Eine der größten Vorurteile gegenüber dem buddhistischen Glauben, ist die Annahme, dass überzeugte Buddhisten und Ordensangehörige kein Fleisch verzehren. Der Vegetarismus gehört zur Tradition und ist eines der typischen Eigenschaften des chinesischen Buddhismus. Die Ordensregeln verbieten allerdings nicht Fleisch zu essen.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Vegetarismus der Buddhisten und den verschiedenen Motivationen, auf Fleisch und Fisch zu verzichten. Darüber hinaus gibt sie einen Einblick in den gegenwärtigen Buddhismus, denn auch hier wird das Thema Fleischverzehr stark diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fleischverzehr ja – Tiertötung: nein
3. Askese
4. Fleischtabus
5. Gesellschaftliche Auswirkungen
6. Buddhismus in der Gegenwart
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische und aktuelle Haltung zum Fleischverzehr im Buddhismus, hinterfragt das Vorurteil eines strikten Vegetarismusgebots und analysiert die verschiedenen spirituellen, asketischen und ethischen Beweggründe für den Verzicht auf Fleisch und Fisch in unterschiedlichen buddhistischen Traditionen.
- Unterscheidung zwischen dem generellen Fleischverzehr und dem Verbot der Tiertötung
- Die Rolle der Askese und ihre Bewertung im frühen Buddhismus
- Regelungen des "dreifach reinen Fleisches" in den Vinaya-Schriften
- Regionale Unterschiede und Fleischtabus (z. B. Menschen-, Hunde- oder Schlangenfleisch)
- Zeitgenössische Debatten über Vegetarismus und spirituelle Vervollkommnung
Auszug aus dem Buch
3. Askese
Im Vordergrund steht, primär für Mönche und Nonnen, das asketische Motiv. Man sagt, Mönche und Nonnen, sollen so viel essen wie nötig ist, um ihren Körper am Leben zu erhalten. Ein Verbot, kein Fleisch zu essen, wird jedoch auch hier nicht ausgesprochen. Verboten ist lediglich Fisch und Fleisch ausdrücklich für sich selbst zu erbitten. Eine Ausnahme bildet hier der Krankheitsfall. Weiterhin dürfen Mönche auch keine feinen Speisen erbitten, weil sich dies für einen Asketen nicht ziemt. Die Enthaltsamkeit von Fleisch, Honig und Salz, ist nicht nur ein Ausdruck des Verzichts auf feine Speisen, es werden bewusst Nahrungsmittel vermieden, die als Begierde erweckend gelten. Sind den buddhistischen Mönchen der Konsum dieser Nahrungsmittel nicht untersagt, ist der Grund die Unterdrückung von Gelüsten, die in einigen Schulen nicht als erfolgsversprechend gelten.
Der Buddha selbst hat eine vegetarische Lebensweise als asketische Option, die ein Mönch für eine Zeit der Askese wählen könnte, nicht erlaubt. In den Schriften des frühen Buddhismus wird das asketische Anliegen des Fleischverzichts geradezu als Entwürdigung empfunden. Weiterhin bringt man es mit dem bösen Vetter des Buddha in Verbindung. „Devadatte habe in seiner Boshaftigkeit fünf strengere asketische Regeln, darunter den total Fleischverzicht, für Mönche obligatorisch machen wollen[…].“ Dass Buddha dem Vegetarismus nicht zustimmte, lässt sich damit erklären, dass eine Propagierung des Fleischverzichts für die Mönche als Aufforderung gesehen werden könnte, bei Nahrung wählerisch zu werden. Weiterhin lässt sich das Verbot auch als Versuch spezieller buddhistischer Gruppen interpretieren, Tendenzen strengerer Askese, den andere Gruppen übten, zu unterbinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das weit verbreitete Vorurteil, dass Buddhisten grundsätzlich Vegetarier seien, und stellt die Ambivalenz der Ordensregeln bezüglich des Fleischverzehrs dar.
2. Fleischverzehr ja – Tiertötung: nein: Dieses Kapitel erläutert die buddhistische Unterscheidung zwischen dem Konsum von Fleisch und dem aktiven Akt des Tötens, inklusive des Konzepts des "dreifach reinen Fleisches".
3. Askese: Hier wird das asketische Motiv hinter der Ernährung beleuchtet und dargelegt, warum der Buddha selbst den Vegetarismus als strikte Regel für Mönche ablehnte, während er im Mahāyāna-Buddhismus später zur Norm wurde.
4. Fleischtabus: Der Text beschreibt spezifische Verbote von Fleischsorten, die aus sozialen Gründen, aus Rücksicht auf Mythen oder aufgrund des sozialen Ansehens des Mönchs existieren.
5. Gesellschaftliche Auswirkungen: Es wird untersucht, wie sich die theoretischen Ideale in der Praxis buddhistischer Laien und verschiedener Ländergesellschaften manifestieren.
6. Buddhismus in der Gegenwart: Dieses Kapitel thematisiert moderne Debatten innerhalb des Buddhismus, etwa durch den Mönch Piyasīlo, der für einen ethisch motivierten Vegetarismus plädiert.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass es im frühen Buddhismus kein explizites Fleischverbot gab, unterstreicht aber die wachsende Bedeutung einer ethisch motivierten vegetarischen Lebensweise in der heutigen Zeit.
Schlüsselwörter
Buddhismus, Vegetarismus, Fleischverzehr, Vinaya, Askese, Mahāyāna, Theravada, Tiertötung, Jataka, Ordensregeln, Fleischtabus, Piyasīlo, Ernährungsethik, Karma, Bodhisattva-Regeln
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis des Buddhismus zum Fleischverzehr und analysiert, warum Vegetarismus zwar oft mit dem Glauben assoziiert wird, aber nicht uneingeschränkt als allgemeines Gebot existiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen Ordensregeln (Vinaya), der Praxis des Fleischverzehrs, asketischen Beweggründen und den regionalen Unterschieden innerhalb buddhistischer Traditionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Vorurteil eines strikten buddhistischen Vegetarismusgebots kritisch zu hinterfragen und die historischen sowie ethischen Begründungen für den Fleischverzicht bzw. -konsum darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse buddhistischer Schriften, rechtlicher Texte der Ordensregeln (Vinaya) und moderner Diskursbeiträge zum Thema.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Tötungsverboten, asketischen Motiven, spezifischen Fleischtabus, den regionalen soziokulturellen Auswirkungen sowie aktuellen, zeitgenössischen Debatten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Vegetarismus, Ordensregeln, Askese, Fleischtabus, Karma, Mahāyāna-Buddhismus und Tötungsverbot.
Welche Rolle spielt das "dreifach reine Fleisch" im buddhistischen Ordensrecht?
Es dient als Kriterium für Mönche: Sie dürfen Fleisch essen, wenn sie nicht gesehen, nicht gehört haben oder keinen Grund zur Annahme haben, dass das Tier explizit für sie getötet wurde.
Warum unterscheidet sich die Haltung zum Fleischverzehr in Tibet von anderen Regionen?
Aufgrund der klimatischen und geographischen Bedingungen in Tibet war ein Verzicht auf Fleisch kaum möglich, weshalb hier andere Strategien wie Rituale zur Unterstützung der Wiedergeburt des Tieres entwickelt wurden.
- Arbeit zitieren
- Hilke Meyer (Autor:in), 2013, Ernährungsvorschriften im Buddhismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215376