Ob der berühmt-berüchtigte Graf Dracula oder der ewig junge Edward aus der erfolgreichen „Bis(s)“-Reihe von Stephenie Meyer – seit Jahrhunderten bildet der Vampir eine Projektionsfläche für menschliche Ängste und Sehnsüchte.
Dieser Band widmet sich der Figur Dracula als dem Archetyp des erotischen Vampirs und bietet eine Einführung in die prägendsten Verfilmungen des bekannten Dracula-Stoffes. Zugleich werden die Hammer-Verfilmungen „Dracula (1958)“ und „Dracula, Prince of Darkness“ (1966) sowie der „Dracula“-Film von Tod Browning und „Wes Craven Presents Dracula“ (2000) hinsichtlich ihrer Darstellung von Erotik und (devianter) Sexualität untersucht.
Aus dem Inhalt:
Film- und Romananalysen; Sexuelles Erwachen, Homosexualität und Inzest in den Hammer-Verfilmungen von Dracula; Die sexuelle Konnotation des Vampirs; Der Vampir jenseits der heterosexuellen Moral; Die Rolle der Frau
Inhaltsverzeichnis
Mandy Peschenz (2004): Vampirismus – Der mediale Mythos
Einleitung
„Dracula“ Bram Stoker (1897)
Nosferatu – Symphonie des Grauens (1922)
Querschnitt der Umsetzungen der Thematik
Schlussbemerkung
Roman Büttner (2004):The Role of Sexuality in the British Vampire Films by Hammer
Introduction
The Film-Industry in Post-War Britain
Sexual Awakening: A Process of Transformation
Sexuality and some of its Varieties
Dealing with Sexuality
Conclusion
Malte Kröger (2010): Über die Chiffrierung menschlicher Sexualität mittels des Vampirmotivs in den Filmbeispielen “Dracula“ (USA 1931) und “Wes Craven Presents Dracula“ (USA 2000)
Einleitende Bemerkungen über Ziele und Grenzen der Untersuchung
Die (hetero)sexuelle Konnotation des Vampirs, seiner Opfer und seines Widersachers im Filmgeschehen
Der Vampir jenseits der heterosexuellen Moral
Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmische Darstellung des Vampirmythos, insbesondere der Figur des Grafen Dracula, unter medienwissenschaftlichen, kulturhistorischen und psychoanalytischen Aspekten. Im Fokus steht die Frage, wie durch das Vampirmotiv menschliche Sexualität, gesellschaftliche Tabus, Geschlechterrollen und die moralischen Werte der jeweiligen Entstehungszeit der Filme verhandelt und chiffriert werden.
- Analyse der sexuellen Konnotationen von Vampirismus und deren Wandel in verschiedenen Filmepochen.
- Untersuchung der filmischen Darstellung von Machtstrukturen, Patriarchat und gesellschaftlicher Ordnung.
- Vergleich der Rollen von Opfer (oft weiblich) und Erlöser/Widersacher (oft männlich/autoritär).
- Reflektion über die zeitbedingte Anpassung von Tabubrüchen (Inzest, Homosexualität, Pädophilie) im Horrorgenre.
- Deutung des Vampirs als personifizierte Projektion gesellschaftlicher Ängste und unbewusster Triebe.
Auszug aus dem Buch
Die (hetero)sexuelle Konnotation des Vampirs, seiner Opfer und seines Widersachers im Filmgeschehen
Der Vampir an sich muss beim Rezipienten einer Vampirgeschichte bzw. eines Vampirfilms vielleicht nicht zwangsläufig den Eindruck einer sexuellen Bedrohung oder eines erotischen Versprechens hinterlassen. Dass diese Lesart aber zulässig ist und unter Umständen auch erhellend für das Verständnis eines solchen Motivs sein kann, steht jedoch fest, da zunächst einmal eine Einstimmigkeit darüber herrscht, dass im Genre des Horrorfilms menschliche Ängste zur Darstellung kommen.
Weiterhin beziehen sich diese Ängste in nicht wenigen Fällen auf das menschliche Sexualleben im Besonderen – zum einen, wenn sie die Sexualität selbst betreffen (z. B. sexuelle Gewalt, Geschlechtskrankheiten etc.) oder aber das damit in Zusammenhang stehende soziale Gefüge (Moralvorstellungen, Religion etc.). Der Gedanke einer „sexuellen Angst“ fällt im Zusammenhang mit dem Vampirfilm offenbar auf besonders fruchtbaren Boden, was sich aus der Natur des Vampirmythos selbst ergibt. Ein untotes Wesen, das sich vom Blut lebender Menschen ernährt, kann relativ leicht als Folie für den sublimierten Ausdruck zwischenmenschlicher Schrecken herbeigezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die anhaltende Faszination für die Vampirfigur ein und definiert den Fokus auf die filmische Umsetzung des Stoffes unter medienwissenschaftlichen Gesichtspunkten.
„Dracula“ Bram Stoker (1897): Dieses Kapitel umreißt die Handlungsstruktur des Romans, um die Basis für die nachfolgenden Analysen der filmischen Vampirdarstellungen zu legen.
Nosferatu – Symphonie des Grauens (1922): Diese Analyse untersucht Murnaus Stummfilmklassiker, seine technische Umsetzung, die Etablierung des Vampirs als Bedrohung und den Einfluss auf nachfolgende Filme.
