Mose. Das Monument der Rollenpersonifikation im Alten Testament


Hausarbeit, 2012

13 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rollen

3. Die Rolle des Mose im Bereich des Gesetzes
3.1 Definition
3.2 Textstellen
3.2.1 Ex 2, 11 - 17
3.2.2 Ex 18, 13 - 26
3.3 Fazit

4. Die Rolle des Propheten
4.1 Definition
4.2 Textstellen
4.2.1 Ex 3,7 - 12
4.2.2 Dtn 18, 15 - 18
4.2.3 Dtn 34,10 - 12
4.3 Fazit

5. Fazit - Welche Rolle passt am besten?

6. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Jeder Mensch hat die Chance sich mit Mose zu identifizieren, da er nicht fehlerlos ist, sondern ebenso normal, schwach und alltäglich. Vor allem aber seine Bodenhaftung ermöglicht einen Weg zur Identifikation (vgl. Frevel, 2006, S. 25). Wie kann jemand sagen, dass Mose für ihn ein Vorbild sei? Dies ist möglich, da Mose verschiedene Rollen eingenommen hat. Es „ist so gut wie unmöglich [ein regelrechtes Porträt von Mose zu zeichnen], weil uns dafür nur die in der Bibel überlieferten Angaben zur Verfügung stehen. […] Im Laufe einer reichen Tradition über Mose wurden derart vielgestaltige Gesichter dieses Menschen gezeichnet, dass es sich lohnt, [bestimmte Rollenbilder von ihm] zu suchen“ (Briend, 2000, S. 5).

Auf welche Rollen sollte dabei eingegangen werden, denn welche Rolle ist die bedeutsamste? Diese Frage ist schwer zu beantworten, da jeder Mensch eine andere Sichtweise hat. Mose wird von den meisten Menschen als Prophet bezeichnet. Aber kann Mose überhaupt als Prophet bezeichnet werden, wenn er doch so viele andere Dinge macht, die ein Prophet nicht machen würde und auch nicht dem Charakter eines Propheten entspricht? Was ist in diesem Fall mit dem Bild des Gesetzgebers oder Richters? „Hatte Mose als der Gesetzgeber über die Propheten gesiegt, so ging Mose doch nicht als der Erzprophet in der Erinnerung des Judentums verloren“ (Otto, 2006, S. 80). Diese Aussage von Otto verdeutlicht, dass beide Stellungen ein enormes Potenzial aufweisen. Diese zwei Mosebilder sollen in dieser Hausarbeit thematisiert werden.

Zuerst wird dabei eine Definition vom jeweiligen Mosebild gegeben, um danach an zwei bis drei Beispielen diese Rollen zu analysieren. Ein Fazit am Ende des jeweiligen Mosebildes soll die Rollenverständnisse aufzeigen und anhand der Definition festgestellt werden, ob diese Bezeichnung zutreffend ist. An dieser Stelle sollen außerdem die Forschungsbefunde einfließen. Kann Mose auf nur eine Rolle beschränkt werden? Nach Betrachtung der einzelnen Rollenbilder sollen diese nun auf ein Gesamtfazit bezogen werden.

2. Rollen

Mose verkörpert unterschiedliche Rollenbilder. Im Alten Testament ist er der entscheidende Mann, der in allen Situationen die treibende Kraft ist. Er entscheidet im Auftrag Gottes und ist beim Auszug aus Ägypten Volks- und Heerführer, sowie Stratege. Dies gilt ebenso für die Zeit in der Wüste und bei der Inbesitznahme des Ostjordanlandes. Gott befähigte ihn zum Zauberer und gleichzeitig nimmt er als erste Person die Rolle des Priesters von JHWH ein. Israel erlangt so die Erkenntnis von „seinem“ Gott JHWH. Zugleich ist er prophetischer Fürbitter und empfängt und übermittelt Gottes Willen (vgl. Gertz, 2008). Diese Rollen sind nur einer kleiner Teil dessen, was an Bildern von Mose geschrieben steht. Viele Bibelwissenschaftler haben versucht sich dieser Thematik anzunehmen. Einer von diesen ist Herbert Donner. Er hat in seinem Text verschiedene Positionen aufgeführt. Manche von diesen Positionen können historisch direkt ausgeschlossen werden, andere jedoch sollten genauer analysiert werden. Er gibt 14 verschiedene Rollenbilder an, die er kurz erläutert und dann wieder revidiert. Mose sei „eine mythische Figur[,] ein Religionsstifter[,] Reformator[,] Volksgründer[,] Ordensgründer[,] Theologe[,] Zauberer[,] Gesetzgeber[,] Prophet[,] Priester[,] Charismatiker[,] Träger des „mosaischen Amtes“[,] ägyptischer Kupferschmied [und] ein Asiat namens Bai-Isru“ (Donner, 2007, S. 126 - 128). Diese Rollenbilder enthalten „Richtiges[, aber] keiner deckt das Ganze, jeder ist der Kritik zugänglich, und bei keinem ist ausgemacht, inwieweit er das historische Problem erhellt oder verdunkelt“ (Donner, 2007, S. 126).

