Vorliegende Arbeit soll im Folgenden die Entwicklung in der Theoriegeschichte der Strategieentwicklung beleuchten, um eine mögliche zukünftige Weiterentwicklung herauszuarbeiten: die partielle Integration von Kunden in den Strategieentwicklungsprozess eines Unternehmens. Der Einfachheit halber wird in der gesamten Arbeit von der Kundenintegration gesprochen, gemeint ist immer nur eine teilweise Integration, für kein Unternehmen würde es Sinn machen, alle Kunden unabhängig von Produkt- und Kundenstruktur in einen so heiklen Unternehmensprozess wie die Strategieentwicklung einzubinden. Zuerst wird die Geschichte der Strategieentwicklung umrissen, hier wird vor allen Dingen auf die beiden großen Theorieströmungen eingegangen, die präskriptive und die deskriptive The-orie. Beide werden unter dem Gesichtspunkt der Kunden- bzw. Nichtkundenintegration betrachtet, und das unterschiedliche Verhältnis zwischen Kunden und Strategieentwicklung soll herausgearbeitet werden.
Anschließend werden die Gründe dafür dargelegt, warum eine Kundenbeteiligung am Strategieentwicklungsprozess einer Unternehmung sinnvoll sein kann, welche Gründe dafür sprechen und welche dagegen. Bevor abschließend im Fazit ein Resümee gezogen werden soll, werden kurz mögliche Instrumentarien zur sinnvollen Kundeneinbindung vorgestellt, deren ausführliche Darstellung jedoch den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der Strategieentwicklung
2.1 Beratungsgetriebene Anfänge
2.2 Induktive und deskriptive Ansätze
2.21 Der induktive oder präskriptive Ansatz
2.22 Der deduktive Ansatz
2.23 Annäherungen in den neunziger Jahren
2.3 Systemische Zusammenführung
3. Wo bleibt der Kunde
3.1 Warum eine direktere Einbindung des Kunden?
3.2 Mögliche Ansätze
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Theorien zur Strategieentwicklung mit dem Ziel, die Rolle des Kunden kritisch zu hinterfragen und Ansätze für eine stärkere Kundenintegration in den Strategieprozess zu identifizieren.
- Theoriegeschichte der Strategieentwicklung (präskriptive vs. deskriptive Ansätze).
- Die begrenzte Rolle des Kunden in bisherigen Strategiemodellen.
- Gründe für und gegen eine direkte Kundenbeteiligung.
- Systemische Perspektiven auf die strategische Unternehmensführung.
- Mögliche Instrumente der Marketingforschung zur Kundeneinbindung.
Auszug aus dem Buch
2.21 Der induktive oder präskriptive Ansatz
Eine entscheidende Weiterentwicklung in der Theorie der Strategieentwicklung beobachten wir 1980, als zwei entscheidende Aufsätze zum Thema erschienen.
Nach dem ersten großen (beratungsgetriebenen) Boom der Strategieentwicklung waren vor allen Dingen an amerikanischen Business-Schools Lehrstühle für Strategie gegründet worden, so dass sich nun auch die Wissenschaft mit diesem Thema der Zukunfts- und Unsicherheitsgestaltung auseinandersetzte. Zwei Wissenschaftler, die entscheidende Beiträge zur Weiterentwicklung eines Theorieansatzes beigetragen haben, der hier als induktiver Ansatz bezeichnet werden soll, sind Michael E. Porter und Derek Abell.
Von Michael E. Porter, der auch in den folgenden Jahren die Strategieentwicklung entscheidend prägen sollte, erschien 1980 das Buch „Competitive Strategy“, von Derek Abell im gleichen Jahr der Artikel „Defining the Business“ in der Harvard Business Review. Beide trugen in den folgenden Jahren dazu bei, dass die Strategieentwicklung vor allen Dingen von der Marktseite aus betrachtet wurde. Entscheidend waren hierbei hauptsächlich die Frage nach der Struktur und Identität des relevanten Marktes sowie die Frage nach den Einflüssen, denen das Unternehmen im (Markt-)Umfeld ausgesetzt ist. Michael Porter führt hierzu zum Beispiel sein bekanntes Instrument der „Five Forces“ ein, die das Unternehmen im Zusammenspiel mit den potentiellen Bedrohungen Abnehmer, Lieferanten, Wettbewerber, neue Konkurrenten und Ersatzprodukte analysiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Absicht, die Entwicklung der Strategietheorie zu beleuchten und eine zukünftige, stärkere Kundenintegration in diesen Prozess zu diskutieren.
2. Geschichte der Strategieentwicklung: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Weg von beratungsgetriebenen Anfängen über induktive und deduktive Denkschulen bis hin zur systemischen Zusammenführung nach.
3. Wo bleibt der Kunde: Es wird analysiert, warum Kunden in klassischen Strategiekonzepten nur eine untergeordnete Rolle spielen und wie eine direktere Einbindung trotz bestehender Schwierigkeiten sinnvoll sein könnte.
4. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Kunden trotz ihrer Bedeutung für den Unternehmenserfolg in der Theorie stiefmütterlich behandelt werden, und fordert eine zukünftige stärkere Berücksichtigung durch geeignete Instrumente.
Schlüsselwörter
Strategieentwicklung, Kundenintegration, Unternehmenserfolg, präskriptiver Ansatz, deduktiver Ansatz, systemische Strategieentwicklung, Stakeholder, Wettbewerbsvorteil, Marketingforschung, Strategieprozess, Management, Unternehmenskultur, Kundenorientierung, Strategie, Unternehmensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die historische Entwicklung der Strategieentwicklung in Unternehmen und untersucht kritisch, warum der Kunde in diesen Theorien meist nur eine passive Rolle spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung präskriptiver und deskriptiver Strategietheorien, die Rolle des Marktes und die Möglichkeiten zur aktiven Einbindung von Kunden in strategische Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die vernachlässigte Rolle des Kunden in der Strategieentwicklung aufzuzeigen und Ansätze für eine zukünftige, stärkere Integration von Kundenbedürfnissen in die Unternehmensstrategie zu erarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und historisch-analytische Betrachtung der Fachliteratur zur Strategieentwicklung, ergänzt um systemische Perspektiven.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der wichtigsten Theorieschulen, eine Diskussion über die Gründe für eine mangelnde Kundenintegration sowie eine Vorstellung erster Lösungsansätze aus der Marketingforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Strategieentwicklung, Kundenintegration, systemische Strategieentwicklung und Unternehmenserfolg charakterisiert.
Warum ist das Beispiel des 3M-Konzerns für die Untersuchung relevant?
Das 3M-Beispiel illustriert den „logischen Inkrementalismus“, bei dem Strategie nicht zentral gesteuert wird, sondern sich emergente Prozesse in den Subsystemen des Unternehmens als treibende Kraft erweisen.
Inwiefern unterscheiden sich „Beobachtungen erster Ordnung“ von „Beobachtungen zweiter Ordnung“ in diesem Kontext?
Beobachtungen zweiter Ordnung bedeuten, dass das Unternehmen nur das beobachtet, was es über den Kunden zu wissen glaubt; eine Beobachtung erster Ordnung entspräche einer direkten, proaktiven Einbindung des Kunden in den Strategieprozess.
- Quote paper
- Enno Dreier (Author), 2003, Wo bleibt der Kunde in der Strategieentwicklung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21456