Nein, ich esse nicht! Therapie und Folgen von Magersucht


Fachbuch, 2013

134 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Magersucht – Essen, nein danke von Janet Haertle 2006
Einleitung
Was ist Magersucht?
Auslöser und Ursachen der Magersucht
Funktion der Magersucht
Auswirkungen und Folgen der Magersucht
Schlussfolgerungen
Literaturverzeichnis
Internetquellen

Vergleich unterschiedlicher Therapiemöglichkeiten der Magersucht von Irene Ballmann 2009
Einleitung
Einführung in die Thematik der Magersucht
Anorexia nervosa
Grundlagen verschiedener Behandlungsmethoden
Stand der Therapieforschung
Fazit
Literaturverzeichnis

Magersucht bei Jungen von Larissa Schott 2010
Einleitung
Was versteht man unter Essstörung?
Die Formen der Essstörungen
Definition der Anorexie ( Magersucht)
Erklärungsansätze für Essstörungen
Die Anorexie bei Männern
Zusammenfassung:
Literaturverzeichnis:

Magersucht – Essen, nein danke von Janet Haertle
2006

Einleitung

Jeder Mensch hat schon mal von Essstörungen gehört. Man unterscheidet verschiedene Arten von Essstörungen, wie zum Beispiel die Magersucht, die Bulimie und die Esssucht.

Wir begegnen dem Begriff der Magersucht häufig in den Medien, wenn über Mädchen bzw. junge Frauen oder immer häufiger auch über Männer berichtet wird, die sich bis auf 30 oder 40 Kilogramm gehungert haben und nur noch Haut und Knochen sind. Diese Thematik rückt immer mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Viele Reportagen, Berichte im Fernsehen oder auch Artikel in Zeitungen zeigen, wie die Magersucht sich auswirkt und wie schwierig es ist, sich aus diesem Teufelskreis zu befreien bzw. wo sie enden kann, nämlich tödlich. Des Weiteren werden in den Frauenzeitschriften Diäten und deren Durchführung propagiert und es wird viel Werbung für Diätprodukte gemacht. Einerseits gibt es ein Überangebot an Nahrungsmitteln und auf der anderen Seite die Schlankheitstipps. Oftmals wird das Bild in der heutigen Gesellschaft vermittelt, dass insbesondere nur schlanke Frauen erfolgreich sein können und mehr im Leben erreichen als andere.

Die Diskussion um ein Normalgewicht bei Mädchen und jungen Frauen kam Anfang dieses Jahres wieder auf, als auf dem TV-Sender Prosieben die Modelshow „Germany’s Next Topmodel“ ausgestrahlt wurde und sehr viele dünne Mädchen dort zu sehen waren. Die Berufsgruppe der Models, aber auch die der Schauspielerinnen und Sportler, die ein besonders niedriges Körpergewicht benötigen, wie zum Beispiel Skispringer, Balletttänzer oder Ringer, sind besonders gefährdet, an Magersucht zu erkranken. Immer wieder wird in den Medien behauptet, dass berühmte Menschen magersüchtig seien, wie zum Beispiel Lindsay Lohan, Nicole Richie oder Victoria Beckham.

Das Thema rund um die Magersucht ist sehr aktuell und aus diesem Grund habe ich mich entschieden, diese Arbeit anzufertigen. Zwar sind zunehmend Männer betroffen, doch die Hauptbetroffenen sind Mädchen und junge Frauen. Aus diesem Grund werde ich mich vorwiegend auf Frauen beziehen, wenn von den Erkrankten und den Betroffenen die Rede ist.

Das Ziel meiner Arbeit ist, einen Überblick zur Thematik der Magersucht darzustellen. Allerdings erhebt die Arbeit keinen Anspruch auf eine vollständige Ausarbeitung zu diesem Thema, denn ich werde mich nicht auf alle Aspekte der Magersucht, wie zum Beispiel auf die Therapiemöglichkeiten und somit dem Weg aus der Magersucht, beziehen. Ich werde mich vor allem auf die Begriffsdefinition von Magersucht, die Auslösern und Ursachen sowie die Auswirkungen konzentrieren. Dabei werde ich auch auf die soziologischen Aspekte, wie das Alter, die Familie, die Gesellschaft, die Schichtzugehörigkeit und die Bildung eingehen. Für meine Erarbeitungen werde ich mich besonders auf Bücher von Simone Harland und Wolfgang Siegel, Sylvia Baeck und Monika Gerlinghoff beziehen.

Was ist Magersucht?

Im Jahre 1694 wurde diese Art der Essstörung erstmalig von Richard Morton erwähnt (vgl. Orbach 1990, S. 37). Mit den Arbeiten von Ernest-Charles Lasègue und William Gull wurde die Magersucht im 19. Jahrhundert erstmals medizinisch betrachtet. Der medizinische Fachtermini zu Magersucht lautet Anorexia nervosa, wurde im Jahr 1874 durch Sir William Gull eingeführt und hat sich bis heute in der wissenschaftlichen wie auch medizinischen Literatur behauptet. Der Begriff Anorexia bedeutet Appetitlosigkeit und aus diesem Grund wird oft darauf verwiesen, dass der Name unpassend sei. Der deutsche Begriff Magersucht ist in diesem Fall zutreffender (vgl. Gerlinghoff, Backmund 1995, S. 5). Heutzutage wird die Magersucht wie folgt erklärt:

Ein gezügeltes Eßverhalten oder eine Diät ist häufig der erste Schritt hin zu einer schließlich völlig rigorosen Nahrungskontrolle und -einschränkung. Eine starke Gewichtsabnahme innerhalb kürzester Zeit (bis zu 20 % des Ausgangsgewichtes) ist keine Seltenheit.

Magersüchtige haben eine gestörte Körperwahrnehmung. Sie fühlen sich immer zu dick, selbst bei extremen Untergewicht. […] Magersüchtige essen stark kontrolliert und oft auch ritualisiert. Sie haben panische Angst vor jeder auch noch so geringen Gewichtszunahme. […] (Baeck 1994, S. 18 f.; Auslassung: J.H.)

In Entwicklungsländern, die unter anderem mit Problemen wie Armut oder Hunger zu kämpfen haben, leiden sehr viele Menschen daran, dass nicht ausreichende Mengen an Nahrungsmitteln zur Verfügung stehen und ein großer Teil der Bevölkerung muss hungern. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass in diesen Ländern Essstörungen existieren. Diese Erkrankungen treten vor allem in der westlichen Welt auf. Dort stehen der Bevölkerung Nahrungsmittel im Überfluss zur Verfügung, Menschen werden nach ihrem Äußeren beurteilt, gutes Aussehen und eine schlanke Figur werden mit Erfolg assoziiert und es werden immer wieder neue Arten von Diäten zum Erreichen eines geringeren Gewichtes verbreitet. Mädchen und junge Frauen eifern häufig einem Idealbild nach. Insbesondere in diesen Gesellschaften treten hauptsächlich Essstörungen, darunter auch die Magersucht, auf (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 11).

Die Magersucht beginnt fast immer in der Adoleszenz und am häufigsten im Alter zwischen 14 und 18 Jahren und wird auch manchmal aus diesem Grund in der Literatur als Pubertätsmagersucht bezeichnet. Die Betroffenen waren als Kinder oft hilfsbereit, freundlich, problemlos und fleißig. Anorektikerinnen sind dagegen aber unsicher, introvertiert und sie wollen perfekt sein. Sie definieren sich häufig über ihre Leistung, sowohl körperlich als auch geistig. Betroffene sind in vielen Fällen sehr intellektuell, gehören zu den Klassenbesten und sie versuchen bis zum Schluss in der Schule, im Studium oder im Beruf überdurchschnittliche Leistungen zu erbringen. Die Gedanken drehen sich letztendlich nur noch um das Essen. Sie reduzieren ihre sozialen Kontakte und treffen sich so selten wie möglich mit ihren Freunden. Des Weiteren versuchen sie gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie zu umgehen. Sie erfinden die unterschiedlichsten Ausreden. Wenn eine gemeinsame Mahlzeit nicht umgangen werden kann, bedienen sie zum Beispiel ihre Familie, essen sehr langsam, zerkleinern alles, sortieren es auf dem Teller und trinken sehr viel Wasser dazu. Alles was dick macht ist vom Speiseplan gestrichen und erlaubt sind Nahrungsmittel wie Salat. Außerdem treiben die Betroffenen exzessiv Sport, um den Verbrauch an Kalorien zu erhöhen. Anstatt sich zu setzen, bleiben sie häufig stehen oder sie laufen anstatt zu gehen. Sport, wie Fahrrad fahren, joggen oder Fitness, wird normalerweise alleine durchgeführt und dies bis zur völligen Erschöpfung. Damit die Gewichtszunahme vermieden wird, greifen auch viele Mädchen zu Abführmitteln, harntreibenden Mitteln oder sie erbrechen ihr Essen. Viele Anorektikerinnen weisen auch bulimische Symptome auf (vgl. Cuntz, Hillert 2003, S. 51 f.)

Überwiegend betrifft die Magersucht Mädchen und junge Frauen, und zwar über 90 Prozent (vgl. Habermas 1994, S. 16). Die Zahl der Magersüchtigen steigt stetig an. In den westlichen Industrieländern ist etwa 1 % der Mädchen magersüchtig und 4 % sind gefährdet (vgl. Baeck 1994, S. 18). Es ist jedoch ein Irrtum, wenn man annimmt, dass nur Mädchen, junge Frauen und Jungen betroffen sind. Auch Frauen im Alter von 35 bis 45 Jahren können magersüchtig werden und verweigern die Aufnahme von Nahrung aus verschiedenen Gründen. Bei Frauen kann sich dieses Verhalten nach einer Geburt, bei Lebenskrisen der unterschiedlichsten Art oder auch wenn die eigenen Kinder groß sind, einstellen. Dies kann sowohl bei Hausfrauen als auch bei berufstätigen Frauen auftreten (vgl. Buhl 1991, S. 17).

Alles in allem bedeutet der Verzicht und die Verweigerung von Nahrung für die Anorektikerinnen Macht. Sie müssen alles unter Kontrolle haben, sie wollen unabhängig sein. „Sie freuen sich daran, daß sie die Kraft haben, nicht essen zu müssen. Das gibt ihnen ein Gefühl von Macht, von Reinheit, von Einzigartigkeit“ (Baeck 1994, S. 19).

Auslöser und Ursachen der Magersucht

Auslöser der Magersucht

Es ist sehr wichtig für die Betroffenen die Auslöser und die Ursachen zu kennen, die die Magersucht hervorgerufen haben, denn nur wenn man über diese Bescheid weiß, kann man die Magersucht bekämpfen und auf Veränderungen hinarbeiten. Es gibt jedoch viele verschiedene Faktoren, die dabei eine Rolle spielen und sich gegenseitig beeinflussen. Die nachfolgende Übersicht zeigt die unterschiedlichen Ursachen und die Abbildung verdeutlicht, dass vor allem gesellschaftliche, familiäre, aber auch biologische Einflüsse ausschlaggebend sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: http://www.magersucht-online.de/ursachen.htm)

Die unterschiedlichsten Erlebnisse können die Essstörung auslösen. Einerseits können sie durch Gewichtsprobleme auftreten. Bei Gewichtsproblemen beginnen viele Menschen eine Diät und die Diäten sind zum Beispiel ein Auslöser für die Magersucht. Diäten werden in vielen Fällen begonnen, um „ein vom herrschenden Schlankheitsideal vorgegebenes Wunschgewicht zu erreichen […]“ (Baeck 1994, S. 9; Auslassung: J.H.). Da Diäten aber anstrengend und oftmals nicht sofort der gewünschte Gewichtsverlust eintritt, werden diese wieder abgebrochen. Es werden weitere Diäten ausprobiert und erneut abgebrochen. Dies kann zu Frust führen. Einige Mädchen und junge Frauen entscheiden sich anschließend dafür, freiwillig auf Nahrung zu verzichten, auf Abführmittel zurückzugreifen oder sie probieren es mit Appetitzüglern. Dies scheint der einfachere, der schnellere Weg zu sein, um das Gewicht zu reduzieren (vgl. Baeck 1994, S. 9 f.).

Neben der Diät können auch Neckereien von Freunden bezüglich der Figur, die Ablösung von den Eltern in der Pubertät, die Scheidung der Eltern, die Geburt eines eigenen Kindes, der Verlust oder der Tod von nahestehenden Personen, Probleme in der Schule, im Studium oder im Beruf oder die Entscheidung für einen Beruf oder einen Studiengang weitere Auslöser für die Magersucht sein (vgl. Karren 1986, S. 35).

Ein einschneidendes Ereignis für viele junge Menschen ist der Schulabschluss, wie zum Beispiel das Abitur. Die Schulzeit verläuft sehr geregelt und geordnet ab, man hat feste Aufgaben, die man erfüllen muss, und ein klares Ziel vor Augen. Dies trifft nach dem Abitur nicht mehr zu, denn man muss große Entscheidungen treffen und die Initiative ergreifen und sich für einen Beruf oder einen Studiengang entscheiden. Man braucht neue Ziele. Dies führt zu Unsicherheit und Angst. Heutzutage wird die Angst durch die Ausbildungssituation und die Lehrstellenknappheit verstärkt und dieses einschneidende Ereignis kann ebenfalls die Magersucht auslösen (vgl. Gerlinghoff 1992, S. 94).

Ein weiterer Auslöser ist der sexuelle Missbrauch und sexuelle Gewalterfahrungen. „Sexueller Mißbrauch zählt zu den Kindesmißhandlungen, ist Macht- und Gewaltausübung, Verrat und Vertrauensmißbrauch“ (Gerlinghoff 1996, S. 31). Ungefähr 50 % von allen Jungen und Männern, Mädchen und Frauen, die an einer Essstörung leiden, sind Opfer von sexuellem Missbrauch. Dieses Trauma wird häufig jahrelang verdrängt und hat verheerende Folgen und dazu gehört auch die Magersucht (vgl. Baeck 1994, S. 11). Es gibt Familien, in denen ein Risiko für sexuellen Missbrauch höher ist. Diese Familien isolieren sich von der Umwelt und es gibt keine Grenzen unter den Familienmitgliedern. Weitere Merkmale dieser Familien sind das Leugnen von Intimitäten, das Fehlen von Individualität oder eine unglückliche Ehe. Die Töchter gelten als Partnerersatz für die Väter und die Kinder tun alles, um die Erwartungen der Eltern zu erfüllen. In vielen Fällen fühlen sich die Opfer schuldig, obwohl nur der Erwachsene für den Missbrauch verantwortlich ist (vgl. Gerlinghoff 1996, S. 30-33).

Alles in allem gibt es viele verschiedene Ereignisse und unvorhersehbare Faktoren, die diese Sucht auslösen können. Um die Magersucht letztendlich besiegen zu können, müssen die Betroffenen den Ursachen auf den Grund gehen. Nur so können sie ihre Situation verändern und geheilt werden.

Gesellschaftliche Einflüsse

Die Gesellschaft hat einen großen Einfluss auf die Menschen. Magersucht kann nur dort auftreten, wo Nahrungsmittel keine Mangelware, sondern im Überfluss und zu jeder Zeit zur Verfügung sind, denn Magersucht bedeutet ein freiwilliger Verzicht auf Nahrung und kein hungern, wie es in den Entwicklungsländern der Fall ist.

In unserer Gesellschaft werden Frauen mit Übergewicht negativ bewertet. Heutzutage muss die Frau schlank sein, um als attraktiv zu gelten. Täglich sieht man im Fernsehen oder auf Plakaten hübsche, dünne Frauen, die für Erfolg stehen und man kann diesen Einflüssen so gut wie gar nicht mehr aus dem Weg gehen. In den Köpfen hat sich eingeprägt, dass man von allein erfolgreich wird, sowohl privat als auch beruflich, wenn man nur schlank ist. Die Betroffenen beginnen darauf zu achten, was sie essen, und sie zählen akribisch die aufgenommenen Kalorien. Ihnen geht folglich ein gesundes und normales Essverhalten verloren (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 30). In den Medien wird viel über Magersucht berichtet und dadurch wird zwar das Problem aufgedeckt, jedoch gibt es dabei einen negativen Aspekt. Einige eifern diesen Beispielen nach und werden durch die Medien erst auf die Idee gebracht, dass man sehr viel in sehr schneller Zeit abnehmen kann, wenn man freiwillig auf die Nahrung oder bestimmte Mahlzeiten verzichtet (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 32).

Des Weiteren spielen gesellschaftliche Zwänge bei der Entstehung der Anorexie eine große Rolle. Heutzutage ist es in unserer Gesellschaft normal, wenn Frauen mit dem Essen aufhören, obwohl sie noch nicht satt sind. Sie führen Diäten durch, anstatt zu essen, wenn sie Hunger haben. Die wenigsten wählen Nahrungsmittel, die sie gerne essen oder auf die sie Appetit haben, sondern sie achten darauf, dass sie nicht allzu viele Kalorien aufnehmen. Frauen assoziieren in der heutigen Zeit Erfolg mit einer schlanken Figur. Wenn man beruflich nicht so erfolgreich ist wie erwartet, versuchen die Betroffenen auf einer anderen Ebene die Beste zu sein, sie wollen eine perfekte Figur. Dies trifft besonders auf Frauen zu, die ein geringes Selbstwertgefühl haben. Die Betroffenen werden in ihrem Verhalten bestätigt, wenn sie Lob und Anerkennung für die Gewichtsreduzierung erhalten. Jedoch entspricht dieses Schönheitsideal, was sich in den Köpfen vieler junger Mädchen und Frauen eingeprägt hat, nicht der Realität. Seit den 1950er Jahren hat sich das Durchschnittsgewicht in den Industrieländern erhöht (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 38 f.).

Ein Grund, weshalb es immer mehr Betroffene von Essstörungen gibt, sind die geänderten Lebensanforderungen. Das Bild der Frau hat sich in der Gesellschaft verändert. Früher war die Frau für die Erziehung der Kinder und für den Haushalt verantwortlich. Die Ausbildung war eher nebensächlich. Heutzutage sind viele Frauen selbstständig und unabhängig und stehen in so gut wie allen Lebensbereichen in Konkurrenz zu den Männern. Auf der einen Seite sollen die Frauen Wärme, Herzlichkeit und Einfühlungsvermögen zeigen und auf der anderen Seite sollen sie erfolgreich, unabhängig und selbstständig sein. Die Betroffenen geraten in einen Konflikt, denn sie wollen sowohl den traditionellen als auch dem modernen Bild entsprechen. Es wird teilweise viel erwartet von Mädchen und Frauen und wenn sie die Konflikte und Probleme nicht lösen können, flüchten sie sich in die Magersucht (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 33).

Soziale Schicht

Die Magersucht war früher ein Problem der Mittelschicht, hat sich heute jedoch über alle sozialen Schichten ausgebreitet. Das Wertesystem des Mittelstandes spielte eine große Rolle und Geld und Besitz waren entscheidend, denn das „Geld ist der sichtbare Gradmesser ihrer Leistung, der etwa in Form eines Hauses der Umwelt präsentiert werden kann“ (Gerlinghoff 1996, S. 26). Für die Eltern der Mittelschicht war es früher besonders wichtig, dass ihre Kinder eine gute Schulausbildung erhalten, ein Leistungsdenken stand im Vordergrund und sie waren um einen sozialen Aufstieg bemüht. In der heutigen Zeit streben die meisten Eltern aus allen Schichten für ihre Kinder den bestmöglichen Schulabschluss an und sie erwarten von ihren Kindern gute bis sehr gute Leistungen, die jedoch nicht alle erfüllen können. Insbesondere diejenigen, die ein geringes Selbstwertgefühl aufweisen, haben Selbstzweifel und können mit Essstörungen reagieren (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 44).

Bildung

Anorektikerinnen haben einen sehr hohen Bildungsstand und sind sehr erfolgsorientiert. Sie wollen den Erwartungen ihrer Eltern entsprechen und sie definieren sich über ihre Leistung. Viele Magersüchtige sind Klassenbeste. Die Betroffenen haben ein geringes Selbstwertgefühl und durch ihre Leistungen wollen sie Anerkennung bekommen, jedoch fühlen sie sich anderen gegenüber weiterhin minderwertig, auch wenn sie sehr gute Leistungen erbringen. Sie können nicht stolz sein auf das, was sie erreichen. Sie wollen perfekt sein (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 45). Eine Therapeutin schildert über einen Fall Folgendes:

Jeannette hatte sich bereits nach zwei Jahren bis an die Grenze gehungert, an der akute Lebensgefahr besteht. […] Jeannette kam um 14 Uhr zu einem Gespräch zu mir. Bis 13 Uhr hatte sie eine mehrstündige Klausur geschrieben, die später mit der Note 1 bewertet wurde. In dem Gespräch war sie dann nicht mehr in der Lage, genaue Angaben zu ihrer Person und Vorgeschichte zu machen. […] Ich brach das Gespräch nach kurzer Zeit ab, und zwei Stunden später lag sie auf einer Intensivstation. Ihr Zustand war bereits so ernst, daß sie über eine Woche in Lebensgefahr schwebte (Gerlinghoff 1992, S. 18; Auslassung: J.H.).

Dieses Beispiel zeigt, dass die Betroffenen trotz der Magersucht noch sehr gute Leistungen erbringen können, danach aber kaum noch Kräfte besitzen.

Alles in allem tritt heutzutage in allen sozialen Schichten Magersucht auf und die Betroffen sind sehr intelligent und sehr erfolgreich in der Schule, im Studium oder im Beruf.

Familiäre Einflüsse

Für die Entwicklung eines Kindes hat die Familie eine ausschlaggebende Bedeutung, denn durch die Familie wird die Persönlichkeit eines Kindes geprägt und sie ist die primäre Sozialisationsinstanz.

Anorektikerinnen kommen nur in wenigen Fällen aus einer Familie, wo die Eltern getrennt leben oder geschieden sind, also aus einer so genannten broken-home-Situation. Die meisten Betroffenen kommen aus einer intakten Familie bzw. die Familien weisen nach außen hin ein intaktes Familienleben auf. Sie repräsentieren die so genannte Bilderbuchfamilie. Diese Familien orientieren sich an den gesellschaftlichen Normen, erfüllen Pflichten und Fleiß, Erfolg und überdurchschnittliche Leistungen stehen im Vordergrund. Die Eltern achten auf die gute Erziehung und Bildung der Kinder. Der Vater ist für die Finanzierung verantwortlich. Viele arbeiten von morgens bis abends und ermöglichen somit den materiellen Wohlstand der Familie. Die Frauen sind für die Erziehung der Kinder und für die Führung des Haushaltes verantwortlich (vgl. Gerlinghoff 1992, S. 61 f.). Nach außen hin sind es perfekte Familien, doch in den Familien werden Probleme nicht offen angesprochen, es kommt zu keinen Diskussionen und Konflikte werden ebenfalls vermieden. Gefühle und Emotionen, wie zum Beispiel Wut, Ärger oder Zorn werden nicht offen gezeigt, aus Angst damit die Familie zu zerstören oder auch nur das Bild der Familie zu zerstören (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 40). Die Eltern gestehen sich vor den Kindern keine Schwäche ein, sie treten sicher und unfehlbar vor den Kindern auf (vgl. Gerlinghoff 1992, S. 63). Die magersüchtigen Töchter fühlen sich für die Harmonie in der Familie verantwortlich. Sie tun alles, damit ihre Familie glücklich und zufrieden ist. Einerseits haben sie große Angst davor, dass bei unterschiedlichen Meinungen die ganze Familie zerbricht und so versuchen sie den Wünschen ihrer Eltern zu entsprechen. Sie lehnen sich nicht gegen die Eltern auf, sie wollen erfolgreich und etwas Besonderes mit herausragenden Leistungen sein. Auf der anderen Seite sind die Betroffenen den Eltern dankbar und setzen sich unter Druck, um sich auch als dankbar den Eltern gegenüber zu erweisen. Sie passen sich ihrer Umwelt an, nehmen Meinungen an und können sich dadurch nicht selbst entfalten und so sein, wie sie eigentlich sind. Die individuelle Entwicklung bleibt aus und sie haben ein niedriges Selbstwertgefühl. Die Anorektikerinnen sind stolz darauf, dass es in ihren Familien keine Konflikte und Auseinandersetzungen gibt. Denn Auseinandersetzungen und Konflikte bedeuten für die Magersüchtigen Angst und mögliche Trennungen. Meinungsveränderungen assoziieren sie mit Charakterlosigkeit. „Seelische Bedürfnisse, Sehnsüchte, Enttäuschungen, Demütigungen und Kränkungen gelangen nicht an die Oberfläche. Gefühle zu haben oder sie zu zeigen, gilt als Schwäche“ (Gerlinghoff 1996, S. 26). Die Eltern fordern von ihren Kindern keine Unabhängigkeit und Selbstständigkeit und für die Kinder in solchen Familien ist es schwierig, sich diese Eigenschaften anzueignen (vgl. Gerlinghoff 1996, S. 25 f.).

Alles in allem sind auch die Ursachen für die Magersucht in den Familien zu suchen und deren Verhalten in der Therapie zu analysieren, damit den Betroffenen geholfen werden und die Familie bestimmte Verhaltensweisen vermeiden kann. Magersucht kommt besonders häufig in Familien vor, die nach außen hin perfekt auftreten, die keine Konflikte austragen, keine Gefühle offen zeigen und es zu keinen spontanen Reaktionen innerhalb der Familie kommt. Der einzige Makel dieser Bilderbuchfamilie ist die Magersucht der Tochter.

Die Rolle der Mutter

Die Mütter spielen eine besonders große Rolle bei den familiären Ursachen für die Magersucht. In vielen Familien ist die Mutter die erste Bezugsperson der Kinder und dies über einen längeren Zeitraum. „Viele Psychologen gehen davon aus, daß eine übervorsichtige Mutter, die ihr Kind stark behütet und ihm jeden Wunsch von den Augen abliest, dazu beitragen kann, daß es später Eßstörungen bekommt“ (Harland, Siegel 1996, S. 42). Dieses Verhalten der Mütter hat zur Folge, dass die Kinder von der Mutter abhängig werden, sie haben nie die Möglichkeit, Wünsche zu äußern oder gar eigene zu entwickeln, denn die Mutter meint immer zu wissen, was ihre Kinder wann benötigen. Des Weiteren entwickeln die Magersüchtigen keine eigenen Bedürfnisse, jedoch ein geringes Selbstwertgefühl. Wenn die Kinder im Säuglingsalter immer schon gefüttert werden, bevor sie schreien, stellt sich kein Hungergefühl in den darauf folgenden Jahren ein, denn sie essen jedes Mal bevor sie hungrig sind. Kleinkinder tragen häufig Machtkämpfe bezüglich des Essens aus und wenn sie das Essen verweigern, ist es ihre Art Selbstständigkeit zu beweisen. Kinder müssen sich auch mal durchsetzen und ab und zu sollten die Wünsche des Kindes akzeptiert werden. Dies ist wichtig, damit die Kinder eine eigene Identität entwickeln können (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 42 f.). Mütter machen ihre Töchter häufig auch zu ihren Vertrauten und reden mit ihren magersüchtigen Töchtern zum Beispiel über Probleme in ihrer Ehe. Da die Betroffenen ohnehin schon labil und unsicher sind, lösen solche Geständnisse mehr Angst aus. „In den Mädchen werden massive Angstgefühle ausgelöst, einmal weil es fürchtet, die Ehe der Eltern könnte zerbrechen, zum anderen es ist die Angst vor dem Leben der Erwachsenen, vor der Sexualität, letzten Endes vor dem Mann“ (Gerlinghoff 1992, S. 66). Magersüchtige schildern ihr Verhältnis zu ihren Müttern zum Beispiel so: „Ich nahm die Rolle an, die meine Mutter mir überstülpte. […] wurde immer mehr zu ihrer Verbündeten, mit der sie über alles reden konnte. Sie lud alles bei mir ab, auch ihre Eheprobleme, und erschütterte so mein Vater- und Männerbild enorm […]“ (Gerlinghoff 1996, S. 29; Auslassung: J.H.).

Letztendlich sehen viele Mütter die Magersucht ihrer Töchter als Enttäuschung an, denn sie gaben viel auf, beispielsweise den Beruf, und investierten viel Zeit in die Erziehung und versuchten sie auf den richtigen Weg zu bringen (vgl. Gerlinghoff 1992, S. 67). Viele Magersüchtige wollen nicht so werden wie ihre Mütter und lehnen sie als Vorbild ab.

Alles in allem muss man die Ursachen für die Magersucht auch in den Familien der Betroffenen suchen. Jede Betroffene hat eine andere Vorgeschichte, auf die man individuell eingehen muss. Es gibt natürlich auch Familien mit ähnlichen Verhaltensweisen, bei denen die Kinder keine Essstörung entwickeln.

Funktion der Magersucht

Alle Anorektikerinnen wollen etwas mit Hilfe der Magersucht unbewusst vermitteln. Um den Sinn und die Botschaft zu entschlüsseln, muss man auf jede Betroffene individuell eingehen und ihr zuhören. Die Betroffenen empfinden die Krankheit nicht als Leid und Schmerz, sie fühlen sich nicht krank, sondern sie empfinden durch die Magersucht Macht und Stärke. Um ein Leben mit der Anorexie führen zu können, benötigt man viel Kraft und Selbstüberwindung. Die Magersucht wird für viele Anorektikerinnen zum Lebensinhalt und sie sehen nur darin ihren Sinn des Lebens. Sie flüchten sich in die Essstörung bei Spannungen, Konflikten und Kränkungen. Des Weiteren schützt die Sucht vor dem Erwachsenwerden (vgl. Gerlinghoff 1996, S. 33 f.).

Magersüchtige fühlen oftmals eine innere Leere und ersetzen Gefühle mit Hilfe der Krankheit. In anderen Fällen ist es eine Möglichkeit, durch die ständige Reduzierung des Gewichtes, Gefühle nach außen hin zu zeigen. Häufig ist es ein Hilferuf. Die Betroffenen sehnen sich nach Liebe und Zuneigung, nach Geborgenheit, Wärme und Schutz. Sie grenzen sich von ihrer Umwelt und den Mitmenschen ab. Einige Betroffene finden in der Magersucht einen Ersatz für Freunde und Partner. Andere wiederum setzen die Magersucht als Waffe ein. Dies kann auch unbewusst geschehen. Bei Eltern lösen die magersüchtigen Kinder Angst aus und sie würden alles dafür tun, damit ihre Kinder wieder vernünftig essen. Durch diesen Weg bekommen sie Aufmerksamkeit. Andere Jugendliche grenzen sich durch ihre Kleidung, Taten oder Worte ab, Anorektikerinnen dagegen umgehen Auseinandersetzungen. Auf Grund der Magersucht werden die Betroffenen im Verlauf der Zeit immer schwächer und können nicht mehr ihren Beruf ausführen oder in die Schule gehen. Die Freunde ziehen sich zurück, die Eltern kommen nicht mehr an ihre Kinder heran und die Betroffenen isolieren sich mehr und mehr. Die Magersucht wird der zentrale Lebenspunkt, alle Gedanken drehen sich nur noch um das Essen und die Anorexie ist das einzige, was ihnen bleibt (vgl. Harland, Siegel 1996, S: 52 f.).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jede Betroffene einen anderen Sinn in ihrem Verhalten sieht. So können einige nur auf diesem Weg ihre Gefühle äußern und für andere gibt es nichts weiter in ihrem Leben außer der Magersucht.

Auswirkungen und Folgen der Magersucht

Körperliche Folgen

Essstörungen bleiben nicht ohne Folgen. Sie wirken sich auf den Körper aus, aber auch die Psyche verändert sich durch die Magersucht.

„Magersucht ist im schlimmsten Fall eine Erkrankung mit tödlichem Ausgang. Etwa ein Zehntel aller Magersüchtigen stirbt infolge des langsamen Aushungerns“ (Harland, Siegel 1996, S. 22). Die deutlichste Auswirkung der Magersucht für den Körper ist der Gewichtsverlust. Am Anfang der Krankheit haben die Betroffenen Euphoriegefühle und einige Zeit später schüttet der Körper Endorphine aus, damit das Hungergefühl unterdrückt werden kann. Der Körper reagiert auf die Nahrungseinstellung. Im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es zum Ausbleiben des Eisprungs und der Menstruation. Magersüchtige haben einen niedrigen Blutdruck, sie frieren sehr oft, leiden an Haarausfall, haben eine trockene Haut und je nachdem in welchem Alter die Magersucht beginnt, kann sich der Körper nicht vollständig entwickeln, wie zum Beispiel die Brust bei sehr jungen Mädchen. Der Körper ist durch die Anorexie so geschwächt, dass die Betroffenen oftmals auch an Konzentrationsstörungen und Schlaflosigkeit leiden. Der Stoffwechsel verändert sich und Organe, wie das Herz oder die Nieren, können geschwächt werden. Dies kann wiederum zur Folge haben, dass sich im Körper, vor allem an den Beinen, Wasser ansammelt, so genannte Ödeme. Außerdem kann im weiteren Verlauf der Krankheit das Gehirn nicht mehr mit allen lebenswichtigen Stoffen versorgt werden, was Wahnvorstellungen hervorrufen kann. Im schlimmsten Fall kann eine Magersucht tödlich enden (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 22 f.).

Alles in allem wirkt sich Anorexia nervosa sehr unterschiedlich auf den Körper aus. Es hängt davon ab, wann die Essstörung erkannt wird und in welchem Stadium die Therapie beginnt.

Psychische und soziale Folgen

Magersüchtige haben ein geringes Selbstwertgefühl. Sie tun alles, um von ihren Mitmenschen und in der Gesellschaft anerkannt zu werden. Anderen fühlen sie sich unterlegen und sie haben häufig Depressionen und Angst.

Des Weiteren können sie ihre Gefühle nicht offen zeigen, erkennen ihre eigenen Wünsche nicht und können diese folglich auch nicht äußern (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 24).

Zusätzlich ändert sich auch durch die Magersucht das soziale Verhalten der Betroffenen. Viele Anorektikerinnen ziehen sich zurück, leben isoliert und kapseln sich von ihren Mitmenschen ab. Selbst wenn sie vor dem Auftreten der Krankheit offen und aufgeschlossen waren und viele Freunde hatten, sind sie nicht mehr sehr gesellig, reagieren oft gereizt und empfinden Gespräche als anstrengend. Durch ihr launisches Verhalten ziehen sich die Freunde nach und nach zurück. Magersüchtige haben auch Angst vor gemeinsamen Treffen mit Freunden, wenn sie nicht ausschließen können, dass es dort etwas zu essen gibt. Aus Angst davor, meiden sie die Treffen. Des Weiteren werden feste Beziehungen abgebrochen oder gar nicht erst aufgebaut. Jedoch gibt es auch Ausnahmen. Einige Magersüchtige haben viele oberflächige Kontakte, aber keine dauerhaften und intimen Beziehungen (vgl. Harland, Siegel 1996, S. 24 f.).

Schlussfolgerungen

Diese Hausarbeit verdeutlicht, dass heute mehr denn je Essstörungen, wie die Magersucht, ein Problem bei Jugendlichen, insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen, ist. Auf die gesamte Bevölkerung bezogen ist die Zahl der Betroffenen, nämlich etwa 1 %, nicht viel, aber die Anzahl der Betroffenen steigt stetig an. Erschreckend ist auch, dass die Kinder heutzutage immer jünger werden, die sich Gedanken, ob sie zu dick sind.

Es gibt verschiedene Ereignisse, die die Anorexie auslösen können. Nicht gleich eine Bemerkung zur Figur ruft die Essstörung hervor, sie kann aber letztendlich das so genannte Fass zum Überlaufen bringen. Und auch nicht jede Frau, die eine Diät macht, bekommt eine Essstörung. Die familiären Umstände sowie die Erziehung spielen eine große Rolle. Meiner Meinung nach sollte man vor allem in der Familie offen über Probleme reden können und Gefühle zeigen dürfen. Man verbringt als Kind die meiste Zeit zusammen mit der Familie und wenn man nicht dort so sein darf, wie man ist, wo denn sonst? Probleme sollten meines Erachtens nicht totgeschwiegen werden und wenn man sich über ein bestimmtes Ereignis oder ein Familienmitglied ärgert, sollte das angesprochen werden. Nur so kann man verhindern, dass man jemanden unbewusst über längere Zeit kränkt oder verletzt. Ein Familienleben sollte harmonisch sein, aber diese Harmonie darf nicht erzwungen und schon gar nicht die Aufgabe eines Kindes sein.

Durch die Hausarbeit wurde verdeutlicht, dass die Mütter eine besondere Rolle bei der Entwicklung des Kindes spielen. Ich denke, dass vielen Müttern gar nicht bewusst ist, was für Folgen es haben kann, wenn sie ihre Kinder zu stark behüten. Sie meinen es nur gut, aber sie sollten den Kindern einen gewissen Spielraum lassen, in dem die Kinder ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern können. Jedoch bin ich der Meinung, dass heutzutage die Eltern mehr Wert darauf legen, dass ihre Kinder selbstständig werden und Selbstbewusstsein sowie ein Selbstwertgefühl entwickeln.

Des Weiteren werden die Menschen in der heutigen Zeit stark von der Gesellschaft beeinflusst. Fast alle Menschen, die im öffentlichen Leben zu sehen sind, wie beispielsweise Schauspieler, Sänger oder Moderatoren haben eine schlanke Figur und das häufig auch, wenn sie schon älter sind. Man kann sich diesen Einflüssen selten entziehen. Überall stößt man darauf, ob in Zeitschriften, im Fernsehen oder auf Plakaten auf der Straße.

Des Weiteren fand ich es sehr erschreckend, dass für einige die Magersucht den Lebensinhalt darstellt und nur in der Anorexie der Sinn des Lebens gesehen wird.

Alles in allem sollten Eltern, Freunde, Klassenkameraden, Lehrer, Kommilitonen oder Kollegen immer die Augen offen halten und bewusst etwas unternehmen, wenn sie der Meinung sind, dass jemand gefährdet ist an einer Essstörung zu erkranken. Man sollte nicht die Augen verschließen, nicht die Magersüchtigen hängen lassen, sondern unterstützen, damit sie einsehen, dass sie krank sind, und geheilt werden können. Man muss ihnen zeigen, dass sie geliebt werden, denn jeder Mensch ist etwas Besonderes, ganz gleich ob dick oder dünn!

