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Die politische Ökonomie der Rentenpolitik. Der tschechische Sonderweg im Bereich der Rentenprivatisierung

Title: Die politische Ökonomie der Rentenpolitik. Der tschechische Sonderweg im Bereich der Rentenprivatisierung

Term Paper (Advanced seminar) , 2011 , 34 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christian Menz (Author)

Politics - Region: Eastern Europe
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Summary Excerpt Details

Bis Mitte der 1990er Jahre wurden Rentenreformen durch die post-kommunistischen Entscheidungsträger noch „bemerkenswert zurückhaltend“ (Götting 1998: 158) angegangen. Rentenprivatisierungen hätten für sie bis dato keine Rolle gespielt (vgl. Orenstein 2008: 905). Nichtsdestotrotz sind – mit Ausnahme von Tschechien und Slowenien – mittlerweile alle 2004 und 2007 der EU beigetretenen Staaten in MOE dem ungarischen Beispiel (1998) gefolgt und haben ihre Alterssicherungssysteme auf ein sog. ‚Mehrsäulensystem‘ umgestellt, d.h. das Umlageverfahren ergänzt und teilweise ersetzt durch private Pflichtversicherungen. Aber wodurch kann erklärt werden, dass in Tschechien bis zum heutigen Tag keine verpflichtende private Rentenversicherung eingeführt wurde? Können aus einer Analyse des tschechischen Sonderwegs eventuell Rückschlüsse gezogen werden auf den empirischen Erklärungsgehalt der bisher zum Großteil in OECD-Staaten entwickelten und empirisch „getesteten“ Wohlfahrtstaatstheorien? Wenn ja, welche? Um mögliche Antworten auf diese Fragen zu finden, wird im Rahmen dieser Untersuchung der „deviant case“ der tschechischen Rentenpolitik anhand einer theoriegeleiteten Einzelfallstudie untersucht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodik und Forschungsziel

3. Theorien der wohlfahrtsstaatlichen Entwicklung

3.1 Der Machtressourcenansatz

3.2 Die Parteiendifferentheorie

3.3 Politisch- institutionalistische Theorien

3.4 Einbettung in den sozioökonomischen und historischen Kontext

4. Fallstudie Tschechien

4.1 Kurzer Überblick über das tschechische Rentensystem

4.2 Phase I: sozial-liberale Reformpolitik unter Václav Klaus (1993-1996)

4.3 Phase II: Bestrebungen zur Erhaltung des Status Quo (ab 1997)

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Gründe für das Ausbleiben einer verpflichtenden privaten Rentenversicherung in der Tschechischen Republik, indem sie den "deviant case" des Landes anhand wohlfahrtsstaatlicher Theorien analysiert. Ziel ist es, kausale Mechanismen aufzudecken, die trotz internationaler Reformtrends zur Stabilität des bestehenden Rentensystems beigetragen haben.

  • Analyse wohlfahrtsstaatlicher Theorien (Machtressourcenansatz, Parteiendifferenztheorie)
  • Politischer Entscheidungsprozess in Tschechien (1993-2006)
  • Einfluss von Gewerkschaften und Zivilgesellschaft
  • Bedeutung institutioneller Faktoren und politischer Koalitionen
  • Vergleich der Rentenpolitik unter liberal-konservativen und sozialdemokratischen Regierungen

Auszug aus dem Buch

Die Bedeutung der Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft

Die Gewerkschaften waren die entschiedensten Gegner einer verpflichtenden kapitalgedeckten Rentensäule und traten stattdessen für eine Reform des Umlageverfahrens und die staatliche Förderung freiwilliger Zusatzversicherungen ein (Mácha 2002: 104, 108; Müller 1999a: 141). Parteipolitisch ungebunden, im Vergleich zu den anderen Staaten in MOE mit den höchsten Mitgliedszahlen und mit auch institutionell verankerten „extensive corporatist bargaining rights“ (Orenstein 1998) ausgestattet (aber ohne formale Vetopunkte), konnten die Gewerkschaften im Jahr 1990 vom damaligen Finanzminister Václav Klaus wichtige Konzessionen erreichen als Gegenleistung für Kompromisse in der Lohnpolitik und für Zugeständnisse zu dessen marktwirtschaftlichen Reformvorhaben (Haggard/Kaufman 2008: 323; Orenstein 1998; Vanhuysse 2006b: 1125; Večerník 2008: 504-505).

Obwohl es Klaus bis 1995 trotz seines entschlossenen Vorgehens nur teilweise gelang, diese institutionellen Rechte rückgängig zu machen, war den Mitgliedern der Böhmischen Mährischen Gewerkschaftskonföderation (ČMKOS) bewusst, dass sie durch mangelnde gewerkschaftliche Abgeordnete keinen unmittelbaren parlamentarischen Einfluss hatten und vollzogen daher einen Strategiewechsel. Anstatt weiterhin hauptsächlich auf die korporatistischen Einflusskanäle zu setzen, vollzog die ČMKOS durch die Wahl des Sozialdemokraten Richard Falbr zum neuen Vorsitzenden im März 1994 den Schulterschluss mit der bis dato bei Parlamentswahlen wenig erfolgreichen ČSSD und versuchte zudem, durch gezielten Lobbyismus und öffentliche Mobilisierungskampagnen gegen die Rentenreformen der Regierung ihre Machtressourcen zu erhöhen (Haggard/Kaufman 2008: 322; Myant et al. 2000: 729-730).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Forschungsgegenstand und stellt fest, dass Tschechien entgegen dem regionalen Trend keine verpflichtende private Rentenversicherung eingeführt hat.

2. Methodik und Forschungsziel: Dieses Kapitel erläutert das Forschungsdesign der theoriegeleiteten Einzelfallstudie unter Anwendung der "Process-Tracing"-Methode.

3. Theorien der wohlfahrtsstaatlichen Entwicklung: Es werden zentrale Theorien wie der Machtressourcenansatz, die Parteiendifferenztheorie und institutionelle Ansätze zur Erklärung wohlfahrtsstaatlicher Reformen vorgestellt.

4. Fallstudie Tschechien: Dieser Hauptteil analysiert die tschechische Rentenpolitik in zwei Phasen, geprägt durch die Regierungen unter Václav Klaus und später unter den Sozialdemokraten.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass primär innerstaatliche politische Akteure und Interessenkonstellationen den Reformpfad in Tschechien maßgeblich beeinflusst haben.

Schlüsselwörter

Rentenpolitik, Tschechien, Rentenprivatisierung, Umlageverfahren, Wohlfahrtsstaat, Machtressourcenansatz, Parteiendifferenztheorie, Gewerkschaften, Reformpolitik, Sozialdemokratie, transformation, institutionelle Faktoren, Rentenversicherung, Altersvorsorge, politische Ökonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die politische Ökonomie der Rentenreformen in Tschechien und erklärt, warum das Land trotz des Trends zur Rentenprivatisierung in Osteuropa an seinem staatlichen Umlagesystem festhielt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Wechselwirkungen zwischen politischen Akteuren, institutionellen Rahmenbedingungen, sozioökonomischen Faktoren und der Rolle internationaler Organisationen in der tschechischen Rentenpolitik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist die Identifikation kausaler Mechanismen, die dazu führten, dass Tschechien im regionalen Vergleich zu einer Ausnahme bei der Einführung kapitalgedeckter Rentensysteme wurde.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Untersuchung nutzt das Design einer strukturierten, fokussierten Einzelfallstudie unter Anwendung der "Process-Tracing"-Methode, um politische Prozesse über Zeiträume hinweg nachzuvollziehen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in zwei zeitliche Phasen: die sozial-liberale Reformpolitik unter Václav Klaus (1993-1996) und die Phase der Status-Quo-Erhaltung unter den nachfolgenden sozialdemokratischen Regierungen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die wichtigsten Schlagworte sind Rentenpolitik, Tschechien, Machtressourcenansatz, Rentenprivatisierung, Wohlfahrtsstaat und Transformation.

Welche Rolle spielten die Gewerkschaften bei der Rentenreform?

Die Gewerkschaften fungierten als entscheidende Gegner einer privaten Rentensäule und setzten durch ihre Mobilisierung und den Schulterschluss mit der Sozialdemokratie den strategischen Kontext für rentenpolitische Konzessionen.

Warum konnte Václav Klaus trotz seiner neoliberalen Ausrichtung keine Rentenprivatisierung durchsetzen?

Dies lag an einer Kombination aus knappen Regierungsmehrheiten, dem geschickten Ausspielen von Koalitionsinteressen, dem starken Widerstand von Gewerkschaften und der Rücksichtnahme auf wahltaktische Erwägungen.

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Details

Title
Die politische Ökonomie der Rentenpolitik. Der tschechische Sonderweg im Bereich der Rentenprivatisierung
College
University of Bremen  (Zentrum für Sozialpolitik (ZeS))
Course
"Vergleichende Sozialpolitik"
Grade
1,0
Author
Christian Menz (Author)
Publication Year
2011
Pages
34
Catalog Number
V232036
ISBN (eBook)
9783656480716
ISBN (Book)
9783656480600
Language
German
Tags
Europäische Sozialpolitik Europäische Integration Staatstätitgkeitsforschung Tschechien Esping-Andersen Sozialpolitik Wohlfahrtsstaat
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Menz (Author), 2011, Die politische Ökonomie der Rentenpolitik. Der tschechische Sonderweg im Bereich der Rentenprivatisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232036
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