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Tucholskys Dialektlyrik am Beispiel von „Danach“

Titel: Tucholskys Dialektlyrik am Beispiel von „Danach“

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 36 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Johannes Key (Autor:in)

Germanistik - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Tucholsky schrieb zum Berlinischen: „Bevor ich berlinere, überlege ich es mir dreimal, und zweimal tue ichs nicht.“ Dafür, dass er hier einen eher zurückhaltenden Gebrauch andeutet, findet man doch verhältnismäßig viele und eindrucksvolle Dialektalgedichte resp. Passagen oder Einschübe, auch thematische Gedichte oder Essays zu Berlin und seinen Bewohnern.
Ausgangspunkt dieser Arbeit soll sein Gedicht Danach sein, dem – wie den meisten Mundartgedichten – das Prädikat der Unterhaltungslyrik oder auch Trivialität anhaftet. Diese Arbeit versteht sich nicht als Apologie von Dialektlyrik, wird aber ihre Konstruktions-mechanismen und Funktionsweisen näher untersuchen. Dafür sollen nach einer interpretatorischen Betrachtung von "Danach", die aufzeigt, dass dialektale Lyrik durchdachter konstruiert ist, als die Vorurteile attestieren, die Bedingungen für das erfolgreiche Funktionieren der Komik und die Ursachen für jene Vorurteile untersucht werden. Die zu prüfende These besteht in der Vermutung, dass Dialektlyrik diese allgemeinen Prädikate nutzt, ja geradezu provoziert, damit ein Spannungsfeld der Komik zwischen formal konstruierter E-Lyrik und inhaltlich/ sprachlich bewirkter Trivialität entsteht. Die Untersuchung weist damit zugleich aber auch auf Rezeptionsprozesse, die sprachwissenschaftlich analysiert werden sollen (Textsorten- und Funktionalstilwissen). Die dadurch gewonnenen Einsichten werden als These für die tucholskysche Dialektlyrik zusammengeführt und untersucht: Die Funktion des Berlinerischen weist durch ihren konnotativen und assoziativen sozial markierten Aspekt eine weitere Dimension auf der sprachlichen Seite auf. Vor diesem Hintergrund wird klar, was ein dialektallyrisches Ich als authentische Berliner Milieu-Figur neben
normalen Rezeptionsprozessen zusätzlich leistet. Am Schluss der Arbeit sollen daraus die Funktionen des Dialektgebrauchs für die tucholskysche Lyrik gewonnen werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interpretatorische Annäherung

2.1 Argumentationstheoretische Struktur, formal-inhaltliche Betrachtung

2.2 Aufbau und Kernaussagen

3. Dialektlyrik – Intention, Bedeutung, Wirkung

4. Exkurs: Funktionsmechanismen der Verlach-Komik

5. Funktionsweise komplexerer Dialektlyrik

6. Textlinguistische Anbindung:

Funktionsweisen der Dialektlyrik unter stilistischen Aspekten

6.1 Textsorten: Textsortenwissen, -erwartung und -brechung

6.2 Funktionalstilistik: Norm und Abweichung

7. Das Berlinische

8. Funktion des Berlinischen in der tucholskyschen Dialektlyrik

9. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktionsmechanismen und Funktionsweisen von Kurt Tucholskys Dialektlyrik, am Beispiel des Gedichts "Danach". Ziel ist es, die wissenschaftliche Annahme zu prüfen, dass Dialektlyrik durch die Nutzung spezifischer Vorurteile und Erwartungshaltungen ein Spannungsfeld zwischen E-Lyrik und inhaltlich-sprachlicher Trivialität erzeugt, um komische Effekte zu erzielen und als authentische Milieu-Figur zu fungieren.

  • Analyse der argumentations- und formtheoretischen Struktur von Dialektlyrik
  • Untersuchung der Funktionsweisen der "Verlach-Komik" als Stilmittel
  • Anwendung funktionsstilistischer Ansätze auf dialektale Texte
  • Erforschung der Funktion des Berlinischen als soziolektales Identitätsmerkmal
  • Dekonstruktion des lyrischen Ichs als Mittel zur Distanzierung und Authentizitätsstiftung

Auszug aus dem Buch

2. Interpretatorische Annäherung

„Danach“ erschien 1930 in der Weltbühne unter dem Pseudonym Theobald Tiger und wurde 1931 im Sammelband „Lerne lachen ohne zu weinen“ wieder veröffentlicht. Obgleich das Gedicht prima facie einfach konstruiert ist, nichts Neues aussagt und möglicherweise als triviale Gebrauchslyrik zur Belustigung gewertet werden kann und sicherlich auch wird, ist es – wie im Folgenden gezeigt werden soll – inhaltlich, sprachlich und strukturell originell und durchdacht gebaut, damit der Effekt der Komik und des Simplen auf diese Weise funktionieren.

Das Thema ist kein neues und schnell auf ein Handlungsskelett reduziert: Das lyrische Ich beantwortet die Frage nach dem, was nach einem Happy End kommt, mit einer sehr gerafften Geschichte einer langweiligen Ehe, um zu Schluss zu kommen, dass solche langweiligen Ehen der Grund des Abblendens seien. Schon allein das inszenierte Faktum resp. die fingierte Erzählhaltung, dass eine solche Ehe in 5 Strophen darstellbar ist, ohne wesentliche Ereignisse zu unterschlagen, unterstützt auf formaler Ebene die inhaltlich überzogene Eintönigkeit der Ehe und somit das Argument für die Schlussfolgerung. Die wenigen darstellungsrelevanten Ereignisse einer solchen Ehe werden folgendermaßen enumeriert: Nach dem ersten Kuss und dem übermäßigen Beischlaf wird das Kind geboren und der Alltag schleicht in die Beziehung ein; wegen des Kindes trennt man sich aber nicht – trotz Unzufriedenheit und den Sehnsüchten des Mannes nach einer Anderen. Der Sohn zieht irgendwann aus und nun, da die beiden alt sind, fragt sich der Mann, was denn nun vom anfänglichen Glück geblieben sei.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Konstruktionsmechanismen von Tucholskys Dialektlyrik anhand des Beispiels „Danach“ zu untersuchen.

2. Interpretatorische Annäherung: Dieses Kapitel bietet eine formale und inhaltliche Analyse des Gedichts „Danach“ und beleuchtet die Argumentationsstruktur.

3. Dialektlyrik – Intention, Bedeutung, Wirkung: Hier wird der theoretische Rahmen für die Untersuchung der Dialektlyrik als Gattung und deren Abgrenzung zur Hochsprache abgesteckt.

4. Exkurs: Funktionsmechanismen der Verlach-Komik: Der Exkurs erläutert, wie durch die Inszenierung prototypischer Rollen-Ichs komische Effekte und normative Bezüge entstehen.

5. Funktionsweise komplexerer Dialektlyrik: Dieses Kapitel analysiert das Spannungsfeld zwischen trivialen Inhalten und komplexen Konstruktionsmechanismen in der Dialektlyrik.

6. Textlinguistische Anbindung: Funktionsweisen der Dialektlyrik unter stilistischen Aspekten: Die Untersuchung wendet textlinguistische Kategorien an, um die Wirkung von Dialektlyrik auf Basis von Textsortenwissen und Stilwerten zu erklären.

7. Das Berlinische: Das Kapitel bietet einen Überblick über die klanglichen und morphosyntaktischen Kernelemente des Berlinischen.

8. Funktion des Berlinischen in der tucholskyschen Dialektlyrik: Hier wird untersucht, welche soziolinguistische Funktion das Berlinische als Identitätsmarker im lyrischen Kontext erfüllt.

9. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die Ergebnisse zur Funktionsweise und zur distanzierenden Wirkung von Tucholskys Dialektlyrik zusammen.

Schlüsselwörter

Tucholsky, Dialektlyrik, Danach, Verlach-Komik, Funktionalstilistik, Berlinisch, Rollen-Ich, Textsorten, Sprachkritik, Lyrik, Soziolekt, Mimesis, Sprachnorm, Trivialität, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die sprachlichen und inhaltlichen Konstruktionsmechanismen der Dialektlyrik von Kurt Tucholsky, fokussiert auf das Gedicht "Danach".

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Analyse umfasst die Funktionsweise von Komik in Dialektgedichten, die textlinguistische Einordnung dieser Texte sowie die spezifische soziolinguistische Funktion des Berliner Dialekts.

Welches Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es zu belegen, dass Tucholskys Dialektlyrik nicht trivial ist, sondern bewusst mit Erwartungshaltungen spielt, um gesellschaftskritische oder komische Wirkungen zu erzielen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird ein interpretatorisch-hermeneutischer Ansatz mit funktionsstilistischen und textlinguistischen Methoden kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Interpretation von „Danach“, die Erläuterung der "Verlach-Komik", eine textlinguistische Stil-Analyse und eine Untersuchung der regionalen Varietät Berlinisch.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die wichtigsten Schlagworte sind Tucholsky, Dialektlyrik, Verlach-Komik, Funktionalstilistik, Rollen-Ich und Berlinisch.

Wie funktioniert das "Rollen-Ich" laut dem Autor?

Das Rollen-Ich fungiert als instrumentelle Perspektive, die es dem Autor erlaubt, über ein scheinbar einfaches Medium komplexe Themen zu verhandeln, ohne selbst in das Pathos der klassischen Lyrik zu verfallen.

Warum verwendet Tucholsky laut der Untersuchung Dialekt?

Der Dialekt dient als soziales Markierungsinstrument, um Distanz zu schaffen, Identität zu simulieren und gleichzeitig eine authentische, wenn auch inszenierte Milieu-Figur abzubilden.

In welchem Verhältnis steht die "Verlach-Komik" zur Dialektlyrik?

Laut der Arbeit nutzen Dialektlyriker Mechanismen der "Verlach-Komik", indem sie Erwartungen des Publikums an eine "einfache" Mundartdichtung provozieren und diese durch eine technisch anspruchsvolle Konstruktion brechen.

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Details

Titel
Tucholskys Dialektlyrik am Beispiel von „Danach“
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Philosophische Fakultät II, Germanistisches Institut, Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: Aspekte theoretischer und angewandter Sprachwissenschaft
Note
1,0
Autor
Johannes Key (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
36
Katalognummer
V214591
ISBN (eBook)
9783656429838
ISBN (Buch)
9783656435525
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tucholskys dialektlyrik beispiel danach
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Johannes Key (Autor:in), 2010, Tucholskys Dialektlyrik am Beispiel von „Danach“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214591
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  36  Seiten
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