Thema dieser Arbeit soll der von Bernd Eichinger produzierte Film „Der Baader Meinhof Komplex“ sein, dem sich der Autor auf dem Weg einer didaktischen Filmanalyse anzunähern versucht. Inhaltlich geht es dabei um die in den vergangenen Jahrzehnten intensiv durchleuchtete Geschichte der RAF (vgl. Kurbjuweit, 2008), deren bekannteste Chronik, Stefan Austs „Baader Meinhof Komplex“ (vgl. Aust, 1998) als Vorlage zum gleichnamigen Film diente.
Der zumindest bei seinem Kinodebüt 2008 teuerste deutsche Film aller Zeiten (vgl. Schmitz, 2008), überdies vom Bundeskulturministerium mit 2,7 Millionen Euro unterstützt (vgl. Kothenschulte, 2008), mischt fiktionale wie dokumentarische Mittel und begreift sich als authentische Darstellung der Ereignisse vom Schah-Besuch in Berlin 1967 bis zum Deutschen Herbst 1977.
Hauptsächlich wird sich der Autor im Folgenden mit der Frage befassen, ob „Der Baader Meinhof Komplex“ tatsächlich ein politischer Film ist und sich damit in den Trend der Zunahme des politischen und sozialen Moments in den meisten Bereichen der Gegenwartskunst (vgl. Monaco, 2001, S. 19) einfügt. Jene – für den etwaigen Einsatz im Schulunterricht zu klärende Fragestellung – steht im Fokus der Kapitel vier und fünf, in denen zudem zwei verschiedene Filmszenen analysiert werden sollen (Kapitel 4.1 und 4.2). Vorangestellt sind ein eher allgemein gehaltenes Kapitel über den Einsatz von Spielfilmen im Politikunterricht (Kapitel zwei) sowie Kapitel drei, welches sich mit der medialen Aufarbeitung des Phänomens Linksterrorismus/RAF beschäftigt. Beigefügt hat der Autor in Kapitel sieben zudem ein kurzes Feedback an den Seminarleiter.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spielfilme im Politikunterricht
3. Mediale Aufbereitung des Themas „RAF“
3.1 Zugang zum Thema
3.2 „Der Baader Meinhof Komplex“
4. Analyse
4.1 Erster Teil des „Baader Meinhof Komplexes“
4.2 Zweiter Teil des „Baader Meinhof Komplexes“
5. Die politische Dimension des „Baader Meinhof Komplexes“
6. Verherrlichung des Terrors
7. Fazit
8. Seminarreflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den Film „Der Baader Meinhof Komplex“ im Rahmen einer didaktischen Filmanalyse zu untersuchen und seinen Eignungsgrad für den Politikunterricht kritisch zu bewerten. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob das Werk als politischer Film einzuordnen ist oder primär als actionorientierte Inszenierung fungiert.
- Didaktische Filmanalyse von Spielfilmen im Politikunterricht
- Mediale Aufarbeitung und Darstellung der Geschichte der RAF
- Untersuchung der politischen Dimension und Aussagekraft des Films
- Kritische Reflexion zur filmischen Ästhetik und zum Vorwurf der Terrorverherrlichung
Auszug aus dem Buch
4.1 Erster Teil des „Baader Meinhof Komplexes“
Exemplarisch für den ersten Teil des Films sieht der Autor eine gut einminütige Szene von 00:09:00 h bis 00:10:10 h. In dieser verfolgen Gudrun Ensslin, ihr Verlobter Bernward Vesper, der gemeinsame Sohn Felix Ensslin sowie die Eltern Helmut und Ilse Ensslin eine TV-Diskussion über den Besuch des Schahs von Persien in Berlin, an der auch Ulrike Meinhof teilnimmt. In der Folge entwickelt sich ein Konflikt, der die verschiedenen politischen Standpunkte von Gudrun Ensslin und ihren Eltern offenlegt. Die Szene endet damit, dass die beiden Hauptakteure den Raum verlassen: Gudrun Ensslin echauffiert sich über das Unverständnis ihres Vaters und entflieht wutentbrannt, Helmut Ensslin geht in die Kirche.
Zu den entscheidenden filmischen Mitteln der Szene ist der Inhalt der Diskussion zwischen Gudrun und Helmut Ensslin zu zählen, da er die Gründe für Gudrun Ensslins späteren Weg in den Untergrund offenlegt.
Hingegen ist der politische Standpunkt Helmut Ensslins unklar. Entweder hat er völlig andere Ansichten als seine Tochter (was dem Autor als unwahrscheinlich erscheint), oder er teilt die Ansichten seiner Tochter zumindest teilweise – nur zieht daraus keine Konsequenzen (außer dem Gang in die Kirche bzw. dem Gebet). Auf letztgenannten Aspekt lassen Äußerungen wie „Diese Frau führt keine sachliche Diskussion“ (00:09:26 h) – gemeint ist die im TV zu sehende Ulrike Meinhof – oder „Es tut mir leid, ich muss jetzt in die Kirche.“ (00:09:49 h) schließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der didaktischen Filmanalyse des von Bernd Eichinger produzierten Films „Der Baader Meinhof Komplex“ ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach dessen politischer Qualität.
2. Spielfilme im Politikunterricht: Das Kapitel erläutert die Bedeutung des Spielfilms als Massenmedium für die politische Sozialisation und erörtert didaktische Potenziale und Notwendigkeiten für den bewussten Medieneinsatz in der Schule.
3. Mediale Aufbereitung des Themas „RAF“: Hier werden unterschiedliche fachwissenschaftliche Zugänge zur RAF-Thematik dargestellt und die spezifische filmische Adaption durch Bernd Eichinger sowie die Rolle von Stefan Austs Buchvorlage beleuchtet.
4. Analyse: Die Analyse unterscheidet zwischen den zwei Hälften des Films und untersucht anhand ausgewählter Szenen die filmischen Mittel zur Charakterentwicklung bzw. zur rein handlungsorientierten Action-Dramaturgie.
5. Die politische Dimension des „Baader Meinhof Komplexes“: Das Kapitel diskutiert kritisch, ob und inwiefern der Film politische Intentionen vermittelt oder hinter einer neutralen, actionreichen Inszenierung zurückbleibt.
6. Verherrlichung des Terrors: Es findet eine Auseinandersetzung mit dem Vorwurf statt, der Film würde die RAF-Mitglieder durch eine starbesetzte, glamouröse Inszenierung unzulässig verherrlichen.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Film als für den Unterricht bedingt geeignet, unterstreicht aber seine Funktion als Dokudrama mit rekonstruierter Authentizität.
8. Seminarreflexion: Der Autor reflektiert den Lernprozess und die Bedeutung des Seminars für die Entwicklung medienpädagogischer Kompetenzen im Kontext des eigenen Lehramtsstudiums.
Schlüsselwörter
Didaktische Filmanalyse, Politikunterricht, RAF, Der Baader Meinhof Komplex, Bernd Eichinger, Linksterrorismus, Politische Bildung, Medienkompetenz, Filmästhetik, Politische Dimension, Geschichtsdarstellung, Actionfilm, Dokudrama, Rezeptionsanalyse, Generationenkonflikt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Film „Der Baader Meinhof Komplex“ im Hinblick auf seine didaktische Einsatzmöglichkeit im Politikunterricht und hinterfragt, ob es sich um eine fundierte politische Darstellung oder eine reine Action-Inszenierung handelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die filmische Didaktik, die mediale Aufarbeitung der RAF-Geschichte, die politische Aussagekraft des Films sowie die kritische Prüfung der Vorwürfe hinsichtlich einer möglichen Heroisierung der Terroristen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob „Der Baader Meinhof Komplex“ tatsächlich als politischer Film im Sinne einer kritisch-ästhetischen Bildung fungiert und damit für den Unterricht geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Untersuchung verwendet?
Der Autor nutzt die Methode der didaktischen Filmanalyse, wobei spezifische filmische Mittel wie Kameraeinstellungen, Perspektiven und Montage für eine fundierte Interpretation der Filmszenen herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einbettung zum Medieneinsatz, eine Analyse der RAF-Aufbereitung und eine detaillierte Szenenanalyse, die den ersten (sozial-politischen) Teil des Films dem zweiten (actionlastigen) Teil gegenüberstellt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Filmanalyse, politische Bildung, RAF, Medieneinsatz, Ästhetik und die kritische Distanz zum dargestellten historischen Material.
Warum unterscheidet der Autor zwischen dem ersten und zweiten Teil des Films?
Der Autor begründet die Trennung damit, dass der erste Teil erfolgreich soziale Bedingungen und politische Motive der Akteure beleuchtet, während der zweite Teil in eine rein handlungsorientierte Action-Dramaturgie verfällt.
Welche Rolle spielt Stefan Aust bei der filmischen Umsetzung?
Stefan Aust lieferte mit seinem Buch die literarische Grundlage; der Film versteht sich als Adaption dieses Standardwerks, was laut Autor einerseits für Authentizität sorgt, andererseits aber eine Fokussierung auf Einzelschicksale erschwert.
Wie bewertet der Autor den Einsatz des Films in der Schule?
Er sieht den Einsatz insbesondere des ersten Teils als gewinnbringend an, da er den Schülern ermöglicht, gesellschaftliche Funktionszusammenhänge zu diskutieren und alternative politische Perspektiven zu erörtern.
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- Steffen Schneider (Author), 2011, Didaktische Filmanalyse - "Der Baader Meinhof Komplex", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207121