Das Ziel, die Qualität von Lehre und Forschung an den deutschen Hochschulen zu steigern, ist schon seit langem ein formuliertes Ziel der Politik. Als Schlüsselfaktoren für dieses Ziel wurden bereits früh die Professoren und Lehrbeauftragten als zentrale Akteure der Hochschullandschaft identifiziert und ihre Position sowie ihr Wirken als Ansatzpunkt für eine Qualitätssteigerung benannt. Seit Ende der 1990er Jahre ist dabei eine leistungsabhängige Vergütung der Lehrenden als Anreizmechanismus für die individuelle Leistungssteigerung und damit eine flächendeckende Verbesserung der Lehr- und Forschungsqualität in den Fokus der Debatte gerückt. Die vorliegende Arbeit untersucht vor dem theoretischen Hintergrund der Prinzipal-Agenten-Theorie als Analysemodell von Anreizmechanismen und ihrer Wirkungsweise ein Modell einer leistungsabhängigen Vergütung von Hochschulmitarbeitern. Als Modell-Hochschule wurde die Universität Witten/Herdecke ausgewählt, deren Professoren alle in einem Vergütungssystem mit Leistungszulagen beschäftigt sind. Es stellt sich die Frage, ob die gesetzten Anreize wirklich geeignet sind, die Qualität der Lehre zu erhöhen oder ob sie, der Prinzipal-Agenten-Theorie folgend, evtl. sogar negative Effekte auf die Leistung der Professoren und damit auf die Qualität der Lehre haben?
Im theoretischen Teil werden dafür das Grundmodell der Prinzipal-Agenten-Theorie sowie ausgewählte, für die Anreizsetzung an Hochschulen relevante, Modellvarianten vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Prinzipal-Agenten-Theorie als Grundlage für die Untersuchung der Anreizsetzung an Hochschulen
2.1 Modellvariante „Mehrere Aufgaben“
2.2 Modellvariante „Weitere Präferenzen“
3. Anreizsysteme und ihre Ziele
3.1 Intrinsische und extrinsische Motivation
3.2 Monetäre und nicht-monetäre Anreize
4. Die Universität Witten/Herdecke
4.1 Die leistungsabhängige Professorenbesoldung
4.2 Bewertungskriterien und Begleitmaßnahmen
5. Kritische Bewertung des Modells
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht das monetäre Anreizsystem der Universität Witten/Herdecke vor dem theoretischen Hintergrund der Prinzipal-Agenten-Theorie. Ziel ist es zu analysieren, ob die Leistungszulagen tatsächlich geeignet sind, die Qualität in Lehre und Forschung zu steigern, oder ob sie aufgrund von Informationsasymmetrien und Zielkonflikten negative Anreizeffekte hervorrufen.
- Grundlagen der Prinzipal-Agenten-Theorie im Hochschulkontext
- Differenzierung von Anreizstrukturen und Motivationsformen
- Analyse des leistungsorientierten Vergütungssystems der Universität Witten/Herdecke
- Bewertung von Zielvereinbarungen, Indikatoren und Begleitmaßnahmen
- Diskussion struktureller Risiken und Herausforderungen für Entscheidungsträger
Auszug aus dem Buch
4.1 Die leistungsabhängige Professorenbesoldung
Mit der Einführung der variablen Vergütungsanteile hat die UWH monetäre Anreize für die beschäftigten Professoren geschaffen. Seit dem Zeitpunkt der Einführung ist das System für alle neu berufenen Professoren verpflichtend, da ihnen „keine Alternative zu dieser Konstruktion“ angeboten wurde. Im ersten Jahr wurde aber, angesichts der Unerfahrenheit mit einem solchen System, als Sicherheit die Auszahlung von 50% des variablen Anteils garantiert. Für die bereits beschäftigten Professoren hingegen wurde „der variable Anteil von bis zu 20% des Grundgehalts zusätzlich gewährt“. Das Modell basiert auf jährlichen Zielvereinbarungen zwischen den Professoren und den Dekanen der drei Fakultäten. Diese Zielvereinbarungen sind das Kernstück der leistungsorientierten Vergütung, da an ihnen gemessen wird, inwieweit die gewünschten Verbesserungen einzelner Professoren erreicht wurden, um anschließend die davon abhängigen Zulagen auszuzahlen.
Die Zielvereinbarung umfasst die drei Bereiche Forschung, Lehre und sonstige Leistungen (z.B. Mitarbeit in universitären Gremien), die alle drei gleich gewichtet und „nicht gegeneinander aufgerechnet“ werden können. So wurden monetäre Anreizmechanismen geschaffen, die auch die bisweilen unattraktiveren Bereiche im Hochschulbetrieb, die Lehre und die Mitarbeit in Gremien, die im Gegensatz zur Forschung oft wenig prestigeträchtig sind, mit Anreizen zu versehen um die Produktivität zu steigern ohne andere Abläufe zu vernachlässigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung der Arbeit ein, die Qualitätssicherung an deutschen Hochschulen durch leistungsabhängige Vergütung am Beispiel der Universität Witten/Herdecke kritisch zu untersuchen.
2. Die Prinzipal-Agenten-Theorie als Grundlage für die Untersuchung der Anreizsetzung an Hochschulen: Das Kapitel erläutert das theoretische Fundament und die Problematik von "hidden action" und "hidden information" innerhalb des Hochschulbetriebs.
3. Anreizsysteme und ihre Ziele: Es werden die verschiedenen Motivationsarten (intrinsisch vs. extrinsisch) analysiert und die Notwendigkeit von Anreizsystemen zur Produktivitätssteigerung hergeleitet.
4. Die Universität Witten/Herdecke: Dieser Teil beschreibt das spezifische Vergütungsmodell der Universität, inklusive der variablen Gehaltsbestandteile, Zielvereinbarungen und Begleitmaßnahmen wie Lehrevaluationen.
5. Kritische Bewertung des Modells: Das Kapitel reflektiert die Stärken und Schwächen des Wittener Systems, insbesondere im Hinblick auf mögliche Verdrängungseffekte intrinsischer Motivation und das "Dekanproblem".
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Einschätzung, dass das Modell zwar praktikabel ist, aber bei der Übertragung auf staatliche Institutionen aufgrund struktureller Unterschiede auf Herausforderungen stößt.
Schlüsselwörter
Leistungsorientierte Professorenbesoldung, Prinzipal-Agenten-Theorie, Anreizsysteme, Universität Witten/Herdecke, Leistungszulage, Zielvereinbarungen, extrinsische Motivation, intrinsische Motivation, Hochschulmanagement, Lehrqualität, Forschungsleistung, Informationsasymmetrie, Dekanproblem, Leistungsindikatoren, Vergütungsmodell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das leistungsorientierte Professorenbesoldungssystem der privaten Universität Witten/Herdecke unter dem Blickwinkel der Prinzipal-Agenten-Theorie.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Themen sind die Wirksamkeit monetärer Anreize an Hochschulen, das Zusammenspiel von Forschung und Lehre sowie die Rolle von Führungspersonen bei der Leistungsbewertung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob ein solches Vergütungssystem tatsächlich zur Qualitätssteigerung beiträgt oder unbeabsichtigte negative Anreize für das Lehrpersonal schafft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Fallstudie, die ein spezifisches Anreizmodell an der Realität der Prinzipal-Agenten-Theorie prüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung von Anreizmechanismen und eine detaillierte Beschreibung sowie kritische Analyse der Praxis an der Universität Witten/Herdecke.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Professorenbesoldung, Anreizsysteme, Zielvereinbarungen, Intrinsische Motivation und Institutionenökonomik.
Welche Schwachstellen identifiziert der Autor im Wittener Modell?
Der Autor weist insbesondere auf das Risiko hin, dass rein monetäre Anreize intrinsische Motivation zerstören könnten und das "Dekanproblem" eine objektive Leistungsbewertung erschwert.
Wie unterscheidet sich die Universität Witten/Herdecke von staatlichen Hochschulen in Bezug auf das Vergütungssystem?
Als Privatuniversität ist sie nicht an staatliches Besoldungsrecht gebunden und genießt somit eine deutlich höhere Flexibilität in der individuellen Vertragsgestaltung.
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- Marcel Jökale (Author), 2013, Die leistungsorientierte Professorenbesoldung der Universität Witten/Herdecke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230857