Die Entwicklung und Folgen des Zeitungswesens als Medium der Frühen Neuzeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

I. EINLEITUNG

Nie zuvor ist die mediale Präsens in einer Gesellschaft stärker gewesen als im 21. Jahrhundert. In allen Lebensbereichen werden die Menschen mit aktuellen Informationen jeglicher Art überschüttet. Aufgrund der multimedialen Entwicklung, welche den Zugang zu Neuigkeiten überall erlaubt und die Menschen über alle Vorgänge informiert, spricht man auch von einer Informationsgesellschaft. Der mediale Einfluss auf die Gemeinschaft und die daraus resultierende Abhängigkeit der Menschen ist nicht zu leugnen. Daher wird im Rahmen der staatlichen Gewaltenteilung den Medien heutzutage die Eigenschaft der vierten Gewalt zugesprochen.

Der Umgang mit der Vielfalt an Informationsträgern ist für uns alle zur täglichen Normalität geworden. Doch wie hat diese Entwicklung ihren Gang genommen und welche Auswirkungen haben die neuen publizistischen Erzeugnisse auf die Gesellschaft der Frühen Neuzeit?

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit dem Medium der Zeitung beschäftigen. Um dieser Auseinandersetzung nach neueren Forschungsergebnissen gerecht zu werden, verlangt diese Arbeit zuerst eine Bedeutungserklärung des Begriffs ´Zeitung´ und einen Überblick über die verschiedenen Formen der Nachrichtenübermittlung, da diese eine Affinität zueinander aufweisen. In einem zweiten Schritt werde ich mich dann ausschließlich der Entwicklung der Zeitung widmen, um sodann auf die Folgen für die Gesellschaft der Frühen Neuzeit eingehen zu können. Zusätzlich möchte ich darauf hinweisen, dass ich nicht näher auf die technische Revolution bezüglich des Druckerwesens eingehen kann. Dies würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

II. Begriffsbestimmung und allgemeiner medialer Überblick

Wenn im heutigen Verständnis von der Zeitung gesprochen wird, dann wird damit ein bestimmtes Nachrichtenmedium in das Blickfeld gezogen. Dieses Medium hat im Verlauf seiner Entwicklungsgeschichte eigene Merkmale angenommen und besteht jetzt neben anderen Presseformen, wie der Zeitschrift oder Heftreihe als eigenständige Gattung.[1] Die Eigenschaften, welche der modernen Zeitung zukommen müssen, um als solche dieser Gattung anzugehören, zeichnen sich durch die regelmäßige Erscheinung aus, nämlich der „Periodizität“[2]. Keine Zeitung darf von einzelnen Ereignissen abhängig gemacht werden, welche das Erscheinen bestimmen. Der Nachrichtenfluss muss kontinuierlich erfolgen. Dies beinhaltet, dass die zu übermittelnden Neuigkeiten alle einer gewissen „Aktualität“[3] unterliegen müssen. Deshalb sollten die beschriebenen Ereignisse nicht länger als eine Woche zurück liegen. Die Auswahl an Nachrichten für eine Zeitungsausgabe müssen einer strengen Selektion unterliegen, welche nur einmalig unter Versehung einer Zeitungsnummer je Ausgabe erscheinen. Dadurch erhält jedes Zeitungsedition einen Anspruch auf „Universalität“[4]. Das letzte Kriterium zur Charakterisierung der modernen Zeitung besteht aus der „Publizität“[5]. Jede Zeitung kann erst durch den Druck der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

In der Frühen Neuzeit hat es noch keine festgelegten Charakteristika gegeben, welche die verschiedenen publizistischen Erzeugnisse von der Zeitung als Gattung hätten trennen können. Diese Vielfalt an den differenziertesten publizistischen Erzeugnissen lässt sich aus heutiger Sicht durch die Bedeutungsveränderung des Begriffs ´Zeitung´ erklären. Im sechzehnten Jahrhundert unterliegen alle medialen Erscheinungsformen demselben Ziel – nämlich die Menschen durch eine bestimmte mediale Art über einen bestimmten Sachverhalt zu informieren. Dies ganz unabhängig von der medialen Erscheinungsform, sei es zum Beispiel ein Flugblatt oder –Schrift, eine Messrelation oder sonstige schriftliche Erzeugnisse. Vielmehr liegt die Schwierigkeit der Trennung des Begriffs ´Zeitung´ gegenüber unserem Sprachgebrauch darin begründet, dass dieser in der frühneuhochdeutschen Sprache synonym zu „„Nachrichten““[6] benutzt wird.[7] Wenn der Mensch der frühneuzeitlichen Welt von ´Zeitung´ spricht, so ist es diesem weniger auf eine bestimmte mediale Form als Informationsträger angekommen, sondern vielmehr auf die Möglichkeit von neuen Begebenheiten zu erfahren. Der wirklich verankerte Bedeutungswandel hin zu unserer Auffassung der Zeitung als Gattung hat sich erst Mitte des neunzehnten Jahrhunderts vollzogen.[8]

An dieser Stelle bietet sich aus der neueren Forschung die These von Esther-Beate Körber an, die die verschiedenen Informationsträger der Neuzeit formal nach ihrer „funktionelle[n] Gruppe“[9] unterscheidet. Sie vertritt die These, dass alle Schriften, welche periodisch oder seriell erscheinen, unterschiedlichen Linien und Zielen folgen. Daher wäre es sinnvoll, die informellen Schriften der Zeit, denen die gemeinsame Eigenschaft des Informierens zugrunde liegt, in verschiedene Gruppen nach Funktionen einzuteilen. Jede einzelne funktionelle Gruppe würde demnach jeweils abgestimmte Informationen für bestimmte Rezipienten übermitteln.[10] Die Annahme von Körber bestätigt sich, wenn ich jetzt im Folgenden die wichtigsten Informationsschriften vorstelle, welche jeweils an eine bestimme Gruppe von Menschen mit Neuigkeiten gerichtet sind.

