Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › World History - Early and Ancient History

Marc Anton und Kleopatra: Zerrbilder der Geschichtsschreibung

Title: Marc Anton und Kleopatra: Zerrbilder der Geschichtsschreibung

Seminar Paper , 2013 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Miriam Gaßner (Author)

World History - Early and Ancient History
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Zu diesem Antonius angeborenen Wesen, gesellte sich nun das letzte Unheil, die Liebe der Kleopatra.“

Dieses Zitat Plutarchs charakterisiert das Bild, das lange Zeit in der Geschichtsschreibung von Marc Anton und Kleopatra vorherrschte und das auch die übrigen antiken Quellen von den beiden mehr oder weniger ausgeprägt zeichnen. Kleopatra gilt als Frau zwischen zwei Extremen: zum einen als Herrscherin, die mit allen Mitteln, die ihr als Königin zur Verfügung standen, ihre politischen Ziele durchsetzte, zum anderen als Geliebte zweier großer Römer. Die Beziehung zu Marc Anton ist es, die sie endgültig in die „Mühlen der propagandistischen Auseinandersetzung“ zwischen Antonius und Octavian treibt. Marc Anton wiederum geht in die Geschichtsschreibung ein als ein von Kleopatra beherrschter, gegen das traditionelle Römertum eingestellter und von Octavian besiegter Politiker, und keineswegs als ernstzunehmende politische Persönlichkeit.
Ziel dieser Arbeit soll es nicht sein, mit den Gerüchten um die schillernde Persönlichkeit Kleopatras und ihres Geliebten Marc Antons aufzuräumen, sondern vielmehr sich den Gründen für die verzerrten Bilder der beiden in der historischen Rezeption zu nähern. Dabei wird man feststellen, dass die Art und Weise wie die beiden von der Nachwelt wahrgenommen werden, den Propagandakampf Octavians widerspiegelt. Man kommt nicht umhin, dem späteren Augustus eine große Schuld an der Tatsache zuzuweisen, dass die beiden als Zerrbilder in die Geschichtsschreibung eingegangen sind, Zerrbilder, mit denen erst die moderne Forschung versucht aufzuräumen und sich den wahren Persönlichkeiten, die sich unter dem Schleier augusteischer Propaganda verstecken, zu nähern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Quellenbasis

2. Marc Anton, Kleopatra und Octavian

2.1 Charakterisierung Kleopatras und Marc Antons

2.1.1 Darstellung bei Plutarch

2.1.1.1 Die Propaganda Octavians bei der Darstellung Marc Antons

2.1.1.2 Die Propaganda Octavians in der Darstellung Kleopatras

2.1.2 Darstellung bei Cassius Dio: Die Propaganda Octavians gegen Marc Anton und Kleopatra

2.1.3 Kritischer Umgang mit den Quellen in der Forschung

2.1.4 Zwischenbilanz: Marc Anton als Liebessklave Kleopatras

2.2. Propagandaschlacht im Vorfeld von Actium

2.2.1 Propagandistische Darstellung der Testamentsveröffentlichung Marcus Antonius bei den antiken Autoren

2.2.2. Kritischer Umgang mit den Quellen in der Forschung

2.2.3 Kriegserklärung an Kleopatra

2.2.3.1 Die Propaganda Octavians in der Darstellung Plutarchs

2.2.3.2 Die Propaganda Octavians in der Darstellung Cassius Dios

2.2.3.3 Kritischer Umgang mit den Quellen in der Forschung

2.3 Diskussion der Ergebnisse im Kontext der Forschung

3. Schluss: Kleopatra als Untergang Marc Antons?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für die historisch verzerrte Darstellung von Marc Anton und Kleopatra. Dabei wird analysiert, inwiefern die antike Geschichtsschreibung maßgeblich von der Propaganda Octavians geprägt ist, die darauf abzielte, Marc Anton als willenlose Marionette und Kleopatra als Gefahr für das römische Reich zu diskreditieren.

  • Die Rolle der Propaganda Octavians in antiken Quellen (Plutarch, Cassius Dio).
  • Die Demontage der historischen Persönlichkeit des Marc Anton.
  • Die Dämonisierung Kleopatras als "femme fatale" und politische Bedrohung.
  • Untersuchung historischer Gegenargumente zur propagandistischen Überlieferung.
  • Die Herausforderungen moderner Forschung bei der Dekonstruktion antiker Zerrbilder.

Auszug aus dem Buch

2.1.1.1 Die Propaganda Octavians bei der Darstellung Marc Antons

Plutarch schildert in seiner Biographie Antonius zwar als tapferen, leidenschaftlichen, aber auch grausamen und rachsüchtigen Mann, der den Luxus, die Theatralik und die Selbstüberhöhung liebt. Trotz der zahlreichen schlechten Attribute, die er seinem Charakter zuschreibt, ist die Darstellung keine rein negative. Allerdings treten die guten Eigenschaften, wie beispielsweise die Fähigkeit ehrliche Reue zu zeigen, Großzügigkeit und Humor, zugunsten der schlechten, wie eine „gewisse gutherzige Einfalt“ oder Grausamkeit und Naivität durch die leichte Betörung durch „Lobhudeleien“ in den Hintergrund.

Die römische Tugend der Treue deutet Plutarch bei Marc Anton so um, dass sie ihre positive Konnotation gänzlich verliert und somit eher als eine Art Treuherzigkeit erscheint, die es ihm unmöglich machte, gewisse Vorgänge zu durchschauen. Dementsprechend wundert es nicht, dass Marc Anton als eine leicht manipulier- und beeinflussbare Persönlichkeit dargestellt wird, für den Kleopatra jenes Übel darstellt, das zusätzlich zu seinem lasterhaften, übertrieben naiven Wesen seinen Untergang bedeuten sollte.

„Denn [d]urch sie wurden nicht nur viele in ihm verborgen liegenden und schlummernden Leidenschaften rege gemacht und bis zur Raserei entstammt, sondern auch das wenige Gute und Heilsame, das jenem noch etwa die Waage halten mochte, wurde vollends unterdrückt und vernichtet.“

Mit diesem Argumentationsgang folgt Plutarch nicht nur der Sicht Octavians, sondern verdeutlicht auch in zahlreichen Gegenüberstellungen die vermeintlichen Vorzüge Octavians dem Älteren gegenüber, wie wir unter anderem an folgender Textstelle, die die Zeit Antonius in Asien beschreibt, feststellen können:

„Nachdem [Marc Anton] [...] nach Kleinasien hinübergegangen war, kam er mit den dort angesammelten Reichtümern in nähere Berührung. Könige warteten ihm an seinen Türen auf, die Gemahlinnen von Königen bewarben sich im Wetteifer miteinander mit Geschenken und mit ihren Reizen um seine Gunst. Während Caesar [Octavian] in Rom sich mit inneren Kriegen und Wirren abzumühen hatte, lebte Antonius in tiefer Ruhe und Frieden und ließ sich durch seine Leidenschaften wieder in sein gewohntes Treiben hineinziehen. [....] Musikanten der gleichen Art, die an Frechheit, und Schamlosigkeit, das aus Italien mitgebrachte Gesindel noch überboten, strömten herbei und beherrschten seinen Hof, und es gab kein Halten mehr...“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Quellenbasis: Diese Einleitung beleuchtet die propagandistische Prägung antiker Quellen über Marc Anton und Kleopatra und definiert das Ziel der Arbeit, diese Zerrbilder zu hinterfragen.

2. Marc Anton, Kleopatra und Octavian: Das Hauptkapitel analysiert die Charakterisierungen bei antiken Autoren wie Plutarch und Cassius Dio und entlarvt diese als gezielte Propaganda Octavians.

2.1 Charakterisierung Kleopatras und Marc Antons: Hier wird untersucht, wie Marc Anton als "Liebessklave" und Kleopatra als Hexe stilisiert wurden, um deren politische Handlungsfähigkeit zu leugnen.

2.2. Propagandaschlacht im Vorfeld von Actium: Dieses Kapitel behandelt die Instrumentalisierung von Marc Antons Testament und die geschickte Kriegserklärung an Kleopatra zur Legitimierung des Konflikts.

2.3 Diskussion der Ergebnisse im Kontext der Forschung: Es wird erörtert, warum diese Klischees auch in der späteren Geschichtsschreibung so hartnäckig überdauerten und wie moderne Historiker versuchen, diese zu korrigieren.

3. Schluss: Kleopatra als Untergang Marc Antons?: Die Schlussbetrachtung hinterfragt die Schuldfrage kritisch und kommt zu dem Ergebnis, dass der Untergang primär ein Ergebnis der überlegenen PR-Strategie Octavians war.

Schlüsselwörter

Marc Anton, Kleopatra, Octavian, Augustus, Antike, Geschichtsschreibung, Propaganda, Actium, Plutarch, Cassius Dio, Quellenkritik, Zerrbilder, Bürgerkrieg, Römische Geschichte, Machtkampf.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die verzerrte Darstellung von Marc Anton und Kleopatra in den antiken Quellen und zeigt auf, wie diese durch die Propaganda Octavians geformt wurde.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die propagandistische Verzerrung der Geschichte, die Rolle des Testaments von Marc Anton, die Kriegserklärung gegen Kleopatra sowie die kritische Auseinandersetzung mit antiken Autoren.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es, die Gründe für die negativen Zerrbilder in der historischen Rezeption zu ergründen und die propagandistischen Mechanismen Octavians, die zur Demontage seiner Gegner führten, offenzulegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es wird eine quellenkritische Analyse durchgeführt, bei der antike Texte (Plutarch, Cassius Dio, Sueton) mit modernen Forschungsansätzen und historischen Gegenargumenten konfrontiert werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung der Protagonisten, die Analyse der Propagandaschlacht im Vorfeld der Schlacht von Actium und eine Diskussion der Forschungsergebnisse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Propaganda, Marc Anton, Kleopatra, Augustus, Quellenkritik, Zerrbilder, Antike Geschichtsschreibung.

Welche Rolle spielt das Testament des Marc Anton in der Argumentation der Arbeit?

Das Testament wird als zentrales Propagandainstrument Octavians dargestellt, das bewusst instrumentalisiert wurde, um Marc Anton als dem römischen Staat entfremdet und Kleopatra hörig zu präsentieren.

Warum wird die Darstellung der "Liebe" zu Kleopatra kritisch hinterfragt?

Die Arbeit betont, dass die Darstellung als bedingungslose, zerstörerische Liebe eine konstruierte Legende ist, die von der tatsächlichen politischen Strategie Marc Antons ablenken sollte.

Excerpt out of 21 pages  - scroll top

Details

Title
Marc Anton und Kleopatra: Zerrbilder der Geschichtsschreibung
College
LMU Munich  (Historisches Seminar der LMU Alte Geschichte)
Course
Vertiefungsseminar: Augustus
Grade
1,0
Author
Miriam Gaßner (Author)
Publication Year
2013
Pages
21
Catalog Number
V209210
ISBN (eBook)
9783656370680
ISBN (Book)
9783656371076
Language
German
Tags
Augustus Kleopatra römische Geschichtsschreibung Plutarch Marc Anton Octavian Oktavian
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Miriam Gaßner (Author), 2013, Marc Anton und Kleopatra: Zerrbilder der Geschichtsschreibung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209210
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  21  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint