Der Begriff des Kapitals wird in vielen Wissenschaften verwendet und als Forschungsgegenstand angesehen. Es ist jedoch unabdingbar dabei differenziert vorzugehen und die verschiedenen Kapitalarten, u.a. geprägt durch Pierre Bourdieu, voneinander zu unterscheiden.
Diese Arbeit möchte genau diese Unterscheidung vornehmen und die verschiedenen Kapitalarten aufzeigen. Dabei wird insbesondere auf die Kapitalarten Bourdieus, also dem sozialen, ökonomischen und kulturellen Kapital, und dem Humankapital eingegangen. Gegenwärtige Beispiele sollen diese Darstellung konkretisieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Begriffsbestimmung
3. Kapitalarten nach Bourdieu
3.1. kulturelle Kapital
3.2. soziale Kapital
3.3. ökonomische Kapital
4. Humankapital
4.1. Allgmeines Humankapital
4.2. Spezifisches Humankapital
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den vielschichtigen Begriff des Kapitals zu differenzieren und verschiedene Kapitalarten, insbesondere nach Pierre Bourdieu sowie den wirtschaftswissenschaftlichen Ansatz des Humankapitals, systematisch zu erläutern und abzugrenzen.
- Soziologische Perspektive auf Kapitalressourcen nach Bourdieu
- Differenzierung in kulturelles, soziales und ökonomisches Kapital
- Wirtschaftswissenschaftlicher Kapitalbegriff und Humankapitaltheorie
- Unterscheidung zwischen allgemeinem und spezifischem Humankapital
- Wechselwirkungen und Umwandelbarkeit der verschiedenen Kapitalformen
Auszug aus dem Buch
3.1. Kulturelles Kapital
Der Terminus des „kulturellen Kapitals“ beschreibt nach Bourdieu die Gesamtheit der individuell akkumulierten kulturellen Inhalte; mit spezifischem Fokus auf Schule lässt sich auch von Bildung sprechen (vgl. Bourdieu, 1992, S. 52f). Ferner bezeichnet kulturelles Kapital „alle kulturellen Ressourcen (...), die Handlungsmöglichkeiten von Personen erweitern und folglich auch deren sozioökonomische Stellung positiv beeinflussen können“ (Bourdieu, 1983 zit. n: Baumert, Watermann, Schümer 2003, S. 53). Dabei wird zwischen drei Zustandsformen unterschieden, die im Folgenden näher erläutert werden: Der inkorporierte, der objektivierte sowie der institutionalisierte Zustand.
Das objektivierte, kulturelle Kapital gewinnt seine Bedeutung aus seiner ambivalenten Rolle als Teilaspekt des Objekts, das allerdings nur über die entsprechende Existenz inkorporierten kulturellen Kapitals zur Entfaltung kommen kann. Als Beispiele für die Kapitalsorte lassen sich Güter wie Bücher, Lexika, Instrumente oder Maschinen anführen (vgl. Bourdieu, 1992, S. 53).
In dieser Zustandsform erschließt sich das Objekt dem Subjekt in seiner Ganzheit (vgl. Bourdieu, 1992, S. 60ff). Hier wird der Unterschied zwischen materieller Übertragung und symbolischer Aneignung kulturellen Kapitals deutlich. In materieller, ökonomischer wie juristischer Hinsicht kann eine Übertragung eines Guts problemlos vonstattengehen, indem nach Zahlung des Kaufpreises ein neuer Eigentümer im rechtmäßigen Besitz des Gegenstands ist. Die Einzigartigkeit des kulturellen Kapitals besteht nun aber gerade in der Schwierigkeit seiner Übertragung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung führt in die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung des Kapitalbegriffs ein und benennt die Schwerpunkte Bourdieus sowie das Humankapital als zentrale Untersuchungsobjekte.
2. Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel definiert Kapital sowohl aus wirtschaftswissenschaftlicher als auch aus soziologischer Sicht und grenzt die Ansätze von Marx und Bourdieu voneinander ab.
3. Kapitalarten nach Bourdieu: Das Kapitel erläutert das kulturelle, soziale und ökonomische Kapital als Ressourcen, die zur gesellschaftlichen Positionsbestimmung dienen, und verdeutlicht deren Interdependenzen.
3.1. kulturelle Kapital: Hier werden die inkorporierten, objektivierten und institutionalisierten Zustandsformen kulturellen Kapitals und deren Bedeutung für gesellschaftliche Rollenverteilungen analysiert.
3.2. soziale Kapital: Es wird die Rolle sozialer Netzwerke, gegenseitiger Anerkennung und der notwendigen „Beziehungsarbeit“ zur Akkumulation von Sozialkapital dargelegt.
3.3. ökonomische Kapital: Dieses Kapitel behandelt das unmittelbar in Geld konvertierbare Kapital und seine Rolle als Basis für die Anhäufung und Umwandlung in andere Kapitalarten.
4. Humankapital: Der Fokus liegt auf der wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtung von Arbeitsfähigkeiten und der Humankapitaltheorie von Forschern wie Becker, Schultz und Mincer.
4.1. Allgmeines Humankapital: Es wird die Produktivitätssteigerung durch allgemeine Personalentwicklungsmaßnahmen und deren Vergütungseffekte untersucht.
4.2. Spezifisches Humankapital: Hier erfolgt die Abgrenzung von Qualifikationen, die nur in einem spezifischen Unternehmen einen Wert besitzen und deren Kostenverteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Vielfältigkeit der Kapitalarten zusammen und reflektiert die Schwierigkeit der exakten Messbarkeit dieser komplexen Faktoren.
Schlüsselwörter
Kapital, Pierre Bourdieu, kulturelles Kapital, soziales Kapital, ökonomisches Kapital, Humankapital, Bildungsökonomie, soziale Ungleichheit, Habitus, Ressourcen, Personalentwicklung, Produktivität, Kapitalumwandlung, Sozialisation, Prestige.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der differenzierten Analyse verschiedener Kapitalbegriffe aus soziologischer und wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Kapitaltheorie nach Pierre Bourdieu (soziales, kulturelles und ökonomisches Kapital) sowie der Begriff des Humankapitals in der Betriebswirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die systematische Unterscheidung und Darstellung der verschiedenen Kapitalarten, um ein besseres Verständnis für deren Einfluss auf soziale Positionen und ökonomische Prozesse zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, um die Begriffe anhand von Fachquellen zu definieren und durch praxisnahe Beispiele zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Ausarbeitung der drei Bourdieuschen Kapitalarten sowie die Unterteilung des Humankapitals in allgemeine und spezifische Anteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Bourdieu, kulturelles/soziales/ökonomisches Kapital, Humankapital, Habitus, soziale Ungleichheit und Kapitalumwandlung.
Wie lässt sich kulturelles Kapital nach Bourdieu institutionalisieren?
Nach Bourdieu geschieht dies primär durch schulische oder akademische Titel, die dem kulturellen Kapital eine juristisch abgesicherte und übertragbare Form verleihen.
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen allgemeinem und spezifischem Humankapital?
Allgemeines Humankapital ist universell einsetzbar, während spezifisches Humankapital nur innerhalb des ausbildenden Unternehmens einen direkten Produktivitätswert entfaltet.
Kann ökonomisches Kapital in soziale Beziehungen umgewandelt werden?
Ja, durch Investitionen von Zeit, Mühe oder Sachwerten (z.B. Geschenke) kann ökonomisches Kapital als Basis für den Aufbau sozialer Kontakte und Netzwerke dienen.
- Arbeit zitieren
- Jasmin Weiher (Autor:in), 2012, Vier Kapitalarten nach Bourdieu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230105