Für die zweite Hälfte des 2. Jhs. v.Chr. sind kaum Überlieferungen, das Gebiet Südgallien betreffend, auffindbar. Erschwerend kommt hinzu, dass die Informationen, welche zur Verfügung stehen, nur kurze Auszüge aus größeren Werken sind. 4 In diesem Zusammenhang sind unter anderem die Arbeiten von CAESAR, CICERO, LIVIUS und STRABO zu erwähnen. 5 Allerdings ist keinesfalls von deren uneingeschränkter Gültigkeit auszugehen. Vielmehr mahnt die vom griechisch-römischen Kulturkreis geprägte Darstellung zu einer kritischen Betrachtung der getroffenen Aussagen. CICEROS Instrumentalisierung eines negativen Keltenbildes und des metus Gallicus 6 müssen daher ebenso Berücksichtigung finden, wie die verzerrte Darstellung des LIVIUS. 7 Ein differenzierteres Bild liefern dagegen die Berichte STRABONS und CAESARS. Dennoch wird es auch hier erforderlich sein, Intention von authentischer Darlegung zu trennen. Hebt STRABO den Wandel der Kelten zu einem zivilisierten Volk durch mediterrane „Katalyse“ hervor, so sind CAESARS Berichte in erster Linie Rechtfertigung für „seinen“ Gallischen Krieg. 8 Wenngleich unterschiedliche Absichten hinter den Traditionen stehen, wird dennoch evident, welche Vorsicht bei 1 Plin. d.Ä. 3,31.
Aufarbeitung aller Quellen geboten sein wird, will man sich dem Thema dieser Arbeit ein Stück weit nähern. 9 Dabei wird nicht nur nach Verlauf der Eroberung zu fragen sein, sondern es werden im ersten Teil Faktoren erarbeitet werden, welche die Expansion Roms in das angrenzende Territorium bedingten. Den Beziehungen Roms zu südgallischen Mächten sowie deren wechselseitiges Verhältnis ist dabei ebenso intensive Aufmerksamkeit zu schenken, wie geographischen, ethnologischen, wirtschaftlichen, strategischen und kulturellen Prämissen. Der letzte Teil der Arbeit befasst sich mit Konsolidierung des gewonnenen Gebietes; in diesem Zusammenhang ist u.a. die Problematik der Provinzialisierung anzusprechen.
Ein zeitlicher Exkurs wird die weitere Bedeutung der Gallia Transalpina für Caesars Gallischen Krieg erwähnen.
Abschließend soll durch Synthese bisher gewonnener Erkenntnisse der Versuch unternommen werden, Qualität römischer Eroberungspolitik für Südgallien im Ansatz zu charakterisieren. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Südgallien am Ende des 2. Jahrhundert vor Christus
1.1. Vorrömische Einflüsse
1.2. Massilia, Karthago und die spanischen Provinzen
1.3. Die Stämme Südgalliens
1.4. Roms Verbündete
2. Wende der römischen Politik
2.1. Die Feldzüge gegen die Salluvier, Allobroger und Arverner
2.2. Folgen der Expansion
3. Hintergründe der Expansion
4. Ausblick
4.1. Provinzeinrichtung
4.2. Caesars Gallischer Krieg
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der römischen Eroberung Südgalliens im späten 2. Jahrhundert v. Chr. Dabei steht die Analyse der politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der Expansion sowie der Übergang von einem instabilen Einflussgebiet zur Konsolidierung unter römischer Verwaltung im Fokus.
- Faktoren für den Wandel römischer Außenpolitik in Südgallien
- Die Rolle lokaler Stämme wie der Salluvier, Allobroger und Arverner
- Das Bündnisverhältnis Roms zu Massilia und den Aeduern
- Militärische Strategien und die strategische Bedeutung der Region
- Die langsame Provinzialisierung und ihre Bedeutung für Caesars spätere Feldzüge
Auszug aus dem Buch
1.3. Die Stämme Südgalliens
Wenig berichten uns die Quellen von den Völkern in Südgallien. Meist finden sie nur dann Erwähnung, wenn sie mit Rom oder einem Alliierten der Stadt in Konflikte verwickelt sind. Dennoch soll im folgenden der Versuch unternommen werden, ein Bild derjenigen Stämmen nachzuzeichnen, welche in den Ereignissen von 125 – 121 v.Chr. eine bedeutende Rolle gespielt haben.
Über die Salluvier erfahren wir, dass sie an der Südküste der Provence beheimatet waren. Anscheinend Teil einer Stammesföderation wurden sie vom König Toutomotales regiert. Untersuchungen in den letzten Jahren haben bestätigt, dass das oppidum Entremont die Hauptstadt dieses Volkes gewesen sein muss. Das Verhältnis zum benachbarten Massilia war von gegenseitigem Misstrauen belastet. Dem latenten Konflikt wurde letztlich erst 125 v.Chr., mit der Unterwerfung des Stammes durch Rom, ein Ende gesetzt. Freundschaftliche Beziehungen hingegen sind für die Stämme der Arverner und Allobroger anzunehmen.
Kaum aufschlussreicher sind die Quellen, welche über Letztere verfügbar sind: Diese berichten zum einen von der großen Macht und der früheren Kampfeslust der Allobroger, zum anderen von den Dörfern, die sie bewohnten und der Hauptstadt Vienna am Rhodanus, in der die „Bemerkenswertesten“ des Stammes lebten. Appian Celtike 12 erwähnt den Herrscher Bituitus und sieht in ihm den König der Allobroger. Dies widerspricht allerdings zahlreichen Aussagen anderer Quellen, die diesen als König der Arverner bezeichnen. Vielleicht ist dieser Wiederspruch dadurch aufzulösen, indem man davon ausgeht, dass sich die Allobroger einem Stammesverband, welchem die Arverner vorstanden, untergeordnet haben. So wäre Bituitus sowohl König der Allobroger, als auch der Averner zu nennen. Endgültig wird diese Frage allerdings nicht zu lösen sein.
Über die Arverner liegen uns verhältnismäßig ausführliche Informationen vor. Diese waren demnach ein mächtiges Volk, welches über ein großes Reich von Narbo bis zur Grenze Massilias herrschte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Problemstellung der mangelnden Quellenlage thematisiert und das Ziel formuliert, die Expansion Roms in Südgallien zu analysieren.
1. Südgallien am Ende des 2. Jahrhundert vor Christus: Dieses Kapitel beschreibt die geographischen, kulturellen und politischen Gegebenheiten Südgalliens sowie die frühen Beziehungen zu Massilia und Rom.
2. Wende der römischen Politik: Der Fokus liegt auf der militärischen Intervention Roms gegen die Salluvier, Allobroger und Arverner sowie den anschließenden strukturellen Neuordnungen.
3. Hintergründe der Expansion: Es werden die Motive Roms, insbesondere die Sicherung von Transportwegen und wirtschaftliche Interessen, kritisch hinterfragt.
4. Ausblick: Hier wird der Prozess der Provinzeinrichtung diskutiert und die strategische Bedeutung der Region als Sprungbrett für Caesars späteren Gallischen Krieg erläutert.
5. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass die römische Eroberung ein vielschichtiger Prozess war und Südgallien bis zur Neuordnung durch Augustus einen Zwitterstatus innehatte.
Schlüsselwörter
Römisches Reich, Südgallien, Gallia Narbonensis, Massilia, Salluvier, Allobroger, Arverner, Expansion, Provinzialisierung, Romanisierung, Caesar, Militärgeschichte, Antike, Antike Quellen, Via Domitia.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der römischen Expansion und der Eroberung Südgalliens im späten 2. Jahrhundert vor Christus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den römischen Motiven, dem Verhalten der lokalen gallischen Stämme und der strategischen Bedeutung der Region für das Römische Reich.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Wandel der römischen Politik gegenüber Südgallien und die Konsolidierung der Region unter römischer Herrschaft zu charakterisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer quellenkritischen Analyse der antiken Überlieferungen sowie der Auswertung archäologischer Funde und moderner historischer Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ausgangslage im 2. Jh. v. Chr., die militärischen Feldzüge gegen die Stämme der Region und die nachfolgenden politischen sowie administrativen Konsequenzen der römischen Präsenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Römische Expansion, Gallia Narbonensis, Massilia und die Konflikte mit den Salluviern und Allobrogern.
Wie sicher ist die Datierung der offiziellen Provinzeinrichtung?
Die Datierung ist schwierig, da die Quellen kein eindeutiges Datum nennen. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass ein klarer provinzieller Status erst nach der Neuordnung durch Augustus ab 27 v. Chr. gesichert ist.
Warum war Massilia eine Schlüsselrolle für Rom?
Massilia fungierte lange als Verbündeter Roms und als Brücke zum mediterranen Kulturkreis, bevor die Stadt durch die Übergriffe lokaler Stämme überfordert war und Rom militärisch direkt eingreifen musste.
- Arbeit zitieren
- Benjamin Müller (Autor:in), 2003, Die Eroberung Südgalliens durch Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21379