Kaum ein Lebensabschnitt ist gekennzeichnet durch so viele Veränderungen und Entscheidungen, die sich nachhaltig auf den weiteren Lebensverlauf auswirken, wie der Übergang in das Erwachsenenalter. Doch ab wann ist man „erwachsen“? Was macht den Übergang ins Erwachsenalter aus? Dieser Frage soll sich im ersten Kapitel definitorisch genähert werden, sowie verschiedene Messkonzepte zum Übergang ins Erwachsenenalter und mit ihnen verbundene Problematiken dargelegt werden. Der Übergang ins Erwachsenenalter erweist sich als eine Symbiose aus ökonomischer und sozialer Verselbstständigung. Für beide Aspekte stellt der Auszug aus dem Elternhaus einen bedeutsamen Meilenstein dar. In der jüngsten Vergangenheit erschienen häufig Artikel in den deutschen Medien, die sich mit dem Phänomen „Hotel Mama“ beschäftigten. Gemeint ist damit, dass die jungen Erwachsenen im elterlichen Hause sehr lange wohnen bleiben und die Vorzüge des familiären Wohnens auskosten können. Wann tatsächlich ausgezogen wird soll im Kapitel 2.1 im deutsch>italienischen Vergleich herausgestellt werden. Jedoch ist dieses Verbleiben nicht immer nur eine subjektive Entscheidung zu Gunsten der Bequemlichkeit. Es gibt neben verschiedenen subjektiven Gründen für einen Auszug aus dem Elternhaus, die in Kapitel 2.2 näher betrachtet werden (bzw. dem Verbleib in ebenjenem) noch eine Reihe von komplexeren Rahmenbedingungen, die die eine oder andere Wohnform begünstigen > dies zeigt sich besonders im internationalen Vergleich. Dementsprechend erfolgt eine Fokussierung auf den Auszug aus dem Elternhaus und die Bedingungsfaktoren dieses Ereignisses. Ferner sollen die nationalen institutionellen Rahmenbedingungen in den Statusübergängen vermittelt werden. Dies wird wie anhand des Vergleichs von Deutschland und Italien verdeutlicht werden. Zum Abschluss wird im Fazit zusammengefasst und erörtert, warum, aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen, das Auszugsalter zwischen Deutschland und Italien so gravierend variiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinition Erwachsenenalter und Messkonzepte
3 Auszug aus dem Elternhaus
3.1 Durchschnittliches Alter beim Auszug aus dem Elternhaus
3.2 Gründe für den Auszug aus dem Elternhaus
4 Bedingungsfaktoren für den Auszug aus dem Elternhaus
4.1 Grundlegende Struktur des Wohlfahrtsstaates
4.2 Einfluss des Wohlfahrtsstaates
4.3 Berufliches Ausbildungssystem
4.4 Arbeitsmarkt
4.5 Zwischenfazit: Ökonomische Ressourcen
4.6 Wohnungsmarkt
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen und institutionellen Rahmenbedingungen, die den Zeitpunkt des Auszugs aus dem Elternhaus beeinflussen, wobei ein spezifischer Fokus auf dem Vergleich zwischen Deutschland und Italien liegt. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, warum das Auszugsalter zwischen diesen beiden Ländern trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen so signifikant divergiert und welche ökonomischen sowie wohlfahrtsstaatlichen Faktoren hierbei eine Rolle spielen.
- Definition des Erwachsenenalters und soziologische Statuspassagen
- Empirischer Vergleich der Auszugsalter in Deutschland und Italien
- Einfluss unterschiedlicher Wohlfahrtsstaatsmodelle auf die Verselbstständigung
- Die Rolle beruflicher Ausbildungssysteme und des Arbeitsmarktes
- Herausforderungen durch den Wohnungsmarkt und ökonomische Ressourcen
Auszug aus dem Buch
3.1 Durchschnittliches Alter beim Auszug aus dem Elternhaus
„Einen wichtigen Schritt der sozialen Verselbstständigung junger Menschen stellt zudem der Auszug aus dem Elternhaus dar.“ (Kerckhoff, 1990, S.118). Es wird somit ein eigenes soziales und familiäres Umfeld aufgebaut, welches weitestgehend unabhängig von der jeweiligen Herkunftsfamilie ist. In Abbildung 1 wird verdeutlicht, wann der Aufbau eines eigenen sozialen und familiären Umfeldes geschieht und in welchem Alter die jungen europäischen Männer und Frauen das Elternhaus durchschnittlich verlassen.
Es wird ersichtlich, dass das durchschnittliche Auszugsalter in Europa eine Spannweite von etwa 22 - 31 Jahren aufweist. In Deutschland ziehen die jungen Frauen durchschnittlich mit 23,9 Jahren und die jungen Männer mit 25,1 Jahren aus. In Italien dagegen verlassen die Frauen das elterliche Heim erst mit 29,5 Jahren und die Männer erst mit durchschnittlich 30,9 Jahren. Damit ergeben sich im deutsch-italienischen Vergleich eine Differenz von 5,6 Jahren bei den Frauen und eine Differenz von 5,8 Jahren bei den Männern.
