Wie überlebensfähig sind Paid Content-Modelle für professionell-redaktionelle Nachrichtensites?


Hausarbeit, 2011
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Professionell-redaktionelle Nachrichtensites

3 Das Verhältnis von Journalismus und Ökonomie

4 Die Ökonomie des Onlinejournalismus
4.1 Das Verhältnis von direkten und indirekten Erlösen im Internet
4.2 Das Verhältnis von Werbung und Qualität im Onlinejournalismus

5 Paid Content als Erlösmodell

6 Der Markt für journalistische Bezahlinhalte

7 Erfolgsfaktoren für Paid Content
7.1 Qualität
7.2 Exklusivität

8 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Internet nimmt einen immer wichtigeren Stellenwert im Alltag ein.[1] Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass es auch als Informationsmedium kontinuierlich an Bedeutung gewinnt. Die Anzahl derjenigen, die sich im Netz über das tagesaktuelle Geschehen informieren, hat sich allein in den letzten sechs Jahren mehr als verdoppelt.[2] An ihrer Nutzung gemessen sind journalistische Online-Angebote nach sukzessiver Qualitätssteigerung und zunehmendem Einsatz neuer kommunikationstechnologischer Mittel dicht an die klassischen Massenmedien herangerückt. Doch in wirtschaftlicher Hinsicht treten sie mehr oder weniger auf der Stelle. Den Pionieren des Onlinejournalismus ist es über die Jahre trotz etlicher Versuche nicht gelungen, ihre publizistischen Produkte gewinnbringend zu vermarkten. Als Mitte der neunziger Jahre die ersten Internetauftritte klassischer Medien den Anfang des Onlinejournalismus markierten, war das Online-Engagement eine Prestigefrage und diente eher als Werbung für das Muttermedium. Eine kommerzielle Orientierung war in dieser frühen Phase nicht erkennbar.[3] Doch mit zunehmender Erweiterung des Angebots und fortschreitender Emanzipierung vom Offline-Medium schossen auch die Produktionskosten in die Höhe. Hoffnungen, die Nachrichtensites ließen sich ausschließlich durch Werbung refinanzieren, erwiesen sich schnell als unrealistisch.

Die so entstandene „Gratiskultur“ im Netz stellt eine unbefriedigende ökonomische Situation für den Onlinejournalismus dar. Die Krise des Anzeigenmarkts im Printbereich veranlasste viele Medienunternehmer dazu, einen gewagten Schritt aus der „Gratisfalle“, in der die Online-Medien stecken, in Erwägung zu ziehen. Der Medienmogul Rupert Murdoch, kündigte im August 2009 sein Vorhaben an, für alle Websites seiner Zeitungen Nutzungsgebühren zu verlangen: „Quality journalism is not cheap. The digital revolution has opened new and inexpensive distribution channels but it not made content free. We intend to charge for all our news websites.”[4] Nahezu gleichzeitig sagte auch Springer-Chef Mathias Döpfner der Gratiskultur den Kampf an: „Eine Säule der Finanzierung ist die Online-Werbung, eine zweite Paid Content, also die Bezahlung für exklusive journalistische Angebote oder spezielle Dienstleistungen. [...] Wir haben als Verleger geradezu eine heilige Verantwortung, alles zu versuchen, um eine Wirtschaftsgrundlage für die digitale Welt zu schaffen.“[5] Solche Äußerungen mögen zwar von der Entschlossenheit der Branche zeugen, ihre aufwendig produzierten Inhalte nicht weiter zu verschenken. Doch sowohl die bisherige Praxis als auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Sachverhalt brachten die Erkenntnis, dass klassische Geschäftsmodelle aus der Offline-Welt sich nicht ohne weiteres auf die Online-Medien übertragen lassen. Insofern ist der Erfolg einer Mischfinanzierung durch Werbung und Paid Content oder sogar einer Finanzierung vorrangig durch Bezahlinhalte alles andere als sicher.

Ziel dieser Arbeit ist, Paid Content-Modelle auf ihre praktische Tauglichkeit zu prüfen. Zu diesem Zweck werden die empirischen Befunde einer Reihe von Studien über Paid Content-Strategien einzelner Websites zusammengefasst und auf deren Basis Faktoren für erfolgreiche Paid Content-Modelle identifiziert. Die Analyse konzentriert sich auf die professionell-redaktionellen Nachrichtensites, die in einem ersten Schritt von anderen Formaten abgegrenzt werden. Anschließend wird das komplexe Verhältnis von Journalismus und Ökonomie durchleuchtet und auf die ökonomischen Besonderheiten des Onlinejournalismus eingegangen. In einem weiteren Schritt wird der Begriff Paid Content definiert und aktuelle Tendenzen auf dem Markt für Bezahlinhalte vorgestellt. In Anlehnung auf die Ergebnisse ausgewählter empirischer Studien werden dann im letzten Teil die Erfolgsvoraussetzungen für Paid Content ermittelt.

2. Professionell-redaktionelle Nachrichtensites

Im Internet sind die Nutzer einer regelrechten Informationsflut ausgesetzt. Seit Mitte der neunziger Jahre sind neben den klassischen Nachrichtenmedien auch andere, individuelle wie auch kollektive Akteure mit eigenen Informationsangeboten ins Netz gegangen.[6] Doch welche von ihnen sind journalistischer Natur und welche nicht? Über die Antwort auf diese Frage herrscht in der Fachliteratur keineswegs Einstimmigkeit.

Robin Meyer-Lucht definiert journalistische Online-Angebote als „Sites […], die das aktuelle Geschehen professionell und von Dritten unabhängig mit dem Ziel einer kommerziellen Massenverbreitung aufbereiten.“[7] Diese Sites nennt er in seinen weiteren Ausführungen „Nachrichtensites“.[8] Um ihren journalistischen Ansprüchen gerecht zu werden, müssen Nachrichtensites, genauso wie die klassischen Massenmedien, die Wesensmerkmale des Journalismus erfüllen: Sie müssen aktuelle General-Interest-Nachrichten einem Massenpublikum anbieten und zudem „den besonderen Eigenschaften des Online-Mediums folgend […] hypertextuell strukturiert“[9] werden. „Nachrichtensites sind [demzufolge] journalistische Online-Angebote mit den Wesensmerkmalen kontinuierliche Aktualisierung, Universalität, Publizität und Hypertextualität.“[10] Meyer-Lucht hebt das Merkmal der kontinuierlichen Aktualisierung als das Unterscheidungskriterium der Nachrichtensites hervor und distanziert sich damit vom verwandten und in der Fachliteratur ebenfalls gängigen Begriff der „Online-Zeitung“, dessen „Zeitungsprinzip“ nicht explizit auf eine kontinuierliche Aktualisierung mehrmals am Tag hindeutet.[11]

Der Begriff der Nachrichtensite (engl. news site) wird in deutschen und angelsächsischen Publikationen häufig zur Identifizierung eines bestimmten Typus journalistischer Online-Formate herangezogen. So differenziert Deuze vier Typen von journalistischen Online-Angeboten: mainstream news sites, index and category sites, meta and comment sites und share and discussion sites.[12] In dieser Reihenfolge positioniert er sie entlang einer Skala, die von Konzentration auf rein-redaktionellen Inhalt bis zur Einbindung von nutzerproduziertem Inhalt reicht.[13] Demnach sind mainstream news sites vor allem die Online-Ableger der Nachrichtensender und der Zeitungen, aber auch reine Online-Anbieter, die grundsätzlich redaktionellen Inhalt bereitstellen und nur eine minimale, moderierte Partizipation der Nutzer ermöglichen.[14]

Im Hinblick auf den Produktionsprozess der Nachrichten und die Form der Vermittlung von Öffentlichkeit unterscheidet Engesser zwischen professionell-redaktionellen und professionell-partizipativen Nachrichtensites.[15] Erstere produzieren Nachrichten in Prozessrichtung top-down - von oben nach unten - und zeichnen sich durch professionell-redaktionelle Vermittlung von Öffentlichkeit aus, während die professionell-partizipativen Nachrichtensites partizipative und professionelle Elemente der Öffentlichkeitsvermittlung in sich vereinen und Nachrichten sowohl in Richtung top-down als auch in Richtung bottom-up - von unten nach oben - produzieren.[16] Zudem weisen die professionell-redaktionellen Formate nach Engesser eine explizite ökonomische Orientierung auf.[17]

Der Begriff „professionell-redaktionelle Nachrichtensite“ wird im Folgenden zur Spezifizierung des Untersuchungsgegenstands dieser Arbeit verwendet, da er am trefflichsten die oben beschriebenen charakteristischen Eigenschaften der kommerziell ausgerichteten, online-journalistischen Nachrichtenangebote zum Ausdruck bringt. Zusammenfassend kann die für die vorliegende Untersuchung relevante Mediengattung folgendermaßen definiert werden: Professionell-redaktionelle Nachrichtensites sind journalistische Online-Angebote, die von ausgebildeten Journalisten betreut werden. Organisiert in professionellen Redaktionen, bereiten sie aktuelle Nachrichten von allgemeinem Interesse auf und produzieren in Top-Down-Richtung publizistische Inhalte für ein heterogenes Publikum, mit deren Massenverbreitung kommerzielle Ziele verfolgt werden. Somit erfüllen die Nachrichtensites die wichtigsten Merkmale des professionellen Journalismus nach Otto Groth: die thematische Breite des Angebots (Universalität), die gegenwärtige Relevanz der Themen (Aktualität), die regelmäßige und kontinuierliche Informationsverbreitung (Periodizität) sowie die uneingeschränkte Zugänglichkeit der Inhalte (Publizität).[18] Ergänzend dazu weisen die professionell-redaktionellen Nachrichtensites die spezifischen Merkmale der Online-Medien auf: die non-lineare Strukturierung der Kommunikation durch Vernetzung von Inhalten und Quellen (Hypertextualität) und im begrenzten Maße die Interaktivität, d. h. die gestärkte Verbindung zwischen Kommunikatoren und Rezipienten.[19]

Die professionell-redaktionellen Nachrichtensites können Ableger klassischer Massenmedien im Internet, aber auch reine Online-Angebote sein. Die Online-Auftritte der traditionellen Massenmedien überwiegen jedoch deutlich.[20] Während in den USA die großen Fernsehsender den Nachrichten-Journalismus im Web dominieren, nehmen in Deutschland die Angebote der Printmedien eine führende Stellung bei der Bereitstellung von Online-Nachrichten ein.[21] „Der Spiegel“ ging 1994 als weltweit erstes Medium mit einem eigenen Nachrichten-Angebot online. Bis heute gilt „Spiegel Online“ als anerkanntes Qualitätsmedium im Netz[22] und ist in Deutschland nach „Bild.de“ die reichweitenstärkste professionell-redaktionelle Nachrichtensite.[23]

[...]


[1] Vgl. Eimeren, Birgit van / Frees, Beate (2010): Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie. Fast 50 Millionen Deutsche online – Multimedia für alle?, in: Media Perspektiven 7-8/2010, S. 334 – 349, S. 335.

[2] Vgl. Schmidt, Holger (2010): Jeden Tag mehr als eineinhalb Stunden im Netz, in: FAZ, 19. Oktober 2010, S. 21.

[3] Vgl. Range, Steffen /Schweins, Roland (2007): Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet. Wie das Web den Journalismus verändert, Gutachten im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin: Stabsabteilung der Friedrich-Ebert-Stiftung, S. 32.

[4] Zitiert nach Clark, Andrew (2009): Rupert Murdoch plans charge for all news websites by next summer, in: The Guardian, 06.08.2009, http://www.guardian.co.uk/media/2009/aug/06/rupert-murdoch-website- charges?INTCMP=SRCH, [28.12.2010].

[5] Döpfner, Mathias (2009): Bild.mobile auf dem iPhone muss bezahlt werden, in: FAZ, 14.08.2009, S. 16.

[6] Deuze, Mark (2003): The web and its journalisms: considering and the consequences of different types of newsmedia online, in new media & society, Vol. 5 (2), S. 203-230, S. 204.

[7] Meyer-Lucht, Robin (2004): Journalistische Online-Angebote: Zur Genese einer neuen Mediengattung, in: Glotz, Peter/Meyer-Lucht, Robin (Hrsg.) (2004): Online gegen Print. Zeitung und Zeitschrift im Wandel, Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft, S. 26-46, S. 26.

[8] Vgl., ebd., S. 28.

[9] Meyer-Lucht, Robin (2005): Nachrichtensites im Wettbewerb. Analyse der Wettbewerbsstrategien von vier deutschen Online-Nachrichtenangeboten, München: Verlag Reinhard Fischer, S. 26.

[10] Ebd., S. 26.

[11] Vgl. ebd., S. 25f.

[12] Vgl. Deuze a.a.O., S. 205.

[13] Vgl. ebd., S. 205ff.

[14] Vgl. ebd., S. 208.

[15] Vgl. Engesser, Sven (2008): Professionell-partizipative Nachrichtensites, in: Quandt, Thorsten/Schweiger, Wolfgang (Hrsg.) (2008): Journalismus online – Partizipation oder Profession?, Wiesbaden: VS Verlag, S. 111-128, S. 111f.

[16] Vgl. ebd., S. 111f.

[17] Vgl. ebd., S. 111.

[18] Vgl. Neuberger, Christoph / Nuernbergk, Christian / Rischke, Melanie (2009): Journalismus – neu vermessen. Die Grundgesamtheit journalistischer Internetangebote – Methode und Ergebnisse, in: Neuberger, Christoph/Nuernbergk, Christian/Rischke, Melanie (Hrsg.) (2009): Journalismus im Internet. Profession – Partizipation – Technisierung, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 197-227, S. 200f.

[19] Vgl. Trappel, Josef (2007): Online-Medien. Leistungsprofil eines neuen Massenmediums, Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft, S. 35.

[20] Vgl. Neuberger et al., a.a.O., S. 227.

[21] Vgl. Range/Schweins., a.a.O., S. 29.

[22] Vgl. ebd., S. 40.

[23] Vgl. IVW Online Nutzungsdaten, http://ausweisung.ivw-online.de/ [28.12.2010].

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wie überlebensfähig sind Paid Content-Modelle für professionell-redaktionelle Nachrichtensites?
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Seminar "Onlinejournalismus"
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V231094
ISBN (eBook)
9783656475347
ISBN (Buch)
9783656476511
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
paid, content-modelle, nachrichtensites
Arbeit zitieren
Evgeni Aleksandrov (Autor), 2011, Wie überlebensfähig sind Paid Content-Modelle für professionell-redaktionelle Nachrichtensites?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231094

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