Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Geschichte - Sonstiges

Die Darstellung des Serienmörders Jürgen Bartsch in den Printmedien und die öffentliche Konstruktion des Bildes einer „Bestie“.

Titel: Die Darstellung des Serienmörders Jürgen Bartsch in den Printmedien und die öffentliche Konstruktion des Bildes einer „Bestie“.

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2009 , 26 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Janina Vahrenholt (Autor:in)

Geschichte - Sonstiges
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Als der Serienmörder Jürgen Bartsch im Jahr 1967 zum ersten Mal vor Gericht stand, wurde der Prozess für die Öffentlichkeit schnell zum „Jahrhundert-prozess“. Das Interesse für den jungen Mann, der auch der „Kirmesmörder“ oder die „Ruhrpottbestie“ genannt wurde, weil er vier kleine Jungen auf der Kirmes ansprach und sie in einen versteckten Bunker lockte, wo er sich an ihnen verging, sie tötete und zerstückelte, war enorm. Die Medien stilisierten Bartsch zum „Teufel in Menschengestalt“ und für die Gesellschaft war klar, dass die Bestie, wenn man über sie schon nicht die in Deutschland gesetzeswidrige Todesstrafe verhängen durfte, für immer weggesperrt werden musste. Als der Fall im Jahr 1971 zum zweiten Mal aufgerollt wurde, weil Zweifel bestanden, dass beim ersten Mal alles getan worden war, um heraus zu finden, wo die Ursachen lägen für Bartschs Morde, befand sich die BRD in einem Wandel: Durch die 68er-Bewegung liberaler geworden, wurde die Öffentlichkeit sensibler für die gesellschaftlichen Missstände, die Fehler der konservativen Erziehungsmethoden der älteren Generationen und deren mögliche fatale Auswirkungen auf die menschliche Psyche.
Und so wandelte sich auch das Vorgehen der Justiz in der Wahrheitsfindung und auch die Präsentation Jürgen Bartschs in den Medien [...].
Kurioserweise spricht man von einem „Wandel gesellschaftlicher Wahrnehmung“, doch gerade die Gesellschaft war es, die sich 1971 hinsichtlich der Auffassung Bartschs keineswegs verändert hatte: Man wollte immer noch das Monster in ihm sehen und nicht akzeptieren, dass die Ursachen seiner Morde in seiner Psyche zu finden waren und seine psychische Disposition auf sein gesellschaftliches Umfeld zurückzuführen war. Diese Arbeit soll nun in einem ersten Schritt die Unterschiede der beiden Prozesse beleuchten und wie die Wahrnehmung seiner Person sich veränderte. Untersucht werden soll dabei, inwiefern dies mit dem gesellschaftlichen Wandel zusammen hängt. In einem zweiten Schritt soll ein Blick auf die Printmedien – ob seriös wie die Zeit oder der Spiegel oder unseriös wie die Bild-Zeitung oder Illustrierte wie die Quick – geworfen werden, welche unterschiedlichen Bilder sie während der beiden verschiedenen Prozesse zeichneten und welche Meinungen sich in der Bevölkerung über ihn ausbildeten,[...].

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die verschiedenen Urteile der Bartsch-Prozesse Im Kontext des gesellschaftlichen Wandels

3. Die Berichterstattung in den Printmedien und die Reaktion der Bevölkerung

3.1. Exkurs: Medienwirkungsforschung – Welche Reaktionen Können Gewalt- und Verbrechensdarstellungen in den Medien auslösen?

3.2. Die Berichterstattung über den Wuppertaler Prozess von 1967 und die extremen Reaktionen der Bevölkerung: Die Verurteilung einer Bestie.

3.3. Die Berichterstattung über den Düsseldorfer Prozess von 1971: Der Täter wird zum Opfer.

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die mediale Darstellung des Serienmörders Jürgen Bartsch in den Printmedien der Jahre 1967 bis 1971 und analysiert, wie diese Berichterstattung die öffentliche Wahrnehmung sowie den gesellschaftlichen Diskurs über den Täter im Kontext des Wandels der 68er-Jahre beeinflusste.

