Der Weg zum Flottenabkommen. Politische und militärische Aspekte des Deutsch-Britischen Verhältnisses von der 'Machtergreifung' bis zum Seerüstungsabkommen


Seminararbeit, 2001
16 Seiten, Note: bestanden, ohne Note

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der politische Aspekt – die außenpolitischen Beziehungen beider Länder
2.1 Hitlers England-Politik 1933-1935
2.2 Das nationalsozialistische Deutschland im Weltbild Englands

3. Der militärische Aspekt
3.1 Das Scheitern der Abrüstungsverhandlungen
3.2 Die deutsche und englische Aufrüstung und die Seekriegsfrage

4. Das Zustandekommen des Flottenabkommens

5. Schlußbemerkung und Ausblick

Anhang: Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei den Betrachtungen zu den Anfängen von Hitlers Außenpolitik stellt sich häufig die Frage, warum ausgerechnet ihm das gelungen ist, was die Regierungen der Weimarer Republik vor ihm fast 15 Jahre vergeblich angestrebt hatten: Die Revision des Versailler Vertrages, die Wiedereingliederung Deutschlands in das System der internationalen Großmächte und damit die faktische Wiederherstellung der deutschen Gleichberechtigung auf dem diplomatischen Parkett. Auch ohne tiefergehende Forschung muß natürlich die grundlegende Antwort auf diese Frage darin liegen, daß die nationalsozialistische Regierung unter Hitler schlicht und ergreifend Verträge gebrochen und mit ihrer oft riskanten, aber immer unverschämt aggressiven und unkonventionellen Diplomatie die Unterzeichnerstaaten des Versailler Vertrages meistens vor vollendete Tatsachen gestellt hat.

Daß auch ein Adolf Hitler die für das Regime außenpolitischen Erfolge nicht von heute auf morgen erreichen konnte, soll im folgenden anhand des deutsch-britische Flottenabkommens vom 18. Juni 1935 näher erläutert werden. Dabei spielen neben den geopolitischen Aspekten natürlich auch militärische Überlegungen eine Rolle, obwohl – soviel sei hier schon vorweggenommen – die politische Wirkung ungleich größer war als die militärische.

Folgende Fragen sollen bei den Betrachtungen im Mittelpunkt stehen: Was motivierte die englische Regierung zur Unterzeichnung eines Vertrages mit Hitler? War es ein außenpolitischer Schachzug, um das NS-Regime in die internationale Staatengemeinschaft zu reintegrieren und damit zu kontrollieren, muß man schon von „Appeasement“ sprechen oder war es gar nur eine militärstrategische Verzweiflungstat, um ein erneutes Flottenrüsten zu verhindern? Und welche Überlegungen trieben Hitler dazu, sich einem potentiellen Feind gegenüber militärische Selbstbeschränkungen aufzulegen? War es reine Zeit- oder Beschwichtigungstaktik oder war es ein Versuch, für Deutschland als möglichen Bündnispartner zu werben?

Die unüberschaubar große Menge an Literatur zu diesem Thema macht es nahezu unmöglich, im Rahmen dieser Arbeit erschöpfend auf diese Fragen zu antworten, nichtsdestotrotz wurde versucht, ein umfassendes Bild des Forschungsstandes abzuliefern.

2. Der politische Aspekt – die außenpolitischen Beziehungen beider Länder

2.1 Hitlers England-Politik 1933-1935

Schon kurz nach der Machtübernahme Hitlers wurden die Grundsätze formuliert, die die nationalsozialistische Außenpolitik der nächsten Jahre bestimmt haben. In der „Niederschrift über die Ministerbesprechung am 7. April 1933 [...] in der Reichskanzlei“ vom Oberregierungsrat Thomsen (ADAP) wird dem Streben nach Einzelrevisionen des Versailler Vertrages absoluten Vorrang eingeräumt. Das Erreichen der internationalen Gleichberechtigung Deutschlands wird als Voraussetzung für eine Bündnisfähigkeit genannt, und ein gutes Verhältnis zu England sei erheblich bedeutend. Im Gegensatz dazu wurde eine Verständigung mit Frankreich „für absehbare Zeit“ als ausgeschlossen betrachtet.[1]

In der Literatur finden sich unzählige Beiträge zu Hitlers Englandambitionen, es gilt inzwischen als relativ unbestritten, daß er schon recht früh mit einem deutsch - englischen Bündnis liebäugelte, sei es aus rassischen, machtpolitischen oder rein auf Sympathie basierten Gründen. Er hoffte, daß es zu einer stillschweigenden Duldung seiner kontinentalen Pläne kommen würde, wenn er England die Unantastbarkeit des Britischen Empires zusichern würde.[2]

Für Dietrich Aigner bedeuteten die ersten Jahre in Hitlers Außenpolitik „vorsichtiges, ausweichendes Taktieren, Abwarten und Hinhalten, solange die Gefahrenstrecke einer präventiven Intervention der Versailler Mächte noch nicht durchschritten war.“[3] Hitler wollte aus der internationalen Isolierung ausbrechen und die Gleichberechtigung durch bilaterale Abkommen anstatt multilateraler zäher Verhandlungen erreichen. In der gemäßigten und realistischen Politik Englands zu dieser Frage, die im krassen Widerspruch zur unnachgiebigen Haltung der französischen Regierung stand, suchte er die Lösung, und in der Tat erkannte London den Gleichberechtigungsanspruch Deutschlands formal schon sehr früh an. Auch in der Frage der Rüstungspolitik kam England Hitler entgegen, Aigner schreibt: „[...] in ihrem Dilemma zwischen Aufrüstungs-, Abrüstungs- und Sicherheitspolitik hatte London den Artikel V des Versailler Vertrages über die deutsche Entmilitarisierung stillschweigend abgeschrieben.“[4] Obwohl es kein einheitliches Englandbild in der NS-Führung gab und viele konservative Kräfte in Deutschland eine Annäherung an England für unmöglich erachteten, war die außenpolitische Konzeption Hitlers Anfang der 30er Jahre auf ein

Bündnis mit Großbritannien und ein Ausspielen Frankreichs ausgerichtet, auch wenn er anfangs einsehen mußte, daß „England einzig und allein im Rahmen des kollektiven Systems zu sprechen war und daß man sich im Foreign Office taub stellte für Freundschaftsbekundungen.“[1] Der Führer antwortete mit unkonventionellen diplomatischen Schritten unter Umgehung des Auswärtigen Amtes und des Foreign Offices, so sandte er seinen Englandberater Joachim von Ribbentrop häufig auf Dienstreise auf die Insel, um direkt bei den Spitzen der britischen Politik für die nationalsozialistische Sache, die deutschen Abrüstungsbemühungen und den angeblichen deutschen Friedenswillen zu werben oder um vor dem Schreckensbild einer französisch-bolschewistischen Hegemonie zu warnen. Mit zahlreichen Angeboten für Nichtangriffspakte und bilateralen Rüstungsvereinbarungen wollte Hitler Englands Wunsch nach kontinentaler Harmonie nachkommen und sich als vertrauensvoller Partner präsentieren. Für Wiggershaus sind die frühzeitigen „programmatischen Verzichtleistungen auf dem kolonialen und maritimen Gebiet“[2] auch ein Beweis dafür, wie wichtig für Hitler ein gutes Einvernehmen mit England war. Der gleiche Forscher kommt jedoch auch zu dem Schluß, daß der Führer ein Bündnis mit London nicht um jeden Preis suchte und in seinen langfristigen Planspielen durchaus die Option vorhanden war, daß England als Kriegsgegner in Frage käme, denn mit der immensen Aufrüstung der Luftwaffe widersprach er seinen außenpolitischen Verkündungen. Trotzdem ließ Hitler nichts unversucht, die Sympathien der Engländer auf seine Seite zu ziehen. Der ausdrückliche Verzicht auf eine englische Abrüstung und die geradezu peinlichen Freundschaftsbekundungen der propagandistischen Presse, Veteranentreffen und Jugendaustauschprogrammen sprachen für sich. Als das nichts half, versuchte der Führer England zum Mitwisser des deutschen Vertragsbruchs und damit angreifbar zu machen, indem englischen Politikern gegenüber schon im November 1934 die deutsche Aufrüstung zugab.[3]

[...]


[1] ADAP, S. 255.

[2] Wiggershaus, S. 6f.

[3] Aigner S. 38.

[4] Aigner S. 39.

[1] Aigner S. 39.

[2] Wiggershaus S. 36 ff.

[3] Wiggershaus S. 23 ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Weg zum Flottenabkommen. Politische und militärische Aspekte des Deutsch-Britischen Verhältnisses von der 'Machtergreifung' bis zum Seerüstungsabkommen
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar Nationalsozialistische Außenpolitik
Note
bestanden, ohne Note
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V22725
ISBN (eBook)
9783638259972
ISBN (Buch)
9783638747653
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde inhaltlich vom Dozenten als gut bis sehr gut befunden, aber - wie üblich - nicht benotet.
Schlagworte
Flottenabkommen, Politische, Aspekte, Deutsch-Britischen, Verhältnisses, Machtergreifung, Seerüstungsabkommen, Juni, Spiegel, Forschung, Proseminar, Nationalsozialistische, Außenpolitik
Arbeit zitieren
Robert Rädel (Autor), 2001, Der Weg zum Flottenabkommen. Politische und militärische Aspekte des Deutsch-Britischen Verhältnisses von der 'Machtergreifung' bis zum Seerüstungsabkommen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22725

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