Doch wo finden diese beträchtlichen Unterschiede im Auszugsalter ihren Ursprung, obgleich die „[...] Ausgangsbedingungen in den europäischen Ländern sehr ähnlich [sind]. Es gibt nur geringe Unterschiede bei der durchschnittlichen Lebenserwartung und den allgemeinen Lebensbedingungen.“ (Dommermuth, 2008, S. 17).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des Übergangs ins Erwachsenenalter ein und erläutert die Bedeutung des Auszugs aus dem Elternhaus als zentralen Meilenstein der Verselbstständigung im deutsch-italienischen Vergleich.
2 Begriffsdefinition Erwachsenenalter und Messkonzepte: Hier werden theoretische Grundlagen des Erwachsenenalters beleuchtet, wobei der soziologische Begriff der Statuspassage sowie die Problematik zeitlicher Eingrenzungen im Mittelpunkt stehen.
3 Auszug aus dem Elternhaus: Dieses Kapitel analysiert statistische Daten zum Auszugsalter und betrachtet sowohl individuelle als auch subjektive Motive für den Verbleib oder das Verlassen des elterlichen Zuhauses.
4 Bedingungsfaktoren für den Auszug aus dem Elternhaus: Das umfangreiche Kapitel untersucht strukturelle Determinanten wie wohlfahrtsstaatliche Systeme, das Ausbildungswesen, den Arbeitsmarkt und den Wohnungsmarkt als Einflussfaktoren auf das Auszugsalter.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und erklärt, dass die deutlichen Unterschiede im Auszugsalter zwischen Deutschland und Italien primär durch divergierende wohlfahrtsstaatliche Rahmenbedingungen und ökonomische Stabilität bedingt sind.
Schlüsselwörter
Erwachsenenalter, Auszug aus dem Elternhaus, Statuspassage, Wohlfahrtsstaat, Deutschland, Italien, Sozialstaat, ökonomische Unabhängigkeit, duales Ausbildungssystem, Jugendarbeitslosigkeit, Wohnungsmarkt, Nesthockertum, Familienpolitik, Lebenslauf, Verselbstständigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Prozess des Erwachsenwerdens und dabei insbesondere mit dem Zeitpunkt des Auszugs aus dem Elternhaus als wichtigem Indikator für die soziale und ökonomische Verselbstständigung junger Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen der Einfluss des Wohlfahrtsstaates, die Auswirkungen beruflicher Ausbildungssysteme, die Situation am Arbeitsmarkt sowie die Rolle des Wohnungsmarktes in verschiedenen europäischen Ländern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die signifikanten Unterschiede beim Auszugsalter zwischen jungen Erwachsenen in Deutschland und Italien durch einen Vergleich der nationalen institutionellen Rahmenbedingungen zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte vergleichende Analyse, die auf bestehenden soziologischen Modellen (wie den Wohlfahrtsstaatstypen von Esping-Andersen) und empirischen Daten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bedingungsfaktoren für den Auszug, unterteilt in die Struktur des Wohlfahrtsstaates, die Familienpolitik, Ausbildungssysteme, Arbeitsmarktbedingungen und die Verfügbarkeit von Wohnraum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Statuspassage, ökonomische Unabhängigkeit, wohlfahrtsstaatliche Intervention, Auszugsalter und der Vergleich zwischen mitteleuropäischen und südeuropäischen Modellen.
Warum ziehen junge Italiener im Durchschnitt später aus als junge Deutsche?
Dies liegt primär an der mangelnden staatlichen finanziellen Förderung in Italien, der hohen Jugendarbeitslosigkeit und der kulturellen sowie ökonomischen Abhängigkeit von der Familie, die als Kompensationsinstanz fungiert.
Welchen Einfluss hat das Ausbildungssystem auf den Auszug?
In Deutschland begünstigt das duale Ausbildungssystem einen schnelleren Einstieg ins Erwerbsleben, was ökonomische Unabhängigkeit früher ermöglicht, während in Italien fehlende Ausbildungsstandards den Einstieg erschweren.
Wie wirkt sich der Wohnungsmarkt auf die Entscheidung zum Auszug aus?
Die in Italien hohe Eigentumsquote bei gleichzeitigem Mangel an Mietwohnungen erschwert den Auszug, während in Deutschland die höhere Verfügbarkeit von Mietwohnraum (trotz regionaler Preisunterschiede) den Auszugsprozess erleichtern kann.
- Arbeit zitieren
- Laura Schiemann (Autor:in), 2012, Der Weg ins Erwachsenenalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231342