War Hardenberg ein Liberaler?


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zielsetzung der Arbeit

2.1 Begriffsbestimmung „liberal“ und „Liberalismus“
2.2 Bildung und Erziehung Hardenbergs
2.3 Beeinflussung der Werke Hardenbergs durch Zeitgenossen
2.3.1 Hardenbergs Verhältnis zu König Friedrich Wilhelm III.
2.3.2 Hardenbergs Verhältnis zu Metternich
2.4 Hardenbergs Beteiligung am Wiener Kongress und den Karlsbader Beschlüssen
2.5 Hardenbergs Reformwerk
2.5.1 Frühe Reformpolitik
2.5.2 Preußische Reformpolitik
2.5.3 Weitere Reformen
2.6 Hardenberg und der Liberalismus
2.7 Analyse der Quelle „Rigaer Denkschrift“

3 Schlussbetrachtung

4 Quellenverzeichnis

5 Literaturverzeichnis

1 Zielsetzung der Arbeit

„Demokratische Grundsätze in einer monarchischen Regierung: dieses scheint mir die angemessene Form für den gegenwärtigen Zeitgeist. Die reine Demokratie müssen wir noch dem Jahre 2440 überlassen, wenn sie anders je für den Menschen gemacht ist.“[1]

Kein Zitat lässt besser erkennen, dass Karl August von Hardenberg ein Kind seiner Epoche ist. Wenn er auch die Zeit für die reine Demokratie, die für uns in Europa längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist, noch längst nicht reif sieht, so zeigt er doch sein fortschrittliches Denken in der Verbindung von Demokratie und Monarchie. Inwieweit sein politisches Denken und Handeln dabei vom Liberalismus geprägt wurde, möchte ich in dieser Arbeit untersuchen. Diese Fragstellung ist durchaus interessant, da sie auch in der Forschung nicht abschließend geklärt ist. Einige Autoren, wie beispielsweise Silke Lesemann, sprechen von seinen liberalen und modernen Ideen und Reformen ohne genauer darauf einzugehen, warum Hardenberg ihnen liberal erscheint.[2] Jedoch lassen sich im gegenwärtigen Forschungsstand hierzu auch differenziertere Betrachtungen zu Hardenbergs Liberalität finden, wie es beispielsweise in einem Aufsatz des Hardenbergforschers Thomas Stamm-Kuhlmann in der Historischen Zeitschrift zu finden ist.[3]

2.1 Begriffsbestimmung „liberal“ und „Liberalismus“

Zunächst gilt es zu klären, wie die Begriffe „liberal“ und „Liberalismus“ im historischen Kontext überhaupt einzuordnen sind.

Lothar Gall betont, dass man zwischen dem Liberalismus als „gesellschaftlicher Bewegung“ und als politischer Gesinnung, insbesondere der „aufgeklärten Bürokratie“ unterscheiden müsse[4]. Denn in der gesellschaftlichen Bewegung des Liberalismus war es das Hauptziel eine Verfassung zu erreichen, die das Verhältnis von Individuum und Staat an feste Regeln bindet und dem Individuum somit persönliche Freiheit garantiert. Damit verbunden sind angeborene Freiheitsrechte, Gleichheit vor dem Gesetz, Religions- und Versammlungsfreiheit sowie Schutz von Person und Eigentum.[5]

In den aufklärerischen Schriften von Smith und Locke hingegen ist der Liberalismus nicht – wie man auf Grund der lateinischen Herkunft des Wortes Liberalismus zunächst denken könnte – zuerst als Freiheit des Einzelnen vor dem Staat zu verstehen, sondern bezieht sich zunächst auf Eigentum und Besitz, also darauf, ob allen Schichten Privateigentum zusteht oder nicht. Liberalismus bedeutet also nicht in erster Linie politische Freiheit, sondern wirtschaftliche Freiheit, also die Freiheit des Einzelnen etwas zu erwerben und zu besitzen.[6]

Liberale Reformideen einzelner Politiker dürfen also nicht automatisch mit den Ideen der liberalen Bewegung der bürgerlichen Schichten gleichgesetzt werden, sondern müssen jeweils im Einzelfall geprüft werden.

2.2 Bildung und Erziehung Hardenbergs

Um den Politiker genauer einschätzen zu können, muss auch seine Erziehung und Bildung in seiner Kindheit und Jugend betrachtet werden. Der am 31. Mai 1750[7] geborene Karl August von Hardenberg wurde für seine Zeit modern und aufklärerisch erzogen. In seiner Kindheit übernahm hauptsächlich sein Onkel Karl Friedrich die Erziehung, der gemeinsam mit Hardenbergs Vater Wert auf eine „freiheitliche Denkhaltung“[8] legte, durch die der junge Karl August selbstständiges Arbeiten und vor allem Denken lernen sollte, anstatt nur Fakten auswendig zu lernen. Das Hauptaugenmerk seiner Ausbildung lag bei den modernen Sprachen Französisch, Englisch und Deutsch, bei Geschichte sowie bei den Naturwissenschaften. Zudem erhielt er Unterricht in Latein, Griechisch und Religion.[9] Interessant im Hinblick auf die Frage, ob er liberal war und falls ja, woher seine liberale Haltung kommt, ist die Tatsache, dass seine Ausbildung sich in seiner Kindheit kaum von der anderer Adliger seiner Zeit unterschied, sich in seiner Jugend allerdings von der anderer preußischer Adliger abhob. Ab seinem zwölften Lebensjahr besuchte er nämlich ein privates Lyzeum, das nicht nur adligen Kindern vorbehalten war, sondern auch an begabte Kinder anderer Schichten Stipendien vergab. Silke Lesemann sieht in seiner modernen Erziehung, die sehr von aufklärerischen Ideen geprägt war, einen entscheidenden Aspekt darin, dass Hardenberg ihrer Meinung nach zu einem liberalen Politiker wurde.[10]

Hardenberg studierte später Jurisprudenz an der Universität Göttingen, die als offen gegenüber aufklärerischen Ideen aus England galt. So kam Hardenberg auch mit den Theorien britischer Aufklärer wie Smith und Locke in Berührung und hört zudem Vorlesungen aufgeklärter und liberaler Professoren, wie beispielsweise Johann Stephan Pütter oder Christian Fürchtegott Gellert.[11]

2.3 Beeinflussung der Werke Hardenbergs durch Zeitgenossen

2.3.1 Hardenbergs Verhältnis zu König Friedrich Wilhelm III.

Obwohl Hardenberg König Friedrich Wilhelm III. mehrmals ein Verfassungsversprechen abringen konnte, war er letzten Endes doch nicht in der Lage in Preußen eine liberale Verfassung einzuführen. Das erste Verfassungsversprechen erhielt er vom König im Zusammenhang mit dem Finanzedikt im Oktober 1810. Schließlich erreichte Hardenberg, dass König Friedrich Wilhelm am 22. Mai 1815 die „Verordnung über die zu bildende Repräsentation des Volkes“ erließ.[12] Doch auch mit diesem zweiten Verfassungsversprechen kam es zu keinerlei Änderungen. Und auch das dritte Verfassungsversprechen, das der preußische König im Januar 1820 durch das Staatsschuldengesetz abgab, welches besagte, dass bei künftigen Entscheidungen über die Aufnahme von Krediten die reichsständische Versammlung befragt werden müsse, führte dennoch nicht zur Einführung einer Repräsentativverfassung oder zu einer Gründung eben jener reichsständischen Versammlung.[13]

Besonders schwierig wurde es für Hardenberg, als ab 1810 Wilhelm Fürst von Wittgenstein sowie seine konservativen Berater damit begannen, gegen Hardenberg und seine Politik vorzugehen. Zu Beginn des Jahres 1820 gelang es ihnen, Humboldt sowie zwei weitere preußische Minister wegen ihrer Bedenken gegen die Demagogenverfolgung aus ihrem Amt zu drängen und so Hardenbergs Position weiter zu schwächen. Dadurch konnte sich Friedrich Wilhelm III. nun problemlos über die drei von ihm gegebenen Verfassungsversprechen zur Errichtung einer konstitutionellen Monarchie hinwegsetzen, und Preußen blieb weiterhin ein monarchisch-bürokratischer Absolutismus[14]. Dass Hardenberg nicht dasselbe Schicksal wie Humboldt ereilte, lag wohl vor allem daran, dass er im Gegensatz zu Humboldt keinerlei rechtsstaatliche Bedenken gegen die Demagogenverfolgung vorbrachte.[15]

Am 11. Juni 1821 schließlich erhielt Hardenberg ein Schreiben des Königs, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass es keine repräsentative Verfassung für Gesamtpreußen geben werde, sondern lediglich ständische Versammlungen in den einzelnen Provinzen.[16] Damit waren Hardenbergs Pläne für eine preußische Verfassung zunichte gemacht. Allerdings gab er keineswegs die Hoffnung auf, sondern arbeitete und kämpfte weiterhin für seine Pläne einer Verfassung. Er hoffte den König in der Zukunft umstimmen zu können. Bevor er allerdings eine weitere Chance bekam, verstarb Karl August von Hardenberg am 26. November 1822.[17] Bemerkenswert ist es, dass Friedrich Wilhelm III. Hardenbergs schriftlichen Nachlass für fünfzig Jahre unter Verschluss ins Geheime Staatsarchiv legen ließ.[18] Dies lässt den Schluss zu, dass der König Hardenberg keineswegs für einen treuen und konservativen Staatsbeamten hielt, sondern ihm wohl auch eine liberale Gesinnung zutraute und unterstellte. Zudem sah er wohl die Gefahr, dass andere Politiker durch Hardenbergs Nachlass ebenfalls zu liberale Ideen entwickeln könnten.

[...]


[1] http://www.staatskanzler-hardenberg.de/quellentexte_riga.html.

[2] Silke Lesemann, Prägende Jahre. Hardenbergs Herkunft und Amtstätigkeit in Hannover und Braunschweig, in: Thomas Stamm-Kuhlmann (Hg.), „Freier Gebrauch der Kräfte“. Eine Bestandsaufnahme der Hardenberg-Forschung, München 2001.

[3] Thomas Stamm-Kuhlmann, „Man vertraue doch der Administration!“ Staatsverständnis und Regierungshandeln des preußischen Staatskanzlers Karl August von Hardenberg, in: Historische Zeitschrift 264 (1997), S. 613-654.

[4] Lothar Gall, Liberalismus und „bürgerliche Gesellschaft“. Zu Charakter und Entwicklung der liberalen Bewegung in Deutschland, in: Historische Zeitschrift 220 (1975), S. 324-356, hier 325.

[5] Hans-Werner Hahn/Helmut Berding, Reformen, Restauration und Revolution 1806-1848/49, 10. Auflage Stuttgart 2010 (=Handbuch der Deutschen Geschichte, Bd. 14) S. 477.

[6] Thomas Stamm-Kuhlmann, „Man vertraue doch der Administration!“ S. 617.

[7] Silke Lesemann, Prägende Jahre. S. 12.

[8] Silke Lesemann, Prägende Jahre. S. 15.

[9] Silke Lesemann, Prägende Jahre. S. 15-17.

[10] Silke Lesemann, Prägende Jahre. S. 16.

[11] Thomas Stamm-Kuhlmann, „Man vertraue doch der Administration!“ S. 618.

[12] Hans-Werner Hahn/Helmut Berding, Reformen, Restauration und Revolution, S. 142.

[13] Hans-Werner Hahn/Helmut Berding, Reformen, Restauration und Revolution S. 142.

[14] Thomas Stamm-Kuhlmann, „Man vertraue doch der Administration!“ S. 634; Hans-Werner Hahn/Helmut Berding, Reformen, Restauration und Revolution, S. 142-144.

[15] Thomas Stamm-Kuhlmann, „Man vertraue doch der Administration!“ S. 634-636.

[16] Thomas Stamm-Kuhlmann, „Man vertraue doch der Administration!“ S. 641.

[17] Thomas Stamm-Kuhlmann, „Man vertraue doch der Administration!“ S. 642.

[18] Hans Bentzien, Überhaupt zeige man Charakter! Leben und Werk des preußischen Staatskanzlers und Reformers Karl August Fürst von Hardenberg, Bad Münstereifel 2002 S. 11.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
War Hardenberg ein Liberaler?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Basiskurs Wiener Kongreß 1814/15
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V214021
ISBN (eBook)
9783656423966
ISBN (Buch)
9783656436058
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Hardenberg, Fürst von Hardenberg, Karl August von Hardenberg, Preußische Reformen, Wiener Kongreß, Preußen, Liberalismus
Arbeit zitieren
Alexandra Wesch (Autor:in), 2013, War Hardenberg ein Liberaler?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214021

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