Hunger und Lebensmittelknappheit prägten im und nach dem Zweiten Weltkrieg das Denken vieler europäischer Politiker. Deshalb entschied man 1957 bei den Verhandlungen zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, dass die Landwirtschaft ein wichtiger Bestandteil dieser sein sollte.
Eine Liberalisierung der bestehenden unsicheren Ernährungsgrundlage war nach dem Krieg mittelfristig nicht in Sicht. Die nationalen Sonderregelungen für eine gesamteuropäische Agrarpolitik mussten auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) beinhaltet eine Reihe von Mechanismen und Bestimmungen, die die Produktion, Verarbeitung und den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten in der Europäischen Union (EU) regeln sollen. Inzwischen liegt der Schwerpunkt jedoch zunehmend auf der ländlichen Entwicklung.
Unter den Politikbereichen der EU gilt die GAP als einer der wichtigsten. Dies liegt am hohen Anteil der Ausgaben des EU-Haushalts die hierfür verwendet werden, aber vor allem an dem besonders hohen Maß an Souveränitätsverzicht der Mitgliedstaaten zugunsten der Gemeinschaft.
Trotz der edlen Motive die zur GAP führten, gibt es auch hier eine Schattenseite. In den 80er Jahren sah man „Milchseen“ und „Butterberge“. Heute, im Hinblick auf die bevorstehende EU-Osterweiterung, sollten Überproduktion und Subventionen abgebaut werden, um einen Kollaps der europäischen Agrarpolitik zu vermeiden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konzeption
2.1 Die Entstehung der Gemeinsamen Agrarpolitik
2.2 Die Ziele der gemeinsamen Agrarpolitik
2.3 Die Instrumente der gemeinsamen Agrarpolitik
2.3.1 Markt- und Preispolitik
2.3.1.1 Außenhandelsregelungen
2.3.1.1.1 Abschöpfungen bei den Importen
2.3.1.1.2 Exporterstattungen
2.3.1.3 Binnenmarktregelungen
2.3.1.4 Einkommensbeihilfen
2.3.2 Strukturpolitik
2.3.2.1 Agrarinvestitionsförderungsprogramme
2.3.2.2 Ausgleichszulage
2.3.2.3 Weitere Initiativen / Strukturmaßnahmen der EU
2.3.3 Agrarumweltpolitik
2.4 Die Institutionen der gemeinsamen Agrarpolitik
2.4.1 Der Agrarministerrat
2.4.2 Die Kommission der Europäischen Gemeinschaft
2.4.3 Das Europäische Parlament
2.4.4 Die Generaldirektion Landwirtschaft
2.5 Die Finanzierung der GAP
2.5.1 Der Europäische Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL)
2.5.1.1 Die Abteilung Ausrichtung
2.5.1.2 Die Abteilung Garantie
2.5.2 Ist- Ausgaben aus dem EAGFL
2.5.3 Einnahmen der EU und ihre Ausgaben für die GAP
2.5.3.1 Die Eigenmittel
2.5.3.2 Der EU-Haushalt 2002
3. Die Problematik der GAP und ihre Reformen
3.1 Die Problematik der GAP
3.1.1 Tendenz zur Überproduktion
3.1.2 Die GAP stößt an die Grenze der Finanzierbarkeit
3.1.3 Ausufernde Bürokratie und fehlende Transparenz im Verteilungsmechanismus
3.2 Die wichtigsten Reformen
3.2.1 1992-McSharry-Reform
3.2.1.1 Gründe für eine Reform
3.2.1.2 Ziele der Reform
3.2.1.3 Ergebnisse der MacSharry-Reform
3.2.2 Agenda 2000
3.2.2.1 Gründe für eine Reform
3.2.2.2 Ziele der Agenda 2000
3.2.2.3 Maßnahmen der Agenda 2000
3.2.2.4 Ergebnisse der Reform
4. Osterweiterung und Agrarpolitik
4.1 Probleme der Osterweiterung
4.1.1 Kosten der Erweiterung
4.1.2 Schaffung von Arbeitsplätzen als Erwerbsalternative in ländlichen Regionen
4.1.3 Modernisierung der Ernährungswirtschaft
4.2 Integration der Beitrittsländer
4.3 Konsequenzen der Erweiterung
4.4 Auswirkungen der Erweiterung
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Konzeption, der Problematik und den Reformprozessen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union. Das Ziel ist es, die Entwicklung der Agrarpolitik von ihren Anfängen bis zur Agenda 2000 zu analysieren und insbesondere den Einfluss der anstehenden EU-Osterweiterung auf die bestehenden Strukturen zu untersuchen.
- Grundlagen und Ziele der Gemeinsamen Agrarpolitik
- Finanzierungsstruktur der GAP und der EAGFL
- Problemanalyse: Überproduktion, Finanzierbarkeit und Bürokratie
- Evaluation der Reformschritte: MacSharry-Reform und Agenda 2000
- Herausforderungen und Konsequenzen der EU-Osterweiterung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Tendenz zur Überproduktion
Als die Agrarmarktordnung der EU für eine Gemeinschaft von sechs Mitgliedsstaaten konzipiert wurde, herrschte in den Unionsstaaten eine Unterversorgung an Nahrungsmitteln. Durch die Markt- und Preispolitik wurden für die Landwirtschaft positive Produktionsvoraussetzungen geschaffen. Zwei Aufgaben sollte das gemeinsame Agrarpreissystem auf einmal erfüllen; Einerseits sollte es den Landwirten Einnahmen sichern, die den Industrieeinkommen entsprechen und andererseits für ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage auf dem Agrarmarkt sorgen. Der Preis als zentraler Lenkungsmechanismus konnte jedoch dieser Rolle nicht gerecht werden. Durch das günstige Preisniveau und die Absatzgarantien wurden die Landwirte animiert ihre Produktionsmengen zu steigern. Die Überschüsse wurden von den Interventionsstellen aufgekauft, um dann kostspielig gelagert oder auf dem Weltmarkt „verschleudert“ zu werden. Durch die Weiterentwicklung der Technik, die eine intensive Bodenbewirtschaftung ermöglichte und dadurch zu einer Produktionssteigerung führte, ist dieses Verhalten gefördert worden.
Unter gesamtwirtschaftlichen Betrachtungen wurden die Schwierigkeiten, die durch ein falsches Anreizsystem entstanden sind in der Form sichtbar, dass die Landwirtschaft am Markt vorbei produzierte. So kam es, dass der Grad der Selbstversorgung innerhalb der Gemeinschaft in den 70er und 80er Jahren bei vielen Gütern 100 Prozent überstieg. In dieser Zeit erregte die Agrarpolitik der Europäischen Union vor allem durch „Milchseen“ und „Butterberge“ das öffentliche Interesse. Verschiedene Anstrengungen, die Überproduktion einzudämmen, beispielsweise durch eine Preisdruckpolitik für die Landwirtschaft, Abschlacht- und Nichtvermarktungsprämien, die Einführung einer Mitverantwortungsabgabe und schließlich durch die Kontingentierung der Milchproduktion, konnten jedoch „das Übel nicht an der Wurzel“ packen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die historische Entstehung der GAP aus der Notwendigkeit einer gesicherten Ernährungslage heraus und benennt die Problematik von Überproduktion und hohen Subventionskosten.
2. Konzeption: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte, die vertraglichen Ziele sowie die komplexen Instrumente und institutionellen Rahmenbedingungen der GAP.
3. Die Problematik der GAP und ihre Reformen: Hier werden die strukturellen Probleme, insbesondere die Tendenz zur Überproduktion, die Grenzen der Finanzierbarkeit sowie die Reformmaßnahmen wie die MacSharry-Reform und die Agenda 2000 analysiert.
4. Osterweiterung und Agrarpolitik: Dieses Kapitel thematisiert die finanziellen Herausforderungen, Integrationsprobleme und die langfristigen Konsequenzen der EU-Erweiterung um die MOEL.
5. Schluss: Der Abschluss fasst die Ergebnisse einer Eurobarometer-Umfrage zur Einstellung der EU-Bürger gegenüber der GAP zusammen.
Schlüsselwörter
Gemeinsame Agrarpolitik, GAP, EU-Agrarpolitik, Überproduktion, Agrarmarkt, Strukturpolitik, EAGFL, MacSharry-Reform, Agenda 2000, EU-Osterweiterung, Agrarsubventionen, ländliche Entwicklung, Marktordnung, Direktzahlungen, Ernährungswirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Konzeption, die Problemfelder und die kontinuierliche Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) innerhalb der Europäischen Union.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Markt- und Preispolitik, die Strukturpolitik, die Finanzierungsmechanismen durch den EAGFL sowie die Herausforderungen durch die EU-Osterweiterung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der GAP kritisch zu beleuchten und zu bewerten, wie erfolgreich die Reformschritte bei der Lösung struktureller Probleme wie Überproduktion und hoher Kosten waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine umfassende Literatur- und Dokumentenanalyse der agrarpolitischen Grundlagen, Verträge und offiziellen Berichte der Europäischen Kommission.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Konzeption der GAP, eine detaillierte Problemanalyse, die Bewertung der wichtigsten Reformpakete und die Betrachtung der Auswirkungen der Osterweiterung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gemeinsame Agrarpolitik, Marktordnung, Strukturreformen, Agenda 2000 und EU-Osterweiterung charakterisieren.
Was bedeutet das im Text erwähnte "Schleusensystem"?
Das Schleusensystem ist ein handelspolitisches Instrument, bei dem über Abschöpfungen die Importpreise an das höhere EU-Preisniveau angepasst werden, um inländische Produzenten zu schützen.
Welche Bedeutung haben die "flankierenden Maßnahmen" im Rahmen der MacSharry-Reform?
Diese Maßnahmen ergänzten die Preispolitik durch Anreize für umweltgerechte landwirtschaftliche Praktiken, wie etwa Flächenstilllegungen oder die Umwandlung von Ackerland in Grünland.
Warum wird die Bürokratie der GAP als problematisch angesehen?
Die zentralistische Steuerung erfordert für die Landwirte einen enormen Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand für Anträge und Kontrollen, was hohe Kosten verursacht und wenig flexibel auf regionale Unterschiede reagiert.
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- Martin Mader (Author), 2002, Die EU-Agrarpolitik. Ihre Konzeption und Problematiken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21206