Die Bedeutung des Rechtsrock für den Rechtsextremismus

Einstiegsdroge in die rechte Szene?


Hausarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 11


Leseprobe

Inhaltliche Gliederung

1. Einleitung

2. Was heißt Rechtsextremismus?

3. Rechtsrock
3.1 Erklärung des Phänomens
3.2 Einfluss und Bedeutung für den Rechtsextremismus

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Rechtsrock […] spielte und spielt eine entscheidende, wenn nicht gar die wichtigste Rolle bei der Weiterentwicklung und Vernetzung der internationalen Rechtsextremismusszene“ (Pötsch 2002, S. 126). Besonders herausragende Merkmale sind dabei die enge Verzahnung von produzierenden und vertreibenden Unternehmen von rechtsextremer Rockmusik mit der Rechtsextremismusszene sowie die Funktion des Rechtsrocks als Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich daher näher mit der Frage, welche Bedeutung Rechtsrock für den Rechtsextremismus besitzt.

Der Inhalt ist folgendermaßen gegliedert. Es sollen zunächst einmal der Begriff des Rechtsextremismus sowie die verschiedenen Facetten näher beleuchtet werden. Es werden die Unterscheidung zwischen Einstellung und Verhalten rechtsextremer Anhänger erläutert, allgemein bestehende Grundauffassungen dargestellt, Strömungen aufgezeigt und Theorien erklärt, die versuchen zu deuten, weshalb Menschen rechtsextreme Einstellungen annehmen. Im nächsten Teil wird dann das Phänomen des Rechtsrock dargestellt. Dabei wird zum einen auf die verschiedenen Richtungen eingegangen und zum anderen aufgezeigt, wie sich Texte und Musik charakterisieren lassen. Außerdem folgt eine Erläuterung der Entstehung des Rechtsrock in Deutschland. Im Anschluss wird erläutert, auf welche Weise Rechtsrock Einfluss auf die rechtsextreme Szene nimmt bzw. welche Bedeutung der Rechtsrock für die Szene besitzt. Dabei werden zwei Fallbeispiele aufgezeigt, in denen Rechtsrock mit Rechtsextremismus verzahnt ist. Sie dienen exemplarisch für die beiden Motivationsansätze, Rechtsrock zu vermarkten – wirtschaftliche Gründe und politische Gründe. Außerdem wird aufgezeigt, wie rechte Musik allgemein als Einstieg in die Szene dient. Am Schluss folgt ein Fazit, in dem die wichtigsten Schlussfolgerungen noch einmal genannt werden.

2. Was heißt Rechtsextremismus?

Der Begriff des Rechtsextremismus hat sich in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts in der politischen Alltagssprache etabliert und dient mehr und mehr als neue Beschreibung für den älteren Begriff des Rechtsradikalismus. Zu dem Phänomen ist auch ein Forschungszweig in den Sozialwissenschaften entstanden, der dabei grundsätzlich zwischen Einstellung und Verhalten unterscheidet (vgl. Jaschke, Gerd 2006, http://www.bpb.de/themen/DU09IB,0,Rechtsextremismus.html; letzter Zugriff: 04.08.2010).

Eine rechtsextremistische Einstellung liegt dann vor, wenn folgende Merkmale bei einer Person in Verbindung auftreten: „übersteigerter Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, ein autoritär-konservatives, hierarchisches Familien- und Gesellschaftsbild und die Ablehnung der Demokratie“ (ebd. 2006, letzter Zugriff: 04.08.2010). Etwa zehn bis fünfzehn Prozent der deutschen Bevölkerung besitzen nach Umfragen eine solche Haltung. Diese internalisierte Ideologie entsteht durch Erfahrungen im familiären Bereich oder in der Gruppe der Gleichaltrigen. Dazu zählen zum Beispiel der Verlust von Arbeit, der Wohnung oder weniger aussichtsreiche Lebensperspektiven. Diese sogenannten Modernisierungsverlierer bilden die Hauptgruppe der Personen mit einer solchen Einstellung. Der Prototyp ist eher männlich, schlecht ausgebildet und in einer prekären Arbeitssituation (vgl. ebd. 2006, letzter Zugriff: 04.08.2010).

Das Verhalten rechtsextremer Anhänger zeigt sich in der Wahl und/oder der Mitgliedschaft einer rechten Partei, der Teilnahme in rechtsextremen Organisationen sowie an Demonstrationen und im aggressiven Verhalten gegenüber ethnischen Minderheiten. Organisiert zeigt sich der Rechtsextremismus in Parteien, Vereinigungen und Kameradschaften. Ausgehend von den Sozialwissenschaften sowie Polizei und Verfassungsschutz gelten diese Gruppen dann als extremistisch, wenn sie sich politisch „aktiv-kämpferisch gegen wesentliche Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ (ebd. 2006, letzter Zugriff: 04.08.2010) wenden.

Innerhalb dieser Gruppen haben sich auf breiter Basis folgende Grundauffassungen etabliert. Der Reichs-Mythos beschreibt die Überzeugung, dass das Deutsche Reich nach der Niederlage von den Alliierten verstümmelt wurde, und dass die Ausdehnung des Reichs von 1937 wiederhergestellt werden müsse.

