Schillers Kabale und Liebe als Beispiel für ein Bürgerliches Trauerspiel


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
17 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Aufbau und Ziel der Untersuchung

2. Hauptteil
2.1 Das bürgerliche Trauerspiel
2.2 Inhaltsangabe zu Friedrich Schillers Kabale und Liebe
2.3 Analyse der Aspekte

3. Schluss
3.1 Fazit

4. Anhang
4.1 Literaturverzeichnis
4.1.1 Primärliteratur
4.1.2 Sekundärliteratur

1.0 Einleitung

1.1 Aufbau und Ziel der Untersuchung

Die Gattung Drama ist ein sehr zentrales Thema der deutschen Literaturwissenschaft. Die meisten Dramen sind bestimmt von der sogenannten Ständeklausel, anders das bürgerliche Trauerspiel

Als ein markantes Beispiel für ein bürgerliches Trauerspiel gilt Friedrich Schillers Kabale und Liebe.

Ob und warum dieses Stück ein bürgerliches Trauerspiel ist, soll im Folgenden untersucht werden.

Hierzu muss aber zunächst dargestellt werden, wie der Begriff bürgerliches Trauerspiel generell definiert werden. Weiterhin wird der Inhalt des Stückes kurz dargestellt um dann, mit Hilfe der Analyse der einzelnen Charaktere, festzustellen, ob es sich beim Stück Kabale und Liebe um ein bürgerliches Trauerspiel handelt.

2.0 Hauptteil

2.1 Das bürgerliche Trauerspiel

Die Tragödienform des bürgerlichen Trauerspiels löste sich in der Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Form der klassizistischen Tragödie. Damit verschoben sich auch die Inhalte der Konflikte auf das häuslich-familiäre Leben in der bürgerlichen Welt.[1]

Das Anliegen des bürgerlichen Trauerspiels ist es, Bevölkerungsschichten, die durch gesellschaftliche Entwicklungen oder politische und wirtschaftliche Umstände benachteiligt sind, tragikfähig zu machen.[2] Im Vordergrund des bürgerlichen Trauerspiels standen vor allem Konflikte innerhalb der Familie, besonders zwischen Vätern und Töchtern, wie er auch in dem Drama Kabale und Liebe von Friedrich Schiller zu finden ist. Aber auch Konflikte zwischen der bürgerlichen Welt und der höfisch-feudalen Ordnung sind ein gern gewähltes Thema bürgerlicher Trauerspiele.[3] Es wird versucht, den Bürger zum Gegenstand des Mitleidens zu machen, auch weil es ein Anliegen des bürgerlichen Trauerspiels ist, sich mit Lessings Mitleidsethos auseinanderzusetzen.[4] In seiner Konzeption des Mitleids, in der er sagt, das der „mitleidigste Mensch […] der beste Mensch sei“[5] legt Lessing die emotionale Wirkung mit der moralischen Wirkung des Theaters zusammen. Weiterhin bestimmte Lessing das Trauerspiel als Mittel zur Steigerung der Mit-Leidensfähigkeit. Ob diese Aussage aber auf das bürgerliche Trauerspiel bezogen ist, ist heute umstritten.[6]

Brecht sagte über das bürgerliche Trauerspiel im 18. Jahrhundert:

Die Wirklichkeit betritt die Bühne, das heißt, die Klasse betritt sie, die anfängt, die Wirklichkeit zu bestimmen. Dabei tritt ein eigentümlicher Widerspruch auf. Einerseits wird die vornehme Bühne mit einem gewissen Behagen entweiht durch die ordinäre Redeweise der Plebs, aber zugleich erhält doch auch diese Plebs ihre Weihe, indem sie sich der bisher monopolisierten gehobenen Form bedient. Sie entwickelt das Zeremoniell der herrschenden Klasse verhöhnend, sofort ihr eigenes Pathos.[7]

Man kann zwei Typen des bürgerlichen Trauerspiels unterscheiden. So gibt es zum einen den empfindsamen Typen. Hier steht der um Tugend bemühte, empfindsame Mensch im Vordergrund.

Durch eine Annäherung des Dramas an die Liebenswirklichkeit des Publikums soll eine Identifikation desselben mit den Charakteren ermöglicht werden. Ein Beispiel für diesen empfindsamen Typus des bürgerlichen Trauerspiels ist das Drama Miss Sara Sampson von Gotthold Ephraim Lessing.

