Abweichungsanalyse der Erlöse. Kritische Analyse herkömmlicher Methoden und mögliche Erweiterungen


Bachelorarbeit, 2010
74 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Problemstellung und Gang der Untersuchung

2 Grundlegende Aufgaben des Controllings

3 Problematik und Besonderheiten der Erlösrechnung

4 Herkömmliche Abweichungsanalysenkonzepte
4.1 Traditioneller Ansatz
4.1.1 Absatzvolumenabweichung
4.1.2 Absatzpreisabweichung
4.1.3 Praktische Anwendung
4.1.4 Kritische Beurteilung
4.2 Symptomorientierte Methode mit Fokus auf den Struktureffekt
4.2.1 Produktebene
4.2.2 Produktgruppenebene
4.2.3 Kundenebene
4.2.4 Praktische Anwendung
4.2.5 Kritische Beurteilung
4.3 Ursachenanalyse
4.3.1 Exogene Abweichungsursachen
4.3.2 Endogene Abweichungsursachen
4.3.3 Praktische Anwendung
4.3.4 Kritische Beurteilung

5 Gegenüberstellung der herkömmlichen Ansätze

6 Mögliche Erweiterungen der Abweichungsanalysekonzepte
6.1 Vektorielle und matrizielle Darstellung von Abweichungen
6.1.1 Matrizendarstellung im Sinne der Rechnungsvereinfachung
6.1.2 Vektorielle Darstellung für komplexe Erlösfunktionen
6.2 Taylorreihe als Basisverfahren für Abweichungsanalysen
6.2.1 Mathematische Vorgehensweise bei Funktionen mit einer Variablen
6.2.2 Mathematische Vorgehensweise bei Funktionen mit zwei Variablen
6.2.3 Übertragung des mathematischen Prinzips der Taylorreihe auf den Bereich der Abweichungsanalyse

7 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Grundlegende Aufgabenfelder des Controllings

Abbildung 2: Grundstruktur der Aufspaltung von Teilabweichungen

Abbildung 3: Strukturelle Darstellung der Erlösabweichungen im Sinne des traditionellen Ansatzes

Abbildung 4: Einteilung der Abweichungen nach der kumulativen Methode

Abbildung 5: Aufspaltung der Absatzvolumenabweichung

Abbildung 6: Strukturelle Darstellung der Erlösabweichungen inklusive des Struktureffekts

Abbildung 7: Strukturelle Darstellung der Erlösabweichungen in Bezug auf Abweichungsursachen

Abbildung 8: Aufspaltung der Erlöse in exogene und endogene Faktoren

Abbildung 9: Vektorielle Illustration des Absatzvolumenvektors

Abbildung 10: Weiterführung der Vektorenrechnung

Abbildung 11: Annäherung einzelner Taylorpolynome an die Grundfunktion f

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Basisinformationen zur Produktgruppe Mascara im IST-PLAN-Vergleich

Tabelle 2: Ergebnisse nach dem traditionellen Ansatz

Tabelle 3: Ergebnisse nach dem symptomorientierten Ansatz

Tabelle 4: Zusätzliche Auswertungen auf Grundlage des ursachenorientierten Ansatzes

Tabelle 5: Ergebnisse nach dem ursachenorientierten Ansatz

Tabelle 6: Traditioneller und symptomorientierter Ansatz im Vergleich

Tabelle 7: Erforderliche Informationen zur Durchführung der Matrizenrechnung

Tabelle 8: Notwenige Daten für die Vektorenrechnung mit zwei Produkten

Tabelle 9: Ergebnisse des traditionellen Ansatzes im Sinne von Coenenberg und Fickert,

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung und Gang der Untersuchung

