Adolf Loos und Arnold Schönberg. Untersuchung der Freundschaft beider Künstler


Hausarbeit, 2010

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zwei Künstler

3. Inhalt der Aufsätze
3.1. Adolf Loos: „Keramika“
3.2. Arnold Schönberg: Auszug aus dem Briefwechsel mit Ferruccio Busoni

4. Vergleich der Aufsätze
4.1. Befreiung
4.2. Forderung
4.3. Ausblick

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie oft in der Geschichte gab es Personen, die eine neue, weit von der gängigen Anschauung abweichende Meinung vertraten und damit vollkommen allein dastanden? Vergleichsweise viele dieser Fälle treten in der Religion auf. Ein Prophet hebt sich aus der Masse und verkündet, was ihm eine von vielen möglichen Inspirationsquellen angeblich für die Menschheit offenbart hat. Man denke an Jesus im Christentum, Mohammed im Islam, Josef Smith Jr. bei den Mormonen und viele mehr. Dies scheint ein Bereich des Lebens zu sein, in welchem diese Art und Weise der Meinungsbildung funktioniert. Doch in den meisten Fällen beruhen Veränderungen im Denken der Menschen nicht auf den Aussagen einer einzigen Person. Verschiedene Forscher ergänzen ihre Gedanken und mit jeder neuen Erkenntnis muss das Alte wieder überdacht werden. Auch die Geschicke unseres Staates werden nicht wie früher von einer einzigen Person entschieden, sondern von vielen diskutiert und gelenkt. Heutzutage gibt es für jedes große Projekt ein Team, eine Gruppe von Menschen, die ihre Ideen zusammentragen und gemeinsam Neues entwickeln oder nach Lösungen für Probleme suchen. Verantwortung wird geteilt, Entscheidungen auf eine breite Basis gestellt. Immer stärker erkennen wir die Effektivität von Zusammenarbeit. Es gibt durchaus Personen, die am liebsten allein arbeiten, jedoch der Großteil der Menschheit ist auf Partner angewiesen.

Eine dieser überaus wertvollen partnerschaftlichen, und sogar freundschaftlichen,[1] Beziehungen soll in dieser Arbeit etwas genauer durchleuchtet werden. Gibt es Hinweise auf eine gegenseitige Beeinflussung in der Entwicklung ihres künstlerischen Standpunktes? Inwiefern stimmen ihre Ansichten überein, wo sind Unterschiede? Dies soll näher untersucht werden am Beispiel des Aufsatzes „Keramika“[2], 1904 von Adolf Loos verfasst, und zweier Auszüge aus Briefen Schönbergs[3] an den Pianisten und Komponisten Ferruccio Busoni im August 1909.

2. Zwei Künstler

Kennengelernt haben sie sich Schönberg und Loos wahrscheinlich um 1895 im Café Griensteidl, damals ein beliebter Treffpunkt des „stürmischen künstlerischen Lebens“[4]. Eine engere Beziehung entwickelte sich jedoch erst, nachdem Schönberg 1905 aus Berlin zurückgekehrt war[5] und hielt bis zum Tod von Loos im Jahr 1933 an. „Er [Schönberg, Anm. d. V.] besuchte mit Freunden, namentlich mit Adolf Loos, gern die eleganten Bars der Wiener Innenstadt.“[6] Der ältere Loos fand sich trotz seiner Schwerhörigkeit immer wieder unter den Zuhörern von Schönbergs musikalischen Werken, subventionierte dessen Konzerte und verlangte, dass auch im Ausland über ihn in der Presse berichtet würde.[7] Der Komponist hingegen verfasste einen Beitrag für eine für Loos sehr wichtige Publikation, die „Richtlinien für ein Kunstamt“, hegte die Absicht, sich von Loos ein Haus bauen zu lassen[8] und versuchte noch kurz vor dem Tod des Architekten, für diesen eine Ehrung durch die Akademie der Künste in Berlin zu erreichen, die zwar vom Gremium befürwortet, aber nie durchgeführt wurde.[9] Rukschcio ist sogar der Ansicht, die Freundschaft zu Loos sei die einzige wirklich engere Beziehung des Komponisten zu einem anderen Künstler gewesen.[10]

Natürlich gliedern sich die Gedanken und Forderungen dieser beiden Künstler in eine lange Entwicklungsgeschichte ein, doch durch ihre Radikalität und spezielle Persönlichkeit werden sie als zwei der wichtigsten Hauptakteure auf der Kunstbühne der Wiener Schule am Anfang des 20. Jahrhunderts angesehen, jeder auf seinem Gebiet. Eine starke Basis für die Freundschaft bestand in ihren ähnlichen Ansichten über die Gesellschaft im Allgemeinen und die Kunst im Speziellen, denn beide verknüpften eng die Frage nach der künstlerischen Form mit ethischen Überzeugungen, wie zum Beispiel der Vorstellung von Wahrheit und Moral.

3. Inhalt der Aufsätze

3.1. Adolf Loos: „Keramika“

Den Aufsatz „Keramika“ verwendete Loos später mehrmals als Schlussteil seines Vortrags „Vom Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen, Schlafen, Essen, Trinken“, von welchem leider keine weiteren Abschriften vorliegen.[11] Er hielt diesen mehrmals in Wien (1911, 1914, 1918, 1919), einmal in Berlin (1911) und sogar in Paris (1926).[12]

Wie die meisten Schriftstücke von Adolf Loos, ist auch dieser Abschnitt seines Vortrags durchweg polemisch und voll erfrischender Ironie. Gleich im zweiten Absatz findet sich ein perfektes Beispiel dafür: „[…] unseren Künstlern war es vorbehalten, außer unappetitlichem Dekor auch noch Glasformen zu erfinden, aus denen man nicht trinken kann.“[13] Vom Trinken und den unterschiedlichen Formen von Gläsern ausgehend, verschiedene andere Gegenstände streifend, wie zum Beispiel Teller oder Tintenfässer, spitzt er seine Kampfansage weiter zu, um zu der extremen Aussage zu gelangen, dass Künstler die „Prostituierer der Kunst“[14] seien. Er selbst sieht sich eher als „einfachen Arbeiter[…]“, Meister,[15] Handwerker[16]. Loos kritisiert die Angewohnheit der „angewandten Künstler[…]“[17], jeden Gegenstand mit Ornamenten zu versehen und aus jedem noch so alltäglichen Objekt ein Kunstwerk zu machen; „Kunstwerk“, wohlgemerkt, im Sinne ihrer Auffassung, nicht seiner. Laut Adolf Loos ist „alles […], was einem Zweck dient, […] aus dem Reiche der Kunst auszuschließen.“[18] Kunst muss aus einer Notwendigkeit heraus entstehen, aus einer dem Menschen innewohnenden Kraft, und darf sich keinesfalls an der Nützlichkeit orientieren.[19] Da ein Haus im Allgemeinen aber kein Einzelstück ist, kann zum Beispiel Architektur nicht als Kunst bezeichnet werden.[20] Doch Loos kritisiert nicht nur die Architekten und Künstler, konkret die Wiener Sezession, die angewandten Künstler und das Kopenhagener Porzellan, sondern „[zielt] aufs große Ganze der Kultur“[21].

3.2. Arnold Schönberg: Auszug aus dem Briefwechsel mit Ferruccio Busoni

Schönberg ist heute zuerst als Komponist bekannt. Die Tatsache, dass er sich auch als Maler betätigte oder zum Beispiel Skizzen für ein Schachbrett für vier Personen[22] entwarf, ist weniger verbreitet. Weiterhin verfasste er, neben seinen musiktheoretischen Abhandlungen, eine Vielzahl an Aufsätzen über die verschiedensten Themen: „Moral, Lebensanschauung, Weltanschauung, Philosophie und Ästhetik, über Politik, Wirtschaft und Soziales, über Physik, die Natur und die Tierwelt.“[23] Und auch ganz persönlich, in zahlreichen Briefen, wovon uns glücklicherweise viele erhalten geblieben sind,[24] teilt er seine Meinung heute der Welt mit.

[...]


[1] Vgl. Podbrecky, S. 174. Amann/Wallas, S. 160.

[2] Vgl. Loos: Trotzdem, S. 50-85. Im Folgenden als „Keramika“ zitiert.

[3] Vgl. Theurich, S. 163-211. Im Folgenden zitiert als „Briefwechsel“.

[4] Rukschcio, S. 36; vgl. Graf, S. 150.

[5] Vgl. Rukschcio, S. 36.

[6] Stuckenschmidt, S. 268.

[7] Vgl. Stuckenschmidt, S. 139f. Rukschcio, S. 101.

[8] Vgl. Zapke, S. 175.

[9] Vgl. Worbs, S. 8f.

[10] Vgl. Rukschcio, S. 101.

[11] Nur in der Berliner Zeitschrift „Der Sturm“ wurde das letzte Kapitel vom Trinken abgedruckt: Der Sturm 2 / 87

(November 1911), S. 691f.

[12] Vgl. Rukschcio, S. 155, 161, 171, 192, 238, 314f.

[13] „Keramika“, S. 50.

[14] a.a.O., S. 55, 58.

[15] a.a.O., S. 52.

[16] Vgl. Loos, Claire/Opel, S. 48.

[17] „Keramika“, S. 51.

[18] Loos: „Architektur“, in: Loos: Trotzdem, S. 107.

[19] Vgl. Rukschcio, S. 230.

[20] Vgl. Loos: „Architektur“, in: Loos: Trotzdem, S. 107.

[21] Böggemann, S. 53. Vgl. auch „Keramika“, S. 50.

[22] Vgl. Rufer, S. 50.

[23] Strecker, S. 9.

[24] Vgl. die Umfangreiche Sammlung von Nuria Nono-Schönberg: Lebensgeschichte in Bildern.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Adolf Loos und Arnold Schönberg. Untersuchung der Freundschaft beider Künstler
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V212258
ISBN (eBook)
9783656403562
ISBN (Buch)
9783656406549
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
adolf, loos, arnold, schönberg, inspirationsquelle, unterstützung, eine, freundschaft, künstlern
Arbeit zitieren
Anne-Christin Schilke (Autor), 2010, Adolf Loos und Arnold Schönberg. Untersuchung der Freundschaft beider Künstler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212258

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Adolf Loos und Arnold Schönberg. Untersuchung der Freundschaft beider Künstler



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden