Der Nahostkonflikt ist einer der ältesten und vielschichtigsten Konflikte weltweit und lässt sich in seiner ganzen Breite selbst in einem weit größeren Rahmen kaum zufriedenstellend untersuchen. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, sich in dieser Arbeit auf ein einzelnes Problemfeld zu beschränken, um es umfassend analysieren zu können. Vor allem in Hinblick auf einen möglichen israelisch-palästinensischen Frieden bieten sich hier zahlreiche Themenkomplexe an, etwa die Flüchtlingsfrage oder der Status von Jerusalem. Eine entscheidende Rolle bei der Suche nach einer dauerhaften Friedenslösung wird jedoch die israelische Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten mit all ihren Folgen spielen, denn „settlers and settlements in the occupied territories formed, and continue to form, one of the most important – if not the most important block on the road to Israeli-Palestinian coexistence on the macro-level.“ (Demandt 1996:99). Die Fragen die sich hieraus ergeben, liegen auf der Hand: Wie konnte sich der israelische Siedlungsbau in den 1967 besetzten Gebieten zu einem der größten Hemmnisse im aktuellen Friedensprozess entwickeln? Wie lässt sich das Dilemma der Siedlungen lösen? Diese Fragen gilt es in der vorliegenden Arbeit zu klären.
Zunächst soll jedoch kurz ein Ansatz für die Behandlung des Themas im Unterricht dargestellt werden, wobei der Schwerpunkt dieser Arbeit insgesamt eindeutig auf dem wissenschaftlichen Aspekt liegt und der didaktische Ansatz daher nur sehr knapp beschrieben wird. Anschließend folgt als Einstieg eine Untersuchung der israelischen Siedlungspolitik bis 2005, wobei hier der Schwerpunkt klar auf der Untersuchung der Frage, wie die Anfänge derselben aussahen, liegt. Im nächsten Kapitel soll speziell der israelische Rückzug aus dem Gaza-Streifen 2005 untersucht werden unter besonderer Berücksichtigung der Frage nach der Modellhaftigkeit der Evakuierung für zukünftige Räumungen. Das Thema der Extremisten unter den jüdischen Siedlern verdient eine gesonderte Behandlung, da es exemplarisch die Brisanz und – im wahrsten Sinne des Wortes – die Sprengkraft verdeutlicht, die diese Gruppierungen für die israelische Gesellschaft und den Friedensprozess allgemein haben. Im folgenden Abschnitt wird der aktuelle Stand der Siedlungspolitik seit 2005 reflektiert, bevor abschließend Lösungsmöglichkeiten und Perspektiven entwickelt und dargelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die israelische Siedlungspolitik im Unterricht – Didaktische Ansätze
3. Der israelische Siedlungsbau von 1967 bis 2005
4. Der Rückzug aus dem Gaza-Streifen – Modell für das Westjordanland?
5. Extremisten unter Extremisten – Gush Emunim, Hügeljugend und Jüdischer Untergrund
6. Gegenwart und Zukunft des israelischen Siedlungsbaus
6.1 Die israelische Siedlungspolitik seit 2005
6.2 Ausblick – Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die israelische Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten von 1967 bis 2008 und untersucht deren signifikante Rolle als eines der größten Hindernisse für den Nahost-Friedensprozess.
- Didaktische Ansätze zur Behandlung der Siedlungspolitik im Geschichtsunterricht.
- Die historische Entwicklung des Siedlungsbaus von 1967 bis 2005.
- Die Rolle radikaler Siedlergruppen wie Gush Emunim und der Hügeljugend.
- Die Analyse des Rückzugs aus dem Gaza-Streifen 2005 als mögliches Modell für das Westjordanland.
- Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten für den israelisch-palästinensischen Konflikt.
Auszug aus dem Buch
Der Rückzug aus dem Gaza-Streifen – Modell für das Westjordanland?
Im Gaza-Streifen wurde bald nach der Okkupation von 1967 auch Raum für den israelischen Siedlungsbau beansprucht. Anfang der 1970er Jahre wurde die erste Siedlung gegründet, seitdem stieg ihre Zahl und die ihrer jüdischen Bewohner stetig an. Und das ungeachtet der Tatsache, dass hier auf etwa ??? km² bereits ??? Palästinenser leben und diesen schmalen Streifen Land somit zu einem der am dichtesten besiedelten Landstriche der Erde machen. Bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts lebten ca. 8500 jüdische Siedler in 21 Siedlungen und nichts deutete darauf hin, dass sich dieser Status Quo in absehbarer Zeit ändern sollte.
Umso überraschender, dass Ministerpräsident Ariel Sharon 2004 ankündigte, den Gaza-Streifen einseitig zu räumen und die hier entstandenen Siedlungen vollständig aufzugeben. Dies ist zunächst einmal völlig unerwartet, da Sharon wie kein Zweiter das System der israelischen Siedlungsexpansion repräsentiert und als Landwirtschafts-, Verteidigungs- und Wohnungsbauminister über Jahrzehnte zu einem der glühendsten und einflussreichsten Unterstützer der Siedler wurde und maßgeblich dazu beitrug den Siedlungsbau in den okkupierten Gebieten voranzutreiben.
Dennoch setzte er die Räumung des Gaza-Streifens gegen den erheblichen Widerstand weiter Teile seiner eigenen Likud-Partei sowie der religiösen und ultrarechten Parteien durch, das Gesetz zur einseitigen Abtrennung vom Gaza-Streifen wurde in der Knesset mit großer Mehrheit verabschiedet. Die Siedler, erschüttert vom unerwarteten Richtungswechsel ihres einstigen Unterstützers, reagierten wie so oft in der Vergangenheit, wenn sie ihre Sache bedroht sahen: mit politischer Lobbyarbeit, Massendemonstrationen und einer enormen Verleumdungskampagne gegen Sharon. So verglichen Siedleraktivisten die Evakuierung „mit der Verfolgung der Juden während der Zeit des Holocaust“, Sharon selbst wurde „mit den Spitzen des Naziregimes gleichgesetzt“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beschreibt die Siedlungspolitik als zentrales Hindernis für den Frieden und legt die methodische Herangehensweise fest, die von didaktischen Ansätzen bis hin zu zukünftigen Lösungsmöglichkeiten reicht.
2. Die israelische Siedlungspolitik im Unterricht – Didaktische Ansätze: Das Kapitel erläutert, wie das Thema im Geschichtsunterricht genutzt werden kann, um Grundprobleme und Handlungsalternativen des Nahostkonflikts exemplarisch zu vermitteln.
3. Der israelische Siedlungsbau von 1967 bis 2005: Hier wird die Entwicklung der Siedlungspolitik von den Anfängen nach 1967 unter dem Alon-Plan bis hin zur Konsolidierung und dem Anstieg der Siedlerzahlen unter verschiedenen Regierungen nachgezeichnet.
4. Der Rückzug aus dem Gaza-Streifen – Modell für das Westjordanland?: Das Kapitel untersucht den israelischen Rückzug aus dem Gaza-Streifen 2005 und hinterfragt kritisch, ob dieser als Modell für zukünftige Evakuierungen im Westjordanland dienen kann.
5. Extremisten unter Extremisten – Gush Emunim, Hügeljugend und Jüdischer Untergrund: Es wird die Rolle radikaler Gruppierungen und Einzelpersonen analysiert, die maßgeblichen Einfluss auf die Siedlungspolitik und den Friedensprozess ausüben.
6. Gegenwart und Zukunft des israelischen Siedlungsbaus: Dieses Kapitel reflektiert den Status quo seit 2005, inklusive der Rolle der Sperranlage, und diskutiert Perspektiven und mögliche Lösungsansätze wie den Landaustausch.
6.1 Die israelische Siedlungspolitik seit 2005: Hier werden der fortgesetzte Siedlungsausbau unter Olmert, die Fragmentisierung des Gebiets und die demografische Entwicklung innerhalb der Siedlerschaft thematisiert.
6.2 Ausblick – Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten: Das Kapitel schließt mit einer Diskussion über mögliche politische Wege, wie etwa Referenden oder Landaustausch-Modelle, zur Überwindung der festgefahrenen Siedlungsproblematik.
Schlüsselwörter
Nahostkonflikt, Israel, Palästina, Siedlungspolitik, Westjordanland, Gaza-Streifen, Friedensprozess, Siedler, Gush Emunim, Außenposten, Besetzte Gebiete, Ideologie, Sicherheitserwägungen, Friedensplan, Land für Frieden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den Auswirkungen der israelischen Siedlungspolitik in den seit 1967 besetzten Gebieten und analysiert deren Einfluss auf den israelisch-palästinensischen Friedensprozess.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Genese des Siedlungsbaus, die Rolle ideologischer und radikaler Siedlergruppen, die Analyse des Gaza-Rückzugs von 2005 sowie die Untersuchung aktueller politischer Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu klären, wie sich der israelische Siedlungsbau zu einem der größten Hemmnisse im Friedensprozess entwickeln konnte und welche Möglichkeiten bestehen, dieses Dilemma zu lösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literatur- und Quellenanalyse, unter Einbeziehung zeitgeschichtlicher Berichterstattung, offizieller Dokumente und wissenschaftlicher Untersuchungen zum Siedlungsbau.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Siedlungspolitik, eine detaillierte Betrachtung extremistischer Siedlerbewegungen sowie eine kritische Analyse des aktuellen Standes seit 2005 unter Berücksichtigung von Rückzugsszenarien und Lösungsperspektiven.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Siedlungspolitik, Westjordanland, Friedensprozess, Radikalisierung, Besetzte Gebiete und geopolitische Strategien charakterisiert.
Wird der Rückzug aus dem Gaza-Streifen als Blaupause für das Westjordanland gesehen?
Der Autor hinterfragt diese Modellhaftigkeit kritisch und kommt zu dem Schluss, dass aufgrund der völlig anderen Dimensionen und der politischen Intentionen hinter dem Gaza-Abzug eine direkte Übertragung auf das Westjordanland eher theoretischer Natur ist.
Welche Rolle spielen radikale Siedlergruppen wie der Gush Emunim?
Diese Gruppen werden als einflussreiche Akteure beschrieben, die den Siedlungsbau maßgeblich geprägt haben, indem sie Fakten schufen, die Regierungen oft unter Druck setzten oder in ihrer Handlungsfähigkeit einschränkten.
- Quote paper
- Philipp Schmitz (Author), 2008, Der israelische Siedlungsbau in den besetzten Gebieten 1967 - 2008 und seine Folgen für den Friedensprozess, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232115