Die Erforschung impliziter Vorurteile bei Kindern stellte bisher aufgrund mangelnder
impliziter Messverfahren eine große Herausforderung dar. Durch die Modifikation des weit
verbreiteten impliziten Assoziationstests (IAT; Greenwald, McGhee & Schwartz, 1998) ist es
nun auch möglich unbewusste Einstellungen von Kindern ab dem Alter von 4 Jahren zu untersuchen.
Anlass der geplanten Studie ist die zunehmende Entwicklung von Islamophobie
und die damit einhergehenden Vorurteile gegenüber Moslems in Deutschland. Deutschland
schafft sich also neue Feindbilder - die Moslems und der Islam. In einem Experiment soll
untersucht werden, ob bereits auch Kinder im Grundschulalter religionsbezogene, implizite
Vorurteile gegenüber dem Islam besitzen und inwiefern, die Etablierung von islamischen Religionsunterricht
darauf Einfluss nehmen kann. Es wird erwartet, dass islamischer Religionsunterricht
als Möglichkeit der präventiven Aufklärung dazu beiträgt Vorurteilen vorzubeugen
und eine bessere Basis für den Austausch zwischen Moslems und Deutschen zu schaffen. Abschließend
werden Probleme des Einsatzes impliziter Messverfahren und deren Ergebnisinterpretation
diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
Abstract 1
Abstract 2
Einführung
Hypothesen und Zielsetzung
Methode
Versuchsablauf
Impliziter Assoziationstest für Kinder
Erwartete Ergebnisse
Diskussion
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht experimentell, ob bereits bei Grundschulkindern implizite Vorurteile gegenüber dem Islam existieren und inwiefern die Einführung von islamischem Religionsunterricht an Grundschulen als präventive Maßnahme zur Reduktion solcher Vorurteile wirken kann.
- Erforschung impliziter Vorurteilsstrukturen bei Kindern mittels des Child-IAT.
- Analyse der Rolle von islamischem Religionsunterricht als soziale Interaktionsplattform.
- Diskussion der Eignung impliziter Messverfahren zur Untersuchung kindlicher Einstellungen.
- Evaluation des Einflusses von Vorurteilen auf die gesellschaftliche Integration zwischen Moslems und Deutschen.
Auszug aus dem Buch
Impliziter Assoziationstest für Kinder
Das Verfahren beruht auf einer computergestützten Diskriminationsaufgabe, bei der die Stimuli zweier Dimensionen so schnell wie möglich kategorisiert werden sollen (Gawronski & Conrey, 2004). Zudem wird eine evaluative Entscheidungsaufgabe vorgegeben, in welcher positive und negative Stimuli den Kategorien zugeordnet werden müssen. Ziel des Verfahrens ist demnach die Messung der Assoziationsstärke zwischen zwei Konzepten (Islam, Christentum) und deren Attribute (negativ, positiv).
Zunächst üben die Kinder das Zuordnen der Stimuli für die Kategorien Islam und Christen (12 Trials), anschließend folgt ein weiterer Übungsblock in denen ausschließlich die Stimuli für negativ und positiv kategorisiert werden (16 Trials). Darauf folgen zwei Durchgänge in denen die Stimuli zweier Kategorien (Islam-negativ und Christen positiv) kombiniert werden (24 Trials). Der IAT für Kinder endet mit zwei weiteren Blöcken in denen die Stimulikombinationen umgekehrt werden (Islam-positiv und Christen-negativ; 24 Trials).
Der IAT-Wert wird durch den Vergleich der Reaktionszeiten in den Kombinationsblöcken ermittelt, welche die Kinder innerhalb der zwei Instruktionsbedingungen (Vorurteil-Kongruent und Vorurteil-Inkongruent) benötigen, um die variierenden Stimuli den vier Kategorien auf den zwei Antwortknöpfen (linke und rechte Hand) zuzuordnen. Abbildung 1 stellt die Instruktionsbedingungen bildlich dar.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Es wird der theoretische Hintergrund von Vorurteilen erläutert und die aktuelle gesellschaftliche Relevanz der Islamophobie in Deutschland unter Berücksichtigung der Forschungsgeschichte dargestellt.
Hypothesen und Zielsetzung: Hier wird das Ziel formuliert, die Ausprägung religiöser Vorurteile bei Kindern zu messen und der potenzielle Einfluss von Religionsunterricht auf diese Einstellungen wissenschaftlich zu prüfen.
Methode: Die Auswahl der Stichprobe, das Studiendesign mit zwei Messzeitpunkten und die Durchführung des speziell modifizierten Kinder-IAT werden detailliert beschrieben.
Erwartete Ergebnisse: Es wird die Hypothese aufgestellt, dass Kinder anfängliche Vorurteile zeigen und der Religionsunterricht im Verlauf zu einer signifikanten Reduktion dieser Präferenzen führt.
Diskussion: Es wird kritisch reflektiert, inwieweit IAT-Effekte als absolute Vorurteile zu interpretieren sind und welche methodischen Einflussfaktoren wie kognitive Fähigkeiten oder Stimulusmaterial dabei eine Rolle spielen.
Schlüsselwörter
Impliziter Assoziationstest, Vorurteile, Islamophobie, Grundschulkinder, Religionsunterricht, Islam, Christentum, Sozialpsychologie, Integration, Diskriminierung, Testvalidität, Reaktionszeiten, Einstellungen, präventive Aufklärung, soziale Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Existenz impliziter Vorurteile gegenüber dem Islam bei Grundschulkindern und prüft den präventiven Nutzen von islamischem Religionsunterricht an Schulen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die sozialpsychologische Vorurteilsforschung, die Messung impliziter Einstellungen bei Kindern sowie die gesellschaftliche Integration von Moslems in Deutschland.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob Grundschulkinder bereits implizite Vorurteile gegenüber dem Islam besitzen und ob der Besuch von islamischem Religionsunterricht einen messbaren Einfluss auf diese Einstellungen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Zur Messung wird der „Implizite Assoziationstest für Kinder“ (Child-IAT) eingesetzt, ein computergestütztes Verfahren zur Erfassung unbewusster Einstellungsassoziationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung, die detaillierte Beschreibung der methodischen Durchführung (inklusive Versuchsablauf und Stimuli) sowie die erwarteten Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Impliziter Assoziationstest, Islamophobie, Vorurteile, Grundschulkinder und Religionsunterricht.
Warum wird ein IAT für Kinder verwendet und nicht einfach ein Fragebogen?
Kinder im Grundschulalter verfügen noch nicht über eine voll ausgeprägte Introspektionsfähigkeit; zudem verhindert der IAT die soziale Erwünschtheit der Antwortgabe.
Welche Rolle spielt die SPO-Gruppe im Vergleich zur REL-Gruppe?
Die SPO-Gruppe fungiert als Kontrollgruppe (Sportunterricht), bei der angenommen wird, dass die impliziten Vorurteile unbeeinflusst bleiben, um einen Vergleich zur REL-Gruppe (Religionsunterricht) zu ermöglichen.
Wie interpretieren die Autoren das IAT-Ergebnis?
Die Autoren weisen darauf hin, dass IAT-Ergebnisse eher als „Präferenzen“ denn als absolute Vorurteile zu verstehen sind, da sie auch durch kognitive Faktoren beeinflusst werden können.
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- Cand. M.Sc. Psych. Alexandra Schulz (Author), 2011, Implizite Vorurteile von Grundschulkindern gegenüber dem Islam, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215277