Das Phänomen der Furries - Soziale Gruppe oder Subkultur?


Essay, 2012

9 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Immer wieder wird die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf anthropomorphe Tierkostüme gelenkt, welche sich vermehrt und mit immer wachsender Zahl auf den Straßen der Gesellschaft tummeln.[1] Es sind die sogenannten Furries.

Furries sind Menschen, welche sich einem Tier und dessen Charakter verbunden fühlen oder ihren Fursuit (Tierkostüm) einer Comic- beziehungsweise Mangafigur [Figur aus einem japanischen Comic][2] nachempfunden haben und sich dementsprechend kleiden.[3],[4] Begonnen hatte das Phänomen in Deutschland Anfang der 1990er, nachdem es bereits in den 1980ern in den USA seine Wurzeln schlagen konnte. Ihren Ursprung begründen die Furries in der Indie Comic- und Science Fiction Szene. Ihre Namensgebung gründet sich in der Anglistik, der englischen Sprach- und Literaturwissenschaft.[5] Durch ihre meist pelzartige Kostümierung erwies sich der englische Begriff fur - was so viel bedeutet wie Pelz - als passend.[6] Sie selbst bezeichnen sich sogar als pelzige bzw. Furrie oder Anthro-Kunst. [Eine Person, welche die Furry-Kunst schafft (sprich die Kostüme entwickelt), wird von ihnen als Furry-Künstler bezeichnet.][7] Die Gemeinschaft der Furries bezeichnet sich als Furry-Fandom. Interessant ist an dieser Stelle, ob es sich bei dem Furry-Fandom um das Auftreten einer sozialen Gruppe oder das einer Subkultur handelt. Letzterer Begriff wird von Autoren und Berichterstattern häufig verwendet, fraglich ist jedoch die Berechtigung der Nennung.

Um die beiden Begriffe voneinander zu differenzieren und eine spätere Einteilung in einen der beiden genannten Begriffe für die Furries vornehmen zu können, werden sie vorab definiert. Zunächst erfolgt dies für den Begriff der Gruppe. Friedhelm Neidhardt definiert ihn wie folgt:

„Gruppe ist ein soziales System, dessen Sinnzusammenhang durch unmittelbare und diffuse Mitgliederbeziehungen sowie durch relative Dauerhaftigkeit bestimmt ist.“[8]

Eine soziale Gruppe verfügt über vier Eigenschaften welche sie auszeichnet.[9] Erstens muss zwischen den Gruppenmitgliedern eine regelmäßige Interaktion stattfinden. Des Weiteren ist eine strukturierte Interaktion notwendig, da sich die Mitglieder nicht ohne jeglichen Sinn treffen und sich gegebenenfalls eine Gruppenstruktur entwickelt. Hieraus ergibt sich für die Gruppen eine sogenannte Hierarchie, wobei ebenfalls wichtig ist, wer zur Gruppe gehört.[10] Existenziell für das Bestehen einer sozialen Gruppe „ist die Einigung auf gemeinsame Normen, Ziele und Werte [sic!]“[11]. Dies muss, genau wie der zweite Punkt der Eigenschaften, nicht offiziell und formell artikuliert sein, sondern die informelle Regelung und Akzeptanz seitens der Mitglieder reicht aus. Die vierte bindende Eigenschaft ist das Wir- Gefühl. Durch die Schaffung des Gefühls einer gemeinsamen Identität wird die Gruppe zu einer Einheit formiert und das Zugehörigkeitsgefühl gesteigert.

Ebenfalls kann zwischen Groß- und Kleingruppen unterschieden werden, da sich mit der Gruppengröße auch die Gruppendynamik verändert.[12] Eine weitere wichtige Unterscheidung der sozialen Gruppe findet durch verschiedene Gruppenmerkmale statt, welche Ausdruck in der Primär- und Sekundärgruppe finden.[13] Bei der Primärgruppe ist die emotionale soziale Bindung im Vordergrund, wobei bei ihr ebenfalls die Dauer in der Langfristigkeit gesehen wird. Sie deckt viele Bereiche des Lebens durch vielseitige Kontakte und starke „Bande der Zuneigung zwischen den Gruppenmitgliedern“[14] ab, weswegen häufig die Familie als wichtigste Primärgruppe angesehen wird. Ihr Zweck ist die Erziehung, im Zuge dessen die persönliche Interaktion ein wichtiges Kernelement bildet. Bei der Sekundärgruppe hingegen sind die Akteure austauschbarer als bei der Primärgruppe, da das Individuum in ihr keine starke persönliche Verschmelzung mit der Gruppe erfährt. Ihr Bestehen wird in der Kurz- bis Mittelfristigkeit gesehen, da ihre Gründung mehr auf den Mitteln zum Zweck besteht, um für die Gruppe erstrebenswerte Ziele zu erreichen. Sobald die Erfüllung der gemeinsamen Ziele eingetreten ist, wird die Existenz der Gruppe entweder unter anderen Aspekten weitergeführt oder sie wird aufgelöst. Anders als bei der Primärgruppe ist die persönliche Interaktion bei einer Sekundärgruppe begrenzt und die Bande zwischen den Gruppenmitgliedern sind ebenfalls geringer. So gesehen kann man sagen, dass Sekundärgruppen oberflächlicher sind und in Form von beispielsweise Lerngruppen oder Berufsgruppen auftreten können.[15] Eine weitere Gruppenform ist die der Bezugsgruppen.[16] Diese wird hier jedoch nicht weiter ausgeführt.

[...]


[1] Vgl. Bauchspieß 2010: Furry und glücklich. http://print.ik.fh-hannover.de/index.php/akten-blaettern/300-info-furry; zuletzt zugegriffen am 16.12.2012.

[2] Vgl. HdM Stuttgart 2012: Manga. http://www.hdm-stuttgart.de/ifak/medientipps/manga/definition; zuletzt zugegriffen am 18.12.2012.

[3] Vgl. GreenReaper 2008: Definition Furry. http://de.wikifur.com/wiki/Was_ist_Furry%3F; zuletzt zugegriffen am 16.12.2012.

[4] Vgl. National Geographic 2012: https://www.youtube.com/watch?v=qYwEYOP_BVQ; zuletzt zugegriffen am 16.12.2012.

[5] Vgl. Uni Heidelberg 2012: Englische Philologie. http://www.uni-heidelberg.de/studium/interesse/faecher/engl_philologie.html, zuletzt zugegriffen am 18.12.2012.

[6] Vgl. Hackbarth 2012: Furrie- Bewegung: Leben im Tierkostüm.

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/kulturjournal/furrybewegung101.html; zuletzt zugegriffen am 16.12.2012.

[7] Vgl. ReaperBot 2008: Furries als Kunst http://de.wikifur.com/wiki/Furry_Kunst; zuletzt zugegriffen am 16.12.2012.

[8] Neidhardt 1979: S. 642.

[9] Vgl.: Joas 2001: S. 201 f.

[10] Vgl. Tyrell 1983: S. 80.

[11] Joas 2001: S. 202; vom Autor hervorgehoben.

[12] Vgl.: Ebd.: S. 203.

[13] Vgl.: Feldmann 2001: S. 178 f.

[14] Joas 2001: S 206.

[15] Vgl. Feldmann 2001: S. 178.

[16] Vgl. Joas 2001: S. 207.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Phänomen der Furries - Soziale Gruppe oder Subkultur?
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Institut für Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Lektürekurs
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
9
Katalognummer
V208212
ISBN (eBook)
9783656356554
ISBN (Buch)
9783656359494
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Furries, Furry, soziale Gruppe, Subkultur, Lebensstil, Tierkostüm
Arbeit zitieren
Josephine Voigt (Autor), 2012, Das Phänomen der Furries - Soziale Gruppe oder Subkultur?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208212

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