Psalm 8 - Eine historisch-kritische Analyse

Würde des Menschen


Seminararbeit, 2011
17 Seiten, Note: 6/6 (entspricht 1)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textabgrenzung und Übersetzung

3. Textkritik

4. Textstruktur

5. Literarkritik

6. Feststellung typischer Elemente
6.1. Gattungskritik
6.2. Traditionskritik

7. Redaktionskritik

8. Textverankerung

9. Wirkungsgeschichte

10. Zusammenfassende Textinterpretation

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit habe ich mich auf historisch-kritische Art und Weise mit dem Psalm 8 beschäftigt. Dabei sind praktisch alle Methodenschritte zum Zuge gekommen. Liest man als Laie einfach mal den Psalm, wird man von seiner Schönheit, Poesie und Aussagekraft wahrscheinlich begeistert sein. Überlegt man sich, diesen gehaltvollen geistlichen Text wissenschaftlich zu zerlegen, könnte man befürchten, dass der Text seines Inhaltes entleert wird und nur ein sehr äusserlicher, fast schon kalter Zugang zum Text gewonnen würde. Dies sei für einen religiösen Text nicht bloss nicht notwendig, sondern überhaupt nicht angebracht, wenn nicht gar schon gefährlich, würde wohl ein Gegner der historisch-kritischen Methode davon halten. In meiner Beschäftigung mit dem Text habe ich aber genau die gegenteilige Erfahrung gemacht. Schon in den einzelnen Methodenschritten wird auch der Inhalt untersucht und gewürdigt. Man kommt zu vielen weiteren interessanten Informationen, die vielmehr einem tieferen und besseren Verständnis den Weg ebnen. Gerade in solcher vertieften Beschäftigung mit einem Text, lernt man diesen gründlich kennen und schätzen. Es zeugt von einer falsch verstandenen Wissenschaftlichkeit, einen religiösen Text im Namen von „Wissenschaft“ bloss auf Sprachwissenschaft, sagen wir einmal „hard facts“ reduzieren zu wollen. Dieser Tatsache tragen deshalb die Textübergreifenden Analyseschritte Rechnung. Auf der anderen Seite ist aber eine Beschränkung auf reine spirituelle Beschäftigung mit dem Text und Ablehnung jeglicher wissenschaftlicher Herangehensweise genauso falsch. Extreme sind bekanntlich nie gut. Vielmehr sind beide Ansätze als verschiedene Aspekte zu sehen, die sich gegenseitig zu ergänzen haben, um ein ganzheitliches Bild zu bekommen.

2. Textabgrenzung und Übersetzung

Schlägt man heute eine Bibel auf, so ist der Psalm 8, wie eigentlich alle Psalmen, ziemlich klar nach vorne und hinten abgegrenzt. Die Überschrift „Psalm 8“ deutet darauf hin, ist aber natürlich nicht original. Der erste Vers hingegen bringt auch so etwas wie eine Überschrift. „Für den Chormeister. Nach dem Kelterlied. Ein Psalm Davids.“, heisst es in der Einheitsübersetzung, und ist ein Neubeginn, wenn auch wiederum wohl nicht original. Der eigentliche Beginn in Vers 2 beginnt mit einem Lobpreis Gottes: „Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde.“ Dieselbe Wendung schliesst den Psalm am Schluss wieder, damit ist also eine Einheit geschaffen. Bedenkt man den Psalm vorher und jenen nachher, dann ist klar, dass Psalm 8 mit dem Lob des Schöpfers und der Menschenwürde einen anderen Gedanken bringt. Psalm 7 ist ein „Gebet des verfolgten Gerechten“, wie es in der Überschrift in der Jerusalemer Bibel lautet, und für Psalm 9 steht: „Gott stürzt die Gottlosen und rettet die Demütigen“.[1]

Bei der Übersetzung bieten vor allem Vers 2b und 3 Probleme. Die Textüberlieferung von Vers 2b ist gestört. Für Vers 3 gab es vor allem wegen inhaltlichen Problemen eine Fülle von Verbesserungsvorschlägen. Dies alles hat dazugeführt, dass in der Forschung eine Unzahl von Varianten entstanden sind, ohne dass sich eine hätte durchsetzen können. Vor allem über Vers 2b wird weiterhin gestritten. Aus diesem Grund ist es mir nicht möglich ein Abschliessendes Urteil zu geben, sondern lediglich einige Lesarten anzuführen. In diesem Sinne gibt es nicht „die richtige Übersetzung“. Trotzdem kann durch die Textkritik mit gewisser Wahrscheinlichkeit nahe an den ursprünglichen Text herangekommen werden. Dies ist m.E. in der Arbeitsübersetzung von Schnieringer in seiner Doktorarbeit gut gelungen. Es beinhaltet weitgehend die Erkenntnisse der folgenden Arbeitsschritte.

