Vergleich der Ansätze Piagets und Kohlbergs zur Moralentwicklung


Seminararbeit, 1999
21 Seiten, Note: Gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Moralentwicklung
2.1. Die Ansätze Piagets und Kohlbergs
2.2. Moralisches Wissen versus moralische Motivation
2.3. Emotionale Perspektivenübernahme und Empathie

3. Diskussionsteil und Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Moral ist ein System von Glaubenssätzen und Werthaltungen, dem das Urteilen über richtige und falsche Handlungen zugrundegelegt wird. Sie stellt sicher, dass Menschen ihre Verpflichtungen anderen Mitgliedern der Gesellschaft gegenüber einhalten und so handeln, dass sie die Rechte und Interessen der anderen nicht verletzen. Bebies sind „amoralisch“ – weder moralisch noch unmoralisch, ihnen fehlt einfach jedes Verständnis zwischenmenschlicher Verantwortung. Die Entwicklung dieses Verständnisses ist ein wichtiger Bestandteil der Sozialisation.

Die moralische Entwicklung nach Piaget und Kohlberg, ist ein selbstregulierter kognitiver Prozess der Entwicklungslogik moralischer Urteile bei Handlungskonflikten (was soll getan bzw. unterlassen werden).

Rekonstruiert wird das moralische Urteil über moralisches Argumentieren von sozialethischen Problemen auf den Ebenen Gewalt und Strafe, Recht und Ordnung, Gerechtigkeit.

Die moralische Entwicklung wird in der genetisch strukturellen Moralpsychologie bei Piaget und Kohlberg in 3 Hauptstadien mit jeweils zwei Stufen dargestellt. In Erweiterung einer personalen Moralentwicklung wird eine institutionelle Moralentwicklung als Entfaltung von Gerechtigkeitsstrukturen beschrieben (Eckensberger, 1981)

Moralische Normen als Richtlinien des Handeln sind auch Standards für die Bewertung eigenen und fremden Verhaltens, die sich äußert als moralische Befriedigung und Schuldgefühl, in Versuchen der Wiedergutmachung, moralischer Anerkennung, Entrüstung, Schuldvorwurf und Strafe. Diese Bewertungen setzen auch ein Urteil über die Verantwortlichkeit voraus. Die Zurechnung einer Handlung, einer Tat zu einer Person, setzt voraus, dass diese verantwortlich war. (Montada, 1998)

2. Moralentwicklung

Sigmund Freud (1913-1974) interessierte sich für die Entwicklung der Motivation zu moralischem Handeln. Die Handlung selbst war für ihn von geringer Bedeutung.

Er war der Ansicht, dass Kinder lernen, bestimmte moralische Prinzipien zu verinnerlichen, die dann ihr Handeln leiten. Kinder lernen so zu handeln, dass sie Bedrohung und Bestrafung vermeiden. Laut Freud verhalten sich die meisten Menschen auf Grund ihres Gewissens moralisch. Sie versuchen Schuldgefühle zu vermeiden.

2.1. Die Ansätze Piagets und Kohlbergs:

Die erste große Untersuchung über das moralische Urteil beim Kind wurde von Piaget (Lutte, Mönks und Sarti; 1969) durchgeführt. Sein Ziel war es, die moralische Entwicklung mit der allgemeinen kognitiven Entwicklung des Kindes zu verbinden. Während das Kind die Stufen der kognitiven Entwicklung durchläuft, gewichtet es Handlungsergebnis und Handlungsintention auf unterschiedliche Weisen.

Viele der Forschungen zur Moralentwicklung wurden durch ein Buch Jean Piagets (1932/1983) angeregt, in dem dieser über umfangreiche Befragungen von fünf bis dreizehn Jahre alten Kindern berichtet. So fragte er diese unter anderem nach der Verteilung von Gütern und Pflichten und der Gerechtigkeit unterschiedlicher Strafen für ein Vergehen. Aufgrund der Antworten der Kinder unterschied er dann zwei Stadien der moralischen Entwicklung:

1.) Das erste nannte er das Stadium der Heteronomie: Die Regeln werden durch Autoritäten gesetzt, die auch berechtigt sind, Abweichungen zu bestrafen. Gut und böse oder ungerecht ist das, was die Autoritäten so bezeichnen.
2.) Dieses Stadium wird abgelöst durch die Autonomie. Die Heranwachsenden entscheiden nun selbst mit, was gut und richtig ist, sie vereinbaren die Gebote und Verbote, die Spielregeln und zwar unter Bezugnahme auf Maßstäbe der Gerechtigkeit.

Kohlberg konnte drei Stufen der kindlichen Moral feststellen:

1. den einfachen moralischen Realismus,
2. die heteronome Moral (die Übernahme fremdgesetzter Handlungen),
3. Die autonome Moral (die Beurteilung des Verhaltens auf Grund eigener sozialer Verantwortung).

Diese drei Stufen erläutere ich am Beispiel der Einstellung zum Stehlen:

- Der einfache moralische Realismus: Stehlen darf man nicht, weil man bestraft oder eingesperrt wird. Würde man nicht bestraft, dann dürfte man stehlen.
- Die heteronome Moral: Man darf nicht stehlen, weil es eine Sünde ist, weil es der Vater oder der Katechet verboten hat.
- Die autonome Moral: Man darf nicht stehlen, denn wenn jeder sich nehmen würde, was er haben will, wäre niemand seines Eigentums sicher und niemand könnte Vertrauen zu anderen haben.

Piaget interpretiert diese Stadien, indem er zwei Typen der Achtung vor der Regel unterscheidet:

1.) die einseitige Achtung, die durch Gehorsam gegenüber Autoritäten gekennzeichnet ist
2.) die gegenseitige Achtung, die sich im Respektieren der Vereinbarungen bewährt

Das Kind durchläuft unterschiedliche Stufen der kognitiven Entwicklung und beurteilt Handlungsergebnis und Handlungsintention dementsprechend auf unterschiedliche Weise.

Piaget hat sich in seinen frühen Arbeiten intensiv mit sozialen und moralischen Regeln des Verhaltens beschäftigt.

Für Piaget hat das moralische Urteil unter anderem mit dem Verstehen von Spielregeln zu tun. Er untersuchte das Spielverhalten einiger Kinder mit Kugeln. Die Kinder verwendeten beim Spiel verschiedene Regeln.

Piaget ("stades", Piaget, 1932, 17ff) beobachtete, dass das Verstehen und Anwenden der Spielregeln über folgende Stadien verlief:

1. Das Kind spielt nach Lust und Laune und eventuell nach eigenen Ritualien
2. Das Kind spielt mit anderen und verwendet imitierte Regelteile, wobei die Einhaltung der Regeln durch andere nicht wichtig ist.
3. Es gibt gemeinsames Spiel und gemeinsame Regeln, welche aber ungenau eingehalten werden. Die Regeln werden nicht von den Kindern kontrolliert.
4. Die Regeln stehen nun im Zentrum des Spiels. Ihre Einhaltung ist sehr wichtig und wird daher auch kontrolliert.
5. Regeln können abgeändert werden, wenn sich die Teilnehmer darauf einigen.

Die nächste Gruppe von Spielregeln, die Piaget (1932) untersuchte, war schon mehr an die Moral gebunden. Piaget erzählte den Kindern Geschichten und sie mussten herausfinden, in welchen der Held der 'bösere' war und ihre Entscheidung danach begründen.

Ein Kind, das sich in der präoperationalen Stufe befindet, empfindet es als schlimmer, wenn jemand unabsichtlich mehrere Teller fallen lässt, als wenn jemand absichtlich einen Teller zerbricht. Sobald das Kind ein bisschen älter ist, bezieht es dann jedoch die Absicht des Handelnden stärker in sein Urteil mit ein. Bei älteren Kindern dreht sich das Urteil um, neue Aspekte kommen dazu, insbesondere die Absicht, die als bedeutsamer beurteilt wird als die Wirkung einer Handlung.

Kinder fassen Strafen analog dazu auf und genauso verhält es sich auch mit Begriffen der Gerechtigkeit:

- Für kleine Kinder ist gerecht, was die Autorität fordert, lobt und bestraft.
- Für größere Kinder ist gerecht, was für alle gleich ist.
- Für noch größere Kinder ermisst sich die Gerechtigkeit an den Bedürfnissen der Betroffenen.

In manchen Bereichen des moralischen Urteils zeigt sich zwischen sechs und dreizehn Jahren eine deutliche Entwicklung.

Die wichtigsten Bereiche führe ich im Folgenden kurz an:

1. Das Problem der Absicht: Der 6- und 7jährige beurteilt Strafwürdigkeit und Verantwortlichkeit eines Täters nach dem angerichteten Schaden, nicht nach der Schädigungsabsicht. (z.B. der Fall, als ein Kind absichtlich einen Teller zerschlägt, ein anderes Kind hingegen versehentlich 5 Teller fallen lässt)

Erst der 8- und 9jährige kennt den Begriff der Absicht und urteilt dementsprechend. Wer absichtlich etwas anstellt, ist schlimmer als der, der es ohne Absicht tut. Es ist auch schlimmer, ein Kind zu belügen als einen Erwachsenen, weil Kinder die Lüge leichter glauben. 12jährige sind dann jedoch der Meinung, dass man oft gezwungen sei, einen Erwachsenen zu belügen. Einen Freund zu belügen ist dagegen unfair.

2. Das Problem der Strafe:

Jüngere Kinder bevorzugen strenge Strafen, nämlich Sühnestrafen, die in keinem Zusammenhang mit der Tat stehen. Ältere Kinder dagegen halten solche Strafen für gerecht, die in einem Zusammenhang mit der Tat stehen.

Während jüngere Kinder der Meinung sind, dass nur strenge Strafen ein Kind bessern können, glauben die älteren, dass die Belohnung mehr dazu beiträgt, eine Besserung des Verhaltens zu erlangen.

[...]

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Details

Titel
Vergleich der Ansätze Piagets und Kohlbergs zur Moralentwicklung
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Psychologie)
Note
Gut
Autor
Jahr
1999
Seiten
21
Katalognummer
V22275
ISBN (eBook)
9783638256650
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Ansätze, Piagets, Kohlbergs, Moralentwicklung
Arbeit zitieren
Angelika Hülsdunk (Autor), 1999, Vergleich der Ansätze Piagets und Kohlbergs zur Moralentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22275

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