Didaktische Filmanalyse - "Der Baader Meinhof Komplex"


Hausarbeit, 2011
25 Seiten, Note: 15 Punkte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spielfilme im Politikunterricht

3. Mediale Aufbereitung des Themas „RAF“
3.1 Zugang zum Thema
3.2 „Der Baader Meinhof Komplex“

4. Analyse
4.1 Erster Teil des „Baader Meinhof Komplexes“
4.2 Zweiter Teil des „Baader Meinhof Komplexes“

5. Die politische Dimension des „Baader Meinhof Komplexes“

6. Verherrlichung des Terrors

7. Fazit

8. Seminarreflexion

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Thema dieser Arbeit soll der von Bernd Eichinger produzierte Film „Der Baader Meinhof Komplex“ sein, dem sich der Autor auf dem Weg einer didaktischen Filmanalyse anzunähern versucht. Inhaltlich geht es dabei um die in den vergangenen Jahrzehnten intensiv durchleuchtete Geschichte der RAF (vgl. Kurbjuweit, 2008), deren bekannteste Chronik, Stefan Austs „Baader Meinhof Komplex“ (vgl. Aust, 1998) als Vorlage zum gleichnamigen Film diente.

Der zumindest bei seinem Kinodebüt 2008 teuerste deutsche Film aller Zeiten (vgl. Schmitz, 2008), überdies vom Bundeskulturministerium mit 2,7 Millionen Euro unterstützt (vgl. Kothenschulte, 2008), mischt fiktionale wie dokumentarische Mittel und begreift sich als authentische Darstellung der Ereignisse vom Schah-Besuch in Berlin 1967 bis zum Deutschen Herbst 1977.

Hauptsächlich wird sich der Autor im Folgenden mit der Frage befassen, ob „Der Baader Meinhof Komplex“ tatsächlich ein politischer Film ist und sich damit in den Trend der Zunahme des politischen und sozialen Moments in den meisten Bereichen der Gegenwartskunst (vgl. Monaco, 2001, S. 19) einfügt. Jene – für den etwaigen Einsatz im Schulunterricht zu klärende Fragestellung – steht im Fokus der Kapitel vier und fünf, in denen zudem zwei verschiedene Filmszenen analysiert werden sollen (Kapitel 4.1 und 4.2). Vorangestellt sind ein eher allgemein gehaltenes Kapitel über den Einsatz von Spielfilmen im Politikunterricht (Kapitel zwei) sowie Kapitel drei, welches sich mit der medialen Aufarbeitung des Phänomens Linksterrorismus/RAF beschäftigt. Beigefügt hat der Autor in Kapitel sieben zudem ein kurzes Feedback an den Seminarleiter.

2. Spielfilme im Politikunterricht

Spielfilme sind ein wichtiges kulturelles Massenmedium in unserer Gesellschaft: „Sie sind Ausdruck eines Zeitverständnisses und damit auch der ästhetischen, sozialen, politischen Kultur, in der wir leben“, erklärt Thoß (2010, 489). Dabei ist der Film kein objektives Abbild der Gesellschaft, sondern eine subjektive Perspektive, welche sich verschiedener ästhetischer sowie dramaturgischer Mittel bedient (vgl. Thoß, 2010, 489).

„Spielfilme liefern uns somit Rollenmodelle, Einstellungen, Werte sowie Bilder von Politik und gesellschaftlichen Ereignissen, die wir akzeptieren oder mit denen wir uns auseinandersetzen können.“ (Thoß, 2010, 489) Diese Auseinandersetzung findet selbstverständlich auch im Minikosmos Schule statt, ist es doch mittlerweile „Konsens innerhalb der allgemein- wie der fachdidaktischen Diskussion, dass der Umgang mit ‚Medien‘ in Bildungsprozessen zunehmend wichtiger wird“ (Salomon, 2010, 399) – natürlich auch vor dem Hintergrund einer steigenden Tendenz zur Ästhetisierung des Alltags“ (Salomon, 2010, 399).

Für den Einsatz von Spielfilmen im Unterricht spricht vor allem die Tatsache, dass sie ganz einfach zum Medienalltag von Kindern und Jugendlichen zählen. Belegt wird dies neben der eigenen Erfahrung des Autors durch eine Studie, nach der 45 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren mehrmals pro Woche Video oder DVD schauen (vgl. Thoß, 2010, 490). So ist das Medium (Spiel-)Film nicht nur Unterhaltungsmedium, sondern auch prägend für die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen. „Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Kinder einen bewussten Umgang mit dem Medium Film erlernen und Medienkompetenz erlangen“ betont Thoß (2010, 490). Vor allem im Politikunterricht – in dem eine Verständigung über Grundwerte unserer Gesellschaft unverzichtbar ist - bietet der Einsatz von Spielfilmen eine ganze Reihe interessanter Möglichkeiten: So können durch die Schauspieler bzw. Protagonisten verschiedene Sichtweisen und Werthaltungen im Rahmen eines Konflikts aufgezeigt werden – auf diese Art und Weise leistet der Spielfilm dann einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und Werten (vgl. Thoß, 2010, 490).

Chancen und Gefahren liegen freilich im emotionalen Zugang zum Thema, beispielsweise durch die Identifikation mit den Protagonisten. In jedem Fall gilt die Feststellung Thoß‘ (2010, 491), nach der der Politikunterricht die Aufgabe hat, „Angebote zu schaffen, die dazu beitragen, sich bewusst mit der dargestellten Lebenswelt auseinanderzusetzen. Es geht darum, gesellschaftliche, soziale und politische Bezüge herauszuarbeiten, zu interpretieren und auf die eigene Lebenswelt zu beziehen.“ Geschehen kann dies beispielsweise in einer Filmanalyse mit der Beschreibung des Problems im Film, dem gesellschaftlichen Bezug, dem Finden von Lösungswegen und der Reflektion von Form und Inhalt.

„Die Analyse filmischer Mittel, wie Kameraposition, Musik, Licht, Schnitt, Kulisse, Kostüme etc. kann dabei helfen, den Zusammenhang von Form und Inhalt besser zu verstehen. Hierdurch haben die Schüler eine angemessene Grundlage, um über die Darstellungsweise im Film zu urteilen.“ (Thoß, 2010, 492) Jener Äußerung stimmt der Autor uneingeschränkt zu, machte er doch selbst schon Erfahrungen mit dem Einsatz von Spielfilmen im Unterricht, die diese Sicht bestätigen: Während seines ersten Schulpraktikums arbeitete er in einer achten Klasse einer Gesamtschule mit dem Film „The Day After Tomorrow“ und empfand dies (auch die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler bestätigten dies) als Gewinn für die Unterrichtseinheit, die das Thema „Klimawandel“ hatte. Allerdings vermisste der Autor seinerzeit ein gewisses Instrumentarium, anhand dessen er den Film professioneller hätte analysieren können – gemeint ist die schon angesprochene Analyse filmischer Mittel. In jenem Bereich sind fundierte Kenntnisse unbedingte Voraussetzung, um sinnvoll und professionell mit Spielfilmen im Unterricht zu arbeiten.

Ist dies der Fall, kann die Lehrkraft an verschiedenen Stellen ansetzen und (nach Bergala) erstens überhaupt die Möglichkeit zur Begegnung mit Filmen schaffen, zweitens hinweisen, initiieren, sich zum Passeur machen, drittens den häufigen Umgang mit Filmen lehren und viertens Verbindungen zwischen den Filmen knüpfen (vgl. Bergala, 2006, 51ff).

Orientierung bietet in jedem Fall das wichtigste Bildungsziel einer kritischen politisch-ästhetischen Bildung, nämlich „gesellschaftliche Funktionszusammenhänge durchschaubar zu machen und Interpretationsräume zu eröffnen, die alternative gesellschaftliche Praxen antizipierbar machen“ (Salomon, 2010, 402).

Geklärt werden muss ferner, ob der ausgewählte Film – in diesem Fall „Der Baader Meinhof Komplex“ – überhaupt für den Einsatz im Politikunterricht in Frage kommt. Denn nach Bergala (2006, 50) gibt es eine Reihe von Filmen, die einen Menschen prägen – aber auch Filme, die schlichtweg zu spät gesehen werden, „die für den entscheidenden Einfluss verloren sind, den sie auf uns hätten ausüben können, wenn wir ihnen in diesen für die Bildung unseres Geschmacks entscheidenden paar Jahren begegnet wären“ (Bergala, 2006, 50). Und „daher ist es so außerordentlich wichtig, im richtigen Moment guten Filmen zu begegnen, Filmen, die Spuren fürs Leben hinterlassen“ (Bergala, 2006, 50).

3. Mediale Aufbereitung des Themas „RAF“

3.1 Zugang zum Thema

Die Beschäftigung mit dem Thema „Linksterrorismus“ hat seit einigen Jahren Konjunktur – in besonderem Maße gilt dies für die Geschichte der Roten Armee Fraktion, die weitaus intensiver betrachtet wurde (und wird) als die vergleichbarer Terrorgruppen („Bewegung 2. Juni“, „Revolutionäre Zellen“). Pünktlich zu den Jahrestagen des Deutschen Herbst 1977 wird die Thematik regelmäßig in verschiedenen Medien aufgearbeitet – Kritiker mahnen oftmals eine Ästhetisierung des Phänomens RAF sowie die Vereinnahmung ihrer Protagonisten von Teilen der Popkultur an.

Neben der Darstellung in diversen RAF-Filmen wie "Die Innere Sicherheit" von Christian Petzold (2000) oder "Baader" von Christopher Roth (2002) finden sich ehemalige RAF-Mitglieder auch durch Gerichtsprozesse, Ansuchen um Begnadigungen oder ihr Haftende in der aktuellen Berichterstattung wieder und erinnern damit an das verheerende Wirken der Gruppe:

61 Tote, 230 Verletzte, ein Sachschaden von mehr als 500 Millionen DM, mindestens 31 Banküberfälle, 104 entdeckte konspirative Wohnungen, 180 entdeckte gestohlene KFZs und mehr als 1.000 verurteilte Personen (517 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, 914 wegen deren Unterstützung) – zudem ist der Stammheim-Prozess gegen die Köpfe der ersten RAF-Generation neben dem Auschwitz-Prozess von 1965 der einzige in der Bundesrepublik, von dem ein Tonbandmitschnitt und ein Wortprotokoll angefertigt wurden (vgl. Peters, 2007, 31f).

Gleichwohl das Thema im Lichte der globalen terroristischen Bedrohungen im 21. Jahrhundert an Aktualität gewinnt, wird seine Aufarbeitung bislang ganz von juristischen, politik- und sozialwissenschaftlichen Studien dominiert – historische Analysen stecken erst in den Anfängen. Insgesamt sind zwei bzw. drei Zugänge zur Thematik „RAF“ zu unterscheiden: Erstens sozialwissenschaftliche Analysen aus den 70er und 80er, für die Autoren wie Sack, Steinert oder Scheerer stehen sowie zweitens biographisch angelegte Untersuchungen von Kraushaar, Koenen, Stern/Herrmann oder Ditfurth. Ergänzt, jedoch nicht weiter vertieft werden kann der kommunikative Ansatz Weinhauers.

3.2 „Der Baader Meinhof Komplex“

Eine Sonderstellung in der Reihe der RAF-Filme nimmt „Der Baader Meinhof Komplex“ ein, versteht sich das am 25. September 2008 erstmals im Kino ausgestrahlte Werk doch als filmische Adaption des gleichnamigen, von Stefan Aust verfassten Standardwerks. Dieser ist zugleich Teil des Films: Als junger Redakteur der Zeitschrift „konkret“ (dessen Starkolumnistin zu diesem Zeitpunkt Ulrike Meinhof war) taucht er in einer der Anfangsszenen des Films auf, zudem später bei der Rettung der Meinhof-Zwillinge vor der Einquartierung in ein palästinensisches Camp für Waisenkinder sowie in einem Interview mit den Eltern Gudrun Ensslins im Rahmen der Brandstifterprozesse. Der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur hat in seinem erstmals 1985 erschienenen Werk „ein unglaublich detailreiches Protokoll über die Geschichte der Baader-Meinhof-Gruppe verfasst, das jedoch Interpretationen oder Bewertungen weitgehend vermeidet und primär über das faktische Material in einem betont nüchtern gehaltenen Ton Ursprünge, Ziele, Methoden und Personen der RAF zu durchleuchten versucht“ (Schiffauer, 2008).

Ausgestrahlt wurde der darauf aufbauende Film nicht nur im Kino, sondern ebenso in einer um 14 Minuten verlängerten Fassung in der ARD am 22. und 23. November 2009. Neben Aust als Autor der Drehbuchvorlage waren natürlich Produzent – Bernd Eichinger – sowie Regisseur – Uli Edel – prägende Figuren bei der Entstehung des Werks. Beide arbeiteten bereits 1981 bei der Kino-Adaption von „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ zusammen und feierten damit gemeinsam ihren großen Durchbruch. Zuvor hatten Eichinger und Edel gemeinsam an der Hochschule für Film und Fernsehen in München studiert.

Der 2011 verstorbene Eichinger galt als „einer der umtriebigsten Filmschaffenden des Landes“ sowie als „ein im positiven Sinne Besessener“ (Leipold, 2011; vgl. Kruttschnitt, 2011). Meilensteine seines Schaffens waren neben „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ „Der bewegte Mann“ (1994) sowie das Werk „Nirgendwo in Afrika“, welches 2003 mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde. Während Eichinger zunächst an Literaturverfilmungen wie „Die unendliche Geschichte“, „Das Boot“, „Der Name der Rose“ oder „Das Geisterhaus“ arbeitete, verlegte er sich in den 1990er Jahren auch auf „leichtere Kost“ (Leipold, 2011) wie „Der bewegte Mann“, „Der Schuh des Manitu“ oder Filme mit dem Komiker Tom Gerhard. „In seinen jüngsten Filmen wie ‚Der Untergang’ oder ‚Der Baader-Meinhof-Komplex’ beschäftigte sich Eichinger eingehend mit der jüngeren deutschen Vergangenheit“, ergänzt Leipold (2011). Zuletzt plante der Produzent einen Film über den Kriminalfall Natascha Kampusch.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Didaktische Filmanalyse - "Der Baader Meinhof Komplex"
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar "Medieneinsatz in der Schulpraxis"
Note
15 Punkte
Autor
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V207121
ISBN (eBook)
9783656343288
ISBN (Buch)
9783656343707
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
didaktische, filmanalyse, baader, meinhof, komplex
Arbeit zitieren
Steffen Schneider (Autor), 2011, Didaktische Filmanalyse - "Der Baader Meinhof Komplex", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207121

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