Das Controlling hat unter anderem die Aufgabe der Unternehmensführung Abweichungsanalysen in Form von IST-PLAN-Vergleichen zur Verfügung zu stellen, damit bei negativen Abweichungen frühzeitig Gegenmaßnahmen eingesetzt werden können, um den Effekt zu reduzieren.[1] Im Rahmen des Erfolgscontrollings hat der Bereich der Erlöskontrolle im Gegensatz zur Kostenkontrolle in der Literatur bisher nur sehr wenig Beachtung erhalten.[2] Im deutschsprachigen Raum entstanden erst in den 80er Jahren wichtige Konzepte für die Erlösabweichungsanalyse, die bis heute in der Theorie verankert sind.[3] Jedoch besteht eine größere Notwendigkeit sich den Abweichungsursachen von Erlösen zu widmen, um den Verantwortlichen dafür zu finden.[4] Darüber hinaus ist insbesondere der Umsatz für den Unternehmenserfolg maßgeblich.[5] Er lässt sich zwar auch durch Kostenreduzierungen steigern, aber dies ist keine langfristige Lösung.[6] Vielmehr muss die Unternehmensführung mit Marketingstrategien und strategischer Planung das Fortbestehen des Unternehmens sichern, indem beispielsweise neue Märkte erschlossen oder umsatzstärkere Produkte entwickelt werden. Hierbei ist die Analyse der Erlösabweichungen im IST-PLAN-Vergleich unerlässlich, weil damit Ursachen und Symptome aufgedeckt werden können. Diese erlauben Aussagen darüber, ob beispielsweise eine Marketingstrategie wirksam war oder einzelne Produkte in bestimmten Marktsegmenten nicht mehr gewinnbringend sind, da sich zum Beispiel die Konkurrenzsituation intensiviert hat.[7]

Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist es im ersten Teil, die in der Literatur vorhandenen Ansätze zu Erlösabweichungsanalysen systematisch darzustellen und kritisch zu hinterfragen, um anhand von selbsterstellten Beispielen Aussagen darüber treffen zu können, ob diese auch praktikabel sind. Im Vorfeld wird der Bereich der Abweichungsanalyse in die Aufgabenfelder des Controllings im Sinne einer Unterstützungsfunktion für die Unternehmensführung eingeordnet. Anschließend wird die Problematik der Anwendbarkeit der traditionellen Abweichungsmethoden aus der Kostenkontrolle auf die Erlöskontrolle beschrieben, um darauf aufbauend im dritten Kapitel auf die drei wichtigsten Ansatzvorschläge einzugehen. Dabei reichen die Ansätze aus der beginnenden Idee, die Methoden der Abweichungsanalysen der Kostenkontrolle auf die Erlöskontrolle zu übertragen, bis hin zu einer expliziten Betrachtung der Besonderheiten der Erlöse. Im vierten Kapitel werden dann die Ergebnisse der Beispielsrechnung gegenübergestellt, um daraufhin eine abschließende Beurteilung in Anbetracht aller Ansätze fällen zu können. Es ist anzumerken, dass diese drei Ansätze nur auf die simple Betrachtung zweier Komponenten in Form einer multiplikativen Verknüpfung zwischen Preis und Menge zur Darstellung des Umsatzes eingehen. Dabei ist es in der Realität unwahrscheinlich, dass der Umsatz nur durch zwei Variablen abgebildet wird. Vielmehr müssten sehr engen Annahmen getroffen werden, die jedoch nur erschwert erfüllt werden können.[8]

Aus diesem Grund wird im zweiten Teil der Bachelorarbeit auf mögliche Erweiterung eingegangen, wobei diese sich mit dem Wesen der Umsatzfunktion beschäftigen. Zusätzlich wird jeder Ansatz zum Zwecke der Verständlichkeit mit einem Beispiel umrahmt. Die erste Erweiterung mittels der matriziellen und vektoriellen Rechnung wird einerseits dahin gehend verwendet, wenn mehr als nur zwei Variablen den Umsatz beschreiben. Darüber hinaus wird aber auch die entscheidende Vereinfachung durch Anwendung der Matrizenrechnung verdeutlicht. Die nächste Erweiterung behandelt die Thematik der Taylorreihe in Bezug auf die Abweichungsanalyse. In anderen Bereichen wie der Physik, Chemie oder Informatik wird das mathematische Konzept bereits oft verwendet, um Fehlerberechnungen auszuwerten. Im Rahmen dieser Bachelorarbeit wird gezeigt, wie diese Idee auf den Bereich der Betriebswirtschaftslehre übertragen werden kann. Die hierzu nötigen mathematischen Grundlagen werden sich einerseits auf Funktionen mit einer Variablen und andererseits mit mehreren Variablen beziehen. Die Anwendung der Taylorreihe stellt ferner ein grundlegendes Berechnungsschema für Abweichungen dar, worauf die traditionellen Methoden aufbauen. Interessant hierbei ist, dass die Umsatzfunktion, abhängig von den Komponenten Menge und Preis einen monokausalen Zusammenhang darstellt, welcher immer durch eine mehrdimensionale Funktion erklärt wird. Jedoch wird diese Tatsache in keiner der herkömmlichen Konzepte berücksichtigt. Nachdem auch die letzte Methode an einem Beispiel visualisiert wird, folgt das abschließende Kapitel der thesenförmigen Zusammenfassung, welches einen Überblick über alle möglichen Methoden zur Abweichungsanalyse schafft.

2 Grundlegende Aufgaben des Controllings

Das Controlling kann neben vielen weiteren Konzeptionen als Unterstützungsfunktion der Unternehmensführung angesehen werden.[9] Darunter ist zu verstehen, dass die Mitarbeiter dieser Abteilung dem Management alle wichtigen Informationen im Rahmen von Planungs- und Kontrolldaten zur richtigen Zeit beschaffen. Diese sollten in solch einer ausgearbeiteten Form bereitgestellt werden, dass auf den ersten Blick erkennbar ist, in welcher Lage sich das Unternehmen zurzeit befindet. Ebenso soll die Funktion des Controllings der Unternehmensführung helfen auf allen Führungsebenen qualitativ bessere Entscheidungen zu treffen.[10] Ferner definiert Horváth den Controllingbegriff als „ein unterstützendes Subsystem der Führung, das Planung, Kontrolle sowie Informationsversorgung koordiniert“[11], welches die oben dargelegte Stellungnahme bestätigt. Ausgehend davon lassen sich vier grundlegende Aufgabenbereiche des Controllings feststellen, die in Abbildung 1 vorgestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Grundlegende Aufgabenfelder des Controllings[12]

Es handelt sich hierbei um die Funktionen der Planung, Kontrolle, Information und Steuerung.[13] Im Allgemeinen dienen die Planung und Kontrolle der Steuerung des Unternehmens.[14] Die Planung erzwingt das Vorausdenken in Form von Zielen, die durch die Kontrolle beobachtet werden, indem Abstimmungen zwischen den PLAN- und IST-Werten erfolgen. Sobald Abweichungen festzustellen sind, werden Korrekturmaßnahmen eingeleitet, um noch bestmöglich die gesetzten Ziele zu erreichen. Dieser Ablauf führt in der Regel zum erfolgreichen Wirtschaften eines Unternehmens und gibt der Unternehmensführung eine Art Orientierung für eine gute Entscheidungsfindung.[15] Eine wichtige Voraussetzung für einen solchen Ablauf besteht darin, dass das Planungs-, Kontroll- und Informationssystem aufeinander abgestimmt sind, sodass eine Vergleichbarkeit der Daten gewährleistet ist.[16] Genauer gesagt, dient ein abgestimmtes System dazu, sinnvolle Folgerungen aus entstehenden Abweichungen zwischen den Zielen und den tatsächlich erreichten Werten schließen zu können.[17] Dieser Zusammenhang wird weiterhin durch die allseits bekannte Redewendung bestätigt, dass eine Planung ohne Kontrolle sinnlos sei. Erst durch die Kontrolle werden die PLAN-Werte in Relation zur Wirklichkeit gesetzt, sodass sinnvolle Aussagen gemacht werden können.[18]

Im Rahmen der Planung liegt die Aufgabe des Controllings nicht in der Durchführung der tatsächlichen Zielvergabe, sondern in der Koordination der unterschiedlichen Planungsprozesse innerhalb eines Unternehmens beziehungsweise die zahlreichen Teilpläne aufeinander abzustimmen.[19] Dafür gestaltet der Controller die Planungssysteme, welche dem Management zu einer effizienten Planung auf allen Bereichsebenen verhelfen sollen. Weiterhin ist festzustellen, ob die PLAN-Werte mit Hilfe von Prognose- oder Standardrechnungen gestaltet werden.[20] Bei der Prognoserechnung werden voraussichtliche Mengen ermittelt, die möglichst der Realität entsprechen. Im Gegensatz dazu dient die Standardrechnung nur der Ermittlung von SOLL-Werten zur Steuerung und Motivation der Mitarbeiter. Wird aber die Prognoserechnung im Unternehmen verwendet, spielt die Erlösplanung eine große Bedeutung für die Unternehmensführung.[21] Zum einen dadurch, da sie die Grundlage für alle weiteren Teilpläne des Betriebs, wie zum Beispiel für die Liquiditäts-, Finanz-, Investitions- und Produktionsplanung, schafft.[22] Zum anderen ist die Prognose von Erlösen durch ein hohes Maß an unsicheren Zuständen geprägt, die sich zudem sehr schnell, aufgrund der Dynamik des Marktes, ändern können.[23] Des Weiteren wurden bisher zur Planung von Markterlösen wenige Systeme entwickelt, die quantitative Erlösfunktionen abbilden können. Vielmehr wurden die Einflussfaktoren der Erlöse untersucht.[24] Die Umsatzplanung kann mittels der Preis-Absatz-Funktion, der Grenzerlösplanung, der Conjoint-Analyse oder statistischer Verfahren wie der Regressions- oder Zeitreihenanalyse erfolgen.[25]

Die zweite Aufgabe des Controllings umfasst den Bereich der Informationserfassung, -aufbereitung und -kommunikation.[26] Jedoch ist zu beachten, dass nur relevante Daten der Unternehmensführung zur Verfügung gestellt werden sollen. Hierzu erstellt der Controller ein umfassendes Informationssystem, das sowohl die IST-Werte ermittelt und strukturiert, als auch ein umfassendes Berichtssystem zur Übermittlung der analysierten Daten enthält. Außerdem ist anzumerken, dass die Informationsbeschaffung die Grundlage für das Planungskonzept darstellt. Dabei können beispielsweise die Kalkulationsverfahren und die Zurechnungsmethoden für die Planung übernommen werden.[27]

Das unerlässliche Pendant zur Planung ist die Kontrolle. Diese Aufgabe kann erfüllt werden, sofern PLAN- und IST-Größen vorliegen, das heißt sobald die beiden zuvor erläuterten Funktionen des Controllings ausreichend erfüllt worden sind.[28] Erst dann können in Form eines PLAN-IST-Vergleichs Abweichungen festgestellt sowie anschließend analysiert werden.[29] Abweichungsanalysen dienen dazu, herauszufinden, inwiefern die gesetzten Ziele in der Realität erreicht wurden. Unter anderem können mögliche Fehler im gedanklichen Planungskonzept erkennbar werden und infolgedessen unvollständige Pläne in der Zukunft verbessert werden.[30] Insbesondere wird innerhalb der Kontrollaufgabe der Fokus auf kontrollierbare Abweichungen gelegt. Darunter fallen jene Differenzen, die in Zukunft durch detailliertere Prognosemodelle, bessere Marktanalysen oder umfangreichere Einschätzungen der Einflussfaktoren aufgehoben werden können und folglich nicht zufällig eintreten.[31] Somit steht besonders der Lerneffekt für die Zukunft im Vordergrund.[32] Es lassen sich generell drei verschiedene Abweichungstypen charakterisieren.[33] Dabei wird zwischen dem Planungs-, Realisations- und Auswertungsfehler unterschieden.[34] Planungsfehler werden in mancher Hinsicht fehlerhafte Situationsbeschreibungen angesehen, das heißt es wurden zum Beispiel falsche Modelle gewählt, die die Markterlöse antizipieren sollten oder unzutreffende Annahmen getroffen. Des Weiteren zählen Prognosefehler zu diesem Typ von Abweichungen, sofern falsche Erwartungen über die Umweltentwicklung getroffen wurden. Zu dem zweiten Abweichungstyp, dem Realisationsfehler, gehören entweder unbeabsichtigte oder beachsichtige Fehler. Ein unbeabsichtigtes Verhalten liegt vor, wenn bei der Planung Details übersehen wurden, die aber bei einer genaueren Untersuchung hätten erkannt werden können. Hingegen bezeichnet ein beabsichtigtes Verhalten die bewusste Entscheidung eines Individuums. Die letzte Gruppe betrifft Auswertungsfehler, die zum Teil bei einer falschen Datenermittlung, Abweichungserrechnung oder Analyse eintreten können. Diese Kategorie der Abweichungen lässt sich aber durch ein gut organisiertes Datenbearbeitungssystem reduzieren oder vermeiden. Im Folgenden muss bei eintretenden Abweichungen die Unternehmensführung die betreffenden Verursacher sanktionieren und die PLAN-Werte korrigieren.[35] Jedoch ist Vorsicht bei möglichen Korrekturen zu gewähren, da die Mitarbeiter trotz dieser weiterhin motiviert sein sollten, die gewünschten Ziele zu erreichen. Dies bedeutet, dass erst bei entscheidenden Abweichungen Änderungen durchgeführt werden sollten, da zu diesem Zeitpunkt die Erreichung des Planzustandes kaum noch möglich ist und somit die Motivation verloren gehen würde. Die spezielle Betrachtung von Erlösen hat, wie in der Planung, auch in der Kontrolle eine elementare Bedeutung. Das Thema Erlöskontrolle ist der Schwerpunkt der Arbeit. Dazu werden im dritten Kapitel die Besonderheiten sowie die Notwendigkeit der gesonderten Entwicklung von Erlösabweichungssystemen näher erläutert.

Zuletzt wird die Aufgabe der Steuerung als laufende Durchführung der zuvor beschriebenen drei Aufgaben bezeichnet, sodass bei auftretenden Störgrößen Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können, um weiterhin die Planziele zu erreichen.[36]

3 Problematik und Besonderheiten der Erlösrechnung

Die Vernachlässigung der Umsatzanalyse bewirkt, dass in der Theorie oftmals versucht wird, die bereits entwickelten Verfahren aus der Kostenrechnung gleichermaßen auf die Erlösseite zu übertragen.[37] Dies ist jedoch ein maßgebliches Problem, welches am Beispiel der Abweichungsanalyse sehr gut verdeutlicht werden kann. Werden in der Kontrollphase die IST- und PLAN-Kosten miteinander verglichen, können sich Abweichungen ergeben, die sowohl auf den Preis, als auch auf die Menge zurückzuführen sind. Folglich kann es zu den drei verschiedenen Abweichungstypen kommen, die in Abbildung 2 grafisch dargestellt sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Grundstruktur der Aufspaltung von Teilabweichungen[38]

Dabei stellt sich die Frage, wie sich die Abweichung zweiter Ordnung beziehungsweise der Mengen-Preiseffekt ausweisen lässt.[39] Im Kostencontrolling gibt es dazu bereits mehrere Ansätze.[40] Darunter zählt einerseits die symmetrische Methode, bei der der Mengen-Preiseffekt gleichmäßig auf den Preis sowie die Menge aufgeschlagen wird. Weiterhin existiert die kumulative Methode, bei der diese Abweichung genau einer Einflussgröße zugeordnet wird oder der alternative Ansatz, der beiden Größen die Abweichung zuweist, sodass diese doppelt berücksichtigt wird. Allein die differenziert-kumulative Methode weist den Effekt gesondert aus.

Es wäre falsch anzunehmen, dass genau diese Ansätze einfach auf die Umsatzabweichungen übertragen werden können. Der Grund dafür ist, dass zwei entscheidende Unterschiede zwischen Kosten und Erlösen existieren, die dazu führen, dass im Rahmen der Abweichungsanalysen von Erlösen zusätzliche Überlegungen erfolgen müssen.[41]

Zum einen liegt bei den Umsätzen zwischen den Einflussgrößen Menge und Preis eine Interdependenzbeziehung vor, das heißt sie sind voneinander abhängig und nicht getrennt auszuweisen, wie bei Abweichungsanalyseansätzen im Kostencontrolling angenommen wird. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass im Gegensatz zu den Beschaffungspreisen das Unternehmen selbst einen größeren Einfluss auf die Preisbestimmung hat.[42] Jegliche absatzpolitischen Maßnahmen durch die Marketingabteilung wie Werbung, Produkt-, Preis- oder Distributionspolitik wirken auf die Erlöse.[43] Ein einfaches Beispiel hierfür sind Rabattaktionen, die die Preise kurzfristig senken. Jedoch führt dies im Regelfall auch zu höheren Absatzmengen, da die Nachfrage bei sinkenden Preisen steigt.[44] Daraus folgt, dass bei Anwendung einer verursachungsgerechten Abweichungsanalyse dieser Rabatteffekt gesondert betrachtet werden müsste, da von einer funktionalen Beziehung zwischen den beiden Komponenten in Form einer Preis-Absatz-Funktion ausgegangen werden kann.[45]

Ein zweiter wesentlicher Unterschied ist die viel größere externe Beeinflussung der Absatzmenge durch die Marktentwicklung.[46] Planerlöse sind, wie im zweiten Kapitel erwähnt, geprägt durch Unsicherheiten, die nie vollständig prognostiziert werden können. Besonders in Zeiten der Globalisierung muss ein international agierendes Unternehmen in der Lage sein zu erkennen, inwieweit welche Märkte die eigene Absatzmenge in welchem Umfang beeinflussen. Genau solche Fragen müssen im Rahmen des Erlöscontrollings beantwortet werden können, um gegebenenfalls frühzeitig Risiken entgegenzuwirken. Diese Betrachtung entfällt auf der Kostenseite fast vollständig.

Die ausführlich erläuterten Unterschiede zwischen Kosten und Erlösen ergeben somit, die Notwendigkeit eigener Überlegungen für geeignete Methoden zum Zwecke von Abweichungsanalysen der Erlöse, welche im nächsten Kapitel systematisch dargestellt werden.

4 Herkömmliche Abweichungsanalysenkonzepte

Für die Erläuterung der herkömmlichen Abweichungsanalysekonzepte müssen einige Annahmen getroffen werden, um eine plausible Darstellung und Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Ansätze zu garantieren. Dabei wird im Verlauf des Kapitels ausschließlich Bezug auf die Untersuchung der Erlöse genommen und nicht des Deckungsbeitrags, denn diese Betrachtungsweise würde die Kostenseite miteinschließen.[47] Der symptomorientierte Ansatz nach Powelz in Kapitel 4.2 wird von der zeitbezogenen Betrachtungsweise auf den IST-PLAN-Vergleich übertragen.[48] Dadurch ist eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Ansätze gewährleistet. Des Weiteren wird der Umsatz als multiplikative Verknüpfung durch die zwei Einflussfaktoren Preis und Menge angenommen. Diese Beschränkung wird erst im fünften Kapitel aufgehoben, indem zusätzliche Variablen den Umsatz definieren. Außerdem wird aus Vereinfachungsgründen lediglich auf den IST-PLAN-Vergleich verwiesen, denn der umgekehrte Fall würde nur einen Vorzeichenwechsel bedeuten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 : Basisinformationen zur Produktgruppe Mascara im IST-PLAN-Vergleich[49]

Die beschriebenen Ansätze zur Erlösabweichung werden von einem fiktiven Beispiel eines Unternehmens umrahmt, um die unterschiedlichen Interpretationen an konkreten Zahlen darstellen zu können. Hierbei wird von einem Unternehmen ausgegangen, welches eine Analyse bezüglich der Erlöse für das Produktsortiment Mascara innerhalb der Kosmetikbranche durchführen möchte. Es handelt sich hierbei um eine relativ homogene Produktstruktur mit insgesamt fünf Produkten, die sowohl an Großkunden und Kleinkunden verkauft werden. Ein Controller des Unternehmens hat in der vergangenen Planungsperiode mit Hilfe der Marketingabteilung und dem Vertrieb geplante Mengen für die einzelnen Produkte sowie für die einzelnen Kundengruppen ermittelt. Nun werden die PLAN-Größen den effektiven Erlösmengen und -preisen gegenübergestellt. Der Controller erstellt eine Auswertung gemäß der Tabelle 1, die es nun gilt näher auf die entstandenen Abweichungen hin zu analysieren.

[...]


[1] Vgl. Küpper, Hans-Ulrich (2008), S. 227-229 und Joos-Sachse, Thomas (2006), S. 256.

[2] Vgl. Stelling, Johannes N. (2009), S. 117; Engelhardt, Werner H. (1992); S. 656, Kloock, Josef (1988a), S. 423 und Powelz, Herbert J.H. (1984), S. 1090.

[3] Vgl. Albers, Sönke (1989a), S. 637-654 und Powelz, Herbert J.H. (1984), S. 1090-1115.

[4] Vgl. Powelz, Herbert J.H. (1984), S. 1092 und Kloock, Josef/Bommes, Wolfgang (1982), S. 225.

[5] Vgl. Engelhardt, Werner H. (1992), S. 656.

[6] Vgl. Albers, Sönke (1989a), S. 637.

[7] Vgl. Beckschede, Volkert W. (1975), S. 135 f.

[8] Vgl. Männel, Wolfgang (1993), S. 578.

[9] Vgl. Reichmann, Thomas (1995), S. 6 f und weiterführend für alle anderen Konzeptionen Schäffer, Utz/Weber, Jürgen (2008), S. 19-26.

[10] Vgl. Deimel, Klaus/Isemann, Rainer/Müller, Stefan (2006), S. 24.

[11] Horváth, Péter (1978), S.202.

[12] In Anlehnung an Peemöller, Volker H. (2005), S. 45.

[13] Vgl. ebenda, S. 39.

[14] Vgl. Engelhardt, Werner H. (1992), S. 656.

[15] Vgl. Adam, Dietrich (1996), S. 3-5.

[16] Vgl. Kolb, Jürgen (1978), S. 244 f.

[17] Vgl. Männel, Wolfgang (1983), S. 68.

[18] Vgl. Hänichen, Thomas (1995), S. 719.

[19] Vgl. Brühl, Rolf (2009), S.23.

[20] Vgl. Beckschede, Volkert W. (1975), S. 124 f und Kosiol, Erich (1960), S. 54-56.

[21] Vgl. Engelhardt, Werner H. (1992), S. 657.

[22] Vgl. Rosenberg, Otto (1993), S. 1942.

[23] Vgl. Rese, Mario (2002), S. 2 und Lewandowski, Rudolf (1975), S. 51.

[24] Vgl. Küpper, Hans-Ulrich/Schweitzer, Marcell (2008), S. 382 f.

[25] Vgl. Ossadnik, Wolfgang (2009), S. 81-83 und weiterführend Burmann, Christoph/Kirchgeorg, Manfred/Meffert, Heribert (2008), S. 175-182.

[26] Vgl. Peemöller, Volker H. (2005), S. 44 und Engelhardt, Werner H. (1992), S. 658.

[27] Vgl. Hüfner, Bernd/Möller, Hans P./Zimmermann, Jochen (2005), S. 350.

[28] Vgl. Beste, Theodor (1962), S. 448 f.

[29] Vgl. Hoitsch, Hans-Jörg/Lingnau, Volker (2007), S. 4 f und Nießen, Wolfgang (1982), S.51.

[30] Vgl. Hüfner, Bernd/Möller, Hans P./Zimmermann, Jochen (2005), S. 349 f.

[31] Vgl. Ewert, Ralf/Wagenhofer, Alfred (2008), S. 310.

[32] Vgl. Brühl, Rolf (2009), S. 24.

[33] Vgl. weiterführende Abweichungen mit Kolb, Jürgen (1978), S. 225 f.

[34] Vgl. Ossadnik, Wolfgang (2009), S. 133-135 und hierzu im Folgenden Ewert, Ralf/ Wagenhofer, Alfred (2008), S. 310-312.

[35] Vgl. hierzu und im Folgenden Engelhardt, Werner H. (1992), S. 659.

[36] Vgl. Peemöller, Volker H. (2005), S. 45 und Ebert, Günter/Koinecke, Jürgen/Peemöller, Volker H. (1996), S. 28.

[37] Vgl. Albers, Sönke (1989a), S. 637.

[38] In Anlehnung an Horváth, Péter (2009), S. 429.

[39] Vgl. Mensch, Gerhard (1998), S. 225-230.

[40] Vgl. Scheld, Guido A. (2007), S. 209-224 und Kloock, Josef/Bommes, Wolfgang (1982), S. 227-229 sowie eine ausführliche Differenzierung durch Lause, Berthold (1992), S. 59-61 und Wilms, Stefan (1988), S. 63-65.

[41] Vgl. Ewert, Ralf/Wagenhofer, Alfred (2008), S. 348-353.

[42] Vgl. Küpper, Hans-Ulrich/Schweitzer, Marcell (2008), S. 382 f.

[43] Vgl. Hörschgen, Hans (1975), S. 277.

[44] Vgl. Ewert, Ralf/Wagenhofer, Alfred (2008), S. 328.

[45] Vgl. Brühl, Rolf (2009), S. 316; Fassnacht, Martin/Simon, Hermann (2009), S. 91 und Küpper, Hans-Ulrich (2008), S. 233-234.

[46] Vgl. Lause, Berthold (1992), S. 228-230.

[47] Vgl. Männel, Wolfgang (Hrsg.) (1992), S. 631.

[48] Powelz schlägt selbst vor seinen Ansatz auf die Planungs- und Kontrollebene zu erweitern, vgl. hierzu Powelz, Herbert J.H. (1984), S. 1111.

[49] Vgl. Anhang Excel-Datei, wobei sich die Preise aus dem gewichteten Durchschnittswert der Einzelpreise für Groß- und Kleinkunden ergeben.

Ende der Leseprobe aus 74 Seiten

Details

Titel
Abweichungsanalyse der Erlöse. Kritische Analyse herkömmlicher Methoden und mögliche Erweiterungen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Fachgebiet Wirtschaftsprüfung, Unternehmensrechnung und Controlling)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
74
Katalognummer
V231305
ISBN (eBook)
9783656475064
ISBN (Buch)
9783656475194
Dateigröße
1129 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
abweichungsanalyse, erlöse, kritische, analyse, methoden, erweiterungen
Arbeit zitieren
Master of Science Malwina Woznik (Autor), 2010, Abweichungsanalyse der Erlöse. Kritische Analyse herkömmlicher Methoden und mögliche Erweiterungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231305

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