Kinder und Medien - Risiken und Chancen für die kindliche Entwicklung


Bachelorarbeit, 2011
49 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Zur Aktualität und Relevanz des Themas
1.1 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

2 Exkurs: Begriffserklärung

3 Die KIM-Studie
3.1 Welche Medien gibt es?
3.2 Medienausstattung und Medienbesitz
3.3 Welche Medien werden am häufigsten genutzt?
3.4 Medienbindung

4 Aktueller Stand der Kinder- und Jugendmedienforschung
4.1 Forschungslücken

5 Medienwirkungsforschung
5.1 DerForschungsgegenstand'Medienwirkung'
5.2 Beispiele für Medienwirkungen und aktueller Forschungsstand

6 Gefahren vonMedien
6.1 Gewalt in den Medien
6.1.1 Gewalt im Internet und am Computer
6.1.2 Gewalt im Fernsehen
6.2 Mediensucht
6.2.1 Computer- und Internetsucht
6.2.2 Femsehsucht

7 Chancen von Medien
7.1 Bildungsfemsehen,ein Definitionsversuch
7.1.1 FLIMMO-Kinderbefragung
7.1.2 FLIMMO-Kinderbefragung zum Thema Informations- und Wissenssendungen
7.2 Computer- und Videospiele
7.3 Profitieren vom Internet

8 Auswirkungen von Medien auf die Entwicklung
8.1Die kognitive Entwicklung
8.2 Die emotionale Entwicklung
8.3 Die moralische Entwicklung
8.4 Die körperliche Entwicklung

9 Jugendmedienschutz
9.1 FSK - Freiwillige Kontrolle der Filmwirtschaft
9.1.1 Wie werden die FSK-Freigaben festgelegt?
9.2 USK - Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle
9.2.1 Wie entstehen Alterskennzeichnungen bei der USK?
9.3 PEGI - Pan European Game Information
9.4 Jugendmedienschutz im Internet

10 Schlussbetrachtung
10.1 Perspektive

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Zur Aktualität und Relevanz des Themas

Der Lebensalltag der Kinder des 21. Jahrhunderts wird signifikant von Medien bestimmt (vgl. Kleimann 2011: 19). Die klassischen Erziehungsinstanzen wie Eltern, Familie, Schule sowie die Kirche bekommen durch die elektronischen Medien erhebliche Konkurrenz, denn durch sie werden Weltanschauungen, Bildung und Unterhaltung vermittelt. Erziehungsberechtigte haben es schwer, Dinge, welche nicht ihrer Weltanschauung oder ihrer Erziehung entsprechen, von ihren Kindern fern zu halten, denn durch die elektronischen Medien erfahren diese mühe - los alles, was sie wissen wollen. Aufgrund dessen sind die Inhalte der Medien im Laufe der Entwicklung der Kinder von gleich großer Bedeutung wie die Sozialisationsinstanzen der rea­len Welt (vgl. Bergmann 2000: 126).

Durch die Medien werden neue Zugänge zu anderen Ländern und Kulturen geschaffen und die Phantasie wird beflügelt, sodass Unterhaltung und Zerstreuung entstehen. Von diesem Standpunkt aus gesehen sind Medien etwas Großartiges. Ohne sie wäre der Aufbau einer neu­en Infrastruktur der modernen Gesellschaft schlichtweg nicht möglich, denn Informations­und Kommunikationstechnologien steuern Maschinen und Warenströme. Dennoch geraten die Medien immer mehr in die Kritik. Immer öfter werden ihnen die Verrohung der Jugend durch den einfachen Zugang zu pornografischen oder gewaltverherrlichenden Inhalten nachgesagt. Abgesehen davon werden sie für Bewegungsmangel, fehlende soziale Beziehungen und für geringe Schulerfolge verantwortlich gemacht (vgl. Gugel 2011: 5).

Die Frage nach der Beeinflussung von Kindern durch Medien in einer zunehmend medial ge­prägten Lebenswelt ist deshalb unumgänglich. Sie ist eng mit der Frage nach der Funktion von Medien verknüpft. Auch die Frage nach der richtigen Vermittlung von Kompetenzen ist in diesem Zusammenhang wichtig, denn nur wenn die Mediennutzung funktionaler Bestand­teil des Alltags der Kinder ist, können Medien das Leben bereichern und wichtige entwick­lungsförderliche Erfahrungen werden nicht verdrängt (vgl. Kleimann 2011: 19).

Für die vorliegende Arbeit waren bei der Untersuchung folgende Forschungsfragen besonders relevant:

- Welche Bedeutung haben Medien im Alltag von Kindern?
- Wie wirken sich gewalthaltige oder Gewalt verherrlichende Medien auf Kinder aus?
- Welche Chancen können durch Medien entstehen?
- Wie wirkt sich exzessive Mediennutzung auf Kinder aus?
- Wie hoch ist das Suchtpotenzial?

Vor allem Print- und Hörmedien sind schon lange in unserer Gesellschaft etabliert. Aus die­sem Grund gibt es auch schon etliche, ausführliche Untersuchungen und Niederschriften zu diesem Thema. Daher werden in der vorliegenden Arbeit unter dem Begriff der 'Medien' weitgehend die digitalen Medien wie der Computer, der Fernseher und das Internet verstan­den und behandelt.

1.1 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

In der vorliegenden Bachelorarbeit soll das Thema Kinder und Medien und die resultierenden Risiken und Chancen behandelt werden. Hierfür ist es zunächst einmal wichtig, mit einer De­finition der einzelnen Wörter 'Kinder', 'Medien', 'Risiken'und 'Chancen' zu beginnen. Somit wird in Kapitel 2 ein Exkurs zur Begriffsbestimmung gegeben. Im Anschluss daran wird in Kapitel 3 Die KIM-Studie behandelt, wobei auch erläutert wird, welche Medien am häufigs­ten in den Kinderzimmern vorhanden sind und welche am meisten genutzt werden. Zudem wird in diesem Kapitel auch die Medienbindung mit einbezogen. Anschließend wird in Kapi­tel 4 auf die Kinder- und Jugendmedienforschung eingegangen, wobei der aktuelle Stand so­wie auch Forschungslücken aufgezeigt werden. Im Anschluss daran wird in Kapitel 5 die Me - dienwirkungsforschung behandelt. Hierbei wird zuerst der Forschungsgegenstand erläutert und anschließend Beispiele für Medienwirkungen beschrieben und der aktuelle Forschungs­stand geschildert. Im darauffolgenden Kapitel 6 werden die Gefahren von Medien behandelt. Hierbei wird in Kapitel 6.1 die Gewalt in Computerspielen, im Internet und im Fernsehen er­läutert und im Anschluss daran in Kapitel 6.2 die Gefahren der Computer-, Internet-, und Femsehsucht beschrieben. Im Anschluss werden in Kapitel 7 die Chancen der Medien aufge­zeigt. Hierbei wird zuerst auf das Bildungsfernsehen und die FUMMO Kinderbefragung so­wie auf das Lernen durch Computerspiele und das Internet eingegangen. Des Weiteren wer­den im darauffolgenden Kapitel 8 die Auswirkungen der Medien auf die Entwicklung der Kinder behandelt. Hierbei wird unter kognitiver, emotionaler, moralischer und körperlichen Entwicklung unterschieden. Im Letzten Kapitel wird der Jugendmedienschutz thematisiert. Hierbei wird auf die 'Freiwillige Kontrolle der Filmwirtschafť, auf die 'Unterhaltungssoftwa­re Selbstkontrolle', auf die 'Pan European Game Information' und auf den Jugendschutz im Internet näher eingegangen. Abgeschlossen wird die vorliegende Arbeit mit einer Schlussbe- trachtung und Perspektive.

2 Exkurs: Begriffserklärung

Um einen Überblick über das Thema 'Kinder und Medien - Risiken und Chancen'zu bekom­men, ist es wichtig, im Vorfeld diese vier Begriffe zu definieren.

Laut § 7 Absatz 1 Nummer 1 des SGB VIII ist ein Kind, wer noch keine 14 Jahre alt ist. Des Weiteren besagt jedoch Absatz 2, dass auch derjenige noch ein Kind ist, der noch nicht das 18te Lebensjahr vollendet hat (vgl. §7 Abs. 1 Nr.1 SGB VIII; §7 Abs. 2 SGB VIII).

Der weiteste Begriff der Medien hat seine ursprüngliche Bedeutung vom lateinischen Wort 'medium', was soviel heißt wie Mittel. Demnach wird all das als Medium bezeichnet, was in irgendeiner Form zwischen getrennten Dingen, Personen etc. vermittelt. Die zwei wohl be­kanntesten Fassungen eines universalen Medienbegriffes lieferten die Theoretiker Marshall McLuhan (1911-1980) und Niklas Luhmann (1927-1998). McLuhan verstand unter dem Be­griff des Mediums 'the extension of man', also die Erweiterung des Menschen. Dies bedeutet im Prinzip, dass der Mensch seine natürlichen Möglichkeiten mit Hilfe von Werkzeugen, wie beispielsweise Brief, Funk oder Telefon, welche die Einwirkungsmöglichkeiten auf die Um­welt zum einen ausdehnen und zum anderen präzisieren, erweitert. Die zuvor genannten Bei­spiele ermöglichen einen vergrößerten Kommunikationsradius. Auch beispielsweise Straßen warenjedoch im Sinne McLuhans Medien, da durch sie der Handlungsradius durch schnellere Fortbewegungsmöglichkeiten vergrößert wurde.

Niklas Luhmanns Medienbegriff ist auf seine eigene Weise universal. Luhmann sagt, dass sich Medien nur durch ihre Relation zu Formen bestimmen lassen. Demnach kann all das als Medium herhalten, was in der Lage ist, Formen aufzunehmen und somit Flexibilität aufweist. Als Beispiel dafür nannte er unter anderem die Luft als Medium, da sie in der Lage ist, Schall­wellen aufzunehmen und zu übertragen. Ein weiteres Beispiel sind Sandkörner am Strand, denn sie sind dank ihrer losen Verbindung in der Lage beispielsweise die Form von Fußab­drücken anzunehmen. Hierbei ist es wichtig, dass Medium und Form keine festgelegten Ei­genschaften besitzen, sondern von Perspektiven und Betrachtung abhängig sind. Das heißt, wird bei dem Sandkornbeispiel ein einzelnes Sandkorn betrachtet, so verändert sich seine Form nicht. Es ist jedoch nicht möglich das einzelne Sandkorn und den Fußabdruck zur glei­chen Zeit zu sehen. Dies ist vergleichbar etwa mit Kippbildern, welche man beispielsweise von Kreditkarten kennt, bei denen die Konzentration auch nicht auf beide Bilder gleichzeitig gerichtet werden kann. Die jeweilige Form erscheint immer nur dann, wenn der Hintergrund, also das Medium, ausgeblendet wird. Was dabeijeweils der Vordergrund und der Hintergrund beziehungsweise die Form und das Medium ist, ist veränderbar.

Da diese beiden Medienbegriffe jedoch sehr allgemein gefasst sind, ist es notwendig einen elementar semiotischen Medienbegriff zu wählen. Als Medien werden dann nur kommunikati­ve, zeichenbasierende Interaktionen verstanden. Da vorausgesetzt wird, dass in der Kommuni­kation interpretationsfähige Zeichen verwendet werden, ist die Analyse von Medien auf die Kommunikation zwischen Menschen beschränkt. Medien fungieren somit als Kanal zwischen Menschen, welcher dann für das Versenden von Botschaften verwendet wird (vgl. Böhn/Seid- ler 2008: 16f). Unter technischen Kriterien lassen sich die modernen Medien in analoge und digitale Medien aufteilen. Analogen Medien liegt dabei ein konkretes, gemeinsames Funkti­onsprinzip zugrunde. Die mediale Übertragung, wie beispielsweise Schallereignis ^ Aufnah­me des Schallereignisses ^ Vinyl Pressung ^ Abspielen der Schallplatte, funktionieren im­mer nach dem Prinzip der Analogie. Bei digitalen Medien hingehen gibt es diese Art von Ähnlichkeit zwischen dem Darzustellenden und der Form der Speicherung nicht mehr. Da die Daten in ein anderes Zeichensystem übersetzt werden, folgen sie nicht mehr dem Prinzip der Analogie, sondern ihrer eigenen Logik (vgl. Böhn/Seidler 2008: 18f).

Risiken beruhen auf einem Verhältnis der Spannung zwischen Eigenverantwortung und unab­wendbarem Schicksal. Gefahren oder Konsequenzen können nur vermieden bzw. gemildert werden, wenn die Zukunft eines Menschen wenigstens teilweise als beeinflussbar eingestuft werden kann. Da Risiken mentale Konstrukte und somit Produkte unseres menschlichen Geis - tes sind, entstehen Risiken, ebenso wie auch andere sinnbezogene Konzepte im Alltagshan­deln, als Bestandteil menschlicher Erfahrungen (vgl. Ortwin 2007: 20). „Risks are created and selected by human actors“ (Ortwin 2007: 20). Während Risiken also nur eine mentale Vorstel­lung sind, sind ihre Folgen sehr wohl real, intersubjektiv und nachprüfbar (vgl. Ortwin 2007: 20).

Der Begriff Chance kommt aus dem altfranzösischen 'cheance'. Darunter versteht man unter anderem eine günstige Gelegenheit oder einen Glücksfall (vgl. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion 1990: 138). Im deutschen Sprachgebrauch wird das Wort Chance in ähnli­chen Sinne verwendet, wie zum Beispiel Nutzen, gute Seite, positive Auswirkungen, Aspekte und Vorteile. Demnach können Chancen also als das Gegenteil von Risiken gesehen werden.

3 Die KIM-Studie

Die Studienreihe KIM (Kinder+Medien, Computer+Internet) wurde bereits im Jahr 1999 ins Leben gerufen. Seit dem Start der Studienreihe hat das Thema nicht an Aktualität verloren, sondern sich oftmals verändert und an Aktualität gewonnen. Dabei wurde ein sehr detailliertes Bild über die Mediennutzung der befragten Personen angefertigt. Es wurden zum Beispiel Fragen gestellt über die Art der Medien welche genutzt werden, wie lange und wie oft diese genutzt werden, zu welchen Tageszeiten und ob dies alleine oder in Gesellschaft geschah. Diesen Fragen geht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (MPFS) seit über zehn Jahren nach. Der Forschungsverbund, welcher aus den zwei Anstalten 'Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg' und der 'Landeszentrale für Medien und Kommunika­tion Rheinland-Pfalz' besteht, untersucht in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk in der KIM-Studie das Medienverhalten von sechs- bis 13-jährigen und deren Haupterziehern. Themen der Studie sind die Geräteausstattung, die Medienbeschäftigung, die Wichtigkeit und die Verzichtbarkeit der Medien, das Nutzungsmuster bei Radio und Fernsehen, Computer und Internetaktivitäten und der Umgang mit dem Handy. Die Studie befragt circa sechs Millionen deutschsprachige Kinder im Alter zwischen sechs und 13 und deren primäre Erziehungsperso­nen (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2010: 3ff).

3.1 Welche Medien gibt es?

Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf den Medien Fernsehen, Computer und Internet liegt, wird im Folgenden hauptsächlich auf diese drei eingegangen. Das erste Medium, welches be­handelt wird, ist der Fernseher. Dieser wird vor allem im Vorschulalter stetig wichtiger. Über die Hälfte der drei- bis sechsjährigen Kinder schaut täglich fern, ein knappes Drittel mehrmals die Woche. Hierbei überschreitet die tägliche Sehdauer meist eine Stunde. Die Dauer steigt kontinuierlich mit dem Alter an. Das Programm wird bei 59% der Vorschulkinder von den El­tern bestimmt und entspricht somit deren Vorlieben.

Der Computer ist eine Universalmaschine. Er gewinnt vor allem im Grundschulalter immer mehr an Bedeutung. Bald die Hälfte der Kinder besitzt bereits einen Gameboy und ein Viertel eine eigene Spielkonsole. Hierbei ist die Haupttätigkeit das Spielen am Computer. Über zwei Drittel der Kinder spielen mindestens einmal pro Woche alleine und die Hälfte mit anderen Kindern zusammen. In diesem Altersstadium finden auch die ersten 'Ausflüge' in das Inter­net statt.

In der Hälfte aller Haushalte, in welchen sechs- bis 13-jährige Kinder wohnen, ist ein Interne - tanschluss vorhanden und für bereits 5% der Kinder steht eine eigene Internetanbindung zur Verfügung. Während zwei Drittel der Jüngeren von den Erziehungsberechtigten begleitet wer­den, steigt die alleinige Internetnutzung bei den sechs- bis siebenjährigen auf 36% und bei den zehn- bis elfjährigen auf 49% an. An dieser Stelle ist es wichtig, zu betonen, dass die Compu­ternutzung bei den jüngeren Kindern eingeschränkt ist, da sie ja gerade erst im Begriff sind, Lese- und Schreibfertigkeiten auszubauen. Somit wird klar, dass die Nutzung mit dem Alter zunimmt, da sich manche Anwendungen den Kindern erst mit fortgeschrittenem Alter er - schließen (vgl. Theuner 2005: 196f; Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2010:26ff).

3.2 Medienausstattung und Medienbesitz

Der Medienbesitz nimmt von Jahr zu Jahr zu. Fernsehgeräte, Handys, Festnetztelefone, DVD- Player und CD-Player sind nahezu injedem Haushalt vorhanden. Computer und Internetan­schluss sind in neun von zehn Haushalten ebenfalls vorhanden. Während der Besitz von DVD- und CD-Playern im Vergleich zur KIM-Studie vom letzten Jahr zugenommen hat, wird beim Zeitungsabonnement ein deutlicher Rückgang sichtbar. Auch die Kinder verfügen in den Haushalten über eigene Medienausstattungen. 64% der Kinder haben einen CD-Player, wel­cher ihnen zur freien Verfügung steht. 57% besitzen eine eigene Spielkonsole und etwa die Hälfte der sechs- bis 13-jährigen befragten Kinder besitzt ein eigenes Handy. Traditionelle Medien, wie beispielsweise der eigene Fernseher, sind mit 45% in den Kinderzimmern vertre- ten. Deutlich seltener anzutreffen sind eigene Computer mit 15% (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2010: 7f).

3.3 Welche Medien werden am häufigsten genutzt?

Zu Anfang muss gesagt werden, dass die Computernutzung bei Kindern, was beliebte Frei­ zeitaktivitäten angeht, nicht an erster Stelle steht. Dennoch ist der Computer fester Bestandteil ihrer Lebenswelt (vgl. Petzold 2006). Zwar liegen, wie auch in den Jahren zuvor, das Treffen mit Freunde und somit Freundschaften auf Platz eins der beliebtesten Freizeitaktivitäten, den­noch stehen sie in enger Konkurrenz zu Spielkonsolen, Gameboys und Fernsehern. 65 % der Kinder zählen Computer-, Konsolen- und Onlinespiele zu ihren liebsten Freizeitaktivitäten, 63 % Kino und Filme und 60% das Internet. Bücher und Magazine und das Lesen generell hingegen landen nur bei 47 % der Befragten auf der Favoriten-Liste. Es ist also festzuhalten, dass Medien im Leben der Kinder in der heutigen Zeit eine große Rolle spielen.

