Das Experiment - eine sozialwissenschaftliche Methode qualitativer Forschung


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Qualitative Forschung:
2.1. Qualitative vs. quantitative Forschung
2.2. Ablauf
2.3. Gütekriterien qualitativer Forschung

3. Das Experiment
3.1. Das Experiment in der Sozialforschung
3.2. Techniken des qualitativen Experiments
3.3. Der Stellenwert des qualitativen Experiments
3.4. Kritik am Experiment als Forschungsmethode

4. Fazit

5. Literatur:

1. Einleitung

„Einer der bedeutendsten Unterschiede zwischen Mensch und Tier besteht darin, daß wir unser eigenes Sozialverhalten wissenschaftliche untersuchen (Hunt 1991: 18)“.

Besonders in den Sozialwissenschaften und in der Psychologie kommen Forschungsmethoden zum Einsatz, die es zum Ziel haben, menschliches Verhalten zu untersuchen und zu beschreiben.

Sozialwissenschaftliche Methoden können grob in quantitative und qualitative Methoden unterteilt werden. Der Unterschied zwischen den beiden liegt sowohl im Ablauf der Forschung als auch in der Art der gewonnenen Ergebnisse. Quantitative Forschung liefert Zahlen, während qualitative Forschung Gründe sucht. (Vgl. Flick 1995: 11)

Diese Arbeit beschäftigt sich speziell mit qualitativen Methoden. Im zweiten Kapitel wird die Forschungspraxis qualitativen Forschens erklärt. Sowohl Begriffserklärungen als auch die Darstellung der Methode sind darin enthalten. Auch auf die Unterschiede zwischen quantitativer und qualitativer Forschung wird noch einmal näher eingegangen.

Die bekanntesten qualitativen Methoden sind die Beobachtung, die Befragung und das Experiment. Der letzten der genannten Methoden widmet sich die restliche Arbeit. Die Forschungsmethode Experiment soll dem/der LeserIn näher gebracht werden. Denn auch wenn das Experiment die wohl am seltensten eingesetzte Methode ist, bietet es im Vergleich zu anderen Methoden deutliche Vorteile. (Vgl. Atteslander 2010: 179) Soziales Verhalten kann im Experiment sehr gut nachgestellt und dadurch greifbar gemacht werden.

Auch beim Experiment wird zwischen einem quantitativen und einem qualitativen unterschieden. Die Unterschiede sollen erläutert werden und im Anschluss darauf das qualitative als eher unbekanntere Variante von beiden anschaulich erklärt werden. Gütekriterien für die Beurteilung eines Experimentes werden ebenso behandelt wie die Stellung des Experiments in der Sozialforschung.

Das Experiment steht oft im Zentrum von Kritik. „Menschen zu manipulieren oder in abgeschlossenen Räumen am Erfolg oder Misserfolg von gestellten Fragen oder Aufgaben zu messen, hat hohe ethische Hürden zu überwinden (Atteslander 2010: 177)“. Die am meisten verbreiteten Kritikpunkte gegenüber dem Experiment werden im letzten Kapitel dargelegt.

2. Qualitative Forschung:

Qualitative Forschung findet vor allem in den Sozialwissenschaften und der Psychologie Verwendung. Mittlerweile existieren zahlreiche Methoden qualitativen Forschens, die alle jeweils eigene Ziele verfolgen. Diese sollten jedoch nicht getrennt voneinander betrachtet werden, da sie immer in besonderer Weise in den jeweiligen Forschungsprozess eingebunden sind und oft kombiniert werden. (Vgl. Flick 1995: 9)