Zwei dieser Mosebilder werden auf den folgenden Seiten thematisiert: Gesetzgeber und Prophet. Zur Rolle des Gesetzgebers ist zu wissen, dass diese Bezeichnung allein zu gering wäre, so dass hier im Allgemeinen von der Rolle im Bereich des Gesetzes gesprochen werden sollte.

3. Die Rolle des Mose im Bereich des Gesetzes

3.1 Definition

Die Definition muss in diesem Gefüge etwas breiter gefächerter werden, da Mose nicht nur eine Form der Gesetzestätigkeit ausführt. Er ist in jedem Bereich tätig. Mehrere Definitionen sind somit notwendig.

Die Definitionen sind aus dem Duden. Dort wird ein Jurist als jemand, „der Rechtswissenschaften studiert hat bzw. auf diesem Gebiet arbeitet. [Ein Gesetzgeber ist] von der Verfassung bestimmtes Staatsorgan, das Gesetze erlässt[. In der Definition der Exekutive sind zwei unterschiedliche Bedeutungen aufgelistet, die zum einen politisch und nach der Rechtssprache die] vollziehende, vollstreckende Gewalt im Staat [meint und zum anderen in Österreich die] Gesamtheit der Organe zur Ausübung der vollziehenden vollstreckenden Gewalt“ (Duden, 2013).

3.2 Textstellen

Es werden hier unterschiedliche Textstellen behandelt. Die erste Textstelle verdeutlicht den Gerechtigkeitssinn des Mose und die Situation von ihm ohne die Unterstützung von Gott (Ex 2, 11 – 17). Die zweite Textstelle zeigt die hohe Stellung des Mose als oberster des Gerichtes, da er an dieser Stelle seine Befugnis zur Handlung im Gesetzt an andere verteilt (Ex 18, 13 - 26).

3.2.1 Ex 2, 11 - 17

Die Situation wird an dieser Stelle kurz geschildert, um anschließend besser auf die einzelnen Aspekte eingehen zu können: Mose geht zu den hebräischen Feldarbeitern hinaus und sieht dort wie ein Ägypter einen der seinen erschlägt. Er tötet daraufhin den Aufseher, nachdem er sich zuvor vergewissert hat, dass er nicht gesehen wird. Am darauffolgenden Tag will er einen Streit zwischen zwei Israeliten schlichten, doch dabei bekommt er mit, dass seine Tat gesehen worden ist. Daraufhin flieht er nach Midian und half den Töchtern des Priesters Reguёl (vgl. Ex 2,11 - 17).

Mose reagierte aus einem Gefühl der Gerechtigkeit, da der Aufseher keine Konsequenzen für seine Tat bekommen hätte. Dieser handelte nämlich im Auftrag des Pharaos und dieser unterdrückte das Volk Israel, weil es ihm zu mächtig wurde, weshalb er auch alle Knaben töten ließ (vgl. Ex 1, 8 - 16). Diese Handlung, die solidarisch gemeint gewesen ist, verändert die Lage nicht, da Mose durch den Einsatz von Gewalt selber zum Mörder geworden ist. Gott unterstützte seine Handlung nicht, sondern er „handelt zunächst auf eigene Faust. [Für] diejenigen indes, für die er in dieser Weise eintritt, wollen seine Hilfe nicht“ (Kittel, 2005, S. 84). Seine ausgeführte Tat ist in dieser Situation nicht das Problem, sondern ein nicht durch Gott gestellter Auftrag (vgl. Zenger, 2005, S. 101).

Wie kann Mose nach so einer Tat noch als Vorbild gesehen werden. Es ist erstaunlich, dass dieses Fehlverhalten ungeahndet und unkommentiert bleibt und vor allem bis in die Endfassung des Pentateuchs bestehen bleibt (vgl. Frevel, 2006, S. 23).

Nach seiner Ankunft in Median, sieht er erneut eine Situation, wo ein Konflikt vorhanden ist. Mose schreitet wiederum ein - ohne Gewalteinsatz - und löst die Situation, indem er einfach hilft das Vieh zu tränken. Die Hirten haben so keine Möglichkeit die Frauen zu verdrängen. Er hat aus seinem Fehler gelernt und handelt deswegen sinnvoller. Dies ist gleichzeitig die Schlüsselszene für sein eigenes Leben (vgl. Zenger, 2005, S. 102), da die Töchter ihrem Vater von dieser Situation erzählen und dieser Mose belohnt, indem er ihm seine Tochter Zippora zur Frau gibt (vgl. Ex 2, 18 - 22). Sein Handeln wurde diesmal belohnt und nicht wie zuvor verurteilt. Sein Handeln war der Situation entsprechend angebracht.

Mose ist in diesen Textzitaten die Exekutive, da er seine Auffassung von Gerechtigkeit und Gesetz tatkräftig umsetzt. Er führt die Gewalt aus und ist dabei vollziehend und vollstreckend.

3.2.2 Ex 18, 13 - 26

In Ex 18, 13 - 26 ist Jitro, der Schwiegervater Moses, anwesend. In Ex 2, 20 heißt er mit Namen Reguёl. Diese Namensänderung könnte dadurch entstanden sein, dass zwei unterschiedliche Autoren diese jeweiligen Stellen geschrieben haben (vgl. Wöhrle, 2012, S. 155). Dieser sieht, wie Mose von morgens bis abends Streitfälle schlichtete. Er gab ihm daraufhin den Ratschlag, sich nach zuverlässigen, gottesfürchtigen und tüchtigen Männern umzusehen, die nicht bestechlich sind. Diese sollten dann als Richter von ihm eingesetzt werden. Bei schwerwiegenden Fällen sollte Mose dann selber entscheiden, bei allen anderen gab es jeweils zugeteilte Richter für bestimmte Größenordnungen. Mose nahm diesen Vorschlag an und urteilte danach nur noch über die schwerwiegenden Fälle.

Die Aufgabe von Mose besteht darin, „für das Volk Recht zu sprechen“ (Ex 18, 13). Er übernimmt damit die wichtigste Funktion im Volk. Seine Sonderstellung wird hervorgehoben, da das Volk niemand anderem in dieser Angelegenheit traut, außer ihm. Sie stehen deshalb bei ihm von morgens bis abends an (vgl. Ex 18, 13). Er hat damit eine sehr gewaltige Aufgabe auf sich genommen und muss allen Menschen des Volkes gerecht werden. Jitro zeigt ihm eine Möglichkeit, wie er sich schonen kann, denn sonst würde er an dieser Aufgabe, auf Dauer gesehen, zu Grunde gehen. Sein Vorschlag mehrere Personen einzusetzen, die nicht bestechlich, zuverlässig, tüchtig und gottesfürchtig sind, stößt bei ihm auf Zustimmung. Die wichtigen und schwierigen Fälle wird er aber weiterhin beurteilen und Recht über diese sprechen. Er wird damit zum obersten und höchsten Richter des Volkes, dessen Urteil über allem steht. Gottes Unterstützung ist ihm sicher, da Jitro an den entscheidenden Stellen auftaucht und der Wegweiser für Mose ist. Sein Schwiegervater ist zugleich noch Priester und dieser lobt JHWH über dessen Taten, so dass eine besondere Position für Jitro vorhanden sein könnte (vgl. Zenger, 2005, S. 123).

Mose ist „der Sanhedrin[, der für] die höchste politische, religiöse und rechtliche Instanz der Juden und Jüdinnen, Ansprechpartner fremder Könige und Entscheidungsinstanz in strittigen Fragen [gewesen ist. Diese Funktion fällt der] Einsetzung der 70 Ältesten nach Num 11 [zu]“ (Staubli, 1996, S. 18). Er bestimmt die weiteren Richter und damit auch die Personen, die in Zukunft Recht sprechen werden. Das Gesetz wird von Gott festgelegt, jedoch durch Mose vorgetragen. Er ist nach österreichischer Definition die Exekutive. Er gibt allerdings seine Handlungsmöglichkeit ab, bei jeder Sachlage Recht zu sprechen. Eine Aufsplitterung im Gerichtswesen ist somit erfolgt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Mose. Das Monument der Rollenpersonifikation im Alten Testament
Hochschule
Universität Kassel
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V229812
ISBN (eBook)
9783656460121
ISBN (Buch)
9783656460237
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Altes Testament, Mose, Rollenverständnisse, Deuteronomium, Exodus, Prophet, Gesetz
Arbeit zitieren
Jan Brüggemann (Autor), 2012, Mose. Das Monument der Rollenpersonifikation im Alten Testament, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229812

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