Was haben die Orte Erfurt, Winnenden, Emsdetten oder Columbine gemeinsam? Sie waren allesamtSchauplatz für schwere Gewaltverbrechen, die in der weiten Öffentlichkeit unter dem Begriff Amoklauf bekannt sind. Sie erschütterten einen Großteil der Gesellschaft und riefen fast reflexartig Reaktionen der Politik hervor, mit denen zukünftig Verbrechen dieser Art verhindert werden sollten.Zunächst sollte eine Begriffsspezifizierung vorgenommen werden. Vom malaiischen Wort mengâmok abgeleitet beschreibt dieser Terminus einen spontanen Ausbruch von Gewalt, bei welcher einePerson in scheinbar blinder Wut wahl- und planlos Menschen angreift und zu töten versucht. Tatendieser Art sind als eine Form des erweiterten Suizids zu werten, denn am Ende steht stets der Tod des Angreifers, welcher von jenem selbst fest eingeplant ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffsbestimmung und Einordnung
2. Die Rolle der Massenmedien
3. Epidemiologische Aspekte
4. Erklärungsmodelle für Nachahmungseffekte
4.1 Das Konzept der Suggestionshypothese
4.2 Das General Aggression Model (GAM)
5. Zusammenfassende Bewertung und Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der massenmedialen Berichterstattung über sogenannte School Shootings und der Entstehung von Nachahmungstaten. Dabei wird analysiert, inwieweit die mediale Darstellung potenziellen Tätern als Inspiration dient und ob ein kausaler Zusammenhang nachweisbar ist.
- Differenzierung zwischen dem Begriff Amok und School Shootings.
- Analyse der ökonomischen und sozialen Funktionen der Medienberichterstattung.
- Untersuchung psychologischer Erklärungsmodelle wie der Suggestionshypothese.
- Anwendung des General Aggression Model (GAM) auf den Nachahmungseffekt.
- Diskussion über ethische Standards und die Verantwortung von Medienorganen.
Auszug aus dem Buch
Begünstigt die massenmediale Berichterstattung über School Shootings Nachahmungstaten?
Was haben die Orte Erfurt, Winnenden, Emsdetten oder Columbine gemeinsam? Sie waren allesamt Schauplatz für schwere Gewaltverbrechen, die in der weiten Öffentlichkeit unter dem Begriff Amoklauf bekannt sind. Sie erschütterten einen Großteil der Gesellschaft und riefen fast reflexartig Reaktionen der Politik hervor, mit denen zukünftig Verbrechen dieser Art verhindert werden sollten. Zunächst sollte eine Begriffspezifizierung vorgenommen werden. Vom malaiischen Wort meng-âmok abgeleitet beschreibt dieser Terminus einen spontanen Ausbruch von Gewalt, bei welcher eine Person in scheinbar blinder Wut wahl- und planlos Menschen angreift und zu töten versucht. Taten dieser Art sind als eine Form des erweiterten Suizids zu werten, denn am Ende steht stets der Tod des Angreifers, welcher von jenem selbst fest eingeplant ist.
Somit ist der Terminus Amok im Kontext von schweren Gewaltverbrechen an Schulen ungeeignet, da diese Definition mit dem typischen Tathergang nicht deckungsgleich ist. Das ist damit zu begründen, dass der benannten Art von Straftaten zumeist eine akribische und langfristige Planung in Bezug auf Ort, mögliche Opfer und Tathergang vorausgeht. Ebenso ist der Tod des Angreifers nicht die Regel, da er in ca. 70 % der Fälle festgenommen wird und somit die Tat überlebt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffsbestimmung und Einordnung: Dieses Kapitel grenzt den unscharfen Begriff des Amoklaufs von der spezifischen Phänomenologie der School Shootings ab.
2. Die Rolle der Massenmedien: Es wird erörtert, welche Funktionen die mediale Berichterstattung im Hinblick auf öffentliches Interesse und wirtschaftliche Interessen einnimmt.
3. Epidemiologische Aspekte: Hier werden Fallbeispiele und zeitliche Zusammenhänge von Taten analysiert, um das Indiz eines Nachahmungssogs zu prüfen.
4. Erklärungsmodelle für Nachahmungseffekte: Dieser Teil vergleicht die klassische Suggestionshypothese mit dem komplexeren, integrativen General Aggression Model.
5. Zusammenfassende Bewertung und Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse und formuliert Empfehlungen für einen sensibleren Umgang der Medien mit der Thematik.
Schlüsselwörter
School Shootings, Massenmedien, Nachahmungseffekt, Amoklauf, General Aggression Model, Suggestionshypothese, Gewaltprävention, Medienberichterstattung, Sozialpsychologie, Täterprofil, mediale Ikonisierung, Erregung, Verhaltensskripte, Medienethik, Krisenkommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der medialen Berichterstattung auf die Entstehung von Nachahmungstaten bei sogenannten School Shootings.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die Medienwirkung, psychologische Erklärungsmodelle für Gewaltnachahmung und die Analyse von Tathergängen im medialen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, ob ein Zusammenhang zwischen der Berichterstattung und der Wahrscheinlichkeit von Nachahmungstaten besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Argumentationsarbeit, die bestehende wissenschaftliche Erklärungsmodelle und Indizien aus der Kriminologie und Psychologie analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von School Shootings, der Rolle der Medien als Verstärker und der Anwendung des General Aggression Models auf das Täterverhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind School Shootings, Medienwirkung, Nachahmungseffekt, psychologische Modelle und Prävention.
Inwiefern unterscheidet sich der Begriff Amok von einem School Shooting?
Laut Autor zeichnet sich ein School Shooting durch akribische Planung und einen spezifischen Tathergang aus, was der Definition des spontanen Amoklaufs widerspricht.
Welche Rolle spielt die Ikonisierung der Täter?
Die mediale Darstellung macht Täter oft zu Objekten einer zweifelhaften Popularität, die bei gefährdeten Personen eine Identifikationsgrundlage schaffen kann.
Ist ein kausaler Zusammenhang wissenschaftlich beweisbar?
Die Arbeit hält fest, dass ein direkter kausaler Beweis kaum möglich ist, wohl aber, dass Medien die Wahrscheinlichkeit für Nachahmungstaten unter bestimmten Bedingungen erhöhen können.
Welche Empfehlung gibt der Autor für die Presse?
Es wird eine sachliche, auf Fakten fokussierte Berichterstattung gefordert, um die Identifikation mit den Tätern bei potenziellen Nachahmern zu erschweren.
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- Tobias Düsterdick (Author), 2012, Begünstigt die massenmediale Berichterstattung über School Shootings Nachahmungstaten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208323