Karate im Sportunterricht. Das Entwickeln einer Team-Kata

Großer Unterrichtsentwurf


Unterrichtsentwurf, 2012

10 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

A.l -Thema der Unterrichtseinheit: Karate (Kampfen)

A.2 - Stundenthema: Das Entwickeln einer Team-Kata (Gruppenchoreographie)

B - Voraussetzuneen dieser Stunde

B. l - Angaben zur Lerngruppe: 27 Schuler[1]= 20m/7w

Ich unterrichte die Lerngruppe 10.X im Rahmen des Ausbildungsunterrichtes unter Anleitung der Fachlehrerin Frau X seit der vergangenen Sportstunde, die gleichzeitig die Erste der Einheit „Karate" darstellte. Es handelt sich hier um Sportunterricht, der wochentlich in einer Doppelstunde stattfindet. Das Lernklima ist allgemein als freundlich und lebendig zu bezeichnen und das Lernverhalten der Kursteilnehmer am Unterricht ist uberwiegend als interessiert zu bewerten.

Die meisten Schuler hatten bisher keinen Kontakt zum Karate oder anderen Kampfsportarten. Eine Schulerin (Laurina) betreibt seit einigen Jahren Karate in einem Verein, Thorben hat bereits einige Erfahrungen im Thai-Boxen und Lukas betreibt Judo. Diese Vorerfahrungen der genannten Schuler spiegelten sich in einer guten Auffassungsgabe und einer schnellen Umsetzung der eingefuhrten Techniken wieder. Auf der anderen Seite gibt es motorisch schwachere Schuler wie Marco, Timo, Markus, und Jan die groRere Probleme haben, ungewohnte Bewegungen auszufuhren. Eine Schulerin (Lana) fehlte in der vergangenen Woche und ist motorisch relativ unsicher und zudem recht zuruckhaltend. Um die Inhalte der vergangenen Stunde etwas aufzuholen wurde Lea gebeten, Lana die erlernten Techniken im Laufe der Woche zu erklaren. Zudem wurde der Hinweis gegeben, dass unter einer bestimmten Internetadresse gute Lehrvideos zu finden sind.

B.2 - Fachlich-thematische Einbettung

Die Unterrichtseinheit Karate ist dem Lern- und Bewegungsfeld Kampfen des Kerncurriculums zugeordnet. Ich habe mich dafur entschieden die Einheit an dem typischen Leitbild des traditionellen Karatetrainings zu orientieren, welches sich aus drei aufeinander aufbauenden „Saulen" zusammensetzt. Die erste Saule ist die Technikschulung (Kihon), hier werden die Grundtechniken vermittelt und isoliert voneinander trainiert. Die zweite Saule ist das Kampftraining gegen imaginare Gegner (Kata) und die dritte Saule ist das Training bzw. der Kampf mit Partnern (Kumite)[2]. Naturlich konnen die jeweiligen Bereiche nur oberflachlich behandelt werden.

In der ersten Doppelstunde der Einheit wurden neben den philosophischen Grundgedanken des Karates (siehe tabell. Ubersicht) drei grundlegende Basistechniken vermittelt, sodass diese isoliert in Grobform ausgefuhrt und anschlieRend zu einer Zweierkombination von Block und Konterschlag zusammengefuhrt werden konnten. Dabei handelt es sich um zwei Blocktechniken (age uke = obere Abwehr & soto uke = frontale Abwehr) und eine Schlagtechnik (oi -tzuki).

In der direkten Vorstunde des Unterrichtsbesuches werden diese Techniken noch einmal wiederholt und es wird an deren Ausfuhrungsqualitat gearbeitet. AnschlieRend bekommen die Schuler die Aufgabe in Dreiergruppen eine festgelegte Kombination von Block- und Schlagtechniken (synchron) einzustudieren (Hinfuhrung zur Team-Kata). Diese kurze Kombination stellt die Anfangssequenz der einzustudierenden

Kata (der Folgestunde/GUB) dar und soil den Schulern zum Einen Sicherheit geben und zum Anderen die Startschwierigkeiten etwas minimieren (siehe Material 1). Zusatzlich wird ein weiterer Block eingefuhrt (gedan barai = untere Abwehr), sodass die Schuler nun fur jede Angriffsrichtung (oben, vorn, unten) eine Blocktechnik kennen und in Grobform anwenden konnen. Je nachdem wie sicher die Schuler die vier Techniken beherrschen und wie viel Zeit in dieser Stunde noch zur Verfugung steht, wird noch ein einfacher FuRtritt eingefuhrt (Mae Geri).

In der gezeigten Stunde sollen die Schuler nun, unter Beachtung vorgegebener Kriterien, eine Team-Kata entwickeln und einstudieren, um diese anschlieRend zu prasentieren.

In der Kata geht es darum, sich in einem fiktiven Kampf gegen mehrere Gegner aus verschiedenen Richtungen zu verteidigen. Dabei sollen alle bisher erworbenen Techniken eingebaut und in verschiedenen Kombinationsvarianten angewendet werden. Die Anwendung der Techniken gegen fiktive Gegner ist gleichzeitig die Vorbereitung auf die Partnerubungen in der nachsten Doppelstunde.

B3 - Hausaufgabe

Es handelt sich zwar um die Zweite einer Doppelstunde doch bezieht sich die Hausaufgabe auch auf die vorliegende Stunde. Aufgrund vereinzelter Koordinationsprobleme beim Ausfuhren der Techniken, erhielten alle Schuler die Aufgabe, die erlernten Techniken so zu festigen, dass diese im Hinblick auf die nachste Stunde moglichst sicher ausgefuhrt werden konnen.

C - Stundenlernziel: Die Schulersollen...

erworbene Karatetechniken zu einer Team-Kata (Gruppenchoreografie) zusammenfuhren und diese anschlieBend prasentieren konnen.

Folgende Kompetenzen werden dabei geschult: Die Schuler...

a) erarbeiten eine Kata (Gruppenchoreographie) und demonstrieren Techniken der Selbstverteidigung in Formubungen.
b) berucksichtigen Gestaltungskriterien wie Synchronitat und Exaktheit.
c) beschreiben Bewegungsprobleme und reflektieren Erfahrungen.
d) entwickeln ihre Team- und Kommunikationsfahigkeit, indem sie (1) in der Gruppe funktionale Arbeits-, Gesprachs- und Kooperationstechniken anwenden, um gemeinsam Aufgaben zu losen und (2) die Lern- bzw. Trainingsprozesse ihrer Mitschuler zu unterstutzen.
e) steigern ihr Selbstvertrauen.

D - Didaktische Erlauterungen

D.l - Begrundung des Stundenlernziels

Bei dem genannten Lernziel geht es inhaltlich um das erfolgreiche Demonstrieren einer einstudierten Choreografie in Form einer Kata. Prozessbezogen geht es viel mehr um die gruppendynamischen Prozesse, die bei der Erarbeitung der Kata stattfinden, sprich um die Forderung sozialer Kompetenzen (siehe Kompetenz „d").

Die Forderung sozialer Kompetenzen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Nicht nur um das soziale Miteinander in der Schule allgemein oder speziell im Sportunterricht zu regeln, sondern auch um die Schuler bestmoglich auf die Alltags- und die Berufswelt vorzubereiten, die nach (und neben) der Schule auf sie wartet. Vor allem im Sportunterricht eroffnen sich durch sportliche Handlungssituationen vielfaltige Chancen zur Erprobung und Verbesserung von Verstandigung, Kompromissbereitschaft, und Entscheidungsverhalten.[3]Das Entwickeln und Einstudieren einer Team-Kata bietet hierviele Ansatzpunkte. Die Schuler stehen vor einer Aufgabe, die sie nur gemeinsam losen konnen. Jedes Gruppenmitglied ist wesentlich am Erfolg der Gruppe beteiligt, niemand hat die Moglichkeit sich zuruckzuziehen und sich nur auf seine Mitschuler zu verlassen. Diese positive Abhangigkeit voneinander soll Gemeinschaftsgefuhl bzw. Teamgeist innerhalb der Gruppen hervorrufen.

Durch die mehr oder weniger groRen Differenzen bezuglich der Lernvoraussetzungen innerhalb der Gruppen sind die Schuler gefordert, sich gegenseitig zu unterstutzen, miteinander zu kommunizieren und sich in der Prasentationsphase gegenseitig Feedback zu geben.

Traditionell handelt es sich beim Karate um eine Kampfkunst. Vor allem im Bereich „Kata" spielen tanzerische und asthetische Aspekte eine groRe Rolle. Hier lassen sich viele Kompetenzen aus dem Lernfeld Gymnastisches und tanzerisches Bewegen auf diese Stunde ubertragen (siehe Kompetenzen b und c).

Ubergeordnetes Ziel der Stunde ist es, neben der Korpererfahrung auch die Selbstwahrnehmung der Schuler hinsichtlich der Steigerung von Selbstbewusstsein und Selbstwertgefuhl zu schulen bzw. sie dahingehend zu sensibilisieren. Ebenso soll den Schulern ein umfassenderer Einblick in die traditionellen Trainingsmethoden des Karate ermoglicht werden.

D.2 - Fachliche Themendarstellung

Karatedo (japanisch: „Weg der leeren Hand") wird meist nur als Karate bezeichnet und ist unter dieser Bezeichnung noch heute am haufigsten gefuhrt. Der Zusatz do wird verwendet, um den philosophischen Hintergrund der Kunst und ihre Bedeutung als Lebensweg zu unterstreichen.

Als Sport ist Karate noch relativ jung (19. Jdh.), seine Ursprunge jedoch reichen bis etwas 500 Jahre n.Chr. zuruck. Chinesische Monche, die keine Waffen tragen durften, entwickelten aus gymnastischen Ubungen im Lauf der Zeit eine spezielle Kampfkunst zur Selbstverteidigung. Diese Kampfkunst galt auch als Weg der Selbstfindung und Selbsterfahrung.

Im Training und im Wettkampf wird der hohe ethische Anspruch konkret: Nicht Sieg oder Niederlage sind das eigentliche Ziel, sondern die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Personlichkeit durch Selbstbeherrschung und auRerste Konzentration. Die Achtung und Unversehrtheit des Gegners stehen an oberster Stelle. Im Training und Wettkampf werden FuR- und FauststoRe vor dem Auftreten abgestoppt. Voraussetzung dafur ist Selbstdisziplin, Verantwortungsbewusstsein gegenuber dem Partner und naturlich eine gute Korperbeherrschung, die im Kihon (Grundschule) systematisch aufgebaut wird.

Aufgrund seiner vielseitigen Anforderungen an Korper und Geist ist Karate ideal als Ausgleich zu den Anforderungen des Alltags. Der Karateka trainiert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit.

[...]


Aus Grunden der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden nur das generische Maskulinum verwendet.

[2]Selbst bei Wettkampfen werden Angriffsschlage nur platziert, dass heifit sie bleiben ohne Wirkung.

[3]Vgl. Klingen 2009

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Karate im Sportunterricht. Das Entwickeln einer Team-Kata
Untertitel
Großer Unterrichtsentwurf
Hochschule
Studienseminar für Gymnasien Stade
Note
1,6
Autor
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V212995
ISBN (eBook)
9783656409830
ISBN (Buch)
9783656412687
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieser Stundenentwurf ist auf eine Einzelstunde ausgelegt und konnte auch erfolgreich umgesetzt werden. Allerdings empfehle ich hinsichtlich der Unterrichtsqualität im "normalen Unterricht" mehr Zeit dafür aufzuwenden (Doppelstunde).
Schlagworte
Karate, Kämpfen, Schule, Unterricht, Sport, Sportunterricht, Schulsport, Kata, Choreografie, Team, Stunde, Unterrichtsstunde, Entwurf, Unterrichtsentwurf, Gymnasium
Arbeit zitieren
Sebastian Schopp (Autor), 2012, Karate im Sportunterricht. Das Entwickeln einer Team-Kata, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212995

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