  • Mediale Konstruktion des "Bestien"-Bildes
  • Einfluss der Medienwirkungsforschung auf die Rezipienten
  • Wandel der juristischen und medialen Interpretation von 1967 bis 1971
  • Psychologische und soziale Ursachenforschung in der öffentlichen Debatte
  • Wechselspiel zwischen Massenmedien und emotionaler Reaktion der Bevölkerung

Auszug aus dem Buch

3.1. Exkurs: Medienwirkungsforschung – Welche Reaktionen können Gewalt- und Verbrechensdarstellungen in den Medien auslösen?

Die meisten Menschen erfahren von den Kindermorden über die Medien. Und da die meisten Menschen keine persönlichen Erfahrungen mit dieser Form von Gewaltverbrechen besitzen, beziehen sie ihr Wissen vor allem durch ihre mediale Repräsentation. Im Fall Bartsch ist es am sinnvollsten, vor allem anhand der Printmedien die Vernetzung und Vermischung von „Fakten, Fiktion und Fantasien“ zu betrachten und zu untersuchen, wie eine „soziale Prangerwirkung der Massenmedien“ funktioniert, d.h. „die publizistische Aktualisierung (Stimulation)diffamierender, Diskriminierung begründender Einstellungen einer Gesellschaft, welche [...] fast identisch ist mit der Gesamtheit aller Medienrezipienten.“ Einstellungen werden also stimuliert oder Vorurteile bestätigt und der „Angeprangerte“ wird zum Außenseiter, zum Gegenteil der (Rezipienten-)Öffentlichkeit stigmatisiert.

Wenn ein Serienmörder, zudem auch noch ein sexuell motivierter Kindermörder, diese Prangerwirkung erfährt, ist zunächst zu fragen, warum gerade die sexuell motivierten mehrfachen Kindermorde sehr stark in den Medien repräsentiert sind, obwohl die meisten Menschen in ihrem eigenen sozialen Umfeld nicht von diesen betroffen sind und es auch noch nie waren. Die Ursache liegt nicht nur in dem Wunsch der Medien, die Sensationslust der Bevölkerung zu befriedigen, sondern auch in der Vorstellung, dass ein „Verbrechen nicht nur für sich selbst steht, sondern dass ihm eine übergeordnete gesellschaftliche Bedeutung zugesprochen wird“, die über die Medien und in der Öffentlichkeit verhandelt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Fall des Serienmörders Jürgen Bartsch ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die mediale Darstellung und die öffentliche Wahrnehmung im gesellschaftlichen Wandel der späten 1960er Jahre zu analysieren.

2. Die verschiedenen Urteile der Bartsch-Prozesse Im Kontext des gesellschaftlichen Wandels: Dieses Kapitel erläutert den juristischen Wandel zwischen den beiden Prozessen 1967 und 1971 und ordnet die unterschiedlichen Urteilsbegründungen in den zeitgeschichtlichen Kontext der BRD ein.

3. Die Berichterstattung in den Printmedien und die Reaktion der Bevölkerung: Hier wird detailliert analysiert, wie Zeitungen und Illustrierte über den Fall berichteten und welche emotionalen sowie teils extremen Reaktionen dies in der Bevölkerung hervorrief.

3.1. Exkurs: Medienwirkungsforschung – Welche Reaktionen Können Gewalt- und Verbrechsensdarstellungen in den Medien auslösen?: Dieses Kapitel beleuchtet theoretische Ansätze zur Medienwirkung und untersucht, wie Darstellungen von Gewalt die Meinungsbildung und Stimmung der Medienkonsumenten steuern können.

3.2. Die Berichterstattung über den Wuppertaler Prozess von 1967 und die extremen Reaktionen der Bevölkerung: Die Verurteilung einer Bestie.: Der Abschnitt untersucht den ersten Prozess, in dem Bartsch medial fast ausschließlich als "Bestie" oder "Monster" konstruiert und von der Bevölkerung heftig verurteilt wurde.

3.3. Die Berichterstattung über den Düsseldorfer Prozess von 1971: Der Täter wird zum Opfer.: Dieses Kapitel beschreibt den medialen Wandel beim zweiten Prozess, bei dem Ansätze einer sozialwissenschaftlich orientierten Ursachenforschung auftauchten und Bartsch teilweise sogar als Opfer seiner Erziehung und Umwelt dargestellt wurde.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Medien zwar ihre Berichterstattung an den gesellschaftlichen Wandel anpassten, aber dennoch eine zwiespältige Rolle zwischen informativer Aufklärung und Sensationsgier einnahmen.

Schlüsselwörter

Jürgen Bartsch, Serienmörder, Medienwirkungsforschung, Printmedien, gesellschaftlicher Wandel, Kriminalberichterstattung, 68er-Bewegung, Stigmatisierung, öffentliche Wahrnehmung, Gewaltverbrechen, Kindermord, Boulevardjournalismus, Urteilsfindung, Psychopathologie, Rezipienteneinfluss.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die mediale Aufarbeitung und öffentliche Wahrnehmung der Mordfälle durch Jürgen Bartsch in den Jahren 1967 bis 1971.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Macht der Massenmedien, der Einfluss der 68er-Bewegung auf den Diskurs über Straftäter sowie die Transformation des Täterbildes in der öffentlichen Meinung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie sich die Darstellung des Täters von einer als "Bestie" dämonisierten Figur hin zu einem durch soziale Umstände geprägten Menschen in den Printmedien wandelte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?

Die Arbeit basiert auf einer Analyse der Berichterstattung verschiedener Printmedien sowie dem Vergleich der juristischen Urteilsbegründungen der beiden Prozesse im Kontext der zeitgenössischen Medienwirkungsforschung.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in die medienwissenschaftliche Fundierung, die detaillierte Analyse der Berichterstattung zum Wuppertaler Prozess 1967 und zum Düsseldorfer Prozess 1971.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit zusammenfassen?

Wichtige Begriffe sind Jürgen Bartsch, Medienwirkungsforschung, gesellschaftlicher Wandel, Kriminalberichterstattung, Stigmatisierung und öffentliche Wahrnehmung.

Warum wurde Bartsch 1967 medial als "Bestie" bezeichnet?

Aufgrund der grausamen Art der Morde an Kindern und der konservativen gesellschaftlichen Grundhaltung der späten 60er Jahre wurde er von den Medien gezielt als "Monster" konstruiert, um das Sicherheitsbedürfnis der Öffentlichkeit zu adressieren.

Warum änderte sich die Berichterstattung bis zum Jahr 1971?

Der Einfluss der 68er-Bewegung und ein liberaleres gesellschaftliches Klima führten dazu, dass vermehrt nach sozialen und psychologischen Ursachen für die Taten gefragt wurde, was zu einer differenzierteren, teils mitleidigen Darstellung in einigen Medien führte.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Darstellung des Serienmörders Jürgen Bartsch in den Printmedien und die öffentliche Konstruktion des Bildes einer „Bestie“.
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Fachjournalistik Geschichte)
Veranstaltung
Serienmörder des 20. Jahrhunderts
Note
1,3
Autor
Janina Vahrenholt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V212904
ISBN (eBook)
9783656409205
ISBN (Buch)
9783656409106
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Serienmörder Jürgen Bartsch Kirmesmörder Bild Zeitung Printmedien Öffentliche Meinung Gerichtsprozess
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Janina Vahrenholt (Autor:in), 2009, Die Darstellung des Serienmörders Jürgen Bartsch in den Printmedien und die öffentliche Konstruktion des Bildes einer „Bestie“., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212904
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  26  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum