Untersuchung der Gattungsmerkmale eines Prosatextes anhand von Anette von Droste-Hülshoffs „Die Judenbuche - Ein Sittengemälde aus dem gebirgigten Westfalen“


Hausarbeit, 2010

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Gattungsmerkmale der Novelle
2.1. Die Zeit in einer Erzählung
2.2. Erzählperspektive

3. Inhalt und Analyse
3.1. Kurze Zusammenfassung
3.2. Zeitliche Strukturierung
3.3. Erzähler & Perspektive

4. Bezugnahme zum Forschungsbeitrag „“Die Judenbuche“ als Novelle“

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Novelle “Die Judenbuche – Ein Sittengemälde aus dem gebirgigten Westfalen”, im 19. Jahrhundert von Annette von Droste Hülshoff geschrieben, wurde seit ihrer Veröffentlichung immer wieder untersucht und auf verschiedene Weise interpretiert.

Im Folgenden werde ich zuerst eine allgemeine Definition der Textsorte Novelle geben. Anschließend erläutere ich zwei gattungsspezifischen Aspekte: die zeitliche Strukturierung sowie das Verhältnis von Erzähler und Perspektive in einem Prosatext. Danach werde ich mich mit dem Aufbau meines ausgewählten Erzähltextes beschäftigen, mit der Zeitdarstellung, sowie der Erzählstruktur und der Perspektive, aus der der Erzähler die Geschehnisse beschreibt. Ich werde anschließend noch die allgemeinen Gattungsmerkmale einer Novelle herausheben und meine Ergebnisse mit denen des Forschungsbeitrags von Karl Philipp Moritz „“Die Judenbuche“ als Novelle“ vergleichen. Zum Schluss werde ich noch kurz meine Ergebnisse zusammenfassen.

2. Allgemeine Gattungsmerkmale der Novelle

Die Novelle gilt als „die kleinere epische Form“[1] des Romans. Sie nimmt somit eine „Zwischenstellung zwischen Roman und Kurzgeschichte“[2] ein und kann keiner der beiden Textsorten genau zugeordnet werde. Im Laufe der Jahre haben sich einige Merkmale herausgebildet, die den Begriff „zu umreißen vermögen“[3]. Eine dieser Besonderheiten ist die Länge: eine Novelle ist eine „Erzählung mittleren Umfangs“[4], wobei sie häufig nur einen Handlungsstrang umfasst, der auf den Höhe- oder Wendepunkt hinzielt. Weitere wichtige Kriterien sind das Auftreten eines Symbols oder „Gegenstand, an dem sich der Einfluss des Schicksals besonders deutlich zeigt und spiegelt“[5] (auch Falke genannt) und die Beschränkung auf wenige Personen.

2.1. Die Zeit in einer Erzählung

Jeder Prosatext hat ein Anfang und ein Ende. Dazwischen besitzt die Geschichte jedoch eine „eigene zeitliche Qualität, eine >Doppelstruktur<, in der die Zeit […] des Geschehens in den Zeitrahmen des Textes eingespannt wird.“[6] Bestimmt man das Verhältnis von Erzählzeit („Zeit, die der Erzähler aufwendet, um ein […] Geschehen zu erzählen“[7] )und erzählter Zeit („Zeit, die das erzählte Geschehen in Wirklichkeit beanspruchen würde“[8] ), so lässt sich ein Zeitgerüst ermitteln.

Bei Passagen, die in der direkten Rede dargestellt sind spricht man vom zeitdeckendem Erzählen. Erzählzeit und erzählte Zeit sind hier identisch. Textstellen bei denen die Erzählzeit länger ist als das Erzähltempo nennt man zeitdehnendes Erzählen. Häufig findet man diese Darstellung der Zeit bei Monologen oder Bewusstseinsprozessen. Von zeitraffendem Erzählen redet man, wenn die Erzählzeit kürzer ist als die erzählte Zeit. Hier werden Zeiträume oft weggelassen oder zusammenfassend berichtet.

2.2. Erzählperspektive

In der Textsorte Prosa ist der Erzähler die wichtigste Figur, er ist jedoch nicht der Autor, sondern eine von ihm eingeführte fiktive Person, die in ihrem Auftreten innerhalb des Textes für die Bedingungen sorgt (Handlung, Figuren, Setting).

