Tiergestützte Interventionen für Menschen mit Demenz

Hunde können das individuelle Wohlbefinden von in Pflegeeinrichtungen lebenden dementiell erkrankten Menschen positiv beeinflussen


Studienarbeit, 2012
34 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung
1.1 Haben Tiere positive Auswirkungen auf Menschen?

2 Hauptteil
2.1 Demenz
2.1.1 Definition
2.1.2 Ursachen
2.1.3 Symptomatik und Therapie
2.2 Tiergestutzte Interventionen
2.2.1 Entwicklung
2.2.2 AAT, AAP und AAA - Tiergestutze Interventionen
2.2.3 Wirkungsgefuge nach Nestermann
2.3 Tiergestutzte Aktivitaten fur Menschen mit Demenz
2.3.1 Wohlbefinden und Lebensqualitat
2.3.2 Die wichtigsten psychischen Bedurfnisse von Menschen mit Demenz
2.3.3 Nun kommt der Hund ins Spiel
2.4 Praktische Erfahrungen
2.4.1 Verein, Einrichtung und Hund
2.4.2 Unstrukturierte Beobachtungen und Interview
2.4.2.1 Personenbeschreibung
2.4.2.2 Auswertung der unstrukturierten Beobachtungen und des Interviews mit einer Mitarbeiterin der Demenz-WG

3 Schluss
3.1 Schlussfolgerung
3.2 PersonlicherTeil
3.2.1 Reflexion der Thesen
3.2.2 Reflexion der Arbeit

4 Literaturverzeichnis

5 Anhang
5.1 Unstrukturierte Beobachtungen
5.2 Interview mit einer Mitarbeiterin der Demenz-WG

1. Einleituncf

,,lch bin fur dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Fuchsen gleicht. Aber wenn du mich zahmst, werden wir einander brauchen. Du wirst fur mich einzig sein in derWelt. Ich werde fur dich einzig sein in derWelt.“

(Saint-Exupery 2003, 87f)

1.1 Haben Tiere positive Auswirkuncen aufMenschen?

Canis familaris, der Haushund, er begleitet uns Menschen schon seit tausenden Jahren. Im Laufe der Zeit ubernahm er alle moglichen Aufgaben, die das menschliche Oberleben sicherten. Heutzutage ist er mehr ein Freund und treuer Begleiter. Doch immernoch ist er, furviele Menschen, ein unverzichtbarerTeil ihres Lebens.

Ich selber bin mit Hunden aufgewachsen und habe schon fruh mein Herz an sie verloren. Mit 13 Jahren begann ich, mich intensiver mit der Erziehung von Hunden auseinander zusetzten.

Dies trug sicher auch dazu bei, dass ich viele Beobachtungen in der Interaktion zwischen Mensch und Hund machte, welche mich annehmen lieften, dass hieraus vielfaltige positive Auswirkungen aufden Menschen entstehen.

So wuchs mein Interesse fur „Tiergestutzte Interventionen".

Seit ca. vierJahren beschaftige ich mich nun schon mit diesem Thema, habe viel gelesen und dann letztes Jahr mit meinem Hund „Mano“ die Prufung zum „Mensch-Hund-Team“ beim Verein Leben mit Tieren e.V. bestanden. Seitdem besuchen wir einmal wochentlich eine Demenz-WG. In dieser Arbeit wird erortert, ob Hunde das individuelle Wohlbefinden von in Pflegeeinrichtungen lebenden dementiell erkrankten Menschen positiv beeinflussen. Hierzu wird vorab derwissenschaftliche Hintergrund beleuchtet. Die Begriffe „Demenz“ und „Tiergestutzte Interventionen" werden erlautert, um dann auf ihren Zusammenhang eingehen zu konnen.

Um den Rahmen nicht zu sprengen, werden nur einige Teilbereiche beleuchtet.

Der Fokus liegt besonders auf den Auswirkungen von Hunden auf das psychische und soziale Wohlbefinden von Menschen mit Demenz, da diese Ebenen, im Zusammenhang mit dieser Erkrankung, von besonderer Relevanz sind.

Daher wird sich auch der praktische Teil diesem Bereich widmen. In Interviews und durch unstrukturierte Beobachtungen soll in Erfahrung gebracht werden, welche Wirkungen Hunde in der Praxis auf dementiell erkrankte Menschen haben, was sie bei ihnen auslosen konnen und wie sie gegebenenfalls beeinflussend aufdas Wohlbefinden wirken.

Hierzu wird sich auf Beobachtungen und Interviews gestutzt, die wahrend des Besuchsdienstes (Leben mit Tieren e.V.) erfolgten.

Zum Abschluss steht eine Schlussfolgerung des erarbeiteten, die hoffentlich eine Antwort gibt, in wie Weit Hunde wahrend eines Besuchsdienstes Auswirkungen aufdas Wohlbefinden dementiell erkrankter Menschen haben.

Weiter soll ein Ausblick auf die positiven Nebeneffekte, die auch fur die Arbeit des Heilerziehungspflegers entstehen, gegeben werden.

Denn auch Heilerziehungspflegerwerden in Zukunft vermehrt mit dementiell erkrankten Menschen arbeiten.

Bedingt durch den demographischen Wandel, und die daraus resultierende immerweiter steigende Lebenserwartung von Menschen, steigt auch die Anzahl von dementiell erkrankten Menschen drastisch an. Ein Mensch wird heutzutage durchschnittlich 80 Jahre alt, und mit dem Alter steigt auch das Risiko an Demenz zu erkranken.

Auch dergeschichtliche Aspekt ist zu beachten. Durch die Zeit des Nationalsozialismus gibt es zur Zeit in Deutschland nur sehr wenig alte Menschen mit einer Behinderung.

Dies wird sich aber in Zukunft andern, und somit wird es auch mehr Menschen mit Behinderung geben, diezusatzlich an einerdementiellen Erkrankung leiden.

Zeitgleich wandelt sich die Gesellschaft und auch damit auch das Menschenbild.

Die Pflege von alteren Menschen beinhaltet immer mehr auch Aspekte der Padagogik, Therapie und Fordermaftnahmen. Somit hat dieses Thema auch fur die Heilerziehungspflege eine groftere Relevanz.

2. Hauptteil

2.1 Demenz

Der Begriff "Demenz" leitet sich vom lateinischen "de-mens" ab (de: "weg von" und mens: "Geist") und bedeutet sinngemaft "weg vom Geist".

Man kann es auch verstehen als ,,ohne Verstand“ (Vgl. Messer 2004, 14) was das typische Merkmal, die schleichende Abnahme der kognitiven Fahigkeiten, verdeutlicht. Demenz wird den psychiatrischen Storungen zugeordnet.

Heutzutage ist Demenz eine der haufigsten Ursachen von Pflegebedurftigkeit. Derzeit sind ca. eine Millionen Menschen in Deutschland dementiell erkrankt und jahrlich erkranken ca. 200.000 weitere Menschen. (vgl. Hegedusch/Hegedusch 2007, 10)

2.1.1 Definition

Nach der International Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) ist Demenz (F00-F03) „ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oderfortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Storung vieler hoherer kortikaler Funktionen, einschlieftlich Gedachtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfahigkeit, Sprache und Urteilsvermogen.

Das Bewusstsein ist nicht getrubt. Die kognitiven Beeintrachtigungen werden gewohnlich von Veranderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation begleitet, gelegentlich treten diese auch eher auf.

Dieses Syndrom kommt bei Alzheimer-Krankheit, bei zerebrovaskularen Storungen und bei anderen Zustandsbildern vor, die primar oder sekundar das Gehirn betreffen.“ (http://www.icd-code.de/icd/code/F00.Ahtml, Stand: 06.02.12)

Nach der ICD-10 mussen zur Diagnosestellung eines dementiellen Syndroms die Symptome langer als sechs Monate bestehen.

International wird oft auch die DSM-IV-Definition (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Storungen) genutzt. Diese Definition halt sich die Prognose offen, so dass reversible Verlaufe eingeschlossen werden. (siehe auch Hegedusch/Hegedusch 2007, 15)

2.1.2 Ursachen

Der dementiellen Erkrankung liegt meist eine diagnostizierbare Erkrankung des Gehirns zugrunde.

Die ICD-10 unterscheidet hiernach um welchen Typ es sich handelt.

Es wird unterschieden zwischen:

-Demenz vom Alzheimer Typ (F00)
-Vaskulare Demenz (F01)
-Demenz bei andernorts klassifizierten Krankheiten (F02)
-nicht naher bezeichnete Demenz (F03)
-Alkoholbedingte Demenz (F10.73)

Weiter ,,schlagt ICD-10 eine dreistufige Schweregradeinteilung des dementiellen Syndroms in leichte, mittelgradige und schwere Demenz vor.“ (Hegedusch/Hegedusch 2007, 16)

2.1.3 Symptomatik und Therapie

Nach dieser Einteilung wird auch die Symptomatik eingeteilt.

So modifizierte Hauser 2005, 21f die von Wachtler 2003 erstellte Tabelle zur Einteilung von kognitiven und nichtkognitiven Symptomen in Abhangigkeit zum Schweregrad:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.l: Hegedusch/Hegedusch 2007, 18

Kognitive und nichtkognitive Symptomatik des dementiellen Syndroms in

Abhangigkeit des Schweregrads

(modifiziert nach Wachtler 2003. In: Hauser 2005, 21f)

Demenz wird oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, da sich die Symptome nurschleichend einstellen. Dadurch beginnt die Behandlung erst spat, schon aufgetretene Gehirnschaden sind unumkehrbar.

Anhand derTabelle (Abb.2) kann man gut erkennen, dass die nichtkognitiven Symptome sich meist erst im Verlauf der Krankheit einstellen.

Die Gefuhlsebene bleibt sehr lange erhalten.

Eine Therapie im Sinne der Wiederherstellung des Ursprungszustandes ist nicht moglich. Demenz gilt als Unheilbar.

Wird die Erkrankung jedoch fruh genug erkannt, ist es moglich durch Therapien eine Verzogerung, manchmal sogar einen zeitweiligen Stillstand zu erreichen.

2.2 Tiergestutzte Interventionen

2.2.1 Entwicklung

Schon immer spielten Hunde in der Geschichte der Menschheit eine wichtige Rolle. Dies liegt sicher auch daran, dass der Hund das erste domestizierte Tier war und somit als altester Begleiterdes Menschen gilt. (vgl. Wohlfarth/Mutschler 2011,21)

Zwar hat sich die Rolle des Hundes im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt, doch ,,kein anderes Tierwar in die Domestikation und in die Weiterentwicklung des menschlichen Lebens so intensiv eingebunden wie der Hund.“ (Roger-Lakenbrink 2008, 12)

Es gibt vereinzelte Berichte, dass schon im 8.Jahrhundert die heilsame Wirkung von Tieren bekannt war.

Viele der Versuche wurden jedoch nicht ausreichend dokumentiert und hatten somit keinen Wert fur die wissenschaftliche Erforschung. (vgl. Greiffenhagen/Buck-Werner 2009,14)

In Deutschland offnete Ende des 19. Jahrhunderts ein Epileptiker-Zentrum, dortwurden Tiere als heilsam angesehen und in Therapien einbezogen.

Doch erstAnfang der 60erJahrewurden die ersten Dokumentationen vorgenommen. Es begannen vereinzelte Berichterstattungen in derZeitung und auch wissenschaftliche Berichte wurden erstmals veroffentlicht. (vgl. Greiffenhagen/Buck-Werner2009, 14)

Das Interesse wuchs langsam aber stetig. Vor allem in den angelsachsischen Landern wurden Versuchsreihen, Dokumentationen und Experimente durchgefuhrt.

Die „Delta Society", die 1977 in Portland/Oregon gegrundetwurde, verhalfden tiergestutzten Interventionen zu mehr Bekanntheit. Heute ist es einer der groftten Vereine, der eine wichtige Rolle in der Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung spielt. (vgl. Greiffenhagen/Buck-Werner2009, 14 u. 26)

In den 80erJahren wurden dann die ersten Vereine in Deutschland gegrundet. Bis heute entstanden viele vereinzelte Vereine, Verbande oder Instituten, doch ein einheitliche Basis ist noch nicht entstanden.

2005 wurde dann die ..European Society for Animal Assisted Therapy" (ESAAT) gegrundet, der erste europaische Dachverband, ,,mit dem erklarten Ziel eine Harmonisierung der Qualifikationsstandards in dertiergestutzten Therapie innerhalb Europas zu erreichen." (Roger-Lakenbrink 2008, 17)

2.2.2 AAT. AAP und AAA - Tiergestutzte Interventionen

Die .Delta Society" legte drei verschiedene Einsatzbereiche fest:

Animal-Assisted-Therapy (AAT) - Tiergestutzte Therapie

Tiergestutzte Therapie bezeichnet den gezielten Einsatz von Tieren in der Therapie. Der Hund wird hier als Co-Therapeut eingesetzt und der Verlauf wird genau dokumentiert Die .Delta Society" beschreibt den Hund als motivierende Kraft, der aber nur zusammen mit einerausgebildeten Person arbeiten darf. (vgl. www.deltasociety.org/Page.aspx? pid=317, Stand: 06.02.12)

Animal-Assisted-Pedagogy (AAP) - Tiergestutzte Padagogik

Der Begrifftiergestutzte Padagogik bezeichnet meist den Einsatz von Tieren in Schulen, Kindergarten und Freizeiteinrichtungen. DasTiersoll die Entwicklung positiv beeinflussen.

Ahnlich wie bei den .Tierbesuchsprogrammen" (siehe AAA-Tiergestutzte Aktivitaten/Fordermaftnahmen) kommt ein Mensch-Tier-Team einmal die Woche zu Besuch in die Einrichtung.

Animal-Assisted-Activities (AAA) - Tieraestutzte Aktivitaten/Fordermaftnahmen

Dieser Einsatzbereich bezieht sich hauptsachlich auf „Tierbesuchsdienste“. Meist werden Bewohner eines Pfleaeheims einmal in der Woche von dem Tierhalter und seinem Tier besucht. Es wird bei diesen Besuchen kein bestimmtes Behandlunas-/Therapieziel verfolat, eheraeht es darum den Bewohnern ein schones Erlebnis und ein wenia Abwechsluna zu ermoalichen. (siehe auch Roaer-Lakenbrink 2008, 26)

Auf diesem Einsatzbereich wird der Schwerpunkt dieser Arbeit lieaen, da sich der praktische Teil der Arbeit auf Erfahrunaen im Hundebesuchsdienst bezieht. Hundebesuchsdienste zahlen zu den tieraestutzten Aktivitaten, bzw. Fordermaftnahmen. Die Tatigkeit derTierbesuchsdienstler ist ehrenamtlich und wird von Initiativen oraanisiert. Bevor das Mensch-Hund-Team in den Einsatz aeht, muss der Hund einen Eianunastest bestehen und eine Schuluna mit abschlieftender Prufuna muss besucht werden.

Das Hauptziel der Besuchsdienste lieat im Fordern und Spenden von Wohlbefinden.

2.2.3 Wirkungsgefuge nach Nestermann

Das bio-psycho-soziale Wirkunasaefuae soll einen ersten Oberblick uber die Wirkunasweisen von Tieren auf Menschen aeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Bio-psycho-soziales Wirkungsgefuge hilfreicher Tiereffekte nach Nestermann (Olbrich/Otterstedt 2003, 66ff)

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Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Tiergestützte Interventionen für Menschen mit Demenz
Untertitel
Hunde können das individuelle Wohlbefinden von in Pflegeeinrichtungen lebenden dementiell erkrankten Menschen positiv beeinflussen
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
34
Katalognummer
V211664
ISBN (eBook)
9783656403722
ISBN (Buch)
9783656405696
Dateigröße
717 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tiergestützte, interventionen, menschen, demenz, hunde, wohlbefinden, pflegeeinrichtungen
Arbeit zitieren
Delia Seubert (Autor), 2012, Tiergestützte Interventionen für Menschen mit Demenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211664

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