Verfall berührt wurden.
Diesen Aussagen und Beobachtungen soll die folgende Ausarbeitung Hand und Fuß verleihen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1.)Einleitung
1.1.)Mitteleuropäische Großsteingräber im gesamteuropäischen Kontext
1.2.)Forschungs- und Zerstörungsgeschichte - ein Auszug
1.3.)Räumliche und zeitliche Einordnung der Gräber
2.)Die Normalformen
2.1.)Der Urdolmen
2.1.a)Der Urdolmen mit Einstieg von oben durch Deckplatten (/eine Deckplatte)
2.1.b)Der Urdolmen mit seitlichem Einstieg über eine Deckplatte
2.1.c)Der Urdolmen mit seitlichem Einstieg durch einen Gang
2.2.)Der erweiterte Dolmen
2.2.a)Der erweiterte Dolmen mit seitlichem Einsteig durch eine Türplatte
2.2.b)Der erweiterte Dolmen mit seitlichem Einstieg durch eine Lücke
2.2.c)Der erweiterte Dolmen mit einem kurzen Einstiegsgang
2.3.)Der Großdolmen
2.3.a)Der Großdolmen mit Einstieg durch eine Lücke oder mithilfe einer Deckplatte
2.3.b)Der Großdolmen mit Einstieg durch einen Gang an der Vorderseite
2.3.c)Der Großdolmen mit Einstieg durch einen Vorraum oder seitlichen Gang
2.4.)Das Ganggrab
2.5.)Das Hünenbett
2.6.)Die Steinkiste
3.)Die Architektur der Großsteingräber
4.)Spezieller Umgang mit den Toten
4.1.)Brandspuren
4.2.)Überlegungen zu Totenkult und Religion
5.)Zusammenfassung und Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die architektonischen Formen und die kulturelle Bedeutung mitteleuropäischer Großsteingräber der Trichterbecherkultur. Ziel ist es, die Entwicklung der verschiedenen Grabtypen sowie den spezifischen Umgang der Gesellschaft mit ihren Toten und dem Ahnenkult zu analysieren und einzuordnen.
- Klassifizierung der verschiedenen Megalith-Grabformen (Urdolmen bis Ganggrab)
- Analyse baulicher Merkmale und architektonischer Besonderheiten
- Untersuchung des Bestattungswesens und ritueller Praktiken
- Zusammenhang zwischen Grabarchitektur und sozialer Identität
- Einordnung der Gräber in den zeitlichen und räumlichen Kontext der Trichterbecherkultur
Auszug aus dem Buch
2.3.)Der Großdolmen macht seinem Namen alle Ehre. Er ist bis zu acht Meter lang, drei Meter breit und zwei Meter hoch.
Er wird aus acht bis zwölf stehenden Wandsteinen zusammengesetzt und mit drei bis fünf quer liegenden Decksteinen verschlossen.
Die Lücken wurden, damit eine bessere Stabilität und Abdichtung nach außen erreicht werden konnte, mit Rotsandsteinplatten verschlossen.
Die mit Rollsteinen oder Rotsandsteinbrocken gepflasterte Diele wurde mit Lehmestrich überzogen und mit Flintgrus oder Rollsteinsplit benetzt.
Der Einstieg erfolgte immer über eine Schmalseite. (11)
Die nun erreichte Größe ermöglichte eine Beisetzung von einer erheblichen Menschenmenge, also beträchtlichen Kollektiven oder ganzen Sippen.
Aufgrund der schieren Menge an Knochen ist eine genaue Identifikation eines einzelnen Menschen im Grab nicht mehr möglich. Da die Knochen auch häufig durcheinander liegen oder nach bestimmten Mustern, wie beispielsweise nach Oberschenkeln, nach Rippen und so fort, sortiert sind, lässt sich ausmachen, dass die Beerdigenden nicht nach der dauerhaften Erinnerung an einen bestimmten Menschen im Grab strebten, sondern vielmehr einen auf ihre Großfamilie oder Sippe bezogenen Ahnenkult lebten. Starb also ein Mitglied dieser Gruppe, wurde es im intakten Körperverbund in ein solches Grab gelegt und begann zu vergehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.)Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Thema im gesamteuropäischen Kontext und bietet einen Überblick über die Forschungsgeschichte sowie die räumliche und zeitliche Einordnung.
2.)Die Normalformen: Hier werden die verschiedenen Klassen der Megalithanlagen, von Urdolmen über erweiterte Dolmen bis hin zu Ganggräbern und Steinkisten, detailliert beschrieben und differenziert.
3.)Die Architektur der Großsteingräber: Dieses Kapitel erläutert die baulichen Materialien, die Bedeutung der Steinauswahl sowie die technische Konstruktion und Abdichtung der Grabkammern.
4.)Spezieller Umgang mit den Toten: Der Fokus liegt auf der Deutung von Brandspuren, dem Bestattungsbrauch und den Schlussfolgerungen hinsichtlich des Totenkultes und der religiösen Vorstellungen.
5.)Zusammenfassung und Schlussbemerkungen: Ein abschließendes Resümee über den aktuellen Forschungsstand und die wissenschaftliche Bedeutung der Auseinandersetzung mit diesen monumentalen Zeitzeugen.
Schlüsselwörter
Großsteingräber, Megalithkultur, Trichterbecherkultur, Urdolmen, Großdolmen, Ganggrab, Hünenbett, Steinkiste, Bestattungskultur, Ahnenkult, Neolithikum, Grabarchitektur, Bestattung, Feuer, Flint
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die systematische Erfassung und architektonische Analyse mitteleuropäischer Großsteingräber, die im Kontext der jungneolithischen Trichterbecherkultur stehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen zählen die Typologie der Grabformen, die baulichen Besonderheiten der Megalithanlagen sowie kulturelle Aspekte des Bestattungswesens.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die bauliche Entwicklung von einfachen bis hin zu komplexen Grabformen aufzuzeigen und Erkenntnisse über den rituellen Umgang mit den Verstorbenen in dieser Zeit zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine archäologische Bestandsaufnahme sowie die Auswertung und Kategorisierung bereits vorhandener Funde und wissenschaftlicher Literatur vorgenommen.
Was genau wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung der verschiedenen Grabtypen (Normalformen), eine Analyse der baulichen Architektur und eine Untersuchung spezieller Aspekte wie Brandspuren und kultischer Handlungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Trichterbecherkultur, Megalithik, Grabarchitektur, Ahnenkult und Neolithikum beschreiben.
Warum spielt der "Flint" bei der Analyse der Gräber eine besondere Rolle?
Flint diente nicht nur als Material für Gebrauchsgegenstände, sondern wurde auch gezielt als Schüttung eingesetzt, um die Erhaltungsbedingungen für das Knochenmaterial in den Gräbern zu verbessern.
Inwiefern lassen sich die untersuchten Gräber zeitlich einordnen?
Die Einordnung erfolgt primär durch die charakteristischen Beigaben, wie etwa Kragenflaschen, die spezifisch für das Frühneolithikum der Trichterbecherkultur sind.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2011, Megalithgräber in Mitteleuropa - Der Tod im Jung- und Spätneolithikum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206666