Psalm 8 [2]

1 Dem Vorsänger. Nach der Gittit. Ein Psalm Davids.
2 a JHWH, unser Herr! Wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde,
b der du ‚gibst’ deine Herrlichkeit an den Himmel!
3 Aus dem Mund von Kinder und Säuglingen hast du ein Bollwerk gegründet,
wegen deiner Bedränger,
um zum Einhalten zu bringen Feind und Rächer.
4 Wenn ich deinen Himmel sehe, das Werk deiner Finger,
Mond und Sterne, die du befestigt hast:
5 Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
Das Menschenwesen, dass du nach ihm siehst?
6 Und du hast ihm Weniges fehlen lassen von Gott,
mit Hoheit und Pracht hast du ihn gekrönt.
7 Du hast ihn zum Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände,
alles hast du unter seine Füsse gelegt:
8 Kleinvieh und Rinder, sie alle,
und auch die Tiere des Feldes.
9 Den Vogel des Himmels und die Fische des Meeres,
alles was auf Pfaden der Meere dahinzieht.
10 JHWH, unser Herr! Wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!

3. Textkritik

Vers 1:

Der erste Vers ist eine spätere Überschrift und gibt kultische Anweisungen und Erklärungen. „Nach gatischer Weise“, oder auch githitische, wird auch als „nach dem Kelterlied“ übersetzt.[3] [4]

Vers 2 und 3:

Wie bereits erwähnt, bietet Vers 2b einen gestörten Text. Der Masoretische Text, der hier als ursprünglichste Überlieferung gilt, enthält dort einen Relativsatz mit Imperativ. Das hiesse dann „Wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde, welche[r] gib doch …“[5]. Dass dies syntaktisch kaum möglich ist, ist unbestritten. Es wäre auch nicht klar, worauf sich der Relativpartikel beziehen sollte. Weitauseinander gehen hingegen die Lösungsvorschläge.[6]

Ich möchte Vers 2 und 3 zusammen behandeln, weil verschiedene Ausleger entweder die beiden Verse zu einem Satz verbinden, oder eben nicht. Der Masoretische Text beginnt mit Vers 3 einen neuen Satz: „Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge hast du ein Bollwerk errichtet […]“ Duhm meint dazu: „Wie kann aus dem Munde der Kinder, der Säuglinge, eine Macht gegründet werden, eine Macht wegen der Feinde Gottes!“[7] Damit benennt er auch die Hauptschwierigkeit mit der Interpretation dieser Stelle, welche zu so zahlreichen Konjekturen geführt hat. Duhm verbindet in seiner Lesart Vers 2b und 3a zu einem Satz. Er konstruiert ein Hilfsverb des Lobes, „besingen“. „Inspiriert ist dieser Lösungsansatz u.a. von der gattungskritischen Erkenntnis, dass Hymnen häufig von einem solchen Verb (in der 1.Pers.) eröffnet werden (sog. „Aufgesang“), typischerweise mit […] „Ich will (be-)singen“.[8] Dies führt dann zu folgender Übersetzung: „Lass mich besingen deinen Glanz am Himmel, mit dem Mund von Kindern und von Säuglingen!“[9] Viele andere Ausleger haben sich dieser Variante angeschlossen. Auch Alfons Deissler übersetzt: „Besungen wird dein Glanz am Himmel von der Kinder und Säuglinge Mund.“[10], und meint in seinem Kommentar, dass die kleine Änderung eines Vokals und der Texteinteilung alles in Ordnung bringe. Die übliche Übersetzung wie der masoretische Text sie bietet, sei selbst für hebräische Phantasie zu stark und er nennt es „ein allzu kühnes Bild“.[11]

[...]


[1] Vgl. Jerusalemer Bibel (1968) 732–734.

[2] Jerusalemer Bibel (1968) 733f.

[3] Vgl. Fohrer, Psalmen (1993) 15.

[4] Vgl. Kraus, Psalmen (1978) 206.

[5] Schnieringer, Psalm 8 (2004) 28.

[6] Vgl. Schnieringer, Psalm 8 (2004) 28.

[7] Duhm, Psalmen (1922) 35.

[8] Schnieringer, Psalm 8 (2004) 31.

[9] Duhm, Psalmen (1922) 34.

[10] Deissler, Psalmen (1963) 45.

[11] Vgl. Deissler, Psalmen (1963) 46.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Psalm 8 - Eine historisch-kritische Analyse
Untertitel
Würde des Menschen
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)
Note
6/6 (entspricht 1)
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V208482
ISBN (eBook)
9783656364450
ISBN (Buch)
9783656366294
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theologie, Altes Testament, Bibel, Anthropologie, Psalm, Menschenwürde
Arbeit zitieren
Beat Andreas Schweizer (Autor), 2011, Psalm 8 - Eine historisch-kritische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208482

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