Sexualität ist in der heutigen Gesellschaft allgegenwärtig. Ob in der Fußgängerzone oder in U-Bahnhöfen, überall werden wir mit eindeutiger oder auch zweideutiger Werbung konfrontiert. Die Industrie versucht den Konsumenten überall und mit allen Mittel zu verführen. So wird auf großen Werbeplakaten mit Unterwäschemodels in sexy Posen oder Leitsprüchen wie »Just do it!« die Aufmerksamkeit der Passanten erregt. In den meisten Werbespots geht es gar nicht um den Akt zwischen zwei Personen an sich, es geht darum, leicht bekleidete Körper – überwiegend von Frauen – zur Schau zu stellen, um eine gewisse Sexyness und Verfügbarkeit anzudeuten. Versucht man den Blick abzuwenden, werden wir spätestens zu Hause durch TV(-Werbung) und das Internet wieder an das Thema Sexualität erinnert. Sexualität hat jeden Aspekt des öffentlichen Lebens „infiziert“ (McLaren 1999: 1).
In der Literatur wird aktuell immer wieder von einer Gesellschaft gesprochen, die „oversexed“ und „underfucked“ ist. Die Medien zelebrieren Sex immer tabuloser während Lust auf Sex verschwindet. (Heyne 2012: 5) Eine Flut anzüglicher Bilder und Ansagen dazu wie Sex zu sein hat überschwemmt unsere Gesellschaft. Das Besondere der Sexualität scheint durch die extreme Kommerzialisierung ihren Zauber verloren zu haben (Fischer 1970: 13). Ist Sexualität somit zu etwas Normalen, Alltäglichen verkommen, das bei uns mitunter keine Reize mehr auszulösen vermag? Gerade die USA mit ihrer gewaltigen Pornoindustrie in „Silicone Valley“, Hochglanz-Erotik-Magazinen wie dem Playboy oder Hustler und Deutschland mit Beate Uhse sind Ausdruck einer Entwicklung, in der Sex verstärkt Einzug in die gesellschaftliche Realität erhalten hat. Doch wie und warum ist es dazu gekommen?
Folgende Frage scheint sich nahezu aufzudrängen:
Wie hat sich der Umgang mit Sexualität in Deutschland und den USA seit den 1960er Jahren entwickelt?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition: Sexualität des Menschen
3. Stand der Forschung
4. Theoretisches und methodologisches Vorgehen
5. Entwicklung des Umgangs mit der Sexualität seit den 1960er Jahren in den USA
5.1 Einleitung und historischer Abriss
5.2 Dimension Medien
5.3 Dimension Schule
5.4 Zusammenfassung
6. Entwicklung des Umgangs mit der Sexualität seit den 1960er Jahren in Deutschland
6.1 Einleitung und historischer Abriss
6.2 Dimension Medien
6.2 Dimension Schule
6.4 Zusammenfassung
7. Vergleich Deutschland - USA
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Umgangs mit Sexualität in den USA und Deutschland seit den 1960er Jahren unter Berücksichtigung kultureller und gesellschaftlicher Wandlungsprozesse. Dabei wird analysiert, inwiefern die sogenannte „Sexuelle Revolution“ zu einer Liberalisierung führte und welche Rolle konservative Kräfte, insbesondere die religiös motivierte Politik, in diesem Prozess spielten.
- Historischer Vergleich der Entwicklung des Sexualverständnisses in den USA und Deutschland.
- Analyse der Rolle der Medien (Film, Werbung, Zeitschriften) bei der Kommerzialisierung und Liberalisierung von Sexualität.
- Untersuchung der schulischen Sexualerziehung als Indikator für den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema.
- Bewertung des Einflusses politischer und kirchlicher Akteure auf sexuelle Aufklärung und Moralvorstellungen.
Auszug aus dem Buch
5.1 Einleitung und historischer Abriss
„Keine Nation der Welt hat sich seit dem zweiten Weltkrieg so verändert wie wir Amerikaner […] Nirgendwo tritt dies klarer zutage als in unserer neuen Sexualmoral.“ (Buck, zit. nach Paloczi-Horvath 1968: 35)
Noch in den 1940er und 1950er Jahren herrschte in den USA eine sexuelle Repression. In diesen Zeiten nahm sich der Staat das Recht heraus sexuell abweichendes Verhalten zu bestrafen. So wurden z.B. Autoren bei der Veröffentlichung des „falschen“ Buches verklagt und Apotheker bei der Herausgabe von Kontrazeptiva an die „falschen“ Personen belangt. (Allyn 2001: 6) Ebenso hatte man mit Konsequenzen zu rechnen, wenn man vorehelichen Geschlechtsverkehr hatte, sich für eine Person einer anderen ethnischen Gruppe interessierte und mit dieser sexuelle Handlungen ausübte, oder sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. Homosexualität wurde zu dieser Zeit als psychische Krankheit abgetan. (Donnelly et al. 2007: 88) Erst Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 entwickelte sich in den USA langsam die „Sexuelle Revolution“ und mit ihr die Liberalisierung im Umgang mit der Sexualität (Paloczi-Horvath 1968: 38 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die allgegenwärtige Thematik der Sexualität in der modernen Gesellschaft ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Entwicklung in den USA und Deutschland seit den 1960er Jahren.
2. Definition: Sexualität des Menschen: Dieses Kapitel erarbeitet ein einheitliches Verständnis des Begriffs Sexualität und beleuchtet deren soziologische, biologische und historische Dimensionen.
3. Stand der Forschung: Es erfolgt eine Aufarbeitung des wissenschaftlichen Diskurses zum Wandel sexueller Normen und dem Konzept der „Sexuellen Revolution“.
4. Theoretisches und methodologisches Vorgehen: Das Kapitel erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit anhand der zwei zentralen Untersuchungsdimensionen: Medien und Schule.
5. Entwicklung des Umgangs mit der Sexualität seit den 1960er Jahren in den USA: Die historische Entwicklung in den USA wird dargelegt, wobei der Fokus auf dem Einfluss konservativer, religiöser Gruppen und der Entwicklung der Medien- und Schulpolitik liegt.
6. Entwicklung des Umgangs mit der Sexualität seit den 1960er Jahren in Deutschland: Dieses Kapitel untersucht die parallele Entwicklung in Deutschland, mit besonderem Blick auf die studentische Bewegung und die rechtlichen Reformen nach 1968.
7. Vergleich Deutschland - USA: Es werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der gesellschaftlichen und rechtlichen Entwicklung beider Staaten direkt gegenübergestellt.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und reflektiert die unterschiedliche Bedeutung des kirchlichen Einflusses auf die jeweilige nationale Sexualmoral.
Schlüsselwörter
Sexuelle Revolution, Sexualaufklärung, Abstinenzlehre, Medien, Pornografie, Gesellschaftlicher Wandel, USA, Deutschland, Kirche, Liberalisierung, Moral, Homosexualität, Aufklärungsunterricht, Kommerzialisierung, Sexualmoral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, wie sich der Umgang mit Sexualität in Deutschland und den USA seit den 1960er Jahren verändert hat und welche gesellschaftlichen oder politischen Kräfte diesen Prozess beeinflusst haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder sind die historischen Veränderungen der Sexualmoral, die Rolle der Medien bei der Kommerzialisierung von Sexualität sowie die staatlich gesteuerte Sexualaufklärung an Schulen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, wie sich der Umgang mit Sexualität in Deutschland und den USA seit den 1960er Jahren entwickelt hat und ob es signifikante Unterschiede in der Liberalisierung dieser Bereiche gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturarbeit, die anhand von historischen Quellen und wissenschaftlichen Publikationen die Dimensionen Medien und Schule gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte historische Betrachtung der USA und Deutschlands, unterteilt in die Einflussbereiche „Medien“ und „Schule“, und gipfelt in einem direkten Ländervergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sexuelle Revolution, Sexualaufklärung, Abstinenzlehre, gesellschaftlicher Wandel und den Einfluss politischer/religiöser Institutionen charakterisiert.
Welche Rolle spielt die „Christliche Rechte“ in den USA?
Die Christliche Rechte wird als einflussreiche konservative Gegenbewegung beschrieben, die besonders in den 1980er Jahren massiven politischen Druck ausübte, um liberale Bildungsreformen und Aufklärungskonzepte zu verhindern.
Was unterscheidet die Entwicklung der Sexualerziehung in Deutschland von den USA?
Während Sexualaufklärung in Deutschland nach 1968 gesetzlich als Aufgabe des Staates verankert wurde, unterliegt sie in den USA einer starken Fragmentierung auf lokaler Ebene, wo religiöse Gruppen häufig erfolgreich Abstinenzprogramme durchsetzen konnten.
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- Melanie Sarnow (Author), 2013, Sex im Alltag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215190