Aufgaben und Ziele des Seniorensports


Hausarbeit, 2004

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung:

1 Aufgaben und Ziele des Seniorensports

2 Spezielle Probleme im Alten- und Pflegeheim

3 Charakterisierung der Gruppe
3.1 Rahmenbedingungen
3.2 Indikationen
3.3 Gruppendynamik, soziale Probleme, materielle Voraussetzungen

4 Didaktisch methodische Vorüberlegungen
4.1 Allgemeine pädagogische Leitlinien
4.2 Aufbau und Gestaltung einer Seniorensportstunde
4.3 Begründung des Stundenthemas und Einordnung in ein längerfristiges Konzept
4.4 Stundenverlauf
4.4.1 Einleitung
4.4.2 Hauptteil
4.4.3 Schlussteil

5 Literaturverzeichnis

Anhang: Tabellarische Stundenkonzeption

1 Allgemeine Aufgaben und Ziele des Seniorensports

In Deutschland steigt der Anteil der Senioren in der Bevölkerung kontinuierlich an. Knapp ein Viertel der Gesamtpopulation (23 %) stellen bereits heute die über 60jährigen. Darüber hinaus nahm die durchschnittliche Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten immer weiter zu. Für die Männer, die zurzeit geboren werden, beträgt sie 74,4 und für die Frauen 80,5 Jahre. Das statistische Bundesamt ermittelte dazu eine Prognose für das Jahr 2050. Demnach soll dann jeder Dritte (35,8 %) in Deutschland über 60 Jahre alt sein (vgl. Statistisches Bundesamt 2000). Ein längeres Leben bedeutet jedoch nicht zwangsläufig hinzugewonnene gesunde Lebensjahre. Körperliche Beschwerden und Behinderungen können ebenfalls zunehmen, so dass die Versorgung und Pflege alter Menschen längerfristig in unserer Gesellschaft ein bedeutendes Problem sein wird. In diesem Sinn kann der Seniorensport zur Bewältigung von Aufgaben, die durch das Alter gestellt werden, beitragen.

Früher war dieser Sport fast ausschließlich auf Turnvereine beschränkt. Erst seit einiger Zeit findet man Gymnastikprogramme für ältere Menschen auch in Sport- und Wohlfahrtsverbänden. Altenheime und geriatrische Einrichtungen erkannten ebenfalls das Potential für Prävention, Rehabilitation und Therapie, das der Seniorensport leisten kann und begannen mit Vereinen zusammenzuarbeiten (Kruber 1999, 3).

Bei der Betrachtung gesundheitlicher und psychosozialer Aspekte kommt dem Alterssport eine große Bedeutung zu. Dennoch findet man nur eine relativ kleine Anzahl von Senioren, die sich sportlich betätigen. Ein gravierendes Problem ist, dass in unserer Gesellschaft in den Köpfen das Stigma von „Alt sein“ mit einem schicksalhaften Prozess des irreversiblen Rückgangs der körperlichen, psychischen und sozialen Fähigkeiten verknüpft ist. Dieses negative Altersbild trägt dazu bei, dass nur wenige Senioren motiviert sind Sport zu treiben. Auch werden alte Menschen häufig durch Ärzte und Familienangehörige eher zur Schonung oder zu passiven Therapiemaßnahmen aufgefordert, obwohl dosierte aktive Bewegung das bessere Mittel wäre. Dies kann zu einem Circulus vitiosus führen, in dem die alten Menschen verstärkt in die Passivität gedrängt werden. Dadurch nimmt sowohl ihre körperliche als auch geistige Leistungs- und Anpassungsfähigkeit sehr rasch ab. Sie sind sich ihrer einstigen Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht mehr sicher und büßen schließlich auch an Selbstvertrauen ein.

Das Wissen, dass auch im Alter funktionelle Anpassungsmechanismen erhalten bleiben und man Abbauprozesse durch Förderung im kognitiven, physischen und psychosozialen Bereich verlangsamen kann, ist in unserer Gesellschaft nur ungenügend vorhanden.

