Informelles Lernen ist in Deutschland seid einigen Jahren in der Diskussion und die Determinanten für diese Art des Lernens sind noch lange nicht geklärt, die Chancen, die dieses Lernen bietet noch lange nicht ausgeschöpft.
Während in anderen Ländern informelle Bildungsprozesse schon viel länger eine stärkere Aufmerksamkeit erhalten, ist Deutschland in dieser Hinsicht noch weit zurück.
In Deutschland ist das informelle Lernen insbesondere im Kontext der betrieblichen Aus- und Fortbildung und der Berufsschule untersucht worden. Allerdings bieten sich auch im Bereich von Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien Möglichkeiten informelle Bildungsprozesse zu nutzen und zu unterstützen. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Thema Ganztag bieten sich neue Chancen junge Menschen in ihren Interessenschwerpunkten zu fördern und freiwillige Lernarrangements in der Schule zu schaffen.
In dieser Arbeit soll zunächst der Begriff des informellen Lernens geklärt werden. Dazu ist es notwendig, das informelle Lernen von non-formalem bzw. formellem Lernen abzugrenzen. Im Anschluss wird auf informelles Lernen und Kompetenzerwerb im Sportverein eingegangen. Der Sportverein bietet jungen Menschen die Möglichkeit sich aktiv in die Gestaltung der Sportaktivität mit
einzubringen und dort in vielfältiger Weise Erfahrungen zu sammeln und Kompetenzen zu erwerben.
Hier wird insbesondere auf Untersuchungen von Nils Neuber von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zum Kompetenzerwerb im Sportverein eingegangen sowie auf Untersuchungen zum Thema der Gruppen- und Sporthelferausbildung von Jugendlichen.
Im darauf folgenden vierten Kapitel wird der Focus auf die Schule gelenkt. Hier wird untersucht, inwieweit Prozesse des informellen und non-formalen Lernens, welche im Sportverein stattfinden, auf die Schule übertragbar bzw. inwieweit im Sportverein erworbene Kompetenzen in der Schule nutzbar sind. Dabei wird zwischen dem Unterricht und außerunterrichtlichem Schulalltag unterschieden, da sich hier unterschiedliche Lernkontexte abbilden.
Zuletzt wird ein kritisches Fazit gezogen, inwieweit informelles Lernen in der Schule möglich ist und wo die Grenzen dieser Form des Lernens in der Schule liegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Begriffsbestimmungen: Formales, non-formales und informelles Lernen
2.1 Lernen
2.2 Formales Lernen
2.3 Non-Formales Lernen
2.4 Informelles Lernen
3 Informelles Lernen und Kompetenzerwerb im Sportverein
3.1 Möglichkeiten des informellen Lernens im Sportverein
3.2 Kompetenzerwerb Jugendlicher im Sportverein
3.3 Handlungssituationen des Kompetenzerwerbs im Sportverein
4 Informelles Lernen in der Schule
4.1 Übertragbarkeit informeller Lernprozesse aus dem Sportverein in den Schulalltag
4.1.1 Gruppenhelfer – Sporthelfer
4.1.2 Die Schule als Setting für informelles Lernen
4.2 Möglichkeiten der Übertragbarkeit informeller Lernprozesse in den Unterricht
4.3 Grenzen informellen Lernens in der Schule
5 Fazit
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial und die Grenzen informellen Lernens in schulischen Kontexten, wobei der Sportverein als Referenzmodell für den Kompetenzerwerb dient. Ziel ist es zu erörtern, ob und wie die im informellen Umfeld des Sports gewonnenen Erfahrungen und Kompetenzen auf den Schulalltag und den Unterricht übertragen werden können.
- Grundlagendefinition und Abgrenzung von formellem, non-formalem und informellem Lernen.
- Analyse des Sportvereins als informeller Bildungsort für Kinder und Jugendliche.
- Identifikation spezifischer Kompetenzen und Handlungssituationen im Sport.
- Untersuchung von Möglichkeiten der Übertragbarkeit in den schulischen Alltag.
- Kritische Reflexion der strukturellen Grenzen informeller Lernprozesse innerhalb der Schule.
Auszug aus dem Buch
3.1 Möglichkeiten des informellen Lernens im Sportverein
Grundsätzlich stellt sich an dieser Stelle erst einmal die Frage nach dem Sportverein als Bildungsanbieter. In der Regel wird dem Sport eine ausgleichende Wirkung zu den Belastungen im Alltag zugesprochen. Häufig wird er mit Ausgleich, Auspowern und Freizeit in Verbindung gebracht, selten jedoch mit Bildung und Lernen. Hinzu kommt, dass das Lernen im Sport häufig auf den motorischen Bereich beschränkt wird. Diese Begrenzung wird der Arbeit der Sportjugenden in den Sportvereinen jedoch nicht gerecht, was auch die Bundesregierung erkannt hat.
Dem Sport wird insgesamt eine maßgebliche Bildungswirksamkeit zugesprochen, die zunächst die unmittelbar körperbezogenen Kompetenzen (Körpererfahrung, -ästhetik, -ausdruck), aber auch nicht unmittelbar sportbezogene Kompetenzen im sozialen, politischen und kognitiven Bereich einschließt (Teamfähigkeit, Selbstvertrauen, Selbstorganisation, Verantwortungsfähigkeit; Keiner/Vagt 2003). Träger des Sports im außerschulischen Bereich für Kinder und Jugendliche sind sehr unterschiedliche Organisationen. Die Sportjugend als eigene Jugendstruktur und als Jugendorganisation ist Träger der Jugendarbeit. Ihre Maßnahmen, die über das Sportfachliche hinausgehen, finden im Rahmen der Jugendarbeit statt und gelten als außerschulische Jugendbildung. (BMFSFJ, 2005, S. 376)
Wie aus dem Zitat deutlich hervorgeht, werden der Sportjugend als Träger der Jugendarbeit mannigfaltige Wirkungen in ihrer Arbeit bestätigt. Es kommt hinzu, dass Sport eine „wesentliche Freizeitbeschäftigung von Kindern und Jugendlichen“ (BMFSFJ, 2005, S. 375) darstellt. Schaut man sich vor diesem Hintergrund die Bildungsorte und Lernwelten von Kindern und Jugendlichen an, wie sie in Abbildung 1 dargestellt sind, so wird deutlich, wie großen Einfluss der Sportverein und die dortigen Aktivitäten auf das Lernen von Kindern und Jugendlichen haben kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Arbeit beleuchtet die aktuelle Relevanz des informellen Lernens in Deutschland und stellt die Forschungsfrage nach dessen Integration und Übertragbarkeit in schulische Kontexte.
2 Begriffsbestimmungen: Formales, non-formales und informelles Lernen: Es werden die theoretischen Grundlagen gelegt, indem die verschiedenen Lernformen definiert und anhand ihrer Merkmale, wie Zertifizierung und Strukturierungsgrad, voneinander abgegrenzt werden.
3 Informelles Lernen und Kompetenzerwerb im Sportverein: Dieses Kapitel analysiert das Bildungspotenzial des Sportvereins und die dort erworbenen sozialen sowie personalen Kompetenzen der Jugendlichen.
4 Informelles Lernen in der Schule: Es wird untersucht, inwieweit Methoden des Sportvereins, wie etwa die Sporthelferausbildung, als informelle Lernarrangements in den Schulalltag integriert werden können.
5 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass informelles Lernen für die Entwicklung junger Menschen essentiell ist, die Übertragung in den formellen Unterricht jedoch aufgrund der strukturellen Anforderungen (Noten, Lehrpläne) auf natürliche Grenzen stößt.
6 Literaturverzeichnis: Hier sind sämtliche wissenschaftlichen Quellen, Berichte und Fachlexika aufgeführt, die der Arbeit als theoretische Basis dienten.
Schlüsselwörter
Informelles Lernen, Schulentwicklung, Sportverein, Kompetenzerwerb, Non-formales Lernen, Sporthelferausbildung, Jugendarbeit, Lebenswelt, Selbstwirksamkeit, Bildungsorte, Schulalltag, Mitbestimmung, Lernprozesse, Ganztagsschule, Handlungssituationen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept des informellen Lernens und stellt die Frage, wie die Potenziale, die im Sportverein vorhanden sind, in den schulischen Kontext übertragen werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung verschiedener Lernmodi (formal, non-formal, informell) sowie der Analyse von Kompetenzerwerbsprozessen bei Jugendlichen durch sportliche Aktivitäten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, inwieweit informelle Lernprozesse und Kompetenzen aus dem Sportverein genutzt werden können, um den Schulalltag zu bereichern und informelles Lernen auch in der Schule zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin stützt sich primär auf eine Literaturanalyse bestehender Studien, insbesondere die Forschungsergebnisse von Golenia und Neuber zum Kompetenzerwerb im Sportverein.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsklärung, die Untersuchung des Sportvereins als Lernwelt und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Sporthelferausbildung und deren Übertragung auf die Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über die Begriffe informelles Lernen, Kompetenzerwerb, Sportverein und Schulentwicklung beschreiben.
Warum wird der Sportverein als besonderer Bildungsort hervorgehoben?
Er zeichnet sich durch Freiwilligkeit, Selbstbestimmung und authentische Handlungssituationen aus, in denen Jugendliche Verantwortung übernehmen und reale Konsequenzen ihres Handelns erfahren können.
Welche Barriere identifiziert die Autorin für die Integration in den Unterricht?
Die Autorin führt an, dass die notwendige Formalisierung durch Lehrpläne und die verbindliche Notengebung den informellen Lerncharakter im Unterricht weitgehend neutralisiert.
- Arbeit zitieren
- Martina Vögele (Autor:in), 2010, Informelles Lernen in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230778