Aus diesem Grund ist es interessant, zu erfahren, in welchen Situationen oder 'Settings' die unterschiedlichen Medien primär genutzt werden. Unterschieden wird hierbei zwischen der alleinigen Nutzung, der gemeinsamen Nutzung mit Gleichaltrigen und der Nutzung mit Erzie­hungsberechtigten. Chat, E-Mail und SMS werden von den meisten Kindern alleine genutzt, wohingegen das Spielen mit Konsolen eher gemeinsam mit Freunden stattfindet Das traditio­nelle Medium Fernsehen hingegen spielt mit 60% oftmals innerhalb der Familie eine zentrale Rolle. Der Fernseher ist zudem stark in den Tagesablauf von Kindern und der Familie inte - griert. Für die meisten Kinder ist er während der Mahlzeiten, vor allem beim Abendessen und beim Zubettgehen, sehr wichtig. Das Internet findet im Tagesablauf der Kinder nur sehr wenig Berücksichtigung (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2010:9ff).

3.4 Medienbindung

Bei der großen Palette an Medienoptionen gilt es natürlich auch, zu erfahren, welches der zu­vor genannten Medien subjektiv als das wichtigste wahrgenommen wird. Um dies in Erfah­rung zu bringen, wurden die Kinder befragt, auf welches Medium sie am wenigsten verzich­ten könnten. Auf Platz eins landete hierbei mit über der Hälfte der sechs- bis 13-jährigen der Fernseher. Ein Viertel der Kinder wählte an dieser Stelle den Computer bzw. das Internet und immerhin acht Prozent wollten nicht auf eines der ältesten Medien, das Buch, verzichten. Anhand der Statistik wird außerdem deutlich, dass die Entwicklung mit zunehmendem Alter weg vom Fernseher und hin zum Computer geht. Neben der generellen Medienbindung wird die Wahl der Medien auch stark durch Stimmungen und Emotionen beeinflusst. Dazu wurden die Kinder gefragt, zu welchem Medium sie am liebsten greifen, wenn sie sich in bestimmten Gemütslagen befinden. Die Befragung kam zu folgendem Ergebnis: Bei Langeweile oder Traurigkeit griff die Mehrzahl der sechs- bis 13-jährigen auf audiovisuelle Medien wie Fern­seher, Video oder DVD zurück. Um Spaß zu haben wurden hingegen eher Computer-, Konso­len- und Onlinespiele genutzt. Auffällig ist hierbei auch, dass die Mehrzahl der befragten Kin­der bei Ärger lieber auf alle Medien verzichten wollte und nur ein kleiner Teil auf Fernsehen oder Computer zurückgriff (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2010:15f).

4 Aktueller Stand der Kinder- und Jugendmedienforschung

Die Kinder- und Jugendmedienforschung hat sich in den letzten Jahren nicht nur national, sondern auch international hinsichtlich ihrer Qualität und ihrer Quantität weiterentwickelt. Während sich in Deutschland eine stark medienpädagogisch geprägte Tradition entwickelt hat, hat sich die Kinder- und Jugendmedienforschung in den USA weiter ausdifferenziert. Kinder- und Jugendmedienforschung wird national wie international in mehreren Disziplinen betrieben. Hierbei stehen die jeweiligen eigenen Fragestellungen sowie der eigene theoreti­sche Kontext im Vordergrund. In der Kinder- und Jugendmedienforschung wird danach ge­fragt, wie sich die jeweiligen Medien in den normalen Lebensalltag der Kinder und Jugendli­chen integrieren und wie soziale und ökonomische Bedingungen dabei eine Rolle spielen. Hierbei müssen nicht nur medienpädagogische, sondern auch medienpsychologische Aspekte betrachtet werden (vgl. Fleischer/Jöckel 2010:55t). Der Zweig der Kinder- und Jugendmedi­enforschung ist einer, welcher vor allem in Europa verfolgt und wahrgenommen wird. Wäh­rend es im deutschen und auch im britisch-englischen Bereich das Wort 'Medienpädagogik' bzw. 'media pedagogics' gibt, gibt es dafür beispielsweise im US-Amerikanischen Sprachge­brauch keine entsprechende Vokabel. Diese Tatsache ist im Hinblick auf das Existieren von Medienerziehung in Familien und Bildungseinrichtungen und deren steigender Aufmerksam­keit verwirrend (vgl. Fleischer/Jöckel 2010:59f).

Im deutschsprachigen sowie im internationalen Raum haben sich unterschiedliche Träger-Stif­tungen staatlicher sowie halbstaatlicher Forschungsinstitute, Forschungsverbände sowie die Medienwirtschaft und ähnliches dazu entschlossen, Studien zur Kinder- und Jugendmedien­forschung in regelmäßigen Abständen zu finanzieren. Diese Forschungen finden in jährlichen bzw. mehrjährigen Abständen statt. Die benötigten Daten werden hierbei in Deutschland zum einen im Rahmen der ARD/ZDF- Onlinestudie gesammelt und zum anderen vom medienpä­dagogischen Medienverbund Südwest, welcher fast jährlich die KIM- sowie die JIM-Studien veröffentlicht, siehe Kapitel 3 (vgl. Schorr 2009: 5). Einen bedeutsamen Bereich der interna­tionalen, medienpsychologisch geprägten Kinder- und Jugendmedienforschung stellt die Er­forschung der Wirkung von gewalthaltigen Medien auf die Kinder und Jugendlichen dar. Hierbei stehen gerade der Fernseher, der Computer und Videospiele im Vordergrund, worauf in Kapitel 6.1 näher eingehen wird (vgl. Fleischer/Jöckel 2010: 56).

4.1 Forschungslücken

Im Feld der Kinder- und Jugendmedienforschung kann gelegentlich der Eindruck entstehen, dass das Prinzip lautet: 'Kindheit und Jugend - da wächst man raus'. Aus diesem Grund sei es auch nicht wichtig, dazu grundlegend zu forschen. Obwohl es immer wieder öffentlichkeits - wirksame Veranstaltungen gibt, welche von Stiftungen, Ministerien, Schulen oder ähnlichen finanziert werden, hat sich die Medienforschung bisher nicht als anerkannter Bereich etabliert. Dies ist mit einem Beispiel aus der Medizin vergleichbar. Erst vor weniger Jahren, ist bekannt geworden, dass die Behandlung von Kindern mit Medikamenten für Erwachsene durchaus ge­fährlich sein kann und Kinder deshalb unter Umständen mit speziellen Medikamenten ver - sorgt werden müssen. Ebenso gibt es auch in der sozialwissenschaftlichen Medienforschung große Weiß-Felder, welche auf bisher unbearbeitete Fragestellungen hinweisen (vgl. Schorr 2009: 3).

Im Bereich der Kinder- und Jugendmedienforschung gibt es also offensichtlich etliche Lücken. Langzeitstudien sind schwer zu finanzieren und somit auch kaum durchgeführt wor- den. Deshalb gibt es beispielsweise auch keine Erkenntnisse über den Einfluss von Medien auf die Ausgestaltung von Weltbildern oder Lebensentwürfen der Kinder. Gerade im Bereich der Hörmedien gibt es bisher kaum wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse. Genauso gibt es auch fast keine Forschungsergebnisse zur Medienkompetenzentwicklung im Kleinkindes- und Vorschulalter. Des Weiteren wird die Forschung zur Orientierungssuche von Kindern aus sozi­al benachteiligten Bevölkerungsschichten stark vernachlässigt (vgl. Fleischer/Jöckel 2010: 60f).

Für die Verbesserung des derzeitigen Kenntnisstandes lassen sich drei wesentliche Aspekte nennen. Zum einen müssen weitere Perspektiven der existierenden Kinder- und Jugendmedi­enforschung wahrgenommen und auch behandelt werden, zum anderen dürfen diese methodi­schen Ansätze nicht nur auf quantitativer, sondern müssen auch auf qualitativer Ebene statt­finden. Der Fokus darf nicht nur auf die Einbettung in den Lebensalltag gerichtet werden, sondern es muss jedes Individuum einzeln betrachtet werden. Es müssen also sowohl normati­ve als auch gesellschaftliche Perspektiven gleichermaßen behandelt und diskutiert werden. Der dritte Aspekt ist der internationale Diskurs. Fachjournale müssen sich anderen Perspekti­ven gegenüber offener zeigen. Zur Zeit wird kaum offen über die jeweiligen Forschungsberei­che diskutiert. Vielmehr liegt das, worüber geforscht wird, für den internationalen Diskurs im Verborgenen (vgl. Fleischer/Jöckel 2010: 61).

5 Medienwirkungsforschung

Laut den Ergebnisse verschiedener Sendeanstalten und deren täglichen Messungen der Ein­schaltquoten sahen, so wie auch die Jahre zuvor, an einem durchschnittlichen Werktag des Jahres 2011, 74% aller Erwachsenen und 61% aller Kinder die Fernsehprogramme des ARD und des ZDF. Hierbei stehen die Unterhaltungsprogramme, was ihren Beliebtheitsgrad angeht, vor den Nachrichtensendungen. So kommt es, dass beispielsweise 'Wer wird Millionär', aus­gestrahlt auf RTL zur besten Sendezeit, den Unterhaltungsprogrammen der öffentlich-recht­lichen Sendungen eindeutig den Rang abläuft. Neben 'Traumschiff', 'Wetten dass...' und 'Feste der Volksmusik', welche bei den Sendern ARD und ZDF zu den beliebtesten Sendun­gen gehören, zählen auch zahlreiche Krimis und andere oftmals gewalthaltige Actionsendun­gen zu den beliebtesten Unterhaltungsprogrammen. Diese Actionsendungen werden größten­teils von kindlichen oder jugendlichen Zuschauern verfolgt. Diese Ergebnisse scheinen vor al­lem in Anbetracht des Beeinflussungspotenzials der Medien auf Aggression und Gewalt be­denklich zu sein (vgl. Tinchon 2011: 15f).

Seit jeher stößt die intendierte Beeinflussung von Kommunikations- und Massenkommunika­tionsmitteln bei unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen auf Interesse. Zwar richten sich gerade die modernen Massenmedien an große Publika, jedoch sind es gerade auch sie, welche am wenigsten sichtbare Auswirkungen zeigen, da sie zum einen einseitig sind und zum ande - ren nur ein disperses Publikum ansprechen. Bei oftmals emotionalen und kontroversen Dis - kussionen unter Laien kommt es deshalb öfters zu dem Ergebnis, dass nicht etwa die Erzie­ hungsberechtigten unter Umständen die Erziehung der Kinder vernachlässigen, sondern dass allein die Medien mit ihrer Gewalt die wehrlosen Kinder verführen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Kinder und Medien - Risiken und Chancen für die kindliche Entwicklung
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Veranstaltung
Soziale Arbeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
49
Katalognummer
V210722
ISBN (eBook)
9783656418740
ISBN (Buch)
9783656419020
Dateigröße
708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kinder, medien, risiken, chancen
Arbeit zitieren
Anna Simona Spänle (Autor), 2011, Kinder und Medien - Risiken und Chancen für die kindliche Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210722

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