Der zweite Typ betont dagegen die ständischen Konflikte. Der Bürger tritt hierbei als Vertreter eines Standes oder eines Berufsbildes auf. Im Mittelpunkt stehen die Leidenschaften des subjektivistischen Menschen.[8]

Ein weiterer Aspekt, in den sich das bürgerliche Trauerspiel von anderen Dramen unterscheidet, ist auch der Wirkungsradius. Die Handlung beschränkt sich meist auf den familiären Kreis und ist so auf das Private bezogen. Weiterhin wird auf eine übertriebene Heldendarstellung verzichtet und die Handlung wird psychologisch nachvollziehbar gestaltet.[9]

Gegen das bürgerliche Trauerspiel sprach das bis Mitte des 18.Jahrhunderts geltende Gesetz der Fallhöhe, das besagt, dass nur höhere gestellte Personen, wie zum Beispiel Fürsten und Adelige, tragikfähig sind, da sie tiefer fallen können. Das bürgerliche Trauerspiel, welches nun aber Bürger als tragische Helden nimmt, stellt also ein Gegenstück dazu dar. Daher kam es auch zur Debatte, woher das bürgerliche Drama seinen Konfliktstoff beziehen soll. Es ist unklar ob dieser aus äußeren Umständen oder den inneren Strukturen entstehen soll, wobei Hebbel die inneren Strukturen als Maßstab eines gelungenen bürgerlichen Trauerspiels nennt.[10]

2.2 Inhaltsangabe zu Friedrich Schillers Kabale und Liebe

Das bürgerliche Trauerspiel von Friedrich Schiller ist in 5 Akte aufgeteilt. Im ersten Akt steht die Beziehung zwischen der Musikertochter Luise Miller und dem Sohn des Präsidenten von Walter, dem Major Ferdinand von Walter im Mittelpunkt. Der Akt beginnt mit einem Streit zwischen den Eltern von Luise, dem Stadtmusikanten Miller und seiner Frau über die Beziehung Luises zu Ferdinand. Während die Mutter stolz auf ihre Tochter ist, ist ihr Vater eher skeptisch angesichts der Ständeunterschiede und der Aufrichtigkeit Ferdinands. Aber auch der Haussekretär des Präsidenten, Wurm, der Luise heiraten möchte wird einstimmig von ihren Eltern abgelehnt.

Wurm reagiert auf die Absage entrüstet und erzählt sogleich dem Präsidenten von der Beziehung zwischen Ferdinand und Luise in dem Versuch, die beiden so auseinander zu bringen. Der Präsident durchschaut zwar Wurms Plan ist aber trotzdem gegen die Beziehung. Er hat für Ferdinand bereits andere Pläne, dieser soll Lady Milford heiraten und so den Einfluss seines Vaters am Hof des Herzog, dessen Geliebte Lady Milford ist, zu sichern. Wurm ist diesem Plan gegenüber skeptisch.

Der Präsident nimmt Wurms Rat an und lässt durch den Hofmarschall das Gerücht verbreiten, dass Ferdinand Lady Milford heiraten wird. Weiterhin kündigt er bei der Lady einen Besuch seines Sohnes an.

Daraufhin versucht er, Ferdinand ein schlechtes Gewissen zu machen, indem er ihm versichert, dass er die Verbrechen, die ihn an die Spitze des Fürstentums gebracht haben, nur für die Karriere seines Sohnes begangen hat. Ferdinand ist darüber erschrocken und weigert sich, ein solches Erbe anzutreten. Als er dazu noch von der Nachricht hört, dass er Lady Milford heiraten soll, ist er erschüttert und fürchtet einen Ehrverlust. Als der Präsident nun seine Falle zuschnappen lässt und Ferdinand die Hochzeit mit der Gräfin von Ostheim vorschlägt, flüchtet sich dieser wieder in Ausreden. Der Präsident sieht nun Wurms Vermutungen bestätigt und befiehlt Ferdinand Lady Milford zu besuchen.[11] [12]

Im zweiten Akt stellt sich anfangs heraus, dass Lady Milford aufrichtige Gefühle für Ferdinand hat. Später besucht Ferdinand Lady Milford und ändert nach ihren Erzählungen über ihr tragisches Leben und ihre Bemühungen um das Wohl der Untertanen schnell seine Meinung. Im Vertrauen erzählt er ihr von seiner Liebe zu Luise, dem bürgerlichen Mädchen. Lady Milford will ihn aber trotzdem zur Ehe zwingen, um ihr Gesicht in der Öffentlichkeit nicht zu verlieren.

Währenddessen herrscht im Hause Miller große Aufregung, da der Musiker befürchtet, aufgrund der Beziehung zwischen Luise und Ferdinand Ärger mit dem Präsidenten bekommen zu können. Ein Diener des Präsidenten, der nach Miller verlangt, scheint für ihn Beweis genug zu sein. Er will selbst zum Präsidenten gehen und die Angelegenheit erläutern.

Ferdinand selbst kommt nun zu Familie Miller und berichtet von den aktuellen Ereignissen. Luise befürchtet, keine Chance bei Ferdinand zu haben, obwohl dieser noch einmal seine aufrichtige Liebe beteuert. Luise flüchtet sich nun in die Obhut ihres Vaters, der daraufhin Ferdinand nur schlechte Absichten mit seiner Tochter vorwirft. Der Präsident selbst erscheint und beleidigt Luise als Prostituierte. Ferdinand sagt sich von seinem Vater los und auch Miller beginnt, trotz großer Angst vor dem Präsidenten, seine Familie zu verteidigen und versucht den Präsidenten aus seinem Haus zu entfernen. Der Präsident will Luise abführen, Ferdinand versucht sie aber zu schützen und droht, die Verbrechen des Präsidenten öffentlich zu machen. Daraufhin lässt der Präsident Luise gehen.[13] [14]

Wurm will im dritten Akt verhindern, dass der Präsident durch Ferdinand verraten wird. Er plant, Luise durch die Festnahme ihrer Eltern zu erpressen und will weiterhin mithilfe des Hofmarschalls Luises Untreue beweisen, in dem dieser als vermeintlicher Liebhaber auftritt und dies mithilfe eines Liebesbriefs beweist.

Da Luise aus Angst um ihren Vater nicht mit Ferdinand fliehen möchte und stattdessen eine Beendigung der Beziehung vorschlägt, erwacht sein Misstrauen bereits ohne Wurms Intrigen.

Luise wird daraufhin von Wurm aufgesucht, der sie darüber unterrichtet, dass ihre Eltern eingesperrt wurden. Durch einen Liebesbrief kann sie diese aber befreien, erklärt er ihr. Sie schreibt also den Brief an den Hofmarschall und muss Wurm unter Eid versichern, dass sie über das Entstehen dieses Briefs nichts erzählt.[15][16]

Als Ferdinand den Brief findet, verlang er nach dem Hofmarschall und fordert ihm zum Duell heraus. Der Hofmarschall erklärt in seiner Angst, dass er Luise noch nie gesehen hat. Daraufhin richtet sich Ferdinands Wut über Luises Betrug an ihm und auch an seinem Vater ganz gegen Luise. Er beschließt mit ihr in den Tod zu gehen um wenigstens in der Hölle mit ihr vereint zu sein.

[...]


[1] Eke, Norbert Otto. Allkemper, Alo: Literaturwissenschaft. 2.Auflage. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2006.S.200-201.

[2] Schößler, Franziska: Einführung in das bürgerliche Trauerspiel und das soziale Drama. 3. Auflage. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2011. S. 7-8.

[3] Eke, Norbert Otto. Allkemper, Alo: Literaturwissenschaft.S.200-201.

[4] Schößler, Franziska: Einführung in das bürgerliche Trauerspiel und das soziale Drama. S.8.

[5] In: Eke, Norbert Otto. Allkemper, Alo: Literaturwissenschaft. S.201

[6] Eke, Norbert Otto. Allkemper, Alo: Literaturwissenschaft. S. 201-202.

[7] In: Schößler, Franziska: Einführung in das bürgerliche Trauerspiel und das soziale Drama. S.8.

[8] Eke, Norbert Otto. Allkemper, Alo: Literaturwissenschaft. S.202

[9] Zimmer, Thorsten: Friedrich Schiller. Kabale und Liebe. Freising: Stark Verlag 2010. S.61.

[10] Schößler, Franziska: Einführung in das bürgerliche Trauerspiel und das soziale Drama. S.8.

[11] Schiller, Friedrich: Kabale und Liebe. Stuttgart: Reclam Verlag 2001. S. 5-27.

[12] Völkl, Bernd: Friedrich Schiller. Kabale und Liebe. Stuttgart: Reclam Verlag 2003. S.7-9.

[13] Schiller, Friedrich: Kabale und Liebe. S.28-52.

[14] Völkl, Bernd: Friedrich Schiller. Kabale und Liebe. S.9-11.

[15] Schiller, Friedrich: Kabale und Liebe. S.53-74.

[16] Völkl, Bernd: Friedrich Schiller. Kabale und Liebe. S.11-12.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Schillers Kabale und Liebe als Beispiel für ein Bürgerliches Trauerspiel
Hochschule
Universität Paderborn
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V206903
ISBN (eBook)
9783656338307
ISBN (Buch)
9783656340539
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schillers, kabale, liebe, beispiel, bürgerliches, trauerspiel
Arbeit zitieren
Maike Weinberg (Autor), 2012, Schillers Kabale und Liebe als Beispiel für ein Bürgerliches Trauerspiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206903

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