Wiener Freiwilligenmesse: Ein nachhaltiger Weg, um ehrenamtliches Engagement zu fördern?


Diplomarbeit, 2013

29 Seiten


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Inhalt

Einleitung

Fragestellung

Vorgangsweise

Warum ehrenamtlich arbeiten?

Freiwilligenarbeit in Österreich

Was ist die Freiwilligenmesse?
Hintergrund
Veranstalter: Der Verein Wiener Freiwilligenmessen
Umsetzung
Teilnahmebedingungen
Finanzierung
Testimonials
Ziele und Zielvorgaben
Erfolge
Zufriedenheit
Erste Evaluation
Nachhaltigkeit
Zweite Evaluation

Schlussbetrachtung

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Abbildung 2: Testimonial Frank Hoffmann1

Freiwilliges Engagement hat in Österreich einen traditionell hohen Stellenwert: Knapp drei Millionen ÖsterreicherInnen engagieren sich und leisten durchschnittlich vier Stunden pro Woche pro Person an freiwilliger Arbeit2. Braucht es angesichts solcher Zahlen überhaupt eine weitere Bewerbung von Ehrenämtern? Ja, denn das Potenzial an Freiwilligen ist dennoch groß. So gaben im 1. Freiwilligenbericht des Bundes- ministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz 58,4 % der „nicht freiwillig Engagierten an, niemals gefragt oder gebeten worden zu sein“3, ehrenamtlich tätig zu werden. 45,5 % der Befragten haben der Umfrage zufolge nie darüber nach- gedacht, eine ehrenamtliche Tätigkeit zu beginnen. Laut den Studienautoren „lässt sich zwar nicht automatisch der Schluss ziehen, dass all diese Personen durch per- sönliche Ansprache für eine freiwillige Tätigkeit zu motivieren sind, allerdings könnte dies Hinweis auf ein Potenzial an Freiwilligen geben, die durch Information, persönli- chen Kontakt etc. aus dem eigenen Umfeld aktiviert werden könnten.“4 Dazu ist Freiwilligenarbeit auf dem Land stärker ausgeprägt als in der Stadt. Während der 1. Freiwilligenbericht dies darauf zurückführt, dass mitunter Leistungen auf dem Land ehrenamtlich erbracht werden, für die im städtischen Bereich das Personal bezahlt wird (z. B. Feuerwehr, Bibliotheken, Museen)5, erklärt Sozialunternehmer Michael Walk, Initiator der Wiener Freiwilligenmesse, diesen Unterschied auch damit, dass Städter weniger dazu bereit sind, ihre Gemeinschaft aktiv zu formen und sich stattdessen in eine Passivhaltung zurückzuziehen.

Walk nahm dies zum Anlass, Freiwilligenarbeit in Wien auch nach Ablauf des Euro- päischen Jahres der Freiwilligen 2011 mit der ersten Wiener Freiwilligenmesse im Oktober 2012 zu bewerben. In Deutschland seit 1999 in Hamburg6 und seit 2006 in München7 etabliert, war eine Messe dieser Art in Österreich ein absolutes Novum. Ihr Ziel war, Freiwilligenarbeit eine größere Öffentlichkeit zu verschaffen und Vereinen eine Plattform zu bieten, sich und ihre Ehrenämter vorzustellen und neue Freiwillige zu gewinnen.

Fragestellung

Die 1. Wiener Freiwilligenmesse übertraf in punkto mediale Aufmerksamkeit und Be- sucherinteresse alle Erwartungen. Aber wie nachhaltig ist der Erfolg? Konnten die auf der Messe gewonnenen Kontakte in qualifizierte MitarbeiterInnen verwandelt werden, die länger dabei bleiben? Meldeten sich auch nach der Veranstaltung Interessierte, die durch die Medien auf das Thema aufmerksam geworden waren?

Vorgangsweise

Diese Arbeit stellt das Konzept und die Umsetzung der 1. Wiener Freiwilligenmesse vor, beleuchtet, auf welche Weise sie ehrenamtlicher Tätigkeit in Wien zu größerer Öffentlichkeit verhalf und hinterfragt, ob eine Messe dieser Art einen nachhaltigen Nutzen für die ausstellenden Organisationen bringt. Die Autorin verwendet dazu ihr Wissen aus der Mitorganisation der Messe sowie zweier Umfragen unter den ausstellenden Organisationen. Die Ergebnisse fließen nicht nur in diese Diplomarbeit ein, sondern ebenfalls in die 2. Wiener Freiwilligenmesse.

Aufgrund des vorgegebenen Umfanges dieser Arbeit wurden Befragungen von neu gewonnen Ehrenamtlichen ausgeklammert.

Warum ehrenamtlich arbeiten?

„Es gibt die bezahlte Arbeit, es gibt Arbeit, die Menschen freiwillig in Hobbys stecken, weil sie einfach Freude macht, und es gibt Freiwilligenarbeit. Wenn Arbeit eine Wiese ist, dann ist Freiwilligenarbeit eine Blumenwiese.“ 8

(Michael Walk)

„Freiwilligenarbeit ist ein Impulsgeber für eine solidarische Zivilgesellschaft“, erklärt Michael Walk, Initiator und Organisator der Wiener Freiwilligenmesse. Freiwilligenarbeit vermittele Menschen Lebenssinn, erweitere persönliche Netzwerke und vertiefe die Integration in der Gesellschaft, da sie Menschen mit ähnlichen Anliegen und unterschiedlichsten Hintergründe zusammenbringe. Viele Blaulicht- und Hilfsorganisationen sind auf Freiwillige fundamental angewiesen - ohne die „Ehrenamtlichen“ könnten sie ihren Aufgaben gar nicht nachkommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Motive für freiwilliges Engagement9

Ein ganz entscheidendes Argument, sich freiwillig zu engagieren, ist Spaß an der Sache (vgl. Abb. 3), aber auch das Gefühl, ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein und Gutes für andere, zum Beispiel für Kinder, MigrantInnen oder SeniorInnen, tun zu können. Viele Menschen geben ihrem Leben durch ehrenamtliche Tätigkeiten (wieder) einen „Sinn“. "Ja, ich werde gebraucht" ist laut Rotem Kreuz Wien eine der Hauptmotivation von Freiwilligen, sich gemeinnützig engagieren zu wollen.10 Sie erleben in der Freiwilligenarbeit eine Sinnhaftigkeit, die sie anderswo nicht finden, so Michael Walk. Gerade für ältere Menschen könne das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas zu bewirken, einem Pensionsschock entgegenwirken.

Freiwilligenarbeit in Österreich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Testimonial Toni Faber11

43,8 % der österreichischen Gesamtbevölkerung ab 15 Jahren, also über drei Millionen Menschen, leisten Freiwilligenarbeit (s. Abb. 5). Manche davon ausschließlich formell eingebunden in eine Organisation (38,0 % der Freiwilligen), manche ausschließlich informell beispielsweise in der Nachbarschaftshilfe (36,2 % der Freiwilligen), manche davon beides (25,8 % der Freiwilligen).12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Beteiligung an formeller und informeller Freiwilligenarbeit in Österreich13

Wo sich die Freiwilligen Österreichs engagieren unterteilt die Mikrozensus-Zusatz- erhebung (2006) in neun Bereiche (s. Abb. 6): Eine halbe Million Menschen enga- giert sich in kulturellen Organisationen, etwas weniger als eine halbe Million Freiwilli- ge im Sport, gefolgt von Religion und Katastrophenhilfsdiensten. Weitaus weniger Menschen engagieren sich in der Politik (242.178), im Sozialen (227.916), der Um- welt (176.375) und der Bildung (174.270). Mit knapp 150.000 Freiwilligen ist das

Gemeinwesen der kleinste Bereich. Der informelle Bereich ist nicht weiter unterteilt. Hier sind ca. 1,9 Millionen ÖsterreicherInnen aktiv.14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Bereiche der formellen Freiwilligenarbeit in Österreich sowie der informelle Bereich15

Nach Altersgruppen sind die 30- bis 49-Jährigen mit 41 % die aktivsten Freiwilligen (s. Abb. 7). Ihnen folgen die 50- bis 69-Jährigen mit ca. 29 %, wogegen die Gruppe der 15- bis 30-Jährigen nur 24 % der Freiwilligen ausmacht, die der über 70-Jährigen nur knapp 6 %. Bei letzteren ist oft der gesundheitliche Zustand der Grund, dass das Engagement geringer oder beendet wird.16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Beteiligungsstruktur nach Alter17

Auch der Bildungsgrad spielt beim freiwilligen Engagement eine Rolle. Laut der BMASK-Studie „Freiwilligenarbeit in Österreich“ beteiligen sich Personen mit Pflichtschulabschluss als höchste abgeschlossene Ausbildung (19,4 %) am wenigsten, AbsolventInnen von hochschulverwandten Lehranstalten, Universitätslehrgängen, Fachhochschulen und Universitäten (38,8 %) am meisten.18

Die verschiedenen Bildungsgruppen sind laut BMASK-Studie in Österreich sehr un- terschiedlich verteilt (s. Abb. 8). Das wirkt sich auch auf die Beteiligungsstruktur der Freiwilligen aus: Obwohl sie sich verhältnismäßig wenig ehrenamtlich engagieren, stellen Personen mit Lehrabschluss die weitaus größte Gruppe (35 %) der formell freiwillig Tätigen. Danach folgen PflichtschulabsolvetInnen (18 %), also die mit der geringsten Beteiligungsquote. 16 % der Freiwilligen haben eine berufsbildende mitt- lere Schule absolviert, ebenfalls 16 % maturiert (AHS und BHS). Die kleinste Gruppe (15 %) ist trotz höchster Beteiligungsquote die mit dem höchsten Bildungsgrad.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Beteiligung nach Bildungsgrad20

Was ist die Freiwilligenmesse?

„Die Messe ist die beste Informations- und Vermittlungsmöglichkeit für Menschen, die freiwillig tätig werden möchten.“

(Michael Walk)

Hintergrund

Initiator Michael Walk wurde durch die seit dem Jahr 2006 erfolgreiche Münchner Freiwilligenmesse inspiriert und entwickelte die Idee im Rahmen seiner Diplomarbeit für einen CSR-Lehrgang in Österreich weiter. Dahinter stand die Erfahrung, dass Freiwilligenarbeit auf dem Land viel selbstverständlicher in das Alltagsleben integriert ist als in der Stadt. Bei der Feuerwehr, in der Kirche, bei der Blasmusik, beim Roten Kreuz. Während die Freiwilligen in Österreich im Durchschnitt rund 4,1 Stunden pro Woche leisten, belegt Wien mit 3,6 Stunden den letzten Platz21.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Beteiligung und durchschnittliche Stunden der formellen Freiwilligenarbeit pro Woche in den Bundesländern22

„In den Städten, wo Menschen gewohnt sind, dass alles von oben nach unten ver- waltet und bestimmt wird, ist Freiwilligenarbeit bottom-up, von unten nach oben, an- statt top-down-bestimmter Passivhaltung“, so Walk. „Menschen gestalten in kleinen Projekten ihre Gesellschaft mit. Das ist gerade in Städten wichtig, weil deren Lebensformen zur Anonymisierung und Individualisierung beitragen und solidarisch ausgerichtete Kollektive selten bis gar nicht mehr entstehen. Jeder lebt mehr oder weniger für sich selbst.“

Um die Stadtmenschen zu motivieren, ihre Gesellschaft aktiv mit zu formen, wurde die Wiener Freiwilligenmesse ins Leben gerufen.23 „Jeder soll wissen: Ich kann mich einbringen, ich kann etwas für die Gemeinschaft tun“, erklärt Michael Walk.

[...]


1 www.freiwilligenmesse.at, 10.01.2013

2 http://www.freiwilligenweb.at/index.php?id=CH1045

3 Bmask.gv.at: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Freiwilligenarbeit in Österreich. 1. Freiwilligenbericht. 2011. S. 54. Im Folgenden „Freiwilligenbericht“.

4 Freiwilligenbericht. 2011. S. 54.

5 Freiwilligenbericht. 2011. S. 33.

6 http://www.agfw-hamburg.de/default2.asp?id=1926&sm=e_c

7 http://www.foebe-muenchen.de/index.php?MAIN_ID=5

8 „Verein Freiwilligenmessen. „Ich will mich engagieren“. Kurier. Extra. Montag, 8. Oktober 2012. S. 3.

9 Mikrozensus-Zusatzerhebung (2006); eigene Berechnungen des BMASKs. Freiwilligenbericht. 2011. S. 53.

10 Tempfer, Petra: "Ja, ich werde gebraucht". http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/chronik/487362_Ja-ich-werde-gebraucht.html. 17.09.2012. www.freiwilligenmesse.at, 10.01.2013

11 Mikrozensus-Zusatzerhebung (2006) von Statistik Austria im 4. Quartal 2006. Freiwilligenbericht. 2011. S. 51.

12 Mikrozensus-Zusatzerhebung (2006); eigene Berechnungen des BMASKs. Freiwilligenbericht. 2011. S. 51.

13 Freiwilligenbericht. 2011. S. 52f.

14 Mehrfachnennungen; Basis: österreichische Wohnbevölkerung ab 15 Jahren; gewichtet; hochgerechnet

15 Mikrozensus-Zusatzerhebung (2006) von Statistik Austria im 4. Quartal 2006. Freiwilligenbericht. 2011. S. 52.

16 Freiwilligenbericht. 2011. S. 58.

17 Formelle Freiwilligenarbeit; Basis: Freiwillige; gewichtet Quelle: Mikrozensus-Zusatzerhebung (2006); eigene Berechnungen des BMASKs. Freiwilligenbericht. 2011. S. 58.

18 Freiwilligenbericht. 2011. S. 59f.

19 Freiwilligenbericht. 2011. S. 59f.

20 Formelle Freiwilligenarbeit; Basis: Freiwillige; gewichtet Quelle: Mikrozensus-Zusatzerhebung (2006); eigene Berechnungen des BMASKs. Freiwilligenbericht. 2011. S. 59.

21 Freiwilligenbericht. 2011. S. 55.

22 Basis: österreichische Wohnbevölkerung ab 15 Jahren; gewichtet; hochgerechnet. Quelle: MikrozensusZusatzerhebung (2006); eigene Berechnungen des BMASKs. Freiwilligenbericht. 2011. S. 55.

[23] Berg, Helmuth: Eine Stadt sucht Freiwillige. Die Furche. Dialog. 27.09.2012. S. 9.

29 von 29 Seiten

Details

Titel
Wiener Freiwilligenmesse: Ein nachhaltiger Weg, um ehrenamtliches Engagement zu fördern?
Hochschule
Fachhochschule des bfi Wien GmbH
Veranstaltung
Diplom-Lehrgang Sozialmanagement
Autor
Jahr
2013
Seiten
29
Katalognummer
V230206
ISBN (Buch)
9783656482321
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit ist eine Diplomarbeit im Umfang einer Seminararbeit.
Schlagworte
Freiwillige, Ehrenamt, Freiwilligenarbeit
Arbeit zitieren
Ute Hennig (Autor), 2013, Wiener Freiwilligenmesse: Ein nachhaltiger Weg, um ehrenamtliches Engagement zu fördern?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230206

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