Es gibt drei Idealtypen der Erzählsituation: der Ich-, der personale und der auktoriale Erzähler. Der auktoriale Erzähler tritt in der Geschichte nicht selbst auf, sondern ist mehr der Vermittler. Oft wird er auch als allwissender Erzähler bezeichnet. Bei der Ich-Erzählerform ist der Erzähler Teil der Handlung und beschreibt eine Situation aus seiner Perspektive. In der Personalen-Erzählsituation wird die Handlung von einem Erzähler berichtet, der sich aber auf eine bestimmte Figur in der Handlung bezieht von der er auch die Innenansicht kennt.

3. Inhalt und Analyse

Die literaturwissenschaftliche Forschung hat sich bereits intensiv mit der „Judenbuche“ auseinandergesetzt . In dieser Arbeit stütze ich mich vor allem auf zwei Analysen, zum einen die von Karl Philipp Moritz und zum anderen die in der Reihe Oldenbourg Interpretationen erschienene Untersuchung von Heinz Rölleke.

3.1. Kurze Zusammenfassung

Die Geschichte spielt um die Mitte des 18. Jahrhunderts dem westfälischen “Dorf B”. Friedrich Mergel wird dort im Jahr 1738 geboren. Sein Vater ist ein chronischer Säufer, dessen erste Frau bereits weggelaufen ist, und den man tot im Brederholz auffindet als Friedrich neun Jahre alt ist. Seine Mutter ist die stolze und fromme Margret Semmler. Mit zwölf Jahren taucht Magrets Bruder, Simon Semmler, auf, der sich daraufhin annimmt. Unter dem Einfluss von Ohm Simon verschafft sich der häufig verspottete und gering geachtete Junge Ansehen im Dorf. Sein ständiger Begleiter, Johannes Niemand verkörpert gleichsam sein abgelegtes, verkümmertes Ich. Mit 18 Jahren, wird Friedrich in den Tod des Oberförsters Brandes verwickelt. Später begeht er schließlich aus verletztem Ehrgefühl einen Mord an dem Juden Aaron. Da Friedrich jedoch mit Johannes flieht, kann er des Mordes nicht überführt werden. Nach 28 Jahren kehrt er als alter Mann zurück und gibt sich als Johannes Niemand aus. Letztlich erhängt er sich an der sogenannten Judenbuche.

[...]


[1] Allkemper, Alo/ Eke, Norbert Otto (2006): Literaturwissenschaft. 2. Aufl. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag (= Reihe UTB Basics), S.108

[2] Klarer, Mario (1999): Einführung in die neuere Literaturwissenschaft. 1. Aufl. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S.45

[3] Allkemper, Alo/ Eke, Norbert Otto (2006): Literaturwissenschaft. 2. Aufl. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag (= Reihe UTB Basics), S.108

[4] Allkemper, Alo/ Eke, Norbert Otto (2006): Literaturwissenschaft. 2. Aufl. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag (= Reihe UTB Basics), S.109

[5] Diekhans, Johannes/ Hönes, Doris (Hg.) (1998): Anette von Droste- Hülshoff Die Judenbuche. 1.Aufl. Paderborn: Schöningh (= Reihe Einfach Deutsch), S.77

[6] Vogt, Jochen (1996 ): „ Grundlagen narrativer Texte“. In: Arnold, H.L./ Detering, H.(Hg.): Grundzüge der Literaturwissenschaft. 2.Aufl. München: dtv, S. 296

[7] Allkemper, Alo/ Eke, Norbert Otto (2006): Literaturwissenschaft. 2. Aufl. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag (= Reihe UTB Basics), S. 99

[8] Allkemper, Alo/ Eke, Norbert Otto (2006): Literaturwissenschaft. 2. Aufl. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag (= Reihe UTB Basics), S. 99

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Details

Titel
Untersuchung der Gattungsmerkmale eines Prosatextes anhand von Anette von Droste-Hülshoffs „Die Judenbuche - Ein Sittengemälde aus dem gebirgigten Westfalen“
Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V208472
ISBN (eBook)
9783656358244
ISBN (Buch)
9783656360087
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
untersuchung, gattungsmerkmale, prosatextes, anette, droste-hülshoffs, judenbuche, sittengemälde, westfalen
Arbeit zitieren
Anna Theresa Wendel (Autor), 2010, Untersuchung der Gattungsmerkmale eines Prosatextes anhand von Anette von Droste-Hülshoffs „Die Judenbuche - Ein Sittengemälde aus dem gebirgigten Westfalen“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208472

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