Der Vertrag von Verdun, durch den das Reich der Karolinger 843 unter Brüdern drei geteilt wurde, genießt in der geschichtswissenschaftlichen Forschung längst besondere Beachtung. Rund 1000 Jahre später kann man leicht zum Beispiel die Gründungsstunde Frankreichs und Deutschlands auf dieses Ereignis
projizieren. Vor allem der vor 1950 vorherrschende Ansatz der politischen Geschichte fokussierte sich ja bekanntlich auf Ereignisse statt auf Prozesse. Seit den 1950er Jahren wird der Einfluss des Vertrags von Verdun in diesen Punkten relativiert. Nichtsdestotrotz erkennen Historiker die Vertragsschließung als epochales Ereignis an, das sinnbildlich für ein ganzes Jahrhundert steht, in dem Erbfolge und Einflussnahme der Reichsgroßen dominierende Themen waren, so Ganshof oder Classen. Glücklicherweise wissen wir aus verschiedenen zeitgenössischen Quellen von den Ereignissen vor,
während und nach der Vertragsschließung, zum Teil sehr ausführlich. Wie haben die zeitgenössischen Verfasser den Vertrag von Verdun bewertet? Erkannte man damals schon seine epochale Tragweite? Wie lässt sich die Vertragsschließung in das Erbrecht der Karolinger einordnen?
Um diesen Fragen nachzugehen, wage ich zuerst eine knappe Kritik der verfügbaren Quellen. Anschließend werde ich einen Überblick über Reichsteilungen im neunten Jahrhundert geben, in dem das karolingische Erbrecht und der Inhalt des Vertrags von Verdun eine große Rolle spielen. Zuletzt untersuche ich die zeitgenössischen Einschätzungen zum Vertrag.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Untersuchung
2.1 Quellenkritik
2.1.1 Nithard
2.1.2 Annales
2.2 Reichsteilungen im neunten Jahrhundert
2.2.1 Erbrecht der Karolinger
2.2.2 Von der Ordinatio imperii zum Vertrag von Verdun
2.3 Untersuchung der zeitgenössischen Einschätzungen
3 Zusammenfassung
4 Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1 Gedruckte Quellen
4.2 Literatur
Häufig gestellte Fragen
Was wurde im Vertrag von Verdun 843 festgelegt?
Das Reich der Karolinger wurde unter den drei Brüdern Lothar I., Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen aufgeteilt.
Warum gilt der Vertrag als epochales Ereignis?
Er wird oft als die "Gründungsstunde" der Gebiete angesehen, aus denen später Deutschland und Frankreich hervorgingen.
Welche Quellen berichten über den Vertrag?
Die Arbeit untersucht zeitgenössische Quellen wie die Schriften von Nithard und die Annales (Reichsannalen).
Wie funktionierte das Erbrecht der Karolinger?
Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen der Einheit des Reiches (Ordinatio imperii) und dem traditionellen Erbrecht, das eine Teilung unter den Söhnen vorsah.
Wurde die Tragweite des Vertrags damals schon erkannt?
Die Untersuchung analysiert zeitgenössische Einschätzungen, um herauszufinden, ob die Verfasser bereits die historische Bedeutung der Reichsteilung ahnten.
- Citation du texte
- Justus Lindl (Auteur), 2013, Der Vertrag von Verdun 843. Quellenkritik und Einordnung in den zeithistorischen Kontext., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210528