Es stellt sich die Frage, wie ein Mensch fähig ist, so viele verschiedene immer komplexer werdende Sätze zu formen und neue Aussagen zu bilden, ohne dass er ungrammatikalisch wird. Haben wir jeden möglichen Satz in unserem Lexikon? Das würde unser mentales Lexikon übersteigen. Es muss demnach Regeln geben, die uns dazu befähigen, jeden Satz zu bilden, der grammatisch korrekt ist, ohne dass wir darüber viel nachdenken müssen. Mit dieser Tatsache haben sich sowohl das topologische Feldermodell als auch das Government-and-Binding-Modell auseinander gesetzt. Die vorliegende Ausarbeitung zeigt diese zwei Modelle zur Beschreibung des Aufbaus von deutschen Sätzen auf.
Zu Anfang wird auf das topologische Feldermodell eingegangen, welches aus der traditionellen Grammatik stammt und von dem der Duden Gebrauch nimmt. Es versucht anhand einer Tabelle die Strukturierung eines Satzes darzustellen, deren jeweilige Elemente ausführlich betrachtet werden. Anschließend findet eine kritische Auseinanderstellung statt. Daneben zeigt sich die Government-and-Binding-Theorie, welche im Zuge der generativen Grammatik entwickelt wurde. Sie geht auf Noam Chomsky zurück, der mithilfe dieses Modells der Konstituentengrammatik die Phrasenstrukturgrammatik weiter entwickelt hat. Zunächst werden kurz die Phasenstrukturregeln erläutert und anschließend die X-Bar-Theorie besprochen, welche die Phasenstrukturgrammatik revidiert und auf die Rektions- und Bindungstheorie zurückgeht. Im Anschluss daran wird explizit das Modell von Chomsky dargestellt. Daraufhin wird versucht das Government-and-Binding-Modell und das topologische Modell in Einklang zu bringen und zu vergleichen. Zum Schluss findet eine kritische Reflexikon über das Government-and-Binding-Modell statt.
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
2. Die Satzstruktur des Deutschen anhand des topologischen Feldermodells
2.1. Darstellung
2.1.1. Vorfeld
2.1.2. Linke Satzklammer
2.1.3. Mittelfeld
2.1.4. Rechte Satzklammer
2.1.5. Nachfeld
2.2. Kritische Auseinandersetzung
3. Die Struktur eines Satzes anhand der Government-and-Binding-Theorie
3.1. Darstellung
3.1.1. X-Bar-Theorie
3.1.2. Government-and-Binding-Modell
3.2. Zusammenführung der beiden vorgestellten Modelle
3.3. Kritische Auseinandersetzung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Menschen komplexe, grammatisch korrekte Sätze bilden können, und vergleicht dazu zwei unterschiedliche sprachwissenschaftliche Ansätze: das topologische Feldermodell aus der traditionellen Grammatik und die Government-and-Binding-Theorie aus dem Bereich der generativen Grammatik.
- Strukturierung deutscher Sätze durch das topologische Feldermodell
- Anwendung der Government-and-Binding-Theorie auf die Satzstruktur
- Vergleich zwischen linearer Tabellendarstellung und hierarchischen Strukturmodellen
- Analyse von Satzbau-Prinzipien, Rektion und Bindung
- Kritische Reflexion der Erklärungsmodelle zur Syntax
Auszug aus dem Buch
2.1. Darstellung
Das topologische Modell,1 welches auf den Überlegungen des Germanisten Erich Drach aufbaut, stellt die Satzstruktur der deutschen Sprache anschaulich anhand einer Tabelle dar. In diesem Stellungsfeldermodell werden die einzelnen Abschnitte des Satzes in ein Vorfeld, eine linke Satzklammer, ein Mittelfeld, eine rechte Satzklammer und ein Nachfeld aufgegliedert. Allgemein kann gesagt werden, dass alles, was vor dem finitem Verb steht, das VF bildet, wobei an dieser Stelle sowohl das Thema als auch das Rhema stehen kann,2 und was dem finitem Verb folgt das MF und NF. Sowohl die linke als auch die rechte Satzklammer sind an bestimmte Wortarten gebunden, wobei das VF, MF und das NF variabel besetzbar beziehungsweise unbesetzbar sein können (vgl. Dürscheid 2007:89-96). Es gilt das Behaghel’sche Gesetz, welches besagt, dass es das „oberste Gesetz ist [...], daß das geistig eng Zusammengehörige auch eng zusammengestellt wird.“ (Behaghel 1932:4). Es besteht demnach ein enger Zusammenhang zwischen der syntaktischen und semantischen Nähe, den es bei der Positionierung der Konstituenten3 zu beachten gilt. Im Folgenden wird genauer auf die einzelnen Bestandteile eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit: Einführung in die Problematik der menschlichen Sprachproduktion und Vorstellung der beiden zu vergleichenden Modelle zur Satzbeschreibung.
2. Die Satzstruktur des Deutschen anhand des topologischen Feldermodells: Detaillierte Erläuterung des Stellungsfeldermodells und der spezifischen Funktionen von Vorfeld, Satzklammern, Mittelfeld und Nachfeld.
3. Die Struktur eines Satzes anhand der Government-and-Binding-Theorie: Darstellung der generativen Ansätze mittels X-Bar-Theorie sowie Rektions- und Bindungstheorie zur hierarchischen Satzanalyse.
4. Fazit: Gegenüberstellung der Vorteile beider Modelle, wobei die Government-and-Binding-Theorie aufgrund ihrer universalen Anwendbarkeit und Erklärungsstärke hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Satzstruktur, Topologisches Feldermodell, Government-and-Binding-Theorie, Generative Grammatik, X-Bar-Theorie, Syntax, Konstituente, Rektion, Bindungstheorie, Vorfeld, Satzklammer, Stellungsfeldermodell, Sprachwissenschaft, Linguistik, Universalgrammatik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, mit welchen syntaktischen Modellen sich der Aufbau deutscher Sätze am besten beschreiben und erklären lässt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die traditionelle Satzbeschreibung anhand topologischer Felder und die generative Analyse durch die Government-and-Binding-Theorie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Funktionsweisen beider Modelle darzustellen, ihre Anwendbarkeit auf die deutsche Sprache zu prüfen und ihre Vor- sowie Nachteile im direkten Vergleich kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine linguistische Theorieanalyse angewandt, die durch vergleichende Modellierung, Strukturbaum-Diagramme und eine deskriptive Auswertung von Beispielsätzen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst das topologische Feldermodell (Vorfeld, Klammern etc.) und anschließend das generative Modell (X-Bar, Move-alpha, Rektion und Bindung) detailliert analysiert und schließlich miteinander in Bezug gesetzt.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Fachbegriffe wie Konstituente, Satzklammer, X-Bar-Schema, Tiefen- und Oberflächenstruktur sowie Rektions- und Bindungstheorie.
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen den beiden Modellen?
Das topologische Modell bietet eine eher lineare Beschreibung der Satzglieder, während die Government-and-Binding-Theorie tiefere hierarchische Strukturen und universale grammatische Prinzipien erklärt.
Warum ist die Unterscheidung zwischen S-Struktur und D-Struktur wichtig?
Diese Unterscheidung im GB-Modell ermöglicht es zu erklären, wie abstrakte grammatische Einheiten (D-Struktur) durch Transformationen zu den tatsächlich geäußerten Sätzen (S-Struktur) gelangen.
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- Elisabeth Esch (Author), 2013, Traditionelle Grammatik versus Generative Grammatik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212297