Die Vita Martini und die Intention des Sulpicius Severus


Hausarbeit, 2013

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Die Endzeitstimmung
1.2 Das Mönchtum

2. Die Intention in der Vita St. Martini
2.1 Heidnische Bildung und christlicher Glaube
2.2 Die Deutlichkeit der Intention in der Praefatio
2.3 Rhetoren und Rhetorik

3. Quellenanalyse
3.1 Quellenkritik
3.2 Inhaltsangabe

4. Fazit

5. Quellenangaben der Quellenkritik

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Streben, die Namen und Taten von berühmten Männern oder auch besonderen Ereignisse, auch für die Nachwelt als Wissen festzuhalten und als Spiegelbild vor die Augen der Menschen zu halten, hat schon im klassischen Altertum zahlreiche Biographien ins Leben gerufen. Auch in der ersten Hälfte des christlichen Zeitalters wurden große Mengen von Schriften geboren, die heute unter dem Namen Hagiographien bekannt sind. Dies sind Heiligenschriften. Während zu Zeiten der antiken Klassiker, berühmte Staatsmänner oder heldenhafte Feldherren gefeiert wurden, wurden durch kirchliche Schriftsteller würdevolle Bischöfe und Martyrer, die für ihre Überzeugungen gestorben sind, dokumentiert. Es gibt fromme Mönche, die hinter den Klostermauern ein beschauliches und einfaches Leben führten und deren Zeilen einen beachtlichen Einfluss auf die heutige Zeit haben. Alle diese Helden haben sich in der Literatur und in der Weltgeschichte verewigt.

Von den vielen dieser Lebensbeschreibungen hat gegen Ende des 4. Jh. n. Chr., in der aquitanischen Provinz, der Priester Sulpicius Severus eine jene, nämlich die Vita St. Martini geschrieben. Dieser Sulpicius war Zeitgenosse und Freund von Martin von Tours und er fühlte sich auf besondere Art dazu berufen, dafür zu sorgen, dass der Name des Bischofs von Tours überall auf der Welt bekannt und berühmt werde.[1] Sein Vorhaben ist gelungen, noch zu seinen Lebzeiten wurde die Vita Martini in aller Welt gelesen und gehört. In vorliegender Arbeit wird die Vita sancti Martini des Sulpicius Severus bearbeitet. Ein Werk, das für die ganze mittelalterliche Hagiographie maßgeblich geworden ist. Hierbei soll der Fokus auf die Praefatio der Vita gerichtet sein und sprachlich-literarische Aspekte betrachtet werden, die eine überzeitliche Bedeutung haben und uns eine Fülle von Aufschlüssen geben, über die Intention und die eigentliche Absicht des Sulpicius Severus.

Die Frage der wir also nach gehen wollen, ist, ob Sulpicius Severus, so wie er es durchweg behauptet, wirklich beabsichtigte die Vita St. Martini geheim zu halten und nur in seinem Schreibtisch aufzubewahren. Oder ob sich hinter diesen und solchen Aussagen mehr verbirgt, als nur bloße Selbstverkleinerung.

„Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi.“ Epheser 4,11 – 12

1.1 Die Endzeitstimmung

Eine in der Spätantike verbreitete Vorstellung zu jener Zeit, zur der Zeit, als die Vita St. Martini entstand, war die Vorstellung, dass das Ende der Welt und auch das Ende des letzten römischen Großreiches in nächster Zukunft liegt. Auch historische Mitschreiber wie Tertullian, Hieronymus oder Hippolyt teilten diese Überzeugung. Auch der Glaube an die Rückkehr des Gottessohnes und das ewige Reich Gottes war von vorrangiger Bedeutung.

In diesem Zusammenhang darf auch die von Sulpicius geschriebene Weltchronik[2] genannt werden. Die Chronik behandelt in zwei Büchern die Geschichte des Volkes Gottes. Von der Schöpfung der Welt bis hin zum Ende des 4. Jh., bis hin zur Apokalypse. Hier referiert Sulpicius hauptsächlich Ausschnitte der alttestamentarischen Geschichte, wie zum Beispiel die Geschichte Genesis, den Sündenfall oder die Sintflut.

Zu jener Zeit aber, war das römische Reich noch Weltreich. Nach dem Tode des Theodosius (395 n. Chr.) konnten man jedoch zusehen, wie die Regierung unter Honorius (395-423)[3] personell und territorial aufgeteilt wurde, bis das Reich in zwei Hälften auseinander gedriftet war. Es herrschten unsichere, politische Verhältnisse.

Letztendlich zerbrach das römische Reich immer mehr, bis es, wie Historiker heute datieren, am 28. August 476 unter dem römischen Kaiser Romulus Augustus, ganz zerfällt.

Die Zeit in der Sulpicius Severus lebt und schreibt, ist also sowohl vom Wandel im politischen Bereich geprägt, wie auch von starken kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen gekennzeichnet.

Das derzeitig überwiegende heidnische Volk war verunsichert und eine neue Idee, die Idee der ausschließlichen Christusnachfolge war geboren. Jedoch war die Stimmung in der Zeit dieses Wandels nicht nur fröhlich auf eine Neuzeit gerichtet, sondern man lebte in der Idee, dass Jesus die Welt vernichten werde, um dann ein „ewiges, für die Heiligen bestimmtes Reich“[4] zu errichten. Die Endzeit war spätestens in der Mitte des 6. Jahrhunderts erreicht.

1.2 Das Mönchtum

Der Begriff Mönchtum bezeichnet die Gesamtheit der von Mönchen und Nonnen praktizierten religiös geprägten Lebensformen. Das Mönchtum ist eine von asketischen Idealen bestimmte Lebensweise, um in Abkehr von der Welt den weltlichen Zielen zu entsagen und das eigene Leben einem spirituellen Ziel zu widmen. Das Mönchtum existiert in verschiedenen Religionen, so vor allem im Buddhismus und im Christentum, ferner im Hinduismus und im Daoismus.[5]

Was es auch immer seit langem an asketischem Leben in der lateinischen Christenheit gegeben hatte, die überlieferten asketischen Lebensformen stammen wohl doch eher aus den östlichen Teilen der Welt und entwickelten sich im Westen wohl erst in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts.[6]

Quellen, die genaueres belegen könnten sind an dieser Stelle sehr rar. Die Quellenarmut kann auch damit zusammenhängen, dass der Westen hier keine neuen Formen eines vorbildlichen Lebens schuf, sondern sich dabei lediglich am Osten orientierte.

Jedenfalls verwunderte es zu jener Zeit nicht, dass sich innerhalb der Christen Bestrebungen regten, über einen rein formellen Wechsel des Bekenntnisses hinauszukommen, und zu einer wahren christlichen Spiritualität zu gelangen.

Athanasius verfasste die Vita des ägyptischen Einsiedlers Antonius, der im Christentum als Mönchsvater angesehen wird.[7] Damit hatte eine solche Lebensform ihre literarische Gestaltung erhalten und eine enorme Vorbildwirkung eingenommen.

2. Die Intention in der Vita St. Martini

2.1 Heidnische Bildung und Christlicher Glaube

Als sich nun im Westen die Idee der ausschließlichen Christennachfolge immer mehr verbreitete, hat Sulpicius Severus der asketischen Mönchgestalt Martin von Tours, die Vita Martini gewidmet. Und diese Vita beinhaltet letztendlich mehr als nur eine einfache Lebensbeschreibung.

[...]


[1] Die poetische Bearbeitung der Vita S. Martini, Sulpicius Severus durch Paulinus von Périgieux, Anton Huber, 1900 Kempten, S 4-5

[2] Anfang des 5.Jahrhunderts

[3] Honorius wurde als elfjähriger vom vandalischen Heermeister Stilicho dominiert und auf den Kaiserthron gesetzt.

[4] Artkl.2, Die Dimension der Zeit in der Geschichtsschreibung des Sulpicius Severus, Buch d. Chronik, 41

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchtum

[6] FRANCIA, Forschungen zur westeuropäischen Geschichte, Deutsches Institut Paris, Band 15, 1988, Dieter v.d.Nahmer , 1

[7] http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchtum#Urspr.C3.BCnge

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Details

Titel
Die Vita Martini und die Intention des Sulpicius Severus
Hochschule
Universität zu Köln  (Katholisches Institut)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V230383
ISBN (eBook)
9783656464198
ISBN (Buch)
9783656468264
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vita, martini, intention, sulpicius, severus
Arbeit zitieren
Joulez Diz (Autor), 2013, Die Vita Martini und die Intention des Sulpicius Severus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230383

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