Die Aufgaben und Ziele im Seniorensport lassen sich unter dem Begriff der Gesundheitsförderung zusammenfassen.

Klingenberger (1996, 261) formuliert die Intentionen des Altensports aus einer ganzheitlichen biopsychosozialen Betrachtungsweise wie folgt:

- „Der Altensport soll die zunehmende Bewegungsarmut ausgleichen.
- Er soll die motorischen und körperlichen Fähigkeiten schulen.
- Durch Angebote des Altensports sollen die Koordinations- und Merkfähigkeiten alter Menschen trainiert werden.
- In der Konsequenz fördert der Altensport das Selbstwertgefühl.
- Schließlich dient der Altensport auch noch der Pflege der sozialen Kontakte.“

Natürlich ist das Altwerden unvermeidlich mit Verlusten verbunden, die jedoch akzeptiert und gemeistert werden müssen.

Auf physischer Ebene können durch funktionelle Anpassungsmechanismen, die auf einer regelmäßigen und gezielten sportlichen Aktivität basieren, der Stütz- und Bewegungsapparat gekräftigt, die Herz- Kreislauftätigkeit ökonomisiert sowie die Brustkorbbeweglichkeit verbessert werden. Durch ein langes Erhalten der Alltagsmotorik und Handlungskompetenz kann die Bewältigung von den Aktivitäten des täglichen Lebens, wie Treppensteigen, Einkaufen, Arbeiten im Haushalt etc. ermöglicht werden.

Darüber hinaus können im Alterssport neben der Verbesserung von Fähigkeiten und Fertigkeiten ein Aufbau von psychischen und sozialen Ressourcen erwartet werden.

Durch Erfolgserlebnisse und Spaß am Sport lässt sich das Selbstvertrauen stärken; Sport kann zur Lebensfreude beitragen und damit das psychische Wohlbefinden verbessern.

Auch kommt es durch gemeinsame Bewegungsaktivitäten in einer Gruppe zu vermehrten Sozialkontakten, die einer Vereinsamung im Alter vorbeugen. Mit der Einbindung in eine soziale Unterstützung gebende Gemeinschaft wird ein neues soziales Bezugssystem eingerichtet, eine gesündere Lebensweise vermittelt und dadurch auf mögliche vorhandene Risikofaktoren eingewirkt.

Kolb (1995, 41) möchte die Senioren aus ihren eigenen Kräften heraus dazu befähigen „die anstehenden krisenhaften Belastungen des Alterns positiv zu lösen und eine neue Perspektive für das eigene Leben zu entwerfen“.

Die übergeordnete Aufgabe des Seniorensports ist es, die Ressourcen jedes einzelnen zu stärken. Dabei geht es um personale, psychische und soziale Ressourcen, die zu einer Erweiterung von Handlungskapazitäten und dadurch zur Bewältigung von Lebenssituationen beitragen. Kolb (1995, 42) sieht die Aufgaben des Altensports in einer umfassenden Altenbildung, die eine „flexible, anpassungsfähige und kreative Persönlichkeit zum Ziel hat und zur Gestaltung der gegenwärtigen Lebensphase fähig ist.“

2 Spezielle Zielsetzungen von Sportangeboten im Alten- und Pflegeheim

Die Aufgaben und Intentionen von Bewegungsangeboten in geriatrischen Einrichtungen stehen, wie auch im Seniorensport, unter einem ganzheitlich ausgerichteten Konzept. In der Umsetzung in die Praxis bieten sich durch die unterschiedlichen Beeinträchtigungen der Bewohner im Altenheim einfache Spielformen und Varianten der Gymnastik an. Dabei müssen entsprechende Anforderungen an kognitive, physische und soziale Leistungen in ein Übungsprogramm einfließen.

Zurzeit sind in Deutschland etwa 10 % der über 65jährigen in Altersheimen untergebracht.

Bewegungs- und Sportangebote sind, wie im obigen Abschnitt bereits erwähnt, in vielen geriatrischen Einrichtungen ein fester Bestandteil. Dennoch nutzt nur ein relativ kleiner Teil der Bewohner (ca.10 %) die Möglichkeiten der Angebote. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Viele Senioren sind von dem besagten negativen Stigma des „Altsein“ eingenommen und glauben nicht an eine Verbesserung ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten durch sportliche Aktivität. Sie haben auch Angst sich bei Körperübungen zu verletzen. Natürlich ist auch der Bewegungsdrang älterer Menschen nicht mehr so hoch wie in jungen Jahren. Darüber hinaus haben auch die meisten Bewohner eines Altenheimes nicht ein Leben unter sportlicher Zielsetzung betrieben. Auch wollen sie nun die Phase des Lebensabends genießen und sich von ihrem bisherigen Lebenskampf ausruhen. Philippi-Eisenburger (1990, 47) bestätigt dies durch die Aussage: „Mit der Zunahme der gelebten Jahre verändert sich nicht nur der Körper und die Motorik als biologische Funktion, sondern auch die innere Einstellung zu sich selbst und zur Umwelt!“

Im Folgenden werde ich nun auf spezielle Zielsetzungen und Probleme eingehen. Dabei geht es neben der Erhaltung und Verbesserung von kognitiven, koordinativen und konditionellen Leistungen vor allem um den Erhalt der Selbständigkeit und der Kompetenz, die eine möglichst lange und selbständige Lebensführung im Alter garantiert.

Stärkung funktionell biologischer Ressourcen:

Verbesserung der Mobilität und Lockerung der Muskulatur

Durch die im Alter oftmals vorherrschende Bewegungsdistanz und Bewegungsunlust kommt es bei den Senioren zu Bewegungsmangel, der schließlich Bewegungseinschränkungen in Form von muskulären Dysbalancen und Muskelverkürzungen zur Folge hat. Diesen negativen Kreislauf gilt es mit einem freudbetonten motivierenden Übungsprogramm zu durchbrechen. Leichte Pendel- und Schwungübungen sind für die obere und untere Extremität dabei besonders empfehlenswert. Diese können auch mit Übungsgeräten wie Tüchern, Keulen oder Bällen unterstützt werden. Ruckartige Bewegungen sind jedoch zu vermeiden, da sie schnell zu Verletzungen des Muskel- und Bandapparates führen können. Darüber hinaus können nach einer gründlichen Erwärmung auch Übungen zur Dehnung der Muskulatur eingesetzt werden.

Eine Auflockerung der Muskulatur trägt oftmals auch zur Steigerung des körperlichen Wohlbefindens bei (vgl. Meusel 1996,100-105).

Verbesserung koordinativer Fähigkeiten

Untersuchungen bestätigen, dass der Verlust an Koordinationsfähigkeit im Alter vor allem auf mangelnde Inanspruchnahme im Alltag zurückgeht. Dennoch lassen sich Defizite in Koordination und Gewandtheit auch auf physiologische Alterungsprozesse zurückführen. Sinnesleistungen, im Besonderen des Auges und des Gehörsinns, lassen allgemein nach, wodurch die situative Orientierung und Anpassung erschwert werden; die Reduzierung der Tastkörperchen führt zur Abnahme der taktilen Sensibilität.

Alle Bewegungsformen, die nicht ständig ausgeübt werden, bedürfen zunehmend der

bewussten cerebralen Steuerung und Kontrolle auf Kosten der Schnelligkeit der

Ausführung. Auch lässt die Fähigkeit zu Simultanbewegungen langsam nach.

Nicht zuletzt tragen auch Veränderungen in der Muskulatur und in den Gelenken mit

zunehmender Steifheit im Bindegewebe zur Verschlechterung von Koordinationsleistungen im Alter bei.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Aufgaben und Ziele des Seniorensports
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Diplomprüfung zu den Lehrpraktischen Übungen "Bewegung und Sport im Altenheim"
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V20882
ISBN (eBook)
9783638246439
ISBN (Buch)
9783638919647
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufgaben, Ziele, Seniorensports, Diplomprüfung, Lehrpraktischen, Bewegung, Sport, Altenheim
Arbeit zitieren
Uwe Schwender (Autor), 2004, Aufgaben und Ziele des Seniorensports, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20882

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