An erster Stelle sind aufgrund der schnellen und verhältnismäßigen günstigen Herstellungskosten das Flugblatt und die Flugschrift zu nennen. Ersteres besteht meistens aus einem Einblattdruck und dient der Verbreitung informativer und propagandistischer Zwecke .[11] Um die Schwelle der Neuzeit, welche die Erschütterung des christlichen Weltbildes und die Reformationsbewegungen mit sich bringt, wird dieses Medium außerordentlich oft zur Verbreitung von Wundernachrichten benutzt, die „Die Nachrichtenberichterstattung über Gottes „Zeichen und Wunder““[12] verbreiten und legitimieren sollen.[13] Diese Art von Wundernachrichten sollen an die bisherige Gottesfurcht anknüpfen, um die Menschen niederen Standes von Versuchen der sozialen Veränderung fern zu halten.

Ähnlich verhält es sich mit der Flugschrift, welche aus mehrseitigen gedruckten Blättern

„„als ein frühes Massenkommunikationsmittel mit propagandistisch-agitatorischer Zielsetzung, das in der Phase der geistig-religiösen und politisch-sozialen Auseinandersetzungen an der Schwelle zur Neuzeit zum ersten Mal in so großem Umfang zur gezielten Massenbeeinflussung eingesetzt wurde““[14].

Gerade als es um die Frage des Glaubens während der Reformationszeit geht, hat diese Schrift zu Versuchen der theologisch-propagandistischen Aufklärung durch die niedrigen und schnellen Herstellungskosten sich großer Beliebtheit erfreut. Natürlich bleibt zu vermerken, dass es auch Ausnahmen gibt, bei denen dieses Kommunikationsmittel der Nachrichtenübermittlung von politischen oder sonstigen Ereignissen förderlich ist.[15]

Ein weiterer Informationsträger derselben Zeit ist die Messrelation. Diese erscheint als erstes periodisch gedrucktes Informationsmedium in größeren Städten. Vor allem ist hier als wichtigste Stadt Frankfurt am Main zu nennen. In der Regel halbjährig zu den großen Messen hat diese Gattung auf ungefähr hundert Seiten die Kaufmänner und die heranwachsende bürgerliche Gemeinschaft bezüglich ihres jeweiligen Gewerbes und die dafür wichtigen Ereignisse und wirtschaftlichen Tendenzen aus den vergangen Monaten informiert. Die Messrelationen haben zu dem Zeitpunkt bis zum Ende des sechzehnten Jahrhunderts das Nachrichtenwesen dominiert. Heute noch gilt diese Art der Berichterstattung über ausgewählte Bereiche bezüglich der jeweiligen Messe als unentbehrlich. Mittlerweile werden diese publizistischen Erzeugnisse in Fachkreisen den historischen Chroniken oder Annalen zugeteilt.[16]

[...]


[1] Esther-Beate Körber: Entstehung und Funktion der Zeitungsextrakte in der Medienlandschaft der Früher Neuzeit. In: Volker Bauer und Holger Böning (Hrsg.): Die Entstehung des Zeitungswesens im 17. Jahrhundert: Ein neues Medium und seine Folgen für das Kommunikationssystem der Frühen Neuzeit. Bremen 2011. [Presse und Geschichte-Neue Beiträge, Bd. 54]. S. 211.

[2] Andreas Würgler: Medien in der Frühen Neuzeit. In: Lothar Gall (Hrsg.): Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Bd. 85. München 2009. S. 35.

[3] Ebd., S. 35.

[4] Ebd., S. 35.

[5] Ebd., S. 35.

[6] Esther-Beate Körber, Medienlandschaft, S. 213.

[7] Ebd., S. 213.

[8] Margot Lindemann: Deutsche Presse bis 1815. Geschichte der deutschen Presse Teil 1. In: Fritz Eberhard (Hrsg.): Abhandlungen und Materialien zur Publizistik, Bd. 5. Berlin 1969. S. 15.

[9] Esther-Beate Körber, Medienlandschaft, S. 211.

[10] Ebd., S. 211f.

[11] Vgl. Andreas Würgler, Medien/Enzyklopädie, S. 18.

[12] Franz Mauelshagen: Verbreitung von Wundernachrichten als christliche Pflicht: Das Weltbild legitimiert das Medium. In: Franz Mauelshagen und Benedikt Mauer/Theresia Hörmann (Hrsg.): Medien und Weltbilder im Wandel der Frühen Neuzeit. Wißner 2000. [Documenta Augustana; Bd. 5]. S. 133.

[13] Ebd., S. 133.

[14] Andreas Würgler, Medien/Enzyklopädie, S. 18.

[15] Ebd., S 32.

[16] Vgl. Andreas Würgler, Medien/Enzyklopädie, S. 33.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung und Folgen des Zeitungswesens als Medium der Frühen Neuzeit
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V208526
ISBN (eBook)
9783656358862
ISBN (Buch)
9783656360216
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitung, Entwicklung, Neuzeit, Medium
Arbeit zitieren
Marc Hoffmann (Autor), 2012, Die Entwicklung und Folgen des Zeitungswesens als Medium der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208526

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