Literaturverzeichnis

Baeck, Sylvia (1994): Eßstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Ein Ratgeber für Eltern, Angehörige, Freunde und Lehrer. Freiburg im Breisgau: Lambertus Verlag

Buhl, Charlotte (1991): Magersucht und Eßsucht. Ursachen, Beispiele, Behandlung. Stuttgart: Hippokrates Verlag GmbH, 2. durchges. Auflage

Cuntz, Ulrich/ Hillert, Andreas (2003): Eßstörungen. Ursachen, Symptome, Therapien. München: C.H. Beck, 3. akt. Auflage

Gerlinghoff, Monika (1992): Magersüchtig. Eine Therapeutin und Betroffene berichten. München: Piper, 4. Auflage

Gerlinghoff, Monika/ Backmund, Herbert (1995): Therapie der Magersucht und Bulimie. Weinheim: Beltz

Gerlinghoff, Monika (1996): Magersucht und Bulimie – Innenansichten. München: Pfeiffer

Habermas, Tilmann (1994): Zur Geschichte der Magersucht. Frankfurt am Main: Fischer

Harland, Simone/ Siegel, Wolfgang (1996): Eßstörungen. Erkennen und behandeln. Kültigen/Aarau: Midena-Verlag

Karren, Ulrike (1986): Die Psychologie der Magersucht. Bern, Stuttgart, Toronto: Verlag Hans Huber

Orbach, Susie (1990): Hungerstreik. Ursachen der Magersucht; neue Wege zur Heilung. Düsseldorf: ECON

Internetquellen

http://www.magersucht-online.de/ursachen.htm

(Grundlagen und Ursachen für Magersucht) entnommen am 20.02.2006

Vergleich unterschiedlicher Therapiemöglichkeiten der Magersucht von Irene Ballmann
2009

Einleitung

Der Fall des brasilianischen Supermodels Ana Carolina Reston, die mit 21 Jahren an ihrer Magersucht starb, und/oder ähnlich tragische Geschichten, wie die des 22-jährigen Topmodels Luisel Ramos, die während einer Show mit Herzversagen nach einer vorherigen radikalen Hungerkur (12 kg Gewichtsabnahme in kürzester Zeit) zusammenbrach, tauchen gehäuft in den Medien auf und schockieren die Bevölkerung.

Neben diesen erschreckenden Tatsachen ist die Aussage „Die Frauen wundern sich, dass sie nicht so aussehen wie wir. Sie wissen nicht, dass wir auch nicht so aussehen.“ (Crawford, 2009; zitiert nach Raabe, 2009) von Topmodel Cindy Crawford bemerkenswert, da sie doch darauf hinweist, dass nahezu jedes Werbefoto nachträglich bearbeitet wurde. Die extrem dünnen Körper der Models auf Werbeplakaten und in den Medien sind demnach normalerweise nur eine Illusion. Doch es gibt auch Ausnahmen, wie z. B. Ana Carolina Reston, die diese Körperformen real aufweisen, dafür aber mit ihrem Leben bezahlen. Solche magersüchtigen Models tragen dazu bei, dass gerade junge, sich in der Pubertät befindende Mädchen, die diesem Schlankheitsideal noch nicht so kritisch gegenüberstehen wie Erwachsene, glauben, dass dieser dürre Körperbau als ideale Körperform anstrebenswert ist. Gerade in diesem Alter ist praktisch jede Methode recht, um diesem Ideal in der Realität etwas näher zu kommen.

In der vorliegenden Arbeit steht die Sucht Anorexia Nervosa im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Ihr Bekanntheitsgrad ist in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten deutlich angestiegen, was unter anderem auf die wachsende Anzahl der Betroffenen, insbesondere bei jungen Frauen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, sowie die häufigere Thematisierung in den Medien zurückzuführen ist.

Neben dem allgemeinen Interesse an dieser Erkrankung motivierten mich insbesondere einige Fragen im Zusammenhang mit dieser Thematik, die in vielen Fachbüchern häufig aufgrund mangelnden Wissens oder weniger Informationen bisher nur ansatzweise oder gar nicht behandelt wurden. Es handelt sich dabei um Fragestellungen zum Thema der verschiedenen Therapiemöglichkeiten bei Magersucht und deren Wirksamkeit: Welche unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten existieren für betroffene Magersüchtige und wie wirksam sind diese? Gibt es nach den Ergebnissen der aktuellen Forschung eine besonders gute bzw. schlechte Behandlungsmethode? Welche Schlussfolgerungen oder Konsequenzen könnte man aus diesen Resultaten ziehen?

Doch bevor ich mich diesen speziellen Fragen im Hauptteil widme, soll im einführenden ersten Kapitel zunächst grundlegendes Wissen zu der psychischen Störung „Essstörung“ im Allgemeinen und im zweiten Kapitel im Speziellen zur Magersucht vermittelt werden. Dieses stellt zum Verständnis der speziellen Thematik des Hauptteils eine notwendige und wichtige Voraussetzung dar. Dazu gehören begriffliche Abgrenzungen, die Nennung der typischen Symptomatiken, die Genese der Magersucht, die medizinisch-diagnostischen Aspekte, epidemiologische Daten und Folgen sowie die Darstellung der gängigsten Erklärungsansätze.

Das fünfte und letzte Kapitel geht schließlich auf die spezielle Fragestellung ein, indem dort die im vierten Kapitel vorgestellten Behandlungsmöglichkeiten der Anorexia Nervosa auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 134 Seiten

Details

Titel
Nein, ich esse nicht! Therapie und Folgen von Magersucht
Autoren
Jahr
2013
Seiten
134
Katalognummer
V230121
ISBN (eBook)
9783656451785
ISBN (Buch)
9783956870125
Dateigröße
1318 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nein, therapie, folgen, magersucht
Arbeit zitieren
Janet Haertle (Autor)Irene Ballmann (Autor)Larissa Schott (Autor), 2013, Nein, ich esse nicht! Therapie und Folgen von Magersucht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230121

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