Jean-Paul Sartre (geb. 21. Juni 1905 in Paris; gest. 15. April 1980; vollständiger Name Jean-Paul Charles Aymard Sartre) war ein französischer Dramatiker, Philosoph, Romancier und Publizist. Er gilt als Vordenker und Hauptvertreter des Existentialismus und als der repräsentativste französische Intellektuelle des 20. Jahrhunderts. In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg war Sartre der richtungsweisende französische Intellektuelle. Mit seinen Werken L’Être et le néant (Das Sein und das Nichts) und dem Essay L’Existentialisme est un humanisme (Der Existentialismus ist ein Humanismus) von 1946 hat er Hauptwerke der hauptsächlich von ihm geschaffenen Philosophie des Existenzialismus geschaffen. Auch als Publizist war Sartre sehr aktiv. Öffentlich wahrgenommen wurde Sartre seit 1949 als Vordenker und Intellektueller, der seine Stimme zu den großen und auch manchen kleineren Problemen der Nation erhob. Sartre analysiert, interpretiert und schafft so philosophische Theoriengebäude. Mit seinem Werk "Les mots" geht Sartre einen anderen Weg. Er befasst sich mit seinem eigenen Leben. "Les mots"(dt.: die Wörter) ist eine 1964 erschienene autobiografische Schrift über Sartres erste zehn Lebensjahre in der Zeit von 1905 bis etwa 1915, dem Jahr seiner Einschulung in das elitäre Gymnasium Lycée Henri IV. Für dieses Buch wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, dessen Annahme er aber "aus persönlichen und objektiven Gründen" verweigerte. Hintergrund war, dass er seinen Einsatz für einen politischen und gesellschaftlichen Wandel für gescheitert erklärte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Darstellung des Werks
2.2 Familiäre Prägung
2.3 Rolle des Großvaters
2.4 Literarische Identitätsfindung
3. Analyse und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert Sartres autobiografisches Werk „Les mots“ hinsichtlich der Thematisierung von Erinnerung und Identitätskonstruktion in seinen ersten zehn Lebensjahren unter dem prägenden Einfluss seines Großvaters.
- Kindheit und familiäres Umfeld
- Einfluss von Charles Schweitzer
- Identitätsbildung durch Literatur
- Die Rolle der Erinnerung in der Autobiografie
- Reflexion des Schriftstellerberufs
Auszug aus dem Buch
Das Thema Erinnerung in Jean-Paul Sartres „Les mots“
Im Arbeitszimmer seines Großvaters erfindet der kleine Sartre seine Religion: er sieht Zeit seines Lebens Berge von Büchern und erklärt deren Existenz für sich als heilig: „J'avais trouvé ma religion: rien ne me parut plus important qu'un livre. La bibliothèque, j'y voyais un temple.“ Nach dieser Entscheidung gab es für Jean-Paul kein Halten mehr: „[...] je fus préparé de bonne heure à traiter le professorat comme un sacerdoce et la littérature comme une passion.“ Jean-Paul wird sein eigener Lehrmeister. Er bringt sich das Lesen bei, indem er den Roman Heimatlos von Hector Malot zur Hand nimmt, den er bereits auswendig kennt. Er arbeitet sich ab an grammatikalischen Begrifflichkeiten wie „Heautontimoroumenos“, „Idiosynkrasie“, oder „Apokope“ und kämpft mit merkwürdigen und unverständlichen Zusammenhängen: „En tout cas mon regard travaillait les mots: il fallait les essayer, décider de leur sens; la Comédie de la culture, à la longue, me cultivait.“ Der kleine "Poulou" beschäftigt sich bereits mit Autoren wie Corneille, Flaubert, Victor Hugo: „Je vivais au-dessus de mon âge comme on vit au-dessus de ses moyens:[...]“ Über dem Studium der Worte verliert Sartre sein Selbst, die Aufmerksamkeit und Bewunderung seiner Familie sind ihm jedoch sicher. Dieser familiäre Erfüllungszwang zeigt sich darin, dass der kleine Sartre viel lieber heimlich Magazine oder Abenteuerromane las. Sartre gesteht noch im späteren Verlauf des Buches: „Elle n'a jamais cessé: aujourd'hui encore, je lis plus volontiers les « Série Noire » que Wittgenstein.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Person Jean-Paul Sartre und die Thematik seiner autobiografischen Schrift „Les mots“.
2. Hauptteil: Detaillierte Betrachtung der familiären Herkunft, der besonderen Rolle des Großvaters und der frühkindlichen Hinwendung zur Literatur.
3. Analyse und Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der autobiografischen Erinnerungsarbeit und der Identitätskonstruktion Sartres.
Schlüsselwörter
Jean-Paul Sartre, Les mots, Autobiografie, Erinnerung, Identitätsstiftung, Kindheit, Charles Schweitzer, Existentialismus, Literatur, Selbstbild, Familie, Schreibprozess, Kindheitstrauma, Intellektuelle, Biografie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Sartres Autobiografie „Les mots“ und analysiert, wie Sartre seine ersten zehn Lebensjahre rückblickend reflektiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Einfluss der Familie, insbesondere des Großvaters, die Konstruktion von Identität durch Literatur sowie der Umgang mit der eigenen Vergangenheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sartre seine Kindheit in der Retrospektive aufarbeitet und welche Bedeutung die Literatur als daseinsstiftende Tätigkeit für ihn einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse sowie Ansätze der Gedächtnistheorie, um die autobiografischen Ausführungen Sartres zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Es wird Sartres familiäres Umfeld, seine Isolation als „Wunderkind“ und die prägende Rolle der väterlichen Bibliothek für seine spätere schriftstellerische Karriere beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Identitätsstiftung, Autobiografie, Erinnerung, Existentialismus und die familiäre Prägung durch Charles Schweitzer sind maßgebliche Begriffe.
Warum spielt der Großvater eine solch zentrale Rolle in Sartres Kindheit?
Charles Schweitzer fungierte als „pater familias“, der Sartre massiv förderte, ihn jedoch gleichzeitig in ein enges Korsett aus Erwartungen zwang, was Sartre als „subtilen Erpresser“ charakterisierte.
Wie bewertet die Autorin Sartres autobiografische Darstellung?
Die Autorin hebt hervor, dass Sartres Selbstanalyse ein brillant geschriebenes Psychogramm ist, das trotz der subjektiven Wahrnehmung wichtige Einblicke in seine intellektuelle Entwicklung bietet.
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- Nicole Romig (Author), 2011, Erinnerung in Jean-Paul Sartres „Les mots“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211991