Deutscher Rap. Moderne Poesie und asoziales Gangstergetue?


Facharbeit (Schule), 2012

26 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Was ist Rap?
2.1.1 Unterschiede zwischen Rap und Hip-Hop
2.2 Entstehung des Rap
2.2.1 Entstehung in Amerika
2.2.2 Entwicklung in Deutschland

3. Rap heute
3.1 Als was sehen Rapper ihre Musik an?

4. Moderne Poesie oder „Gangstergetue“?
4.1 Definition von „niveauvoll“ und „niveaulos“
4.2 Analyse des Rapsongs "Meer aus Tränen" von JAW
4.2.1 Einleitung
4.2.2 Die erste Strophe
4.2.3 Die Hook
4.2.4 Die zweite Strophe
4.2.5 Die dritte Strophe
4.2.6 Resümee

5. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Rap ist in Deutschland eine der umstrittensten Musikformen überhaupt. Das hat vor allem zur Grundlage, dass sich diese Art der Musik besonders durch sozialkritische Texte auszeichnet. Diese Texte werden von den Rappern oft verbal grenzwertig und niveaulos geschrieben, um die Jugendlichen auf den Straßen damit anzusprechen. Die Umgangssprache ist sehr schroff und überschreitet nicht selten alle Grenzen des guten Geschmacks. Jugendliche identifizieren sich mit ihren Lieblingsrappern und wollen genau so sein wie sie. Die Rapper sind aber durch ihren unverantwortlichen Lebensstil, meist ohne Arbeit und mit starkem Hang zum Alkohol ein mehr als schlechtes Vorbild für die deutsche Jugend.

So wird deutscher Rap meist schnell als eklatant niveaulos und gesellschaftszerstörend dargestellt, ohne dass sich einmal die Texte angesehen werden, die von diesen Rappern geschrieben werden. Zu oft werden berühmte Rapper wie Bushido, mit gewaltverherrlichenden, frauen- und schwulenfeindlichen Texten, als verallgemeinernde Beispiele für die gesamte Rap-Szene gebraucht. Doch was sich hinter dem Vorhang befindet, die Rapper, die wirklich etwas leisten mit ihrer Musik, werden durch die Schuld ihrer berühmten Kollegen zu niveaulosen Gangstern degradiert, ohne dass ihre Musik jemals wirklich ernsthaft betrachtet wurde. Dabei sind ihre Texte meist viel niveauvoller und durchdachter als die "Kommerzschlager", die den gesamten Tag im Radio rauf und runter laufen.

Aus diesem Grund soll in den folgenden Ausführungen eine klare Grenze zwischen niveauvollem und niveaulosem Rap gezogen werden. Deutscher Rap ist kein durch ständig verwendete Beleidigungen und Flüche abzuwertendes Musikgenre. Vielmehr soll auf den folgenden Seiten klargestellt werden, dass diese Musikrichtung eine neue Art der Poesie darstellt. Deshalb lege ich Ihnen ans Herz, diese Facharbeit ohne Hintergedanken zu beginnen und sich im Laufe der Arbeit ein eigenes Bild von dieser Musikrichtung zu machen. Vielleicht wird sich Ihr Bild nicht verändern, vielleicht ist aber auch alles gar nicht so, wie Sie es sich vorgestellt haben.

Um verstehen zu können, inwiefern Rap eine Art der modernen Poesie darstellt sollte zunächst eine Frage geklärt werden:

Was ist Rap überhaupt?

2. Grundlagen

2.1 Was ist Rap?

Rap-Musik zeichnet sich besonders durch den szenetypischen Sprechgesang aus. Der Rapper spricht seinen Text im Takt des sogenannten "Beats". Dabei ist auffällig, dass die Texte meist zumindest ansatzweise gereimt sind. Allgemein könnte man sagen:

Rap ist eine Gesangstechnik, die sich mehr auf die Texte fixiert, als auf die Musik. Da die Texte meist sozialkritische oder problembehandelnde Themen beinhalten und auch technisch, sowie formal einer Gedichtsform ähneln, liegt die Schlussfolgerung nahe, Rap sei eine musikunterlegte Art der Poesie unserer Zeit.

2.1.1 Unterschiede zwischen Rap und Hip-Hop

Der Unterschied zwischen Rap und Hip-Hop ist nicht klar definiert. Im Allgemeinen wird Hip-Hop als Begriff für die Subkultur verwendet, die aus der eigentlichen Musik hervorging. Demnach besitzt Hip-Hop einen eigenen Style, eine eigene Musik, eben den Rap und auch eine eigene Art zu tanzen. Unter Rap hingegen versteht man zunächst einmal nur die Musik, die in 2.1 angesprochen wurde.

2.2 Entstehung des Rap

2.2.1 Entstehung in Amerika

Ursprünglich entstammt Rap der afroamerikanischen Szene. Ausgehend von Disc Jockeys der 60er (DJs), die ein paar gereimte Takte zu ihren aufgelegten Platten sagten, entwickelte sich der Rap besonders in den Ghettos der Großstädte, ursprünglich New York. Bald wurden eigenständige, sogenannte MCs (Masters of Ceremony) eingesetzt, die als frühzeitliche Rapper ihren Platz neben den DJs einnahmen und immer mehr zu den gefeierten Männern der Events, den sogenannten Block-Partys, wurden. Rap wurde immer mehr zu einem Statussymbol der Untergrundszene.[1] Die Intention der Rapper war es „zu provozieren, emotionalisieren und später auch zu politisieren“[2]. Nach und nach verbreitete sich die Musik über das ganze Land, sodass an der Westküste eine neue Art des Rap entwickelt wurde: Der Gangsta-Rap entstand und es entwickelte sich ein bisher ungeahntes Ausmaß an Konkurrenzdenken bis sogar hin zum Hass zwischen East- und Westcoast, dessen Auswirkungen sich spätestens nach dem tragischen Tod des Rappers 2Pac (1996), ganz Amerika bewusst wurde.

Während der 90er Jahre fanden Rap und Hip Hop immer mehr Anschluss zum sogenannten Mainstream und für viele ihrer Anhänger ging der „Subkultur-Charakter“[3] verloren.

Nun wissen wir, woher der Rap ursprünglich kommt, doch wie ist er nach Deutschland gekommen? Kann eine Musikrichtung, die in den Vereinigten Staaten zum Mainstream geworden ist, in Deutschland integriert werden? Viel wichtiger aber: Kann eine solch provozierende und beleidigende Musikrichtung als moderne Poesie bezeichnet werden?

2.2.2 Entwicklung in Deutschland

Wer brachte den Rap nach Deutschland? Niemand Geringeres als Thomas Gottschalk produzierte im Jahre 1980 mit zwei weiteren TV-Moderatoren eine Parodie des ersten internationalen Hip-Hop - Hits „Rappers Delight“.

Bis der Rap in Deutschland zum Durchbruch kam, dauerte es allerdings noch ein Jahrzehnt. Erst im Jahre 1992 wurde das erste ernst zu nehmende Hip-Hop – Album veröffentlicht, das allerdings von Spaß-Rappern wie Die Fantastischen Vier oder Fettes Brot, die bis heute noch aktiv ihre Musik betreiben und bereits für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden, verdrängt wurde. Während bis zum Ende des Jahrtausends „Ironie oder inspirierter Wahnsinn“ das Bild des Rap in der Öffentlichkeit bestimmten, wuchs im Untergrund der Großstädte eine

Hip-Hop-Gemeinde, die sich vor allem durch harte Freestyle-Battles auszeichnete, in denen es die Aufgabe war, seinen Gegenüber mit höchst anspruchsvollen Reimen möglichst effektiv zu beleidigen. Das Publikum entschied am Ende des Battles den Sieger. So entstanden die ersten Rap-Urgesteine, wie beispielsweise Kool Savas, Azad, Sido und Bushido, für die Worte nicht mehr ein einfaches Kommunikationsmittel, sondern Waffen geworden waren. Diese Art des Rap hinterließ einen bleibenden Eindruck bei jeder Bevölkerungsgruppe. Während sich die Jugend für diese sogenannten „Rüpel-Rapper“ begeistern konnte, da sie ihnen in Umgangssprache aus der Seele sprachen, entstand bei den Erwachsenen, vor allem den Eltern, der Eindruck, diese aggressive Musik würde ihre Kinder negativ beeinflussen.

Diese Einstellung über deutschen Rap hat sich im Laufe des Jahrzehnts nicht geändert. Die Möglichkeit, dass Rap nicht immer gleich Rap ist, scheint nicht vorhanden zu sein und so entstand eine Voreingenommenheit, die es zukünftigen Rappern unmöglich machte, sich zu beweisen. Nun ist die Frage: Hat sich Rap wirklich so stark verändert, dass diese Voreingenommenheit unbegründet ist? Wenn ja, was zeichnet Rap heute aus?

3. Rap heute

Im Laufe der Zeit hat sich Rap stark verändert, was mit unterschiedlichen Augen gesehen werden kann. Das geht vor allem darauf zurück, dass jeder Rapper eine eigene Definition von Rap hat und auch eine Vorstellung, wie dieser aussehen sollte. Tobias Kargoll, Hauptredakteur von HipHop.de beschreibt diese Tatsache folgendermaßen:

Dass sich deutscher Rap nicht mag, ist nicht neu. Journalisten profilieren sich damit, nur [denk dir hier irgendwas möglichst Anspruchsvolles] zu hören. Unter jedem Song, Video oder Artikel schreibt mindestens einer, wie peinlich die Protagonisten wären. Deutsche Rapper mochten jahrelang keinen deutschen Rap außer ihrem Eigenen. Sie sagen in Interviews, sie könnten niemandem erzählen, was sie beruflich machen. Dendemann gibt HipHop.de keine Interviews, weil er mit HipHop nichts zu tun haben will. Bushido kam auf die Badewiese und meinte, wir wären alle scheiße, Savas beendete die Karrieren von Ikonen. Und jetzt sagt Casper, dass er generell nichts von Songs mit dem klassischen Sechzehner-Hook-Sechzehner-Schema hält. Hat die Szene mit der größten Fresse die größten Komplexe? [4]

Ein Stück weiter im Text lässt er folgende Bemerkung fallen, die ein besonderes Argument dafür darstellt, dass Rap nicht verallgemeinert werden sollte. Er zitiert den Buchautor Gary Shteyngart: „Es gibt immer weniger Leser, aber immer mehr Autoren. Ein wunderbares Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage“ Das kommt einem doch bekannt vor. […] Rap hören ist als passive Tätigkeit verpönt. Man will im Song der Held sein.[5]

Aus diesem Grund gibt es immer mehr Rapper; die Auswahl ist quasi grenzenlos und jeder entwickelt seinen eigenen Stil. Doch was denken Rapper wirklich über sich selbst?

3.1 Als was sehen Rapper ihre Musik an?

Wie bereits angedeutet, hat jeder Rapper seinen eigenen Stil, seine eigenen Inhalte und auch seine eigene Raptechnik. In 25 Jahre Hip-Hop in Deutschland erzählt der Autor Sascha Verlan von "Juice-Artikeln, die bis zum Rand der Verherrlichung oberflächlich sind"[6]. Dass die Juice als größte deutsche Hip-Hop Zeitschrift, quasi die Bild des Hip-Hop, nicht ausschlaggebend für das Urteil zur Frage "Moderne Poesie oder Gangstergetue?" sein kann ist logisch. Fragen wir also die Rapper selbst!

Auch vielen Rappern ist nicht entgangen, dass ihre Musikrichtung in der Gesellschaft als aggressiv und asozial verpönt ist. Nun wollen sie der Beweis dagegen sein, wie Prinz Pi in seinem gleichnamigen Lied beschreibt. Weiter zählt er eine Reihe von Künstlern auf, die seiner Meinung nach beweisen, dass Hip-Hop nicht das ist, was in den Medien daraus gemacht wird. Wörtlich heißt es:

"Weil in allen Medien

Die, die für uns alle stehen

Weitgehend hohle Scheiße reden

Hat Rap in D kein leichtes Leben

Findet nur statt im Fernsehen

Als Skandal und seichte Themen"[7]

In einem anderen Lied lässt er eine Bemerkung fallen, die wie auf das Thema zugeschnitten scheint:

"Kann es sein, dass die Lyrik der Neuzeit eine 16-zeilige Strophe ist?"[8] Dabei geht er auf die typischen 16 Zeilen einer Strophe in einem Rap-Lied ein.

Doch nicht nur Prinz Pi besteht darauf, dass deutscher Rap eine Kunstform ist. Sein Hamburger Kollege Samy Deluxe spricht in seinem Song Poesiealbum eben jene Themen an, die in dieser Arbeit behandelt werden. Er vergleicht sich mit Schiller und Goethe und reiht sich dabei selbst in die Geschichte deutscher Lyriker ein. Prinzipiell könnte der gesamte Songtext hier als Zitat abgebildet werden und die Facharbeit bräuchte nicht mehr geschrieben werden, aus diesem Grund werden hier kurz die wichtigsten themenbezogenen Zitate aus dem Lied herbeigezogen, um Ihnen zu zeigen, was moderne Lyrik bedeutet. Der gesamte Text wird im Anhang zur Verfügung gestellt.

[...]


[1] Vgl.: Stemmler, Susanne, 2007, Hip-Hop und Rap in romanischen Sprachwelten, Stationen einer globalen Musikkultur. Seite 14 & 15. Peter Lang Verlag

[2] http://www.freestylerap.de/geschichte-des-rap/, 17.02.2012

[3] http://www.freestylerap.de/geschichte-des-rap/, 17.02.2012

[4] http://www.hiphop.de/magazin/features/detail/2011/07/22/toxik-vs-casper-wer-braucht-den-rap-retter-in-roehrenjeans/ , 17.02.2012

[5] ebenda

[6] Verlan Sascha, 25 Jahre Hip-Hop in Deutschland, 2006, S. 410

[7] Prinz Pi, Beweis dagegen, http://rapgenius.com/Prinz-pi-beweis-dagegen-lyrics, 23.02.2012

[8] Ebenda

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Deutscher Rap. Moderne Poesie und asoziales Gangstergetue?
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
26
Katalognummer
V212360
ISBN (eBook)
9783656402626
ISBN (Buch)
9783656402916
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutscher, zwischen, poesie, gangstergetue
Arbeit zitieren
Michael Rempel (Autor), 2012, Deutscher Rap. Moderne Poesie und asoziales Gangstergetue?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212360

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