Definition und Ursachen
Es gibt verschiedene Bereiche, in die man den Begriff Globalisierung einteilen kann:
Globalisierung in wirtschaftlicher und sozialer Dimension, in politischer und gesellschaftlicher Dimension und in der kulturellen Dimension. Ich möchte aber hauptsächlich auf die Globalisierung in wirtschaftlicher und sozialer Dimension eingehen.
Als Globalisierung in wirtschaftlicher und sozialer Dimension sollen hier „die Ursachen, Merkmale und Auswirkungen der zunehmenden weltweiten Vernetzung und Interdependenz nicht nur von Güter- und Faktormärkten, sondern auch von Unternehmen und Produktionsstandorten bezeichnet werden.“2
Globalisierung ist kein zufälliges Naturereignis, welches am Ende des 20. Jahrhunderts über die Menschheit hereingebrochen ist. „Das neue Wort „Globalisierung“ hat die Ökonomen nicht sonderlich interessiert, weil für sie der Vorgang der Globalisierung seit zwei
Jahrhunderten das tägliche Brot ist.“3
Es ist vielmehr eine bewußt herbeigeführte Entwicklung, welche durch politische Gremien auf nationaler und internationaler Ebene bewilligt worden ist. Die rasante Zunahme an Außenhandelsaktivitäten wäre ohne die internationalen Abkommen GATT und WTO nicht denkbar. In Europa haben vor allem die Freiheiten für Waren, Dienstleistungen, Menschen und Kapital zum Abbau von Handelshemmnissen im Europäischen Binnenmarkt geführt. Aber ohne die neueren, großen Freihandelsräume NAFTA und MERCOSUR in Nord- und Südamerika und ASEAN in Südostasien wären es vermutlich nicht zu einem weltweiten Güter- und Kapitalaustausch mit heutigem Ausmaß
gekommen.
[...]
_____
2 „Ulmensien- Schriftenreihe der Universität Ulm: Globalisierung und Soziale Marktwirtschaft. Auf der Suche
nach Balance: Soziale Marktwirtschaft im Kräftespiel der Globalisierung“;1999; Prof. Dr. Joachim Voeller; S.10
3 „Logik der Globalisierung“;1999; Prof. Dr. C. Christian von Weizsäcker; S. 5-6
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT
2. GRUNDLAGEN
2.1. DEFINITION UND URSACHEN
2.2 GATT
2.3. WORLD TRADE ORGANIZATION
2.4. IWF
3. WIRTSCHAFTLICHE GLOBALISIERUNG UND IHRE FOLGEN
3.1. DAS INTERNATIONALE FINANZSYSTEM
3.1.1. Finanzmärkte
3.1.2. Finanzkrisen
3.1.3. Die Entstehung von Finanz- und Währungskrisen
3.2. GLOBALISIERUNG UND ERWERBSARBEIT
3.2.1 Freihandelszonen
3.2.2. Telearbeit
3.2.3 Konsequenzen für die Erwerbsarbeit
3.3. UMWELTZERSTÖRUNG
4. NACHWORT
5. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die wirtschaftliche Globalisierung, ihre Ursachen und ihre tiefgreifenden Folgen für das internationale Finanzsystem, die moderne Arbeitswelt sowie die ökologische Stabilität. Dabei wird analysiert, inwieweit politische Rahmenbedingungen und internationale Abkommen diesen Prozess vorantreiben und welche sozialen sowie ökonomischen Herausforderungen daraus für die Industrie- und Entwicklungsländer resultieren.
- Analyse der historischen und politischen Grundlagen der Globalisierung (GATT, WTO, IWF).
- Untersuchung der Mechanismen und Risiken des internationalen Finanzsystems, insbesondere von Finanz- und Währungskrisen.
- Bewertung der Auswirkungen der Globalisierung auf die Erwerbsarbeit, einschließlich Telearbeit und Arbeitsmarktflexibilisierung.
- Diskussion ökologischer Konsequenzen im Kontext von wirtschaftlichem Wachstum und Ressourcenverbrauch.
- Kritische Reflexion der Machtverhältnisse zwischen Industrienationen, Konzernen und Schwellenländern.
Auszug aus dem Buch
3.1.3. Die Entstehung von Finanz- und Währungskrisen
Die Entstehung von Währungskrisen möchte ich am Beispiel der Mexiko - Krise (1995) und der Ostasienkrise (1997/98) erläutern. Jede Krise hat zwar ihre eigene Entstehungsgeschichte, es lassen sich doch einige Gemeinsamkeiten finden.
Bevor in den betroffenen Ländern eine Währungskrise ausbrach, hatten diese eine gute bis sehr gute wirtschaftliche Ausgangslage. Diese Länder waren gekennzeichnet durch ein hohes, reales Wachstum des Bruttoinlandproduktes, einer niedrigen Inflationsrate und einem ausgeglichenen Staatshaushalt. Es wurde eine Deregulierung eingeleitet. Es wurden staatliche Unternehmen privatisiert und die Märkte, insbesondere die Finanzmärkte, wurden für Investoren geöffnet.
Um das Vertrauen der ausländischen Investoren zu gewinnen, gingen diese Länder dazu über, ihre Währungen an ausländische Währungen anzubinden. Im Fall Mexiko war es der US - Dollar. Die ostasiatischen Länder fixierten ihre Währungen an einem Währungskorb, in welchem der US - Dollar dominierte.
Infolge der guten wirtschaftlichen Aussichten und der Anbindung der nationalen Währungen an den US - Dollar, erschien ausländischen Investoren eine Kapitalanlage in diesen Ländern attraktiv und fast risikolos.
„Die Liquidität des Bankensystems wurde durch den starken Zustrom ausländischen Kapital erhöht, was zu einer Ausdehnung der Inlandkredite führte. Dabei wurde die Bonität der Schuldner zu wenig Beachtung geschenkt. Das mangelnde Risikomanagement ließ die Zahl der „faulen“ Kredite erheblich ansteigen. Während z.B. im Immobilienbereich für Prestigebauten unbedenklich Kredite zur Verfügung standen, wurde nur wenig in produktivitätssteigernde Projekte investiert. Fälschlicherweise wurde die „Realdeckung“ der Schulden als besonders sicher beurteilt, während die Möglichkeit eines Preiszerfalls im Immobilienbereich angesichts stark gestiegener Mieten und Liegenschaftspreise nicht Rechnung getragen wurde.
Die Akkumulation „fauler“ Kredite hatte vor allem bei Erhöhung der Zinssätze, die Insolvenz vieler Schuldner und große Verluste bei den Kreditgebern zur Folge. Dies führte zu einer Banken - und Immobilienkrise.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORWORT: Der Autor führt in die Diskussion um den Begriff der Globalisierung ein und skizziert die Ambivalenz zwischen wirtschaftlichem Fortschritt und sozialem sowie ökologischem Druck.
2. GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel erläutert die Ursachen der Globalisierung und stellt die Bedeutung internationaler Abkommen wie GATT, WTO und IWF für die weltweite wirtschaftliche Vernetzung dar.
3. WIRTSCHAFTLICHE GLOBALISIERUNG UND IHRE FOLGEN: Der Hauptteil analysiert detailliert die Instabilitäten auf den Finanzmärkten, die Veränderungen der Erwerbsarbeit durch neue Organisationsformen wie Telearbeit sowie die ökologischen Herausforderungen des globalen Wachstums.
4. NACHWORT: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die Machtdominanz einzelner Industrienationen und fordert eine Verbindung von ökonomischer Effizienz mit humanitären Werten.
5. LITERATURVERZEICHNIS: Dieses Verzeichnis führt die für die Analyse verwendeten Fachbücher und Internetpublikationen auf.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Welthandel, Finanzmärkte, Währungskrisen, WTO, IWF, Erwerbsarbeit, Telearbeit, Arbeitsmarkt, Umweltzerstörung, Ressourcenverbrauch, Industrienationen, Schwellenländer, Wirtschaftspolitik, Sozialer Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Prozess der wirtschaftlichen Globalisierung, ihren politisch beförderten Ursachen sowie den weitreichenden negativen Auswirkungen auf Finanzstabilität, Arbeitswelt und Umwelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Rolle internationaler Abkommen, die Destabilisierung durch Finanztransaktionen, die Transformation der Arbeitswelt durch Rationalisierung und neue Technologien sowie die ökologische Problematik des grenzenlosen Wachstums.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Globalisierung kein naturgegebenes Ereignis, sondern eine politisch gestaltete Entwicklung ist, die komplexe soziale und ökologische Konflikte provoziert, die eine ethische Neuausrichtung erfordern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine deskriptive und analytische Literaturstudie, in der aktuelle ökonomische Theorien und empirische Befunde aus den späten 1990er Jahren zusammengeführt und kritisch interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des internationalen Finanzsystems (Finanzmärkte und -krisen), die Auswirkungen der Globalisierung auf die Erwerbsarbeit (Freihandelszonen, Telearbeit, Beschäftigungssituation) sowie eine Analyse globaler Umweltprobleme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Globalisierung, Finanzmärkte, WTO, Erwerbsarbeit, Telearbeit und Umweltzerstörung charakterisiert.
Inwiefern beeinflussen globale Finanztransaktionen die wirtschaftliche Lage einzelner Nationalstaaten?
Laut dem Text führen kurzfristig orientierte Kapitalströme und spekulativer Derivatenhandel zu massiven Schwankungen, die ganze Volkswirtschaften destabilisieren können, oft weitgehend frei von staatlicher Kontrolle.
Welche spezifischen Gefahren sieht der Autor in Bezug auf die moderne Erwerbsgesellschaft?
Der Autor warnt vor einer Zunahme instabiler Erwerbsbiographien, dem Abbau von Arbeitnehmerschutzrechten durch Freihandelszonen und einer wachsenden sozialen Schere, die den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie gefährden könnte.
- Quote paper
- Diplom-Ingenieur Bernd Müller (Author), 2000, Wirtschaftliche Globalisierung und ihre Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2174