2.1. Qualitative vs. quantitative Forschung

Qualitative Forschung zeichnet sich dadurch aus, dass sie soziale Zusammenhänge untersucht, insbesondere im Bezug auf die moderne, pluralisierte Gesellschaft. Anhand induktiver Verfahren können vorläufige Aussagen über die Wirklichkeit getroffen werden. Induktive Methoden stehen im Gegensatz zu deduktiven Methoden. Letztere beschreiben die Überprüfung von Theorien durch empirisches Forschen, während erstere lediglich Hypothesen (Vorannahmen) formulieren und erst nach der Untersuchung der Hypothesen mittels verschiedener Methoden Theorien bilden. Vorläufig sind die daraus gewonnenen Erkenntnisse, weil sie nur so lange gelten, bis sie falsifiziert werden konnten. (Vgl. Flick 1995:10)

Im Laufe der Geschichte haben sich vor allem die Sozialwissenschaften und die Psychologie mit der Entwicklung qualitativer Methoden beschäftigt.

Leitgedanke der Forschung(-splanung) sind dabei die klare Isolierung von Ursachen und Wirkungen, die saubere Operationalisierung von theoretischen Zusammenhängen, die Messbarkeit und Quantifizierung von Phänomenen, die Formulierung von Untersuchungsanordnungen, die es erlauben, ihre Ergebnisse zu verallgemeinern und allgemeingültige Gesetze aufzustellen. (Flick 1991: 10f.)

Dazu werden Stichproben zum Beispiel mittels Zufallsprinzip gezogen, die die Gesellschaft in ihrer Vielseitigkeit möglichst realitätsnah repräsentieren. Subjektivität sowie Beeinflussung seitens des Forschers/der Forscherin sollten so gut wie möglich ausgeklammert werden, um ein möglichst objektives Ergebnis zu erhalten. (Vgl. ebd.: 11)

Objektivität ist trotz aller Bemühungen auch in der qualitativen Forschung nur schwer zu erlangen, da Forschung stets von Interessen, sozialen und kulturellen Faktoren begleitet wird. Dies manifestiert sich in der Formulierung von Hypothesen, der Fragestellung sowie bei der Interpretation von Daten und Zusammenhängen. (Flick 1995: 12) Aber „eine wertfreie Sozialwissenschaft ist lediglich eine Wissenschaft der ‚äußerlichen’ Ereignisse und nicht der sozialen Wirklichkeiten. Sozialwissenschaftler müssen sich mit der Bedeutung des Verhaltens für die davon betroffenen Menschen befassen.“ (Hunt 1991: 89, zit. n. Kruskal 1982, o. S.) Dies grenzt die Sozialwissenschaften auch stark von den Naturwissenschaften ab, da letztere hauptsächlich beobachtbare Wirklichkeit, nicht aber die subjektive Wirklichkeit beachten (vgl. Hunt 1991: 88).

Von der quantitativen Forschung unterscheidet sich die qualitative insofern, als sie von anderen Leitgedanken bestimmt wird. „Wesentliche Kennzeichen sind dabei die Gegenstandsangemessenheit von Methoden und Theorien, die Berücksichtigung und Analyse unterschiedlicher Perspektiven sowie der Reflexion des Forschers über die Forschung als Teil der Erkenntnis (Flick 1995: 13)“.

Unter Gegenstandsangemessenheit versteht Flick (1995: 13) die „Tauglichkeit“ von Untersuchungsideen. Es sollten also nur Fragestellungen gewählt werden, die empirisch überprüfbar sind. Philosophische Themen beispielsweise, die sich etwa mit dem Sinn des Lebens beschäftigen, gehören ausdrücklich nicht dazu. Entscheidend bei der Auswahl des Forschungsgegenstandes ist es auch, ob er auf eine Methode passt oder nicht. Es sollten immer genügend Personen existieren, um eine quantitativ ausreichende Stichprobe und damit verallgemeinerbare Ergebnisse zu erhalten. Wenn man also schizophrene Personen als Untersuchungsgegenstand wählt, sollte man genügend Personen finden, um eine ausreichende Anzahl an Stichproben zu erfüllen. (Ebd.)

