Daniel Defoes „The life and strange surprising adventures of Robinson Crusoe“ aus dem Jahre 1719 prägte den Namen und den Beginn der literarischen Gattung der Robinsonaden. Die von Defoe in seinem Werk definierten charakteristischen Merkmale werden seit dem 18. Jahrhundert immer wieder in verschiedenen Variationen in Literatur und Film aufgegriffen. Auch der Hollywood-Film „Cast Away“ aus dem Jahre 2000, verfilmt von Robert Zemeckis nach einem Drehbuch von William Broyles Jr., gilt als eine moderne Robinsonade. In dieser Hausarbeit wird analysiert, inwiefern "Cast Away" dieser literarischen Gattung zugerechnet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Handlung des Films
3 Die Robinsonade als literarische Gattung
4 Merkmale einer Robinsonade im Film „Cast Away“
4.1 Inselmotiv
4.2 Isolation
4.3 Rückkehr in die Zivilisation
5 „Cast Away“ – Eine Robinsonade des 21. Jahrhunderts?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der Film „Cast Away“ die charakteristischen Merkmale der literarischen Gattung der Robinsonade erfüllt, und analysiert den Film durch einen direkten Vergleich mit Daniel Defoes „Robinson Crusoe“.
- Analyse der zentralen Motive Inselaufenthalt und Isolation
- Untersuchung des psychologischen Wandlungsprozesses des Protagonisten
- Vergleichende Literaturwissenschaft zwischen Klassiker und Moderne
- Bewertung der Rückkehr in die Zivilisation als Gattungsmerkmal
- Hinterfragung moderner Lebensweisen durch das Robinson-Motiv
Auszug aus dem Buch
4.1 Inselmotiv
Genau wie Robinson Crusoe in Defoes Werk strandet Chuck Noland, im Unterschied zu Crusoe jedoch aufgrund eines Flugzeugabsturzes, auf einer Insel, einem anderen Ort bzw. einer anderen Welt „jenseits der Errungenschaften von Kultur und Zivilisation“5. Die Insel wird von dem Gestrandeten allerdings nicht als Paradies, sondern als Exil betrachtet. Seinen unfreiwilligen Aufenthalt dort empfindet er als Qual. „Im Gegensatz zur Heimat ist die [Robinson-] Insel ein höchst unbequemer Aufenthaltsort, ein Exil, in dem es an Nahrung, Kleidung, an Gefährten, an einem Dach über dem Kopf und somit an den elementarsten Lebensvoraussetzungen mangelt.“6 Auf den bequemen modernen Lebensstandard, den Chuck gewohnt ist, muss er plötzlich verzichten.
Durch die unfreiwillige „Zurückversetzung aus der Zivilisation in den Naturzustand“7 muss Chuck von vorn beginnen. Er, der aus einer zivilisierten Welt stammt, muss sich auf der Insel neu zivilisieren. Der moderne Mensch Chuck Noland muss nun lernen, sich die Natur zu Nutze zu machen und Naturgewalten zu überleben. Es folgt eine regelrechte Rückbesinnung zur Natur. Mit einem Mal wird er mit Schwierigkeiten konfrontiert, die sonst völlig außerhalb seines Kompetenzbereichs liegen, denn um existenzielle Dinge musste er sich bisher nie Gedanken machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Robinsonaden ein, stellt den Film „Cast Away“ als moderne Variante vor und definiert das Ziel der Arbeit sowie die Vergleichsbasis mit Daniel Defoes Ursprungswerk.
2 Handlung des Films: Dieses Kapitel fasst die Filmhandlung zusammen, beginnend bei Chuck Nolands hektischem Leben als FedEx-Angestellter bis hin zum Flugzeugabsturz und seinem Überlebenskampf auf einer einsamen Insel.
3 Die Robinsonade als literarische Gattung: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Gattung Robinsonade nach Erhard Reckwitz erläutert, insbesondere die Aspekte der unfreiwilligen Verbannung auf einer Insel und die Notwendigkeit der Isolation.
4 Merkmale einer Robinsonade im Film „Cast Away“: In diesem zentralen Teil werden die Gattungsmerkmale Inselmotiv, Isolation und Rückkehr in die Zivilisation spezifisch auf den Film angewendet und analysiert.
5 „Cast Away“ – Eine Robinsonade des 21. Jahrhunderts?: Dieses Kapitel zieht ein Fazit des Vergleichs zwischen dem klassischen Robinson Crusoe und Chuck Noland und bewertet, warum der Film trotz deutlicher Unterschiede als moderne Robinsonade gelten kann.
Schlüsselwörter
Robinsonade, Cast Away, Chuck Noland, Inselmotiv, Isolation, Überlebenskampf, Zivilisation, Daniel Defoe, Literaturvergleich, Filmwissenschaft, Naturzustand, Psychologie, Wilson, Moderne, Anthropologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob der Hollywood-Film „Cast Away“ die Merkmale der klassischen literarischen Gattung der Robinsonade erfüllt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Inselmotiv, die Isolation sowie die Rückkehr in die Zivilisation und deren Auswirkungen auf das moderne Individuum.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich zwischen dem Film „Cast Away“ und Daniel Defoes „Robinson Crusoe“, um zu beurteilen, ob der Film zu Recht als moderne Robinsonade bezeichnet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf gattungstheoretischen Grundlagen basiert und diese durch einen vergleichenden Film-Text-Vergleich konkretisiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die drei Gattungsmerkmale Inselmotiv, Isolation und Rückkehr, wobei der Fokus auf den persönlichen Wandlungsprozess des Protagonisten Chuck Noland liegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Robinsonade, Isolation, Inselmotiv, Zivilisationskritik und der Vergleich zwischen Defoes Roman und Zemeckis Film.
Welche Rolle spielt „Wilson“ für den Protagonisten?
Wilson fungiert als einziger Gesprächspartner und Vertrauter, der den psychischen Mangelzustand der Isolation lindert und ein Symbol für das Bedürfnis nach sozialen Bindungen darstellt.
Warum ist die Rückkehr in die Zivilisation für Chuck Noland problematisch?
Nach vier Jahren Inselaufenthalt empfindet Chuck die moderne Welt mit ihrem Überfluss und ihrer Hektik als fremd; die Rückkehr markiert einen Entfremdungsprozess, der seine bisherigen Werte hinterfragt.
- Quote paper
- Susanne Hahn (Author), 2011, "Cast Away" - eine Robinsonade des 21. Jahrhunderts?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231056