Das Franchising als Form der Distributionspolitik gewinnt seit seiner Entstehung Mitte der fünfziger Jahre zunehmend an Bedeutung. Da die Entwicklung der Wirtschaft zu immer größeren Einheiten tendiert, Marktlücken und Marktnischen oft verborgen bleiben, bietet das Franchising Unternehmensgründern die Möglichkeit, ein bereits erfolgreiches und erprobtes Konzept zu übernehmen und so die üblichen Risiken bei einem Start in die Selbständigkeit zu reduzieren. Auch in Deutschland hat sich das Franchising als zukunftsgerichtete Unternehmens- und Vertriebsstrategie einen Namen gemacht. Franchise Systeme finden sich heute in jeder Branche, hauptsächlich im Dienstleistungsbereich. Laut dem Deutschen Franchise Verband e.V. stammen 46% der Franchise-Systeme aus dem Dienstleistungsbereich, 32% aus dem Handel, 15% aus dem Gastgewerbe und 7% aus dem Handwerk. Gerade im touristischen Bereich gewinnt Franchising zunehmend an Bedeutung.
Das Vertriebssystem der Reiseveranstalter basiert heute vor allem auf dem stationären Reisebürovertrieb d.h. über eigene Filialsysteme oder fremde Reisebüros, die auf verschiedene Weise (z.B. durch Franchising, Agenturvertrag oder lose Zusammenarbeit) an den Veranstalter gebunden sind. Durch Konzentrationsprozesse wurde dabei die Vertriebsstruktur in der Tourismusbranche grundlegend verändert. Der Anteil der in der Mitte der 1990er Jahre noch dominierenden, traditionellen, inhabergeführten Einzelreisebüros, die nicht an Reisebüroketten oder Kooperationen angeschlossen sind, ging erheblich zurück. Reiseveranstalter und Handelskonzerne begannen zunächst damit, Reisebüros aufzukaufen bzw. in ihren schon bestehenden Kaufhäusern einzurichten und damit den unabhängigen Reisebüros Konkurrenz zu machen. Die Konzentration auf dem Reisemittlermarkt beschleunigte sich durch die Zusammenschlüsse selbstständiger Reisebüros zu Ketten, Kooperationen und Franchise-Systemen. Anfang der 90er Jahre gründete u.a. die TUI mit TUI Urlaubs Center ein neues veranstalterorientiertes Franchise-System mit einem erheblichen Zulauf von mittelständischen, selbstständigen Betrieben. Die Reiseveranstalter konnten dadurch den Vertrieb stärker an sich binden. In den darauf folgenden Jahren entwickelten sich Touristik-Konzerne mit Milliarden-Umsätzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Unternehmensverbindungen/ -zusammenschlüsse
2.1 Gründe und Ziele von Unternehmensverbindungen
2.2 Systematisierung von Unternehmensverbindungen
3. Reisebürofranchising als spezielle Form der Kooperation
3.1 Marktsituation
3.2 Der Begriff „Franchising“
3.3 Abgrenzung des Franchising von anderen Vertriebsformen
3.4 Das Franchise-System der TUI Leisure Travel (TLT)
3.4.1 Die TLT – Deutschlands größte Reisebüro-Franchise- Organisation
3.4.2 Wesentliche Inhalte des Franchise-Vertrages
3.4.3 Rechte und Pflichten der Franchise-Partner
3.4.4 Das Franchise-Paket – Leistungen der TUI Leisure Travel
3.5 Die Vor- und Nachteile des Franchising
3.5.1 Die Vorteile
3.5.2 Nachteile
4. Fazit - Erfolgsfaktoren des Franchise-Systems
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Franchising als strategische Vertriebsform in der Tourismusbranche, wobei das Hauptaugenmerk auf der Analyse des Franchise-Systems der TUI Leisure Travel (TLT) liegt. Ziel ist es, durch die Darstellung der theoretischen Grundlagen sowie der praktischen Ausgestaltung eines konkreten Franchise-Nehmers die Erfolgsfaktoren dieses Modells zu identifizieren und die Vor- sowie Nachteile für die beteiligten Partner kritisch zu beleuchten.
- Grundlagen und Ziele von Unternehmenszusammenschlüssen
- Systematik und Abgrenzung verschiedener Vertriebsformen
- Struktur und Leistungen des Franchise-Systems der TUI Leisure Travel
- Rechte und Pflichten innerhalb der Franchise-Beziehung
- Bewertung der Erfolgsfaktoren des Franchising
Auszug aus dem Buch
3.4.3 Rechte und Pflichten der Franchise-Partner
Der Deutsche Franchise Verband e.V. hat im offiziellen, verbindlichen Ethikkodex des Verbandes die Rechte und Pflichten der Franchise-Partner festgelegt.
Rechte des Franchise-Nehmers:
− Information→ Systemhandbuch mit dem Know-how zur Betriebsführung
− umfassende Betreuung durch Franchise-Geber
− Aus- und Fortbildung
− Werbe- und verkaufsfördernde Maßnahmen
Pflichten des Franchise-Nehmers:
− Einhaltung der im Handbuch festgeschriebenen Grundsätze des Systems
− Bemühungen um nachhaltiges Wachstum des Franchise-Betriebes, Wahrung der gemeinschaftlichen Identität und des guten Rufs des Franchise-Netzes
− Zugang zu den wirtschaftliche Daten, Unterlagen und Räumlichkeiten
− keine Weitergabe des Know-how an Dritte
− Besuch der Seminare und Schulungen der Franchise-Zentrale zur Fortbildung
− Zahlung der Systemgebühren
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Franchising als zukunftsgerichtete Vertriebsstrategie ein und definiert den Fokus der Untersuchung auf den Reisesektor.
2. Unternehmensverbindungen/ -zusammenschlüsse: Dieses Kapitel erläutert die Beweggründe für Unternehmenskooperationen und nimmt eine systematische Einordnung nach wirtschaftlichen sowie rechtlichen Kriterien vor.
3. Reisebürofranchising als spezielle Form der Kooperation: Hier wird der Schwerpunkt auf das Franchise-Modell im Reisebürosektor gelegt, inklusive einer Begriffsabgrenzung, der detaillierten Vorstellung des TUI-Systems sowie der Erörterung von Chancen und Risiken.
4. Fazit - Erfolgsfaktoren des Franchise-Systems: Dieses abschließende Kapitel fasst die zentralen Erfolgsfaktoren zusammen und bewertet die Zukunftsperspektiven von Franchise-Netzwerken in der deutschen Tourismuswirtschaft.
Schlüsselwörter
Franchising, TUI Leisure Travel, Reisebüro, Unternehmenskooperation, Vertriebssystem, Systemhandbuch, Know-how, Marktmacht, Qualitätssicherung, Franchise-Nehmer, Franchise-Geber, Tourismusbranche, Franchise-Vertrag, Corporate Identity, Kundenbindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Franchising als Distributionspolitik am Beispiel des Reisebürofranchisings, mit besonderem Fokus auf das System der TUI Leisure Travel.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen Unternehmensverbindungen, die Funktionsweise von Franchise-Systemen, deren vertragliche Ausgestaltung sowie die Vor- und Nachteile für die Vertragspartner.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die Erfolgsfaktoren des TUI-Franchise-Modells aufzuzeigen und zu erläutern, wie dieses System selbstständige Reisebüros in einem kompetitiven Marktumfeld unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturrecherche und einer praxisnahen Fallbetrachtung eines Franchise-Nehmers von TUI Travel Star.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Systematisierung von Kooperationen, die Definition und Abgrenzung von Franchising sowie die detaillierte Darstellung der Rechte, Pflichten und Leistungen innerhalb des TUI-Franchise-Systems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Franchising, TUI Leisure Travel, Vertriebssystem, Know-how, Systemhandbuch und Kooperation charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Franchising von anderen Vertriebsformen?
Im Vergleich zu Vertragshändlersystemen oder Agentursystemen zeichnet sich Franchising durch ein strafferes Management-, Organisations- und Marketingkonzept sowie eine intensivere Bindung zwischen Geber und Nehmer aus.
Welche Rolle spielt die TUI Leisure Travel als Franchise-Geber?
Die TUI Leisure Travel fungiert als Franchise-Geber, der den Partnern ein erprobtes Geschäftskonzept, Marketingunterstützung, IT-Technik und ständige Fortbildungen zur Verfügung stellt.
- Quote paper
- Sabrina Müller (Author), 2012, Franchising als zukunftsgerichtete Unternehmens- und Vertriebsstrategie im Tourismus , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209615