Des Weiteren versteht man unter Geschichts-Revisionismus die Auffassung, dass man die Geschichte des Nationalsozialismus anders beschreiben und neu bewerten müsse. Dazu gehören etwa die Ansicht, dass die Schuld am Krieg nicht alleine Deutschland zuzuschreiben ist oder die Überzeugung, dass das Deutsche Reich sehr viele positive Seiten besaß. Die Dekadenz-Theorie meint den Standpunkt, dass in Deutschland seit 1945 ein sittlicher Verfall in Familie, Kultur, Moral und bürgerlicher Tugenden stattgefunden habe. Dieser habe vor allem seit 1968 eine entscheidende Entwicklung genommen und sei durch amerikanischen Kulturimperialismus sowie durch Zuwanderer aus Südeuropa, Afrika und Asien entstanden (vgl. ebd. 2006, letzter Zugriff: 04.08.2010).

Als Konsequenz werden dabei immer wieder Verschwörungstheorien heraufbeschworen und die angebliche Überfremdung Deutschlands bestätigt. Weitere Aspekte sind Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Der Glaube, eine bestimmte Gesellschaft beschreibe einen festen Volkskörper, führt zu dem Ansatz, das Fremde darin abzusondern zu müssen und somit zu Gewalt gegen Fremde. Die bei Rechtsextremen angesagte Demokratie- und Parlamentarismuskritik findet ihren Ursprung in der Auffassung, dass sich in Gruppen immer der Stärkere durchsetzt, was wiederum die Notwendigkeit einer Autorität untermauert (vgl. ebd. 2006, letzter Zugriff: 04.08.2010).

Bei den rechtsextremen Gruppen lassen sich drei Strömungen unterscheiden – die parteienförmige Rechte, die intellektuelle Neue Rechte und der gewaltbereite Rechtsextremismus. Die rechten Parteien SRP, NPD, DVU und die Republikaner konnten immer wieder kleinere Wahlerfolge erreichen. Die SRP wurde allerdings 1952 verboten – die sich übrigens offen als nazistische Partei offenbarte. Die NPD konnte zwischen 1966 und 1969 sogar in sieben Landesparlamenten Fraktionen stellen. Die Republikaner hatten die größten Wahlerfolge Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre. Letztere, NPD und DVU versuchten immer wieder am rechten konservativen Rand oder bei gemäßigt rechtsextremen Gruppen Stimmen zu erreichen. So konnten die Republikaner vor allem durch Kritik an der Zuwanderung einige Stimmen gewinnen. Die NPD versucht seit Ende der 90er wiederum Anhänger des Rechtsextremismus in der gesamten Breite zu erreichen und agiert unterschiedlich. Bei Demonstrationen zeigt sie sich sehr aggressiv, in der Kommunalpolitik eher gemäßigt und bezieht sich auf die Interessen der lokalen Bevölkerung.

Die intellektuelle neue Rechte kritisieren vor allem die Vorstellungen der Französischen Revolution, liberale und sozialistische Ideen. Sie treten auf in Tagungen, kleineren Gruppen und Zeitschriftenprojekten. Der Kern dieser Gruppierung findet sich in Burschenschaften an Hochschulen, in Zeitungsredaktionen wie etwa der Jungen Freiheit und dem sogenannten Brückenspektrum zwischen Konservativen und Rechtsextremen. Gewaltbereite Rechtsextreme finden sich in der Gruppe der Skinheads, teilweise im organisierten Bereich und in freien Kameradschaften. Erstmals gab es rechte Gewalt in den sechziger Jahren ausgehend vom Umfeld des NPD-Ordnerdienstes, später gab es in den Siebzigern dann erstmals rechte Gewalt ausgehend von jugendlichen Subkulturen. Beginnend mit den 90er Jahren hat sich auch die Gewalt von Skinheads etabliert, die in engem Zusammenhang mit rechter Musik und dem Handel damit stehen (vgl. ebd. 2006, letzter Zugriff: 04.08.2010).

Das Phänomen des Rechtsextremismus findet sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen europäischen Staaten. Für die Frage, warum sich nach dem NS-Terror vor über 60 Jahren immer noch Menschen diesen Gruppen anschließen, gibt es neben vielen anderen zwei sehr einflussreiche Ansätze. Hierzu zählt zum einen die Modernisierungstheorie, die in den 30er Jahren entstanden ist. Ihr zufolge führen zu schnelle Entwicklungen in Gesellschaft und Ökonomie dazu, dass die Menschen überfordert sind und sich rückwärtsgewandten Vorstellungen zuwenden. Dieser Theorieansatz ist stark verknüpft mit dem der Individualisierung. Durch den Wandel von Industrie- zu Dienstleistungsgesellschaft verlieren traditionelle Bindungen wie das Arbeitermilieu an Gewicht. Auch die Familienbindung nimmt ab. Das führt zu einer größeren Freiheit für den Einzelnen und somit aber auch zu stärkerer Verunsicherung und zu sozialen Ängsten. Rechte Vorstellungen zeigen dafür eindeutige Antworten, klare Gegner und eine Gemeinschaft, die gegenseitige Anerkennung bietet, auf. Sie bieten also Angebote für den unsicheren Einzelnen (vgl. ebd. 2006, letzter Zugriff: 04.08.2010).

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Details

Titel
Die Bedeutung des Rechtsrock für den Rechtsextremismus
Untertitel
Einstiegsdroge in die rechte Szene?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
11
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V208911
ISBN (eBook)
9783656363835
ISBN (Buch)
9783656365020
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsextremismus, Rechtsrock, Musik, Politische Bildung
Arbeit zitieren
Johannes Kolb (Autor), 2010, Die Bedeutung des Rechtsrock für den Rechtsextremismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208911

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