Querschnitt der Umsetzungen der Thematik: Hier werden vergleichende Aspekte der Vampir-Umsetzungen betrachtet, insbesondere die Bedeutung von Schatten und Licht sowie die Inszenierung der Blutgier.
Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Wandlungen der Vampirfigur und betont deren Bedeutung als Projektion menschlicher Urängste und existentieller Lebensfragen.
Introduction: This introductory chapter outlines the historical and social background of post-war Britain and the rise of Hammer Films as a major force in the horror genre.
The Film-Industry in Post-War Britain: This chapter analyzes the societal changes, the "crisis of masculinity," and how censorship changes allowed Hammer Films to introduce sexual metaphors into their productions.
Sexual Awakening: A Process of Transformation: This section investigates how the vampiric transformation impacts the behavior and appearance of female characters in Hammer films, contrasting Victorian norms with their newly awakened, "bestial" natures.
Sexuality and some of its Varieties: This chapter categorizes and discusses specific taboo-breaking sexual themes such as incest, homosexuality, and pedophilia within the context of Hammer's Dracula films.
Dealing with Sexuality: Here, the author examines the strategies used to depict these sexual themes while upholding the "classic Hammer dictum" that good must triumph over evil.
Conclusion: The conclusion summarizes Hammer Films' pioneering role in introducing sexual undertones to the genre and reflects on the author's personal appreciation for these films.
Einleitende Bemerkungen über Ziele und Grenzen der Untersuchung: Dieses Kapitel steckt den Rahmen für die Analyse von Tod Brownings Dracula und Patrick Lussiers Dracula 2000 ab, wobei der Fokus auf der sexuellen Chiffrierung liegt.
Die (hetero)sexuelle Konnotation des Vampirs, seiner Opfer und seines Widersachers im Filmgeschehen: Hier wird die theoretische Grundlage für die Untersuchung der sexuellen Ängste und deren Reflektion im Vampirfilm sowie die Rolle der Symbolik gelegt.
Der Vampir jenseits der heterosexuellen Moral: Dieses Kapitel betrachtet Ansätze der Queer Theory und analysiert, ob und inwieweit homosexuelle oder lesbische Lesarten in den ausgewählten Filmen sinnvoll sind.
Resümee: Das Resümee fasst die Erkenntnisse über die Empfänglichkeit des Dracula-Stoffs für sexuelle Interpretationsansätze zusammen und betont dessen Funktion als Spiegel gesellschaftlicher Identitätsdebatten.
Schlüsselwörter
Dracula, Vampirismus, Horrorfilm, Sexualität, Erotik, Hammer Films, Geschlechterrollen, Mediale Mythen, Symbolik, Tabubruch, Van Helsing, Filmwissenschaft, Gender Studies, Kulturgeschichte, Kino
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in diesem E-Book?
Das E-Book vereint drei wissenschaftliche Einzelpublikationen, die sich mit der filmischen Darstellung des Vampirmythos, speziell der Dracula-Figur, und deren sexueller Konnotation befassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Analyse des Vampirs als Projektion gesellschaftlicher Ängste, die Darstellung von Sexualität und Erotik in Horrorfilmen sowie die Untersuchung gesellschaftlicher Moralvorstellungen und Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchungen?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Vampirmotiv in verschiedenen Filmepochen genutzt wurde, um gesellschaftliche Entwicklungen, Tabus und psychologische Subtexte durch Chiffren und Symbolik zu verhandeln.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeiten nutzen filmwissenschaftliche Analysemethoden, gendergeschichtliche Ansätze, kulturhistorische Perspektiven sowie Elemente der Psychoanalyse, um die untersuchten Filme zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Filme (u.a. von Murnau, Browning, Hammer Films, Herzog, Coppola und Lussier), deren visuelle Gestaltung, die Rolle der Frauenfiguren sowie die Darstellung von Tabuthemen wie Inzest und Homosexualität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeiten?
Dracula, Vampirismus, Sexualität, Hammer Films, Horrorfilm, Gender, Symbolik und Gesellschaftsanalyse sind die prägenden Begriffe.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Dracula bei verschiedenen Regisseuren?
Die Analysen zeigen einen Wandel von der exotischen, unheimlichen Adelsfigur (Lugosi) hin zu physisch attraktiven, zeitgenössisch wirkenden Verführern, wobei die Darstellung stets an die sozialen Konventionen der Entstehungszeit angepasst ist.
Welche Rolle spielt Van Helsing in den untersuchten Interpretationen?
Van Helsing wird als Repräsentant von Ordnung, Wissenschaft und patriarchaler Autorität interpretiert, der oft in einem autoritären und spannungsgeladenen Verhältnis zum "Unruhestifter" Dracula steht.
Wird die sexuelle Dimension explizit gezeigt?
Nein, die Autoren betonen, dass die sexuelle Dimension meist indirekt durch Symbolik und Codes vermittelt wird, da direkte Darstellungen oft durch die Zensurbestimmungen der jeweiligen Zeit verhindert wurden.
Warum wird die Rolle der Frau so stark hervorgehoben?
Die Frauenfiguren werden oft als die primären Opfer dargestellt, deren Transformation vom moralischen Ideal zum "lustvollen Biest" den sexuellen Erwachensprozess und den anschließenden Konflikt mit der moralischen Ordnung verdeutlicht.
- Arbeit zitieren
- Mandy Peschenz (Autor:in), Roman Büttner (Autor:in), Malte Kröger (Autor:in), 2013, Der Biss des Vampirs. Sexualität und Erotik in den Verfilmungen von „Dracula“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231826