Die absolute Erklärung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen ist in der qualitativen Forschung niemals möglich, da die Realität sehr komplex ist. Mehrere Phänomene können eine Rolle spielen, und diese isoliert voneinander zu betrachten, wäre von Grund auf falsch. Um zu einem möglichst aussagekräftigen Ergebnis zu kommen, empfiehlt es sich, komplexe Modelle empirisch und statistisch zu erfassen. Außerdem sollte die gewählte Methode immer an den Untersuchungsgegenstand angepasst werden und nicht umgekehrt. (Vgl. Flick 1995: 14)

Ziel qualitativer Forschung ist es nicht, bereits Bekanntes – etwa in Form von Theorien – zu überprüfen, sondern Neues zu entdecken und empirisch begründete Theorien zu entwickeln. Dabei wird versucht, Zusammenhänge und äußere Einflüsse zu beleuchten. Qualitative Forschung berücksichtigt, „daß die auf den Gegenstand bezogenen Sicht- und Handlungsweisen im Feld sich schon deshalb unterscheiden, weil damit unterschiedliche subjektive Perspektiven und soziale Hintergründe verknüpft sind (Flick 1995: 15)“.

Zu den gängigsten Methoden qualitativer Forschung gehören die Beobachtung, die Befragung und das Experiment (vgl. Hunt 1991: 20-56).

2.2. Ablauf

Quantitative und qualitative Forschung unterscheiden sich unter anderem auch stark im Ablauf. Während bei der quantitativen Forschung die einzelnen Schritte nacheinander und unabhängig voneinander durchgeführt werden können, sind bei der qualitativen Forschung alle Schritte in ständiger Abhängigkeit zueinander. (Vgl. Flick 1995: 56)

Die klassische Variante des Forschungsablaufs in der quantitativen Forschung verläuft linear und beginnt mit einer Modellbildung. Vor Eintritt in das zu untersuchende Feld konstituiert der/die ForscherIn ein Modell der vermuteten Bedingungen und Zusammenhänge. Dabei geht er/sie von bereits bestehenden Wissensbeständen aus der Literatur oder von empirisch belegten Zusammenhängen aus. Daraus werden Hypothesen, also Aussagen über mögliche Ergebnisse, formuliert, die in Folge empirisch überprüft werden sollen. An den gewählten Forschungsgegenständen werden mittels Leitfadeninterviews oder anderer Methoden die Hypothesen entweder zu belegen oder zu widerlegen versucht. Solche Gegenstände können Personen, Gruppen oder ein bestimmtes Feld sein. Mittels einer Zufallsstichprobe werden die betreffenden Forschungsgegenstände ausgewählt. Ziel einer Zufallsstichprobe ist es, möglichst verallgemeinerbare Aussagen über die Gesellschaft herauszufinden. (Vgl. Flick 1995: 56f.) Entscheidend bei der quantitativen Forschung ist es, komplexe Zusammenhänge sauber in unterschiedliche Variablen zu zerlegen, um deren jeweilige Wirkung isoliert voneinander überprüfen zu können. Ziel ist es also, Theorien und Methoden zu überprüfen, gegebenenfalls zu falsifizieren. (Vgl. ebd.)

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Experiment - eine sozialwissenschaftliche Methode qualitativer Forschung
Hochschule
Universität Salzburg
Veranstaltung
Theorien und Methoden der Audiovisuellen- und Onlinekommunikation
Note
2
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V210686
ISBN (eBook)
9783656384199
ISBN (Buch)
9783656385257
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sozialwissenschaftliche Methoden können grob in quantitative und qualitative Methoden unterteilt werden. Diese Arbeit beschäftigt sich speziell mit qualitativen Methoden. Die bekanntesten qualitativen Methoden sind die Beobachtung, die Befragung und das Experiment. Der letzten der genannten Methoden widmet sich die restliche Arbeit.
Schlagworte
Kommunikation, theorien, Methoden, Forschungsmethode, Experiment, Qualitative Forschung, Empirik
Arbeit zitieren
Bakk. Komm. Maria Vögele (Autor), 2011, Das Experiment - eine sozialwissenschaftliche